„Wo Sport beginnt und wo er aufhört, darüber werden wir uns wohl nie mehr verbindlich einigen können“
Um die These dieser Hausarbeit erarbeiten zu können, müssen zuerst für diese Arbeit verbindliche Definitionen erstellt werden. Im Folgenden werde ich auf die verschiedenen Begriffe Sport und Breitensport eingehen.
1.1 Definition Sport
Alle Menschen haben ein sehr unterschiedliches Verständnis des Begriffes Sport. Für einen Leichtathleten hat Motorsport nicht viel mit Sport in seinem Sinne zu tun und beim Schachspiel gehen die Meinungen noch weiter auseinander. Auch die Wissenschaft ist sich nicht einig, wenn es um die Definition von Sport geht.
“Sport ist die willkürliche Schaffung von Aufgaben, Problemen oder Konflikten, die vorwiegend mit körperlichen Mitteln gelöst werden. Die Lösungen sind beliebig wiederholbar, verbesserbar und übbar, und die Handlungsergebnisse führen nicht unmittelbar zu materiellen Veränderungen."
Nach dieser Definition von Volkamer sind die Hauptelemente des Sportes die Lösung von selbst geschaffenen Aufgaben auf Grund von körperlicher Anstrengung. Diese Lösung ist nicht einmalig, sondern öfters wiederholbar und führt zu keiner materiellen Veränderung.
Aber zu einer klaren Vorstellung von Sport führt diese Definition nicht. Der Landessportbund Niedersachsen ist in seiner Definition weitaus praxisorientierter:
„Motorische Aktivität
– Zum Sport gehört grundsätzlich die motorische Aktivität des Menschen.
– Diese Aktivität muss für den betreffenden Sport gekennzeichnet sein und ihn konstitutiv bestimmen.
– Die zugrunde liegende motorische Aktivität erfordert mindestens eine oder mehrere koordinative und konditionelle Fähigkeiten.
– Die motorische Aktivität ist auf den Erwerb, den Erhalt und/oder das Verbessern dieser Fähigkeiten ausgerichtet.
Grundsätze sportlicher Handlungen....
Inhaltsverzeichnis
1. WAS IST BREITENSPORT?
1.1 DEFINITION SPORT
1.2 DEFINITION BREITENSPORT
2. WAS MACHT DEN BREITENSPORT IN DEUTSCHLAND BESONDERS?
2.1 GESCHICHTE DES FREIZEITSPORTES
2.2 AKTUELLE SITUATION DES BREITENSPORTS
2.2.1 Aktuelle Situation im freiwilligem Sektor
2.2.2 Aktuelle Situation im kommerziellen Sektor
2.3 FAZIT
3. EIN INTERNATIONALES MODELL?
3.1 SPANIEN ALS INTERNATIONALER VERGLEICH
4. FAZIT
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Forschungsfrage, ob der Breitensport in Deutschland als internationales Modell dienen kann, indem sie die spezifischen geschichtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen des deutschen Sports analysiert und durch einen Vergleich mit Spanien kritisch hinterfragt.
- Definition der Begriffe Sport und Breitensport
- Geschichtliche Entwicklung des Sportvereinswesens in Deutschland
- Gegenüberstellung von freiwilligem Sektor und kommerziellen Fitnessangeboten
- Internationaler Vergleich der Vereinsstrukturen am Beispiel Spaniens
- Kritische Reflexion der Übertragbarkeit des deutschen Breitensportmodells
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Aktuelle Situation im freiwilligem Sektor
Nach Informationen des Deutschen Sportbundes gibt es im Jahr 2008 in Deutschland 91000 Vereine mit 27,3 Millionen Mitgliedern. Eine Studie des Instituts Arbeit und Technik untersuchte die Entwicklung des Breitensports, demnach treiben cirka 33,8 Millionen Erwachsene in Deutschland entweder im Verein oder in einer vergleichbaren Einrichtung Sport. Die wichtigsten Sportarten, im Verein praktiziert, sind trotz aller Gesellschaftstrends immer noch Fußball, Turnen, Tischtennis und Volleyball. 56.000 der Sportvereine bieten spezielle Angebote für Kleinkinder oder Kinder im Vorschulalter an; und 84.000 für Senioren über 60 Jahre. Auch 2,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund sind in Sportvereinen organisiert. Damit leisten die Sportvereine in Deutschland einen Teil zum Gemeinwohl. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass die Sportvereine in Deutschland durch Ehrenamtlichkeit geprägt werden. 2,1 Millionen Menschen engagieren sich in ihrer Freizeit ohne finanzielle Entschädigung aus Solidarität und Gemeinschaftssinn für „ihren“ Verein. Leider ist diese Zahl seit einiger Zeit leicht rückläufig, was zu starken personellen Problemen in den Vereinen führt.
Dazu kommt eine stagnierende Mitgliederzahl in den letzten Jahren. Der freiwillige Sektor im Bereich Breitensport hat also mit einigen Problemen zu kämpfen: Die Fluktuation beziehungsweise Stagnation im bereich der Vereinsmitglieder zehrt an der Basis der Vereine. Einige Großvereine entwickeln sich immer mehr zu Dienstleistern und dadurch geht der Verlust der Solidargemeinschaft einher. Außerdem stehen die sich wandelnden Bedürfnisse der Gesellschaft im Gegensatz zur Vereinspolitik und bedrohen die Effizienz des freiwilligen Sektors im Breitensport.
Zusammenfassung der Kapitel
1. WAS IST BREITENSPORT?: Dieses Kapitel legt die theoretischen Grundlagen fest, indem es den Sportbegriff sowie die Definition des Breitensports unter Berücksichtigung verschiedener wissenschaftlicher und praxisorientierter Perspektiven erarbeitet.
2. WAS MACHT DEN BREITENSPORT IN DEUTSCHLAND BESONDERS?: Hier werden die historischen Ursprünge und die aktuelle Situation des deutschen Sports beleuchtet, wobei der Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen dem freiwilligen Vereinssystem und dem wachsenden kommerziellen Fitnesssektor liegt.
3. EIN INTERNATIONALES MODELL?: In diesem Kapitel wird die Anwendbarkeit des deutschen Modells geprüft, indem anhand eines Vergleichs mit dem spanischen Vereinswesen signifikante Unterschiede in Organisation, Kultur und staatlicher Beteiligung aufgezeigt werden.
4. FAZIT: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Breitensport aufgrund seiner tiefen historischen und gesellschaftlichen Verwurzelung kein direkt übertragbares internationales Modell darstellt.
Schlüsselwörter
Breitensport, Freizeitsport, Sportverein, Deutschland, Spanien, Ehrenamt, Kommerzialisierung, Fitness, Vereinsstruktur, Sportgeschichte, Sportorganisation, Gemeinwohl, Individualisierung, Bewegungsverhalten, Gesellschaftstrends
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Besonderheiten des deutschen Breitensports und der Frage, inwieweit dessen Strukturen als Modell auf andere Länder übertragen werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die begriffliche Abgrenzung von Sport und Breitensport, die geschichtliche Entwicklung des Vereinssystems sowie die aktuelle Konkurrenz zwischen ehrenamtlichen Vereinen und kommerziellen Fitnessanbietern.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Hauptziel ist es zu klären, ob der Breitensport in Deutschland als ein "internationales Modell" fungieren kann oder ob er zu sehr in der nationalen Kultur und Geschichte verwurzelt ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse sowie einen länderspezifischen Vergleich zwischen Deutschland und Spanien, um strukturelle und gesellschaftliche Unterschiede herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition, eine Analyse der historischen und gegenwärtigen Lage des deutschen Sports sowie eine vergleichende Betrachtung der spanischen Vereinslandschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Breitensport, Sportverein, Ehrenamt, Kommerzialisierung, Sportgeschichte und Vereinsstruktur.
Wie unterscheidet sich der spanische Sektor vom deutschen?
Spanische Vereine weisen eine stärkere staatliche Finanzierung und Einflussnahme auf, haben eine geringere mittlere Mitgliederzahl und sind häufiger wettkampforientiert statt breitensportlich ausgerichtet.
Warum kommt die Arbeit zu dem Schluss, dass das Modell nicht übertragbar ist?
Die Autorin argumentiert, dass der deutsche Breitensport ein Ausdruck spezifischer historischer, sozialer und kultureller Bedingungen ist, die in jedem Land individuell gewachsen sind und sich daher nicht einfach globalisieren lassen.
- Citar trabajo
- Svenja Lis (Autor), 2009, Breitensport in Deutschland, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153672