Das 15. Jahrhundert war das Jahr der großen Entdeckung. Eine bedeutende Frage wurde gelöst, und zwar die der Gestalt der Erde und der Verteilung von Land und Wasser. Für die moderne Welt und deren Bewohner sind die heutigen geografischen Kenntnisse selbstverständlich, wobei man sich darüber im Klaren sein sollte, dass es mit viel Anstrengung und Zeit verbunden war, den heutigen Stand des Wissens zu erreichen. Der wohl bedeutendste Entdecker war Christoph Columbus.Mithilfe der spanischen Krone machte er eine Expeditionsreise auf dem westlichen Seeweg von Europa, um nach Ostasien zu gelangen. Sein Bestreben war, eine andere bzw. kürzere Route nach Indien zu finden, um somit eine neue Handelsroute zu ermöglichen. Die erste Reise startete er im August 1492 mit seinem Flaggschiff, der Karacke Santa Maria, sowie den beiden Karavellen Niña und Pinta. Im Oktober 1492 erreichten die Schiffe San Salvador. Auf der Weiterfahrt entdeckte er auch Kuba und Hispaniola, die zweitgrößte Insel der Antillen. 1493 kehrte Christoph Columbus schließlich nach Europa zurück. Er selbst war bis zu seinem Lebensende der Ansicht, auf dem Seeweg eine Route nach „Hinterindien“ entdeckt zu haben. Anders als oft behauptet, glaubte er nie, Indien selbst erreicht zu haben.Im Gegensatz zu den anderen Reisen war die erste mit bescheidenen Mitteln finanziert. Dazu gehörten auch die Expeditionsschiffe, die in vielen künstlerischen Darstellungen, Zeichnungen, Schulbüchern und Nachbauten dargestellt werden. Man erkennt auch, welche große Bedeutung den Schiffen bzw. der Santa Maria zugeschrieben wird, die in diesem wichtigen Ereignis ein zentraler Punkt sind, da ohne diese Mittel die Entdeckung nicht hätte gemacht werden können. Jedoch sind die Darstellungen und Nachbauten sehr vielfältig. In dieser Facharbeit soll versucht werden, ein genaueres Bild von den Expeditionsschiffen zu machen und diese zu rekonstruieren. Folgende Fragen sind zu klären: Mit was für Schiffen wurde die 1. Expeditionsreise gemacht? Welche Schiffe waren tatsächlich an der großen Expedition, der Entdeckung der Neuen Welt, beteiligt? Obwohl die Antwort recht einfach erscheint, gibt es keine einheitliche Darstellung bzw. keinen Nachbau. Die damit verbundenen Quellen sind im Verlauf der Arbeit zu analysieren, wobei die vorhandene Quellenproblematik näher zu erläutern ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Karacke und Karavelle
3.1 Die Quellenlage
3.2 Schriftliche Quellen
4.1 Santa Maria/„Nao“
4.2 Niña
4.3 Pinta
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Schiffe der ersten Entdeckungsreise von Christoph Columbus im Jahr 1492 – die Santa Maria, die Niña und die Pinta – anhand historischer Quellen und aktueller Forschungsergebnisse zu rekonstruieren. Dabei steht die Frage im Vordergrund, wie die tatsächliche Beschaffenheit dieser Schiffe ausgesehen haben muss, da keine originalen Baudaten oder authentischen Abbildungen existieren.
- Analyse und kritische Bewertung der verfügbaren Quellenlage
- Technischer Vergleich der Schiffstypen Karacke und Karavelle
- Detaillierte Untersuchung des Flaggschiffs "Nao" (Santa Maria)
- Rekonstruktion der spezifischen Eigenschaften der Schiffe Niña und Pinta
Auszug aus dem Buch
3.1 Quellenlage
Holz ist in der Archäologie ein sehr schwer zu konservierendes Naturprodukt und auch mit den heutigen Techniken ist es ein mühsamer Prozess (siehe Hansekogge). Deswegen ist es schwer, große Objekte wie ganze Schiffe zu erhalten und diese den nachkommenden Generationen zu übergeben. Auch wurde im Falle von Christoph Columbus zu spät erkannt, wie bedeutsam das Ereignis 1492 war. Die Quellen bezüglich der Entdeckung von Amerika waren entweder verloren gegangen oder sie waren völlig zerstört.
Es muss auch festgehalten werden, dass keine authentischen Abbildungen der drei Schiffe vorhanden sind, die 1492 von Palos ausliefen und am 12. Oktober des gleichen Jahres mit der Insel San Salvador den ersten Zipfel Amerikas entdeckten. Jedoch ist bei genauerer Analyse der Quellenlage eine Vielfalt von Abbildungen erkennbar, die von der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis ins 16. Jahrhundert führen. Insbesondere sind hier die Abbildungen von Benincasa 1482 und von Juan de la Cosa 1500, der auch Eigentümer der Santa Maria war, wichtige Hinweise. Mit solchen Quellen kann man die Schiffe, die Columbus 1492 benutzte, rekonstruieren.
Im Allgemeinen kann man die Quellen in zwei Kategorien unterteilen. Einmal in die bildlichen Quellen wie Gemälde, Stiche, Holzschnitte, Miniaturen (Modelle), Basreliefs und die auf allen Seekarten jener Zeit zu findenden Schiffsdarstellungen. Bei diesem Bereich ist Vorsicht geboten. Es gibt unterschiedlichste Darstellungen. Einige der Darstellungen sind sehr genau und detailgetreu und zeigen Fachwissen. Andere Darstellungen sind eher unter dem Aspekt künstlerischer Gestaltung einzuordnen und zeigen die Idee „Schiff“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung erläutert den historischen Kontext der Entdeckungsreise von 1492 und formuliert die Problemstellung bezüglich der Rekonstruktion der beteiligten Schiffe.
2. Karacke und Karavelle: Dieses Kapitel definiert und vergleicht die zwei zentralen Schiffstypen des 15. Jahrhunderts, die für die Entdeckungsfahrten von entscheidender Bedeutung waren.
3.1 Die Quellenlage: Hier wird die Problematik des Mangels an direkten Beweisen und zeitgenössischen Konstruktionsdaten sowie die Einordnung bildlicher Quellen analysiert.
3.2 Schriftliche Quellen: Dieser Abschnitt bewertet die Zuverlässigkeit des Tagebuchs von Christoph Columbus in der Abschrift von Las Casas als wichtigstes schriftliches Zeugnis.
4.1 Santa Maria/„Nao“: Es werden die technischen Daten, die Ausstattung und das Schicksal des Flaggschiffs unter seiner korrekten historischen Bezeichnung detailliert untersucht.
4.2 Niña: Dieses Kapitel widmet sich der Geschichte, Bauweise und den spezifischen Eigenschaften der Karavelle Niña.
4.3 Pinta: Hier wird die Pinta als das schnellste Schiff der Flotte hinsichtlich ihrer Konstruktion und Rolle bei der Landentdeckung beschrieben.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse über die Schiffstypen zusammen und resümiert die Möglichkeiten der historischen Rekonstruktion trotz unvollständiger Quellen.
Schlüsselwörter
Christoph Columbus, Entdeckungsreise 1492, Santa Maria, Nao, Niña, Pinta, Karacke, Karavelle, Schiffsrekonstruktion, historische Quellen, maritime Geschichte, Seefahrt, Schiffsbau, Bartolome de Las Casas, Mittelmeerraum.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem Versuch, die drei Schiffe der ersten Expeditionsreise von Christoph Columbus auf Basis der verfügbaren, teils lückenhaften historischen Quellen zu rekonstruieren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen sind der Vergleich der Schiffstypen Karacke und Karavelle, die Analyse von Bildquellen und die kritische Auseinandersetzung mit den überlieferten schriftlichen Tagebuchaufzeichnungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, ein möglichst präzises Bild der Santa Maria, der Niña und der Pinta zu gewinnen, um ihre Rolle und Beschaffenheit während der Entdeckung der Neuen Welt besser zu verstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse historischer Dokumente, Bilddarstellungen und literarischer Überlieferungen angewandt, um die verschiedenen Rekonstruktionsansätze zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Quellenlage sowie die spezifische Betrachtung jedes der drei Schiffe hinsichtlich technischer Daten und geschichtlicher Hintergründe.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schiffsrekonstruktion, quellenkritische Analyse, maritime Geschichte, die Schiffstypen Karacke und Karavelle sowie die Person Christoph Columbus.
Warum wird die Santa Maria im Text als „Nao“ bezeichnet?
Der Text stellt klar, dass der Name „Santa Maria“ erst nachträglich vergeben wurde und Columbus selbst das Schiff in seinem Tagebuch lediglich als „Nao“ bezeichnete.
Wie zuverlässig sind die verwendeten Quellen?
Die Quellenlage wird als problematisch eingestuft, da keine Original-Tagebücher existieren und Bildquellen oft künstlerisch verzerrt sind; dennoch werden sie als wichtige Indizien genutzt.
Welches der drei Schiffe war das schnellste?
Laut den Ausführungen im Text galt die Pinta als das schnellste der drei Schiffe der Columbus-Expedition.
Was passierte mit der Santa Maria nach der Expedition?
Das Schiff lief vor der Küste des heutigen Haitis auf eine Sandbank und wurde schließlich zerlegt, um das Holz für den Bau der ersten spanischen Siedlung zu nutzen.
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- Basay Ali (Author), 2010, Die Schiffe des Kolumbus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153703