Die Fortschritte der medizinischen Technik sind immer auch mit Folgen für die Arbeitsfelder und -inhalte der Pädagogik verbunden. Ein Beispiel, welches für die Arbeitsgebiete insbesondere der Sonderpädagogik von besonderer Bedeutung ist, ist die Pränatale Diagnostik, eine Methode, den Embryo oder Fetus bereits während der Schwangerschaft auf eventuelle Entwicklungsstörungen, Fehlbildungen oder (Stoffwechsel-) Erkrankungen hin zu untersuchen. Die vielfältigen Vorteile, die eine solche Methode mit sich bringt, wie v.a. größere Heilungschancen, sollten jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die frühzeitige Diagnose einer besonders schweren Krankheit auch zu einer frühen Entscheidung über Leben und Tod des Ungeborenen führen kann.
Die folgende Arbeit soll und kann sich nicht der Diskussion zum Thema Schwangerschaftsabbruch widmen. Denn die Diskussion über "Abtreibung" mündet in die umstrittene moralische Beurteilung dessen, wann das Leben eines Menschen beginnt. Die Pädagogik kann sich dieser Frage jedoch nicht verschließen, denn sie ist direkt hiervon betroffen und wird sich daher mit der Pränatalen Diagnostik an sich, deren Konsequenzen und Auswirkungen auf sonderpädagogische Berufe befassen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Schwangerschaft
1.1 Schädigung des Kindes
1.2 Erbkrankheiten
1.3 Abort und Frühgeburt
2 Pränatale Diagnostik und ihre Folgen
2.1 Schwangerenvorsorge
2.2 Methoden der Pränataldiagnostik
2.3 Akzeptanz des Kindes mit einer Behinderung
2.4 Behandlungsmöglichkeiten des Ungeborenen im Mutterleib
2.5 Schwangerschaftsabbruch
2.5.1 Medizinischer Eingriff
2.5.2 Rechtliche Grundlagen
2.5.3 Entwicklung der Schwangerschaftsabbrüche
3 Konsequenzen der Pränatalen Diagnostik
4 Auswirkungen der Pränataldiagnostik auf sonderpädagogische Berufe
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethische Vertretbarkeit und die praktischen Auswirkungen der Pränataldiagnostik auf den sonderpädagogischen Berufsalltag. Im Fokus steht dabei die Analyse, inwieweit moderne medizinische Diagnosemöglichkeiten tatsächlich Einfluss auf die Anzahl von Schwangerschaftsabbrüchen nehmen und welche Anforderungen sich daraus für die Beratung und Begleitung betroffener Familien ergeben.
- Grundlagen der pränatalen Entwicklung und mögliche Schädigungsfaktoren
- Methodische Vielfalt der pränatalen Diagnostik sowie deren medizinische Risiken
- Ethische und rechtliche Diskussion zum Thema Schwangerschaftsabbruch
- Rolle der Sonderpädagogik bei der Elternbegleitung und Frühförderung
Auszug aus dem Buch
Offene Fetalchirurgie
Im Jahre 1998 operierte der US-amerikanische Chirurg Michael Harrison erstmals einen Fötus im Mutterleib und konnte dadurch den Neuralrohrdefekt teilweise korrigieren, so dass bei dem Kind nach der Geburt deutlich geringere Fehlbildungen zu erkennen waren (vgl. Kohl, 2005). An dem Universitätsklinikum Bonn operiert Dr. Kohl ebenfalls Kinder mit Neuralrohrdefekten bereits im Mutterleib (vgl. ebd.).
Doch mittels offener Fetalchirurgie können nur einzelne Krankheitsbilder an spezialisierten Zentren behandelt werden. Eingriffe, die eine Öffnung der Gebärmutter erfordern, beschränken sich laut Schneider auf die „Entfernung von großen Steissteratomen, Teratom, Behebung obstruktiver Uropathie“ (Schneider, 1) und der Korrektur bei einer Zwerchfellhernie (vgl. ebd.: 10). Eine solche Zwerchfellhernie, bei der Magen, Leber, Milz und Darm durch ein Loch im Zwerchfell in die Brusthöhle eindringen und die Lunge zusammen drücken, tritt bei einem 2500 Babys auf (vgl. Kohl, 2005). Dadurch, dass die Organe aufgrund des offenen Zwerchfells auf die Lunge drücken, kann diese nicht arbeiten, das Baby bei der Geburt nicht atmen und droht zu ersticken (vgl. ebd.). Nach der Geburt ist es daher für jede Hilfe zu spät (vgl. ebd.). Die Zwerchfellhernie kann allerdings frühzeitig über Ultraschall erkannt werden. Kinderarzt Dr. Thomas Schaible von der Mannheimer Universitäts-Kinderklinik und Privatdozent Dr. Thomas Kohl, dem Leiter des Deutschen Zentrums für Fetalchirurgie und minimal-invasive Therapie am Universitätsklinikum Bonn führen medizinische Eingriffe am Ungeborenen im Mutterleib durch, „um das Leben des Ungeborenen mit einer lebensbedrohlichen Zwerchfellhernie zu retten“ (ebd.). Bisher hat Kohl etwa acht Ungeborene mit einer lebensbedrohlichen Zwerchfellhernie in der 30. bis 35. Schwangerschaftswoche im Mutterleib behandelt (vgl. ebd.).
Die Erfolgsrate der invasiven Eingriffe bleibt jedoch genauso begrenzt, wie die durch die Ethikkommissionen beschränkten Zulassungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Schwangerschaft: Dieses Kapitel erläutert die Phasen der menschlichen Entwicklung vor der Geburt und untersucht verschiedene endogene sowie exogene Faktoren, die zu Schädigungen des Embryos oder Fetus führen können.
2 Pränatale Diagnostik und ihre Folgen: Hier werden die gängigen Screening-Methoden der Pränataldiagnostik vorgestellt und kritisch beleuchtet, einschließlich der medizinischen Möglichkeiten zur intrauterinen Therapie und der rechtlichen Rahmenbedingungen von Schwangerschaftsabbrüchen.
3 Konsequenzen der Pränatalen Diagnostik: Das Kapitel befasst sich mit der psychologischen Bedeutung der Diagnose für die Elternbindung sowie der Notwendigkeit einer interdisziplinären Betreuung bei diagnostizierten Behinderungen oder Erkrankungen.
4 Auswirkungen der Pränataldiagnostik auf sonderpädagogische Berufe: Dieser Abschnitt beschreibt den Wandel der sonderpädagogischen Tätigkeitsfelder hin zur verstärkten Beratung und Vermittlung von Frühfördermaßnahmen für betroffene Familien.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit stellt fest, dass die Pränataldiagnostik eine ethisch neutrale Methode ist, deren Ambivalenz sich vor allem durch die menschliche Entscheidung zwischen Hilfeleistung und Abbruch begründet.
Schlüsselwörter
Pränatale Diagnostik, Sonderpädagogik, Schwangerschaftsabbruch, Embryonalentwicklung, Fetalchirurgie, Behinderung, Elternbegleitung, Frühförderung, Bioethik, Schwangerenvorsorge, Intrauterine Behandlung, genetische Defekte, Medizinische Indikation, Selbsthilfegruppen, Inklusion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet das Spannungsfeld zwischen medizinischem Fortschritt in der Pränataldiagnostik und den daraus resultierenden Folgen für die pädagogische Praxis sowie die ethische Auseinandersetzung mit dem Beginn menschlichen Lebens.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die biologische Entwicklung in der Schwangerschaft, die verschiedenen Methoden der Diagnostik, die rechtliche Situation bei Schwangerschaftsabbrüchen und die veränderten Aufgaben von Sonderpädagogen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel besteht darin zu prüfen, ob die Pränataldiagnostik tatsächlich einen Anstieg bei Schwangerschaftsabbrüchen verursacht und wie sonderpädagogische Fachkräfte betroffene Eltern professionell begleiten können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt einen hermeneutischen Ansatz in Verbindung mit der Auswertung statistischer Daten des Statistischen Bundesamtes, um Trends und Zusammenhänge evidenzbasiert darzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der pränatalen Entwicklung, die Analyse diagnostischer Verfahren, die Behandlungsmöglichkeiten im Mutterleib sowie eine differenzierte Betrachtung der Konsequenzen für die pädagogische Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pränataldiagnostik, ethische Ambivalenz, Sonderpädagogik, Elternberatung, Frühförderung und medizinischer Fortschritt definiert.
Kann die Pränataldiagnostik Krankheiten heilen?
Die Diagnostik selbst erkennt Krankheiten nur. Das Dokument zeigt jedoch auf, dass moderne Eingriffe wie die Laserchirurgie oder Medikamenteninjektionen eine intrauterine Therapie bereits im Mutterleib ermöglichen.
Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen pränataler Diagnose und Abbruchzahlen?
Nach Analyse der vorliegenden Daten lässt sich kein zwingender direkter Zusammenhang belegen, da die Mehrzahl der Abbrüche unter der 10. Woche erfolgt, wo nur begrenzte Diagnosemöglichkeiten bestehen.
- Arbeit zitieren
- Diplom-Pädagogin Nadine Janousek (Autor:in), 2007, Auswirkungen der Pränataldiagnostik auf sonderpädagogische Berufe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153784