Erwerbsarbeit und ihre verschiedenen Aspekte


Hausarbeit, 2010

16 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Verbindung zwischen Religion und Erwerbsstätigkeit nach M. Weber
1.1 Definition von „Geist“ des Kapitalismus
1.2 Einflüsse aus dem Calvinismus und der christlichen Askese

2. Aussichten der Vollbeschäftigung
2.1 Theorien zu Arbeitsmarktsituation
2.2 Eigene Überlegungen

3. Erwerbsarbeit und ihre Einfluss auf die Identität
3.1 Arbeit als Regulator der Zeit
3.2 Soziale Faktoren der Arbeit
3.3 Arbeit als bedürfniserfüllende Institution

4. Arbeit im Kontext der Anbieter und Nachfrager
4.1 Arbeit als Ware auf dem Arbeitsmarkt und dessen Folgen
4.2 Das Verhältnis der Anbieter und der Nachfrager
4.3 Auswirkung der Machtverhältnissen

Quellenverzeichnis

1. Verbindung zwischen Religion und Erwerbsstätigkeit nach M. Weber

Max Weber lebte in der Zeit von 1864 bis 1920 und war ein deutscher Soziologe und Nationalökonom, Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und der Deutschen Demokratischen Partei. Er war u. a. als Professor an der Universität in Wien, Heidelberg und Berlin tätig. Im Jahr 1911 begann er die Arbeit an den religionssoziologischen Studien, in denen er den Zusammenhang von Wirtschaftsform und religiöser Gesinnung untersuchte.[1]

1.1 Definition von „Geist“ des Kapitalismus

Zum Anfang seiner Studie versucht Max Weber den Begriff „Geist“ des Kapitalismus zu definieren und machte dabei klar, dass ein Begriff ein „historisches Individuum“ ist. Weiter sagte er „ er muss aus seinen einzelnen, der geschichtlichen Wirklichkeit zu entnehmenden Bestandteilen allmählich komponiert werden.“[2] und das es sich hier „nur eine provisorische Veranschaulichung dessen handelt, was hier mit dem „Geist“ des Kapitalismus gemeint ist“[3] Als die entnehmenden Bestandteile benutzte er die Aussagen von Benjamin Franklin und Jakob Fugger. Benjamin Franklin hob in seinen Texten hervor, welche Wichtigkeit das Geld für die Menschen hat. Er sagte, dass die Zeit und ein Kredit Geld ist, welches zeugungskräftige und fruchtbare Natur hat. Auch den Einfluss des Geldes auf das Verhalten der Menschen z.B. Fleiß, Mäßigkeit, Pünktlichkeit, hob er hervor. Weber sah darin nicht nur eine Lebenstechnik sondern eine Ethik. Für Jakob Fuggers kaufmännisches Geschick machte er seine ethisch geprägte Lebensweise mitverantwortlich und benutze dafür den Begriff „Geist des Kapitalismus“[4] Diese Eigenschaften sah Weber als nützliche Tugend welches auf den Gott zurückzuführen ist, der ihm dadurch zu Tugend bestimmen wollte. Die zentrale Aussage dieser Ethik besagt „der Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefangenen Genießens, so gänzlich aller eudämonistischen oder gar hedonistischen Gesichtspunkte entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, dass es als etwas gegenüber dem “Glück” oder dem “Nutzen” des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales.[5]

1.2 Einflüsse aus dem Calvinismus und der christlichen Askese

Im calvinistischen Prädestinationsglauben fand Weber die Bestätigung, dass Kapitalismus durch protestantische Ströme geformt war. Diesem Glauben nach, werden gewisse Menschen durch den Gott bestimmt und erhalten Gnade, während andere ewiger Verdammnis ausgeliefert sind.[6] Da die Auserwählen und die Verdammten zusammenlebten, und keiner wusste, welche Rolle ihn zugeschrieben ist, wurde dieser Gedanke entscheidend wenn es um die Bewertung des menschlichen Strebens ging. Der Erfolg dabei wurde als Beweis der eigenen Berufung gesehen und der Erwählung durch Gott. Der Beruf wurde als Medium genutzt um sich durch ihn als des Gottes Auserwählte zu demonstrieren. Die Arbeit diente auch des Gottes Ruhm zu fördern. Somit war sie als gottgewollt zu verstehen.[7] Daraus entstand der Gedanke, dass Arbeit in sich gut ist und der Erfolg positive Eigenschaften hat und immer geschätzt werden muss.

Weiterhin schreibt Weber „ Einer der konstruktiven Bestandteile des modernen kapitalistischen Geistes, und nicht dieses sondern der modernen Kultur: die rationale Lebensführung auf der Grundlage der Berufsidee, ist (…)geboren aus dem Geist der christlichen Askese.“[8] Die Askese brach aus den Mönchzellen heraus und wurde in das Berufsleben übertragen. „Indem die Askese die Welt umzubauen und in der Welt sich auszuwirken unternahm, gewannen die äußeren Güter dieser Welt zunehmende und schließlich unentrinnbare Macht über den Menschen…“[9] Diese Entwicklung ist aber nicht mehr so präsent, deswegen sagt Weber „als ein Gespenst ehemals religiöser Glaubensinhalte geht der Gedanke der „Berufspflicht“ im unseren Leben um.“ Somit bildet die Askese und protestantische Sicht, die im religiösen Glauben ihre Wurzeln hat, eine Grundlage. Auf dieser Grundlage bildete sich der kapitalistische „Geist“ der wiederum die heutige Sicht der Erwerbstätigkeit formte. Zum Schluss sagt Weber “Niemand weiß noch, wer künftig in jenem Gehäuse wohnen wird und ob am Ende dieser ungeheuren Entwicklung ganz neue Prophetien oder eine mächtige Wiedergeburt alter Gedanken und Ideale stehen werden…“[10]

2. Aussichten der Vollbeschäftigung

Eine wirtschaftliche Situation, in der das Produktionspotenzial einer Volkswirtschaft ausreichend genutzt wird und die Zahl der offenen Stellen mit der Zahl der Arbeitssuchenden übereinstimmt, so dass alle potenziellen Arbeitnehmer einen Arbeitsplatz finden können, wird Vollbeschäftigung genannt. Diese Situation wird bereits bei einer Arbeitslosigkeit von 2% als gegeben angesehen, da davon ausgegangen wird, dass Manche gerade ihren Arbeitsplatz wechseln.[11] Die Politik definiert eine Vollbeschäftigung als ein Hauptziel.

2.1 Theorien zu Arbeitsmarktsituation

Für die Mehrzahl der Menschen ist die unselbständige Erwerbsarbeit die einzige existenzielle Grundlage. Während in den Anfängen der Industrialisierung in Deutschland, also in der Zeit bis zu den Ölkrisen der 1970er Jahre die lebenslange Vollzeitarbeit mit Ihrer einfachen Erwerbsbiographie, also Ausbildung, Erwerbstätigkeit und Verrentung ohne häufiges Wechseln des Arbeitgebers, das idealtypische Bild des Normalarbeitsverhältnisses war, sprechen Galuske/Rietzke davon, dass an die Stelle der lebenslangen Vollzeitarbeit die flexible Beschäftigung tritt. Das heißt das Standardmodell “Normalarbeitsverhältnis“ läuft langsam aus. Das Normalarbeitsverhältnis zeichnet sich dadurch aus, dass es dauerhaft, Vollzeit, ausreichend entlohnt und sozialrechtlich geschützt ist. Es ist auch zu beobachten, dass diese Eigenschaften immer weniger zum Tragen kommen. Galuske/Rietzke stellen als Hauptursache der hohen Arbeitslosigkeit in erster Linie die Flexibilisierung der Erwerbsbiographien und die Wandlung der Arbeit dar. Sie geben an, dass die Anzahl der Normalarbeitsverhältnisse zurückgeht. So waren 1970 noch 84% und 1995 nur noch 56% der Arbeitsverhältnisse „Normalarbeitsverhältnisse“. Durch Deregulierung im Arbeitsrecht kommen immer mehr Modelle wie Leiharbeit, befristete Verträge und Teilzeitarbeit in Mode. Dadurch löst sich das Modell des Normalarbeitsverhältnisses auf. Als Beleg für die These vom absehbaren Ende der Lohnarbeit, beschreiben Galuske/ Rietzke, dass die Menge der gesellschaftlich notwendigen Arbeitszeit immer weniger wird. Anders gesagt, es wird, gemessen an den auf dem Arbeitsmarkt gehandelten Arbeitsstunden, immer weniger menschliche Arbeitskraft benötigt um Güter und Dienstleistungen zu produzieren.[12]

Müller dagegen sagt, dass die Arbeit nicht weniger wird, sondern weiter umverteilt wird. Arbeitskräfte werden in andere Branchen und Wirtschaftszweige umsteigen müssen. Gerade im sozialen Bereich werden benötigte Dienstleistungen zu bewältigen sein. So werden z. B. Schuklassen immer größer statt kleiner und durch die größer werdende Zahl älter werdender Menschen wächst auch die Zahl derer, die diese Menschen betreuen müssen.[13]

In der heutigen Realität sieht es wirklich so aus, wie Galuske/Rietzke erwähnen, dass der einzelne weniger arbeitet, die Arbeitszeit sich aber auf mehr Menschen verteilt.

[...]


[1] Vgl. http://agso.uni-graz.at/lexikon/klassiker/weber/49bib.htm Abruf 12.12.09

[2] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 30

[3] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 31

[4] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 33f

[5] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 35

[6] Vgl. Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 93

[7] Vgl. Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 101

[8] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 202

[9] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 204

[10] Weber, 1988, Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus in: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie S. 204

[11] Vgl. Bundeszentrale für politische Bildung: http://www1.bpb.de/popup/popup_lemmata.html?guid=9EYZ1B, Abruf am 21.12.09

[12] Vgl. Galuske, Rietzke, 2003, Arbeit: Eine multidisziplinare Einführung (…), Seite 17-26

[13] Vgl. Müller, 2004, Die Reformlüge, S.151-154

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Erwerbsarbeit und ihre verschiedenen Aspekte
Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V153813
ISBN (eBook)
9783640664498
ISBN (Buch)
9783640664177
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erwerbsarbeit, Max Weber, Vollbeschäftigung, Identitätsbildung, Anbieter-Nachfrager
Arbeit zitieren
Agnes Hecker (Autor), 2010, Erwerbsarbeit und ihre verschiedenen Aspekte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153813

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