Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Miscellaneous Topics

Interaktion und Kommunikation – Grundvariablen der Entwicklung

Zum Verhältnis von Interaktion, Kommunikation und behindernden Lebensbedingungen sowie Implikationen für die pädagogische Diagnose- und Förderarbeit

Title: Interaktion und Kommunikation – Grundvariablen der Entwicklung

Research Paper (undergraduate) , 2010 , 127 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Sebastian Schmid (Author)

Pedagogy - Miscellaneous Topics
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

„Alles was wir sind, sind wir in Kommunikation.“ Dieser Satz des deutschen Philosophen Karl Jaspers (zit. nach Fröhlich 1998, 22) markiert den Stellenwert, den die menschliche Kommunikationsfähigkeit im allgemeinen und die gesprochene Sprache im besonderen innerhalb der individuellen Lebensgeschichte jedes Einzelnen, aber auch in der Gesellschaft und generell in der menschlichen Zivilisationshistorie einnimmt. Auch Ausdrücke wie „Informations- oder Kommunikationsgesellschaft“ (Retter 2002, 10) belegen die außerordentliche Bedeutung und das global Konstituierende dieses Prozesses.
Der universelle Anspruch der Kommunikation resultiert aus der Tatsache, dass sowohl unsere persönliche Entwicklungsgeschichte wie auch unser gegenwärtiges Sein in hohem Maße durch soziale Erfahrungen und interpersonale Austauschprozesse bestimmt sind.
Die Charakterisierung des Menschen als „physiologische Frühgeburt“ (Portmann 1969, 58) weist beispielsweise auf die ausgeprägte Abhängigkeit von Bezugspersonen in der frühen Lebensphase hin.
Sozialisation und Erziehung als typisch menschliche Institutionen sind Ausdruck der gegenseitigen Interdependenz und können als solche wiederum nur vor dem Hintergrund kommunikativer Prozesse ablaufen. Denn eine humanitäre und dem demokratischen Menschenbild entsprechende Erziehung kann sich niemals durch aktives Tun auf der einen Seite und passives Erleiden auf der anderen auszeichnen, sondern geschieht auf der Basis gemeinsamer Verständigung, eines steten Aushandelns, der Arbeit an einer ‚gemeinsamen Daseinsgestaltung’. Sie ist ein ‚gegenseitiger Wandlungs- und Gestaltungsprozess’, der sich in ‚kreisförmigen interaktionalen Austauschprozessen’ vollzieht, an denen Erzieher und zu Erziehender gleichermaßen beteiligt sind (vgl. Kobi 2004, 73ff).

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsbestimmung: Was versteht man unter Kommunikation bzw. Interaktion?

2. 1 Alltagsverständnis von Kommunikation und damit verbundene Probleme

2. 2 Der Ansatz Watzlawicks

2. 2. 1 Begriffliche und wissenschaftstheoretische Grundlagen

2. 2. 2 Watzlawicks Verständnis von Kommunikation

2. 3 Der handlungstheoretische Ansatz

2. 4 Der Ansatz von Niklas Luhmann

2. 4. 1 Begriffliche und wissenschaftstheoretische Grundlagen

2. 4. 2 Kommunikation kommuniziert: Die Sichtweise der Systemtheorie

2. 5 Syntheseversuch

2. 5. 1 Die Voraussetzungslosigkeit von Kommunikation

2. 5. 2 Fazit

3 Differenzierter Blick auf die systemtheoretische Sichtweise

3. 1 Die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation

3. 2 Medien

3. 2. 1 Medium Sprache

3. 2. 2 Medium Sinn

3. 3 Struktur und Erwartung

3. 3. 1 Erwartungsaggregationen

3. 3. 2 Erwartungsunsicherheit

3. 3. 3 Entwicklung von Erwartungen und Normen

3. 4 Themen

3. 5 Interpenetration durch Synchronisation

3. 6 Inklusion/Exklusion

3. 7 Beobachtung

3. 8 Zusammenfassung

3. 9 Kritische Würdigung

4 Fachspezifische Erweiterungen und Ergänzungen systemtheoretischer Denkansätze

4. 1 Belastungen der Interaktion im Kontext geistige Behinderung im Hinblick auf systemtheoretische Gesichtspunkte

4. 2 Zu den Problemfeldern

4. 2. 1 Zur prinzipiellen Selbstreferenz

4. 2. 2 Zu den Medien

4. 2. 3 Probleme der Synchronisation

4. 2. 4 Zur Entwicklung

4. 2. 4. 1 Grundlagen und Voraussetzungen

4. 2. 4. 2 Stufen der kommunikativen Entwicklung

4. 2. 4. 3 Bedeutung der frühen Interaktion

4. 2. 4. 4 Merkmale und Elemente des frühen Dialogs

4. 2. 4. 5 Prodromale Fähigkeiten

4. 2. 4. 6 Individuelle Unterschiede und Besonderheiten

4. 2. 4. 6. 1 Sozial-kommunikative Unterschiede

4. 2. 4. 6. 2 Auswirkungen verschiedener (körperlicher) Einschränkungen

4. 2. 4. 6. 3 Einfluss von Schwierigkeiten in der Wahrnehmung

4. 2. 4. 7 Fazit

4. 3 Behinderung als Phänomen gestörter struktureller Kopplung

4. 4 Der Einfluss der sozialen Adresse

4. 5 Zwischenresümee: Agenda pädagogische Interaktion

5 Interaktionsanalyse – Weg zum gegenseitigen Verstehen

5. 1 Bedeutung des Verstehens

5. 2 Grundsätzliches zur diagnostischen Beobachtung

5. 3 Möglichkeiten der Interaktionsbeobachtung

5. 4 Die Interaktionsanalyse als diagnostisches Handwerkszeug

5. 4. 1 Videotechnik als Forschunginstrumentarium

5. 4. 2 Allgemeine Fragen der Analyse

5. 4. 3 Grenzen

5. 5 Forschungsgeschichtliche Entwicklung der Lehrer-Schüler Interaktion

5. 5. 1 Führungsstilforschung nach Lewin bzw. Tausch

5. 5. 2 Kausalattribuierung

5. 5. 3 Komplexe Ideen der Lehrer-Schüler Interaktion

6 Ausblick: Förderliches Verhalten der Bezugspersonen

7 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Interaktion, Kommunikation und behindernden Lebensbedingungen. Ziel ist es, systemtheoretische Ansätze für die sonderpädagogische Diagnose- und Förderarbeit fruchtbar zu machen, um die Interaktionsqualität im Unterricht zu verstehen und zu verbessern.

  • Grundlagen der Kommunikation und Interaktion (Watzlawick, Handlungstheorie, Luhmann)
  • Systemtheoretische Perspektiven auf Interaktionsprozesse im Unterricht
  • Kommunikation und Interaktion im Kontext geistiger Behinderung
  • Methoden der Interaktionsanalyse und diagnostischen Beobachtung
  • Förderliches Verhalten von Bezugspersonen und Interaktionsgestaltung

Auszug aus dem Buch

1 Einleitung

„Alles was wir sind, sind wir in Kommunikation.“ Dieser Satz des deutschen Philosophen Karl Jaspers (zit. nach Fröhlich 1998, 22) markiert den Stellenwert, den die menschliche Kommunikationsfähigkeit im allgemeinen und die gesprochene Sprache im besonderen innerhalb der individuellen Lebensgeschichte jedes Einzelnen, aber auch in der Gesellschaft und generell in der menschlichen Zivilisationshistorie einnimmt. Auch Ausdrücke wie „Informations- oder Kommunikationsgesellschaft“ (Retter 2002, 10) belegen die außerordentliche Bedeutung und das global Konstituierende dieses Prozesses.

Der universelle Anspruch der Kommunikation resultiert aus der Tatsache, dass sowohl unsere persönliche Entwicklungsgeschichte wie auch unser gegenwärtiges Sein in hohem Maße durch soziale Erfahrungen und interpersonale Austauschprozesse bestimmt sind. Die Charakterisierung des Menschen als „physiologische Frühgeburt“ (Portmann 1969, 58) weist beispielsweise auf die ausgeprägte Abhängigkeit von Bezugspersonen in der frühen Lebensphase hin.

Sozialisation und Erziehung als typisch menschliche Institutionen sind Ausdruck der gegenseitigen Interdependenz und können als solche wiederum nur vor dem Hintergrund kommunikativer Prozesse ablaufen. Denn eine humanitäre und dem demokratischen Menschenbild entsprechende Erziehung kann sich niemals durch aktives Tun auf der einen Seite und passives Erleiden auf der anderen auszeichnen, sondern geschieht auf der Basis gemeinsamer Verständigung, eines steten Aushandelns, der Arbeit an einer ‚gemeinsamen Daseinsgestaltung’. Sie ist ein ‚gegenseitiger Wandlungs- und Gestaltungsprozess’, der sich in ‚kreisförmigen interaktionalen Austauschprozessen’ vollzieht, an denen Erzieher und zu Erziehender gleichermaßen beteiligt sind (vgl. Kobi 2004, 73ff).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die fundamentale Bedeutung der Kommunikation für die menschliche Entwicklung, Sozialisation und Erziehung sowie die Relevanz dieser Themen für die Heil- und Sonderpädagogik.

2 Begriffsbestimmung: Was versteht man unter Kommunikation bzw. Interaktion?: Dieses Kapitel untersucht verschiedene wissenschaftstheoretische Ansätze zur Definition von Kommunikation und Interaktion, insbesondere die Modelle von Watzlawick, der Handlungstheorie und Niklas Luhmann.

3 Differenzierter Blick auf die systemtheoretische Sichtweise: Hier wird die systemtheoretische Sichtweise vertieft, indem Faktoren wie die Unwahrscheinlichkeit von Kommunikation, Medien, Erwartungsstrukturen und Synchronisation analysiert werden.

4 Fachspezifische Erweiterungen und Ergänzungen systemtheoretischer Denkansätze: Dieses Kapitel überträgt systemtheoretische Konzepte auf die Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung und beleuchtet spezifische Belastungen und Problemfelder in der Interaktion.

5 Interaktionsanalyse – Weg zum gegenseitigen Verstehen: Das Kapitel führt in die Interaktionsanalyse ein, stellt diagnostische Methoden vor und erörtert die forschungsgeschichtliche Entwicklung der Lehrer-Schüler-Interaktion.

6 Ausblick: Förderliches Verhalten der Bezugspersonen: Der Ausblick zeigt praktische Handlungsmöglichkeiten und Prinzipien für Bezugspersonen auf, um die Interaktionsqualität bei Menschen mit Behinderung zu verbessern.

7 Schlussbetrachtung: Die Schlussbetrachtung resümiert den Ertrag der systemtheoretischen Auseinandersetzung und betont die Notwendigkeit, Behinderung als Phänomen gestörter struktureller Kopplung zu begreifen.

Schlüsselwörter

Kommunikation, Interaktion, Systemtheorie, Niklas Luhmann, Sonderpädagogik, Behinderung, Interaktionsanalyse, Beobachtung, Autopoiesis, Sprachentwicklung, Erwartungsstrukturen, Soziale Adresse, Inklusion, Exklusion, Diagnostik

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Verhältnis von Interaktion und Kommunikation im Kontext von Erziehung und Unterricht, insbesondere unter Berücksichtigung systemtheoretischer Perspektiven und deren Anwendung in der Heil- und Sonderpädagogik.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Begriffsbestimmung von Interaktion und Kommunikation, systemtheoretische Erklärungsmodelle (Luhmann), die Bedeutung von Medien und Erwartungsstrukturen, sowie die Herausforderungen in der Interaktion mit Menschen mit geistiger Behinderung.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, durch eine systemtheoretische Fundierung ein tieferes Verständnis für Interaktionsprozesse im sonderpädagogischen Bereich zu schaffen und daraus diagnostische sowie förderpädagogische Handlungskonzepte abzuleiten.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Die Arbeit nutzt einen systemtheoretischen Analyserahmen zur theoretischen Durchdringung sowie Methoden der Interaktionsanalyse (z.B. videobasierte Beobachtung), um die Komplexität zwischenmenschlicher Austauschprozesse zu erfassen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Watzlawick, Handlungstheorie, Luhmann) dargelegt, gefolgt von einer Übertragung auf den Kontext geistiger Behinderung. Zudem werden konkrete Analysemethoden und forschungsgeschichtliche Aspekte der Lehrer-Schüler-Interaktion diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Kommunikation, Interaktion, Systemtheorie, Autopoiesis, Inklusion/Exklusion, soziale Adresse, Interaktionsanalyse und pädagogische Diagnostik.

Inwiefern beeinflusst Behinderung die Kommunikation nach Ansicht des Autors?

Der Autor versteht Behinderung als Phänomen gestörter struktureller Kopplung. Wenn Funktionen der Kommunikation durch Behinderung beeinträchtigt sind, entstehen Belastungen, die soziale Systeme strapazieren und die Gefahr einer Exklusion erhöhen können.

Warum ist das "Beobachten von Beobachtern" wichtig?

Da jede Beobachtung an eine eigene Systemgrenze gebunden ist (blinder Fleck), ist eine Beobachtung zweiter Ordnung notwendig, um eigene Annahmen und Unterscheidungen zu reflektieren und somit professionelle, unvoreingenommene Diagnosearbeit zu leisten.

Excerpt out of 127 pages  - scroll top

Details

Title
Interaktion und Kommunikation – Grundvariablen der Entwicklung
Subtitle
Zum Verhältnis von Interaktion, Kommunikation und behindernden Lebensbedingungen sowie Implikationen für die pädagogische Diagnose- und Förderarbeit
College
LMU Munich
Course
Geistigbehindertenpädagogik
Grade
1,0
Author
Sebastian Schmid (Author)
Publication Year
2010
Pages
127
Catalog Number
V153840
ISBN (eBook)
9783640663637
ISBN (Book)
9783640663972
Language
German
Tags
Interaktion Kommunikation Grundvariablen Entwicklung Verhältnis Interaktion Kommunikation Lebensbedingungen Implikationen Diagnose- Förderarbeit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Schmid (Author), 2010, Interaktion und Kommunikation – Grundvariablen der Entwicklung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153840
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  127  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint