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Zum Geschichtspolitischen Verständnis der „Weißen Rose“ und Sophie Scholl

Titel: Zum Geschichtspolitischen Verständnis der „Weißen Rose“ und Sophie Scholl

Hausarbeit , 2005 , 15 Seiten , Note: 2,7

Autor:in: Anonym (Autor:in)

Politik - Geschichte der politischen Systeme
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Peter Steinbach definiert Widerständler im Dritten Reich als jene, „[…] die sich persönlich
und häufig allein für sich selbst nationalsozialistischen Zumutungen an Geist, Vernunft und
Gefühl widersetzten, die geistige Freiheit des Glaubens, des wissenschaftlichen Arbeitens, des
künstlerischen Schaffens, der berufsspezifischen Ethik beanspruchten und dadurch
nationalsozialistischer Politik eine Grenze wiesen“ (Steinbach 2001, 66). Die Motive für den
Widerstand im Nationalsozialismus waren also vielfältig, was dazu führte, dass gegen Hitler
keine geschlossene Front von überzeugten Regimegegnern stand. Zudem war das Risiko nicht
nur für den einzelnen, sondern auch für seine Angehörigen äußert hoch, denn auf
„Vorbereitung zum Hochverrat“, „Feindbegünstigung“ und „Wehrkraftzersetzung“ stand
Freiheitsstrafe und im schlimmsten Fall die Todesstrafe. (Bald 2004b, 48)
Die tatsächlich aktiv gewordenen Widerständler wurden nach dem Ende des Zweiten
Weltkriegs mit Heldenmythen versehen und bekamen den Status von Märtyrern
zugeschrieben. Märtyrer zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie zu jeder Sekunde über die
symbolische Wirkung ihres Handelns im Klaren sind. Sophie Scholl, berühmtes Mitglied der
studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“, wusste, dass ihr Schicksal Bedeutung für
die wenigen hatte, die sich gemeinsam mit ihr dem NS-Terror widersetzten, aber auch für die
vielen, die nicht aktiv wurden.
In der Nachkriegszeit kreierte die geschichtspolitische Aufarbeitung von Widerstand unter
dem NS-Regime einen Heldenmythos, der besonders Sophie Scholl erfasste. Ihre
Sonderstellung scheint sachlich betrachtet wenig gerechtfertigt zu sein, da die Taten stets von
weiteren Mitgliedern der Gruppe mitgetragen, wenn nicht sogar initiiert wurden. „Die alte
Legende, mit dem Namen ‚Weisse Rose’ sofort und nur ‚Geschwister Scholl’ zu assoziieren,
als seien Hans und Sophie Scholl allein zentral für die Gruppe gewesen und als hätten sie die
‚Flugblätter der Weissen Rose’ verfaßt, hat eine lange Wirkungsgeschichte“ (Bald 2004, 16).
Es soll im Folgenden daher erörtert werden, inwieweit es gerechtfertigt ist, in Sophie Scholl
eine Schlüsselfigur des organisierten Widerstandes zu sehen. Dazu wird ihr biographischer
Hintergrund, die geschichtspolitische Relevanz der „Weißen Rose“ im Verlauf der letzen 60
Jahre, sowie die Sonderstellung von Sophie Scholl in der deutschen Erinnerungskultur
betrachtet.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Sophie Scholl – Die Biografie

3. Widerstand gegen das NS-Regime

3.1 Die „Weiße Rose“ um Sophie Scholl

3.2 Das Selbstverständnis der Gruppierung im Wandel

3.3 Wirken in Münchner Studentenkreisen

4. Geschichtspolitische Relevanz der „Weißen Rose“

4.1 Erste Phase: 1943-1948/49

4.2 Zweite Phase: 1948/49 bis 1955

4.3 Dritte Phase: 1955-1968

4.4 Vierte Phase: 1968-1988

4.5 Fünfte Phase: 1989 bis heute

5. Sophie Scholl – Der Mythos

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das geschichtspolitische Verständnis der studentischen Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ sowie die spezifische Rolle und Sonderstellung von Sophie Scholl innerhalb der deutschen Erinnerungskultur. Dabei wird analysiert, inwieweit die Heroisierung einzelner Akteure gerechtfertigt ist und wie sich die Rezeption des Widerstands über die letzten Jahrzehnte gewandelt hat.

  • Biografische Entwicklung von Sophie Scholl und ihr Weg in den Widerstand.
  • Strukturen und Selbstverständnis der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“.
  • Phasenmodell der geschichtspolitischen Rezeption von 1943 bis heute.
  • Die Entstehung und Pflege des Mythos „Sophie Scholl“.
  • Spannungsfeld zwischen moralischer Identifikationsfigur und politischem Handeln.

Auszug aus dem Buch

3.3 Wirken in Münchner Studentenkreisen

‚Mitglieder’ im Sinne einer organisieren Vereinigung gab es bei der ‚Weißen Rose’ nicht. „Die Gruppe hatte keine gemeinsame Identität stiftende Bennennung oder Parole. [...] Als Regime- und Kriegsgegner besaßen sie bemerkenswerte eigene Prägungen“ (Bald 2004, 19). Das Wirken der Gruppe entsprang gerade dieser besonderen Qualität des Netzwerkes, da es nicht auf starren Strukturen, sondern auf persönlichen Kontakten basierte. So konnten die gegenseitige Unterstützung und der Austausch über das Verständnis von Ethik und Politik in aktiven Widerstand umgesetzt werden.

Insgesamt sechs Flugblätter entwarfen und verteilten die Münchner Studenten, welche in einer präzedenzlosen Weise die NS-Obrigkeit kritisierten und den Aufstand gegen die Diktatur forderten. Immer wieder riefen sie in den sprachlich ausgefeilten Texten vor allem die Bildungselite dazu auf sich für den Widerstand zu entscheiden. Die religiösen Überzeugungen werden in ihrem vierten Flugblatt deutlich: „Hat dir nicht Gott selbst die Kraft und den Mut gegeben zu kämpfen? Wir müssen das Böse dort angreifen, wo es am mächtigsten ist, und es ist am mächtigsten in der Macht Hitlers“ (Scholl 1952, 102).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Thematik des Widerstands im Dritten Reich und Darlegung der zentralen Forschungsfrage zur geschichtspolitischen Rolle Sophie Scholls.

2. Sophie Scholl – Die Biografie: Überblick über die Lebensgeschichte und die ideologische Entwicklung von Sophie Scholl von ihrer Jugend bis zum Eintritt in den studentischen Widerstand.

3. Widerstand gegen das NS-Regime: Theoretische Einordnung des Widerstandsbegriffs und spezifische Analyse der Entstehung und Arbeitsweise der „Weißen Rose“.

4. Geschichtspolitische Relevanz der „Weißen Rose“: Detaillierte Darstellung der fünf Phasen der Rezeption des Widerstands in der deutschen Nachkriegsgeschichte.

5. Sophie Scholl – Der Mythos: Untersuchung der Faktoren, die zur Heroisierung Sophie Scholls beitrugen, sowie Analyse aktueller filmischer und medialer Darstellungen.

6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung des Scheiterns der Widerstandsaktion bei gleichzeitiger Hervorhebung der symbolischen Bedeutung für das kollektive Geschichtsbewusstsein.

Schlüsselwörter

Weiße Rose, Sophie Scholl, Widerstand, Nationalsozialismus, Geschichtspolitik, Erinnerungskultur, Heldenmythos, Märtyrer, Flugblätter, NS-Regime, moralische Integrität, studentischer Widerstand, politische Verantwortung, Rezeptionsgeschichte.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der geschichtspolitischen Wahrnehmung der „Weißen Rose“ und insbesondere der Rolle von Sophie Scholl in der deutschen Erinnerungslandschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Fokus stehen die Biografie Sophie Scholls, die Strukturen der Widerstandsgruppe, die historische Rezeption sowie die kritische Hinterfragung des Heldenmythos.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll erörtert werden, inwieweit die Stilisierung von Sophie Scholl zur Schlüsselfigur des Widerstands historisch haltbar ist und welche Faktoren diese Rezeption beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?

Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und wertet geschichtswissenschaftliche sowie biographische Quellen aus, um die Rezeptionsgeschichte in fünf Phasen zu gliedern.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die biografische Einleitung, eine Untersuchung des Widerstandskonzepts, die Darstellung der Gruppenstrukturen und eine detaillierte Phasenanalyse der öffentlichen Wahrnehmung.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Kernbegriffe sind Widerstand, Weiße Rose, Geschichtspolitik, Sophie Scholl und Erinnerungskultur.

Wie unterscheidet sich die wissenschaftliche Sicht von der populären Wahrnehmung?

Während die Öffentlichkeit Scholl oft als rein moralische Identifikationsfigur betrachtet, betont die Forschung die politische Intention und die Vielschichtigkeit des gesamten Gruppennetzwerkes.

Welche Bedeutung hatten die Verhörprotokolle für den Mythos?

Das Bekanntwerden der Gestapo-Verhörprotokolle trug paradoxerweise dazu bei, die Person Sophie Scholl durch ihre dort gezeigte Haltung als noch überragender darzustellen, statt den Fokus auf die gesamte Gruppe zu lenken.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zum Geschichtspolitischen Verständnis der „Weißen Rose“ und Sophie Scholl
Hochschule
Freie Universität Berlin
Note
2,7
Autor
Anonym (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V153849
ISBN (eBook)
9783640661312
ISBN (Buch)
9783640661381
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichtspolitischen Verständnis Rose“ Sophie Scholl
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Anonym (Autor:in), 2005, Zum Geschichtspolitischen Verständnis der „Weißen Rose“ und Sophie Scholl, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153849
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Leseprobe aus  15  Seiten
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