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Zeitzeugenschaft – im Hier und Jetzt? - Die Folterfotos von Abu Ghraib und der Krieg im Irak in der Wahrnehmung der Mediennutzer

Title: Zeitzeugenschaft – im Hier und Jetzt? - Die Folterfotos von Abu Ghraib und der Krieg im Irak in der Wahrnehmung der Mediennutzer

Term Paper , 2010 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Christian Undorf (Author)

Communications - Media and Politics, Politic Communications
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Wie und was behalten wir heute von den Ereignissen in der Welt um uns herum in Erinnerung, um es in (ferner) Zukunft einmal wiedergeben zu können? Denn sind wir nicht schließlich alle Zeitzeugen unserer Zeit? Auf dieser Fragestellung baut die Arbeit auf und rückt dabei insbesondere die Rolle der Medien in den Fokus: Denn sie sind es, die inzwischen zweifelsfrei unseren Alltag durchdringen und vielfach unsere Wahrnehmung von der zum großen Teil medial vermittelten Welt bestimmen: Als Kommunikationsmittel lassen sie uns so etwa weite Distanzen mühelos überbrücken und zum Beispiel per Telefon oder Internet Kontakt zu weit entfernt lebenden Bekannten in Krisenregionen aufnehmen. Als Informationsträger übermitteln sie uns in Bild und Ton Ereignisse wie die Terroranschläge auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001, die ansonsten außer unserer Reichweite lägen – und speichern diese zudem dauerhaft in Zeitungsarchiven oder dem World Wide Web. Ausgehend von diesem Bezugsrahmen soll zunächst ein mitunter schon als „althergebracht“ bezeichneter Medientypus untersucht werden: Das Bild bzw. genauer: das Foto. Anhand von Susan Sontags Überlegungen zu den aus dem US-Militärgefängnis Abu Ghraib aufgetauchten Folterfotografien soll der spezielle Fall beleuchtet werden, in dem die „Bildermacher“ bzw. Dokumentare zugleich auch die Täter, d.h. Verursacher des Dargestellten, sind.
Anschließend werden beispielhaft zwei Dienste des so genannten Web 2.0 thematisiert, dessen grundlegendes Merkmal die Nutzerinteraktivität ist: Der Videoplattform YouTube, auf der eine unüberschaubare Vielzahl von Videos zum Irak-Krieg zu finden ist – und zwar – wie zu zeigen sein wird – mit Inhalten und von Urhebern, wie sie zum Teil gegensätzlicher nicht sein könnten; sowie dem Micro-Blogging-Dienst Twitter, welcher zwar auf Prinzipien mündlicher Kommunikation beruht, zugleich aber jeden Tweet auch dauerhaft im Netz speichert und zugänglich macht. Was dies gerade für das Eintreffen besonderer Ereignisse bedeutet, soll trotz des erst „jungen“ Alters des Dienstes abschließend angedeutet werden und den Weg für einen Ausblick in die Zukunft ebnen.

Excerpt


Struktur des Inhaltsverzeichnisses

1. Einleitung

2. Susan Sontag und die Folterfotos von Abu Ghraib

2.1 Das Leiden anderer betrachten

2.2 Über die Signifikanz der Folterfotografien

2.3 Die Bilder verselbstständigen sich

3. Zeitzeugenschaft im Web 2.0

3.1 „Innenansichten“ des Irak-Kriegs auf YouTube

3.2 „Uploading dissonance“ – ausgewählte Beispiele

3.3 Die Augenzeugen „twittern“ in Echtzeit

4. Zusammenfassung und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die mediale Transformation von Zeitzeugenschaft unter dem Einfluss des Web 2.0, wobei analysiert wird, wie digitale Plattformen und von Akteuren selbst produzierte Bildinhalte die Wahrnehmung von Kriegsereignissen und die kollektive Erinnerung prägen.

  • Die mediale Wirkung der Folterfotos von Abu Ghraib nach Susan Sontag
  • Die Rolle der Videoplattform YouTube im Kontext des Irak-Kriegs
  • Das Konzept der "Dissonanz" bei usergenerierten Kriegsinhalten
  • Twitter als Echtzeit-Medium für zeitgenössische Zeugenschaft
  • Der Einfluss digitaler Medien auf die Glaubwürdigkeit und Struktur von Zeugenaussagen

Auszug aus dem Buch

2.2 Über die Signifikanz der Folterfotografien

Das Bild als Tat: Wie bereits zuvor angedeutet, handelt es sich bei den Aufnahmen von Abu Ghraib offensichtlich nicht um zufällig entstandene „Schnappschüsse“, sondern vielmehr um ganz gezielte Inszenierungen. Sie sind folglich nicht einfach nur Dokumentationen der Folter, sondern Folterwerkzeuge an sich. Bei entsprechendem Wissen über das islamische Recht, das vorherrschende Geschlechterverhältnis oder beispielsweise darüber, dass Hunde im Islam als Symbol des Unreinen verstanden werden, erschließt sich schnell und deutlich der systematische Einsatz der Kamera. Interessanterweise gibt Sontag dabei zudem zu Bedenken, dass die Bilder ihr volles Potenzial der Folter erst erreichen, wenn es auch Betrachter gibt, die durch das Foto Zeuge – und damit zugleich auch Komplize – des Folterakts werden. Denn für die Gefolterten wiege die Vorstellung, dass ein Dokument der aufgezwungenen „Todsünde“ existiert, was fortan jeder gewünschten Zuschauerschaft zugänglich gemacht werden kann und auch wird, schwerer als die eigentliche Folter in diesem Moment an sich (vgl. Paul 2005: 192f.; vgl. Sontag 2004: o.S.).

Das Bild als Botschaft: Anders als in früheren Kriegen stellen die Folterfotos nicht mehr nur „Trophäen“ für die Soldaten, d.h. Sammelobjekte für sich selbst, dar, sondern wurden gezielt in Umlauf gebracht und dazu zum Beispiel direkt vom Einsatzort aus vielfach per E-Mail verschickt (und wurden wahrscheinlich primär extra zu diesem Zweck angefertigt). Dies fügt den Opfern wie oben schon ausgeführt eine zusätzliche Dimension des Leids hinzu (vgl. Sontag 2004: o.S.).

Bilder im Hier und Jetzt: Eine weitere Besonderheit der Bilder ist, dass sie unmittelbar den Augenblick des Geschehens festhalten oder – wie Sontag formuliert – die „Arbeit der Folterknechte“ (ebd.). Da sich diese vor der Kamera außerdem gut gelaunt, meist mit einem Lächeln sowie Gesten wie dem nach oben gestreckten Daumen präsentieren, zeige den offensichtlichen Spaß der beteiligten Akteure und offenbare damit einen Zustand der moralischen Verwahrlosung. Sontag betont, dass zwei Dimensionen nun einmal nicht zu trennen seien: Der Horror, den die Bilder zeigen. Und der Horror, dass die Bilder überhaupt gemacht wurden (vgl. Paul 2005: 190; vgl. Sontag 2004: o.S.).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung etabliert den Stellenwert von Zeitzeugenberichten in der Geschichtskonstruktion und führt in die zentrale Problemstellung ein, wie mediale Vermittlung unsere Wahrnehmung und Erinnerung an gegenwärtige Ereignisse bestimmt.

2. Susan Sontag und die Folterfotos von Abu Ghraib: Dieses Kapitel analysiert anhand von Susan Sontags Thesen die Funktion und Signifikanz der in Abu Ghraib entstandenen Folteraufnahmen als neue, durch die Täter selbst produzierte "Beweisdokumente".

3. Zeitzeugenschaft im Web 2.0: Hier wird die Rolle des Web 2.0, insbesondere YouTube und Twitter, untersucht, um aufzuzeigen, wie Plattformen zur Nutzerinteraktivität die Kontrolle über die Informationsverbreitung im Kriegskontext dezentralisieren.

4. Zusammenfassung und Ausblick: Der Abschluss resümiert die Verschiebung der Machtverhältnisse bei der Informationsbeschaffung und diskutiert die daraus resultierenden ethischen Herausforderungen für die künftige Medien- und Geschichtswissenschaft.

Schlüsselwörter

Zeitzeugenschaft, Abu Ghraib, Susan Sontag, Irak-Krieg, Web 2.0, YouTube, Twitter, Bildtheorie, Fotografie, digitale Medien, kollektive Erinnerung, Kriegsberichterstattung, soziale Medien, Medientransformation, Authentizität

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie sich die Form der Zeitzeugenschaft durch moderne digitale Medien und die ubiquitäre Verfügbarkeit von Kameras verändert hat.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Medialisierung des Krieges, die Funktion von Bildern in sozialen Netzwerken und die Veränderung von Erinnerungskulturen durch usergenerierte Inhalte.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie digitale Kommunikation und Plattformen wie YouTube und Twitter das Verständnis von Zeitzeugenschaft prägen und inwiefern sie die gesellschaftliche Wahrnehmung von historischen Ereignissen beeinflussen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer medienwissenschaftlichen Analyse, die theoretische Ansätze, insbesondere von Susan Sontag, auf aktuelle Fallbeispiele des Web 2.0 anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert erstens die mediale Wirkung der Folterfotos aus Abu Ghraib und zweitens die Verbreitung und Rezeption von Kriegsvideos und Echtzeit-Kurznachrichten in digitalen sozialen Medien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Zeitzeugenschaft, Web 2.0, digitale Bildkultur, mediale Transformation und kollektive Erinnerung definiert.

Inwiefern beeinflussen die Abu-Ghraib-Fotos das Verständnis von "Zeitzeugenschaft"?

Die Fotos zeigen einen Wandel, bei dem die Täter selbst zu Dokumentaren werden, wodurch das Bild nicht nur Abbild eines Ereignisses, sondern zum aktiven Folterwerkzeug wird.

Wie verändert Twitter die Dokumentation von Ereignissen?

Twitter ermöglicht durch die Echtzeit-Funktion eine unmittelbare, parallele Berichterstattung zum Geschehen, die oft informeller und subjektiver als klassischer Journalismus ist.

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Details

Title
Zeitzeugenschaft – im Hier und Jetzt? - Die Folterfotos von Abu Ghraib und der Krieg im Irak in der Wahrnehmung der Mediennutzer
College
University of Bonn
Course
Mediale Transformation von Zeitzeugenschaft
Grade
1,3
Author
Christian Undorf (Author)
Publication Year
2010
Pages
25
Catalog Number
V153899
ISBN (eBook)
9783640660766
ISBN (Book)
9783640660964
Language
German
Tags
zeitzeugen zeitzeugenschaft folterskandal abu ghraib irak-krieg mediennutzung wahrnehmung susan sontag folterfotografien pressefoto web 2.0 youtube twitter augenzeuge warblog
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Christian Undorf (Author), 2010, Zeitzeugenschaft – im Hier und Jetzt? - Die Folterfotos von Abu Ghraib und der Krieg im Irak in der Wahrnehmung der Mediennutzer, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153899
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