Diese Hausarbeit analysiert die emotionalen Dynamiken in der politischen Kommunikation der Alternative für Deutschland (AfD). Im Mittelpunkt steht die Frage, welche politischen Emotionen die AfD nutzt, wie sie erzeugt werden und welche Rolle diese bei der Mobilisierung und Festigung ihrer Anhängerschaft spielen. Die Arbeit untersucht zentrale Mechanismen wie das "Wir gegen die"-Schema, den Einsatz von Humor und implizitem Hass sowie die Bedeutung sozialer Medien. Außerdem beleuchtet sie, wie tief verankerte gesellschaftliche Strukturen wie Rassismus und psychologische Phänomene wie "psychic-numbing" die Strategien der AfD unterstützen. Ergebnisse zeigen, wie die AfD durch affektive Dynamiken eine starke emotionale Bindung zu ihrer Anhängerschaft schafft und ihre politische Agenda vorantreibt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das kollektive „Wir“ bei der AfD
2.1 Affekttheorie
2.1.1 Die Nutzung von Humor
2.1.2 Hass als Grundlage für ein stärkeres Wir-Gefühl
2.1.3 Die Rolle des strukturellen Rassismus
2.2 Das Phänomen „psychic-numbing“
2.3 Die Rolle der sozialen Medien
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, wie die Alternative für Deutschland (AfD) gezielt politische Emotionen einsetzt, um ihre Anhängerschaft zu mobilisieren und zu festigen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, welche emotionalen Strategien angewandt werden, wie diese in der Kommunikation erzeugt werden und welche Rolle sie bei der Bildung kollektiver Zugehörigkeit im Kontrast zu ausgegrenzten Gruppen spielen.
- Analyse des „Wir gegen die“-Schemas und dessen affektiver Grundlage.
- Untersuchung der Rolle von Humor als Mittel zur Abwertung und Gemeinschaftsbildung.
- Die Funktion von implizitem Hass, maskiert als Liebe zum eigenen Land.
- Das psychologische Phänomen des "psychic-numbing" im Kontext der Flüchtlingspolitik.
- Die Bedeutung sozialer Medien als Resonanzraum für rechtsextreme Narrative.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Die Nutzung von Humor
Ein Beispiel im Hinblick auf die AfD stellt eine Wahlkampfveranstaltung der besagten Partei dar. Der Politikwissenschaftler Florian Spissinger unternahm eine ethnografische Beobachtung bei einer AfD-Wahlkampfveranstaltung in einem Stadtzentrum (vgl. ebd.: 14). Die Veranstaltung umfasste Reden von Lokal- und Bundespolitiker*innen, die verschiedene politische Thematiken wie die Finanzpolitik und den Ausstieg aus der Atomkraft kritisierten (vgl. ebd.: 15). Auffällig sei dabei das Gelächter aller Beteiligten gewesen, welches vor allem durch Reden über die Ansichten der politischen Gegner*innen zu einer affektiven Gemeinschaft verband (vgl. ebd.: 15). Ein noch größeres und länger anhaltendes Gelächter sei zudem durch Ausführungen einer Redner*in ausgelöst worden, die sich über die Finanzierung von Forschungsprojekten der Bundesregierung wie „gendersensible Rassismusforschung“ lustig machte (vgl. ebd.: 15). Dies diente dazu, sich gemeinsam, sowohl auf dem Podium als auch im Publikum, über andere Parteien lustig zu machen und somit auch ein starkes Wir-Gefühl zu erzeugen. Die Politiker*innen auf dem Podium erzeugen so das Gefühl einer affektiven Gemeinschaft, die durch geteilte politische Ansichten und gemeinsame Reaktionen verstärkt wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Nutzung politischer Emotionen durch die AfD ein und definiert die Fragestellung nach deren Einfluss auf die Mobilisierung und Festigung der Anhängerschaft.
2. Das kollektive „Wir“ bei der AfD: Dieses Kapitel analysiert theoretisch und praktisch, wie durch Emotionen wie Humor, Hass und psychologische Mechanismen eine starke Exklusion und Inklusion innerhalb der parteipolitischen Rhetorik erzeugt wird.
2.1 Affekttheorie: Hier wird die theoretische Basis erläutert, wie Affekte jenseits individueller Zustände als soziale und kulturelle Konstrukte Macht und kollektive Identitäten formen.
2.1.1 Die Nutzung von Humor: Das Unterkapitel verdeutlicht anhand von Veranstaltungsbeobachtungen, wie Humor strategisch zur Abwertung politischer Gegner und zur Erzeugung affektiver Gemeinschaft genutzt wird.
2.1.2 Hass als Grundlage für ein stärkeres Wir-Gefühl: Es wird untersucht, wie Hass als implizites Element dient, das oft als Verteidigung eigener Werte maskiert wird, um Zusammenhalt in der In-Group zu stiften.
2.1.3 Die Rolle des strukturellen Rassismus: Dieses Kapitel verortet Rassismus als verankerte gesellschaftliche Struktur und Strategie zur Sündenbock-Identifikation, die der AfD als Grundlage zur Mobilisierung dient.
2.2 Das Phänomen „psychic-numbing“: Es wird aufgezeigt, wie psychologische Mechanismen der Abstumpfung gegenüber menschlichem Leid instrumentalisiert werden, um exklusive Politik zu legitimieren.
2.3 Die Rolle der sozialen Medien: Das Kapitel beschreibt die Bedeutung digitaler Plattformen als ungefilterte Kommunikationskanäle, die eine neue Phase der rechtsextremen Mobilisierung ermöglicht haben.
3. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und bestätigt, dass die AfD durch komplexe Dynamiken zwischen affektiven Strategien, digitalen Medien und gesellschaftlichen Strukturen ein kohärentes System der Mobilisierung geschaffen hat.
Schlüsselwörter
AfD, politische Emotionen, Wir-Gefühl, Affekttheorie, Humor, Hass, Rechtspopulismus, soziale Medien, psychic-numbing, struktureller Rassismus, Mobilisierung, Identitätspolitik, Feindbilder, Wahlkampfkommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die emotionalen Kommunikationsstrategien der AfD und deren Beitrag zur Mobilisierung und Identitätsstiftung ihrer Anhänger.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Hauptthemen sind politische Affekttheorie, die Rolle von Humor und implizitem Hass, struktureller Rassismus, psychologische Abstumpfung und der Einfluss sozialer Medien.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist zu beantworten, welche politischen Emotionen die AfD nutzt, wie diese erzeugt werden und inwiefern sie zur Festigung der Anhängerschaft beitragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf Literaturanalyse, ethnografische Beobachtungen anderer Politikforscher sowie die Untersuchung von Reden und Kommunikationsstrategien der Partei.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung über Affekte, die Analyse von Humor- und Hassnarrativen, die Rolle des strukturellen Rassismus sowie die Bedeutung von digitalen Plattformen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Kernbegriffe sind affektive Dynamik, „Wir gegen die“-Schema, Populismus, digitale Mobilisierung und politische Rhetorik.
Warum wird Humor als politisches Werkzeug der AfD bezeichnet?
Humor wird als Mittel identifiziert, um politische Gegner zu erniedrigen und heikle Themen „versteckt“ anzusprechen, ohne direkt als hasserfüllt wahrgenommen zu werden.
Inwiefern beeinflusst das Phänomen „psychic-numbing“ die politische Agenda der Partei?
Das Phänomen beschreibt die abnehmende Empathie bei großen Opferzahlen, was die AfD nutzt, um restriktive Flüchtlingspolitiken zu rechtfertigen.
Welche Bedeutung haben soziale Medien für die heutige Strategie der Rechten?
Soziale Medien fungieren als Resonanz- und Vernetzungsraum, der eine direkte, ungefilterte Kommunikation mit potenziellen Wählern ermöglicht und zur Filterblasenbildung beiträgt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2024, Die Liebe zum Eigenen, Hass auf das Fremde. Emotionale Dynamiken in der Politik der AfD, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1539758