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Lebensmuster muslimischer Frauen im sudanesischen Niltal

Titel: Lebensmuster muslimischer Frauen im sudanesischen Niltal

Magisterarbeit , 1992 , 74 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: M.A. Alexandra von Bose (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Islam gilt als die sich am schnellsten ausbreitende Religion in Afrika. Besonders auf junge Leute übt er eine starke Faszination aus.

Die tiefe Enttäuschung über die herrschenden wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse, verbunden mit dem sich immer stärker äußernden Unmut über die westliche Vorherrschaft im weltpolitischen Geschehen, kann man als äußere Gründe für dieses Phänomen sehen. Dazu kommt die Kritik am Westen als "kulturzerstörerische Macht" und die Angst, von ihm überrollt zu werden.

Der wachsende Einfluß der Fundamentalisten stellt hierzu einen Gegenpol dar, denn er bietet die Einheit und das Selbstvertrauen einer starken Weltreligion.

Auch der Norden der Republik Sudan gehört zu den islamisierten Ländern Afrikas, da der die Politik und Gesellschaft bestimmende Norden des Landes islamisch ist. Der Norden forciert die Verbreitung des Islams in den Süden des Landes, was eine der Ursachen für den schwelenden Nord-Südkonflikt des Landes ist.

Mit dem Islam verändern sich die gesellschaftlichen Bedingungen, und ein anderes religiöses und politisches Weltbild tritt an die Stelle der bis dahin gültigen Ordnung. Von den veränderten gesellschaftlichen Bedingungen sind vor allem die Frauen betroffen, die sich durch die Islamisierung den vorwiegend patriarchalischen islamischen Machtverhältnissen beugen mußten.

Mit dieser Arbeit versuche ich, ein Stück Lebensgeschichte von Frauen in der Republik Sudan einzufangen und zu vermitteln. Natürlich kann dies nur ein ganz kleiner Ausschnitt der Lebensbedingungen sein, die sich nach den jeweiligen regionalen, sozialen und politischen Gegebenheiten sehr voneinander unterscheiden können.

Die strenge Geschlechtertrennung durch den Islam einerseits und vorislamische Traditionen andererseits hat im Niltal zu einer von der Männerwelt fast völlig getrennten Kultur der Frauen geführt. In der rigiden Durchführung der Geschlechtertrennung, auch von der Seite der Frauen, geht es wohl nicht um einen "Kampf der Geschlechter", sondern eher um die Betonung der eigenen Abgrenzung von den Männern.

Darin kann sich auch weibliches Selbstwertgefühl und nicht nur Unterordnung zeigen. Die Geschlechtertrennung muß also nicht nur als Polarisierung der Geschlechter aufgefaßt werden, sie kann vielmehr auch die Einordnung der "komplementären" Naturen in ein umfassendes Weltbild bedeuten.

Leseprobe


Gliederung

1. Einleitung

1.1 Zur Themenwahl

1.2 Überblick über die Region

1.3 Das sudanesische Niltal im Spannungsfeld zwischen Islam und Volksglauben

2. Aspekte des Frauenlebens in der islamischen Gesellschaft des Nordsudans

2.1 Der legale Status der Frau

2.2 Die Frau im Zentrum der Tugenden

2.2.1 Ird, der Anstand

2.2.2 Karama, die Würde

2.2.3 Scharaf, die Ehre

2.3 Ein Mädchen wird zur "Braut": Die Mädchenbeschneidung

2.3.1 Die Zirkumzision aus medizinischer Sicht

2.3.2 Soziale Aspekte

2.4 Sozialer Wandel in den Städten

2.5 Frauenbewegungen

3. Die Beziehung der Geschlechter

3.1 Der häusliche Innenbereich als Lebenssphäre der Frau

3.2 Die Familie

3.2.1 Die Ehe

3.3 Die Frau nach der Menopause: Mittlerin zwischen privater und öffentlicher Sphäre

4. Volksreligiöse Vorstellungen und Praktiken als Ausdruck einer weiblichen Gegenkultur - Dargestellt am Beispiel der Gaalijjin und der Schaikijja

4.1 Die Gaalijjin

4.1.1 Herkunft und Lebensraum

4.1.2 Spirituelle Kräfte und übermenschliche Wesen

4.1.2.1 Der "Böse Blick"

4.1.2.2 Muschahara: Die Gefahr für Frauen

4.1.2.3 Umm as Subjan: "Die Mutter der kleinen Kinder"

4.1.3 Die Heiligen: Mittler zwischen Gott und Mensch

4.2 Die Schaikijja

4.2.1 Der Zar

4.2.1.1 Die Schaicha

4.2.1.2 Phänomene der Besessenheit

4.2.1.3 Zar-Typen

4.2.1.4 Das Zar-Fest

4.2.2 Die Beziehung zwischen Zar und slam bei den Schaikijja

5. Konsequenzen

6. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Lebensbedingungen und Lebensmuster von Frauen in der traditionellen islamischen Gesellschaft des sudanesischen Niltals unter Berücksichtigung sozioökonomischer und historischer Faktoren. Das zentrale Ziel ist es, beispielhaft anhand der Stämme der Gaalijjin und Schaikijja aufzuzeigen, wie Frauen trotz islamischer Normen eine spezifische weibliche Kultur bewahren und welche Rolle volksreligiöse Praktiken dabei spielen.

  • Analyse des sozialen Status und der geschlechtsspezifischen Rollenverteilung in der nordsudanesischen Gesellschaft.
  • Untersuchung der Bedeutung der Mädchenbeschneidung und ihrer symbolischen Verankerung.
  • Erforschung des "zar"-Kultes als Mittel zur Bewältigung psychischer und sozialer Krisen sowie als weiblicher Freiraum.
  • Diskussion des Spannungsfeldes zwischen orthodoxem Islam und volksreligiösen Praktiken.
  • Einfluss von Urbanisierung und sozialem Wandel auf traditionelle weibliche Lebensentwürfe.

Auszug aus dem Buch

4.1.2.2 Muschahara: Die Gefahr für Frauen

Der Begriff muschahara läßt sich von dem arabischen Wort schahr, Neumond oder Monat, ableiten (s. El Tayib 1955: 146; Boddy 1989: 100; Kennedy 1978: 126; Boehringer-Abdalla 1987: 62). Mit muschahara werden Gefahren bezeichnet, für die Frauen in einem leicht verletzbaren Zustand besonders anfällig sind: "A basic idea of the customs associated with the terms is that if certain actions are engaged in before the appearence of the new moon (indicated the beginning of the lunar month), harm will befall an individual undergoing a `crisis' rite." (Kennedy 1978: 126)

Schwangere, Gebärende, gerade zirkumzisierte Mädchen und frisch verheiratete Frauen gelten als besonders gefährdet (s. Kennedy 1967: 688). Potentielle muschahara-Gefahren liegen für die Frauen der Gaalijjin in dem Anblick von Gold*, fließendem Blut, toten Lebewesen und in der Flußüberquerung (Boehringer-Abdalla 1987: 62).

Auch die Teilnahme an einer Beerdigung oder der Besuch eines Menschen, der gerade einem Begräbnis beiwohnte oder einen Toten sah, birgt die Gefahr von muschahara in sich (s. El Tayib 1955: 146). Eine weitere Gefahr kann das Hereinbringen von Messern, Rasierklingen und Auberginen** in den Raum, in dem sich eine gefährdete Frau befindet, sein (s. Boddy 1989: 101; Kennedy 1967: 688). Auch das Besuchen eines gerade beschnittenen Kindes oder das Helfen bei einer Geburt kann für eine Frau die muschahara-Gefahr mit sich bringen, da sie Blut sehen könnte (s. Kennedy 1967: 688), und das Blut Verletzbarkeit symbolisiert. Das fließende weibliche Blut demonstriert also gleichzeitig die weibliche Fruchtbarkeit (s. Boddy 1989: 100) und Gefahr. Das fließende Blut aus dem Genitalbereich der Frau bei Beschneidung, Heirat oder Geburt hat, in der Vorstellung der Gaalijjin, eine besondere Anziehungskraft auf "mächtige" und "launenhafte" Geister (s. Boehringer-Abdalla 1987: 63).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit erläutert die Bedeutung des Islam im Sudan und stellt die Forschungsfrage nach den Lebensmustern muslimischer Frauen im Niltal.

2. Aspekte des Frauenlebens in der islamischen Gesellschaft des Nordsudans: Dieses Kapitel analysiert den sozialen Verhaltenskodex, den Status der Frau, die Bedeutung der Mädchenbeschneidung sowie den sozialen Wandel in städtischen Gebieten.

3. Die Beziehung der Geschlechter: Hier wird die patriarchalische Struktur der Familie und die Trennung in eine weibliche Innen- und männliche Außensphäre sowie die Rolle der Frau nach der Menopause beleuchtet.

4. Volksreligiöse Vorstellungen und Praktiken als Ausdruck einer weiblichen Gegenkultur - Dargestellt am Beispiel der Gaalijjin und der Schaikijja: Das Hauptkapitel untersucht magische Praktiken, den Glauben an Geister wie den zar-Kult und die Rolle der schaicha als Strategie weiblicher Selbstbehauptung.

5. Konsequenzen: Die Autorin zieht Bilanz über die Wirksamkeit von Reformen und diskutiert die Widersprüche zwischen Tradition, gesellschaftlichem Druck und individueller Handlungsfähigkeit der Frauen.

6. Zusammenfassung: Abschließende Betrachtung der Rolle der Frau als Bewahrerin der Tradition innerhalb einer streng geschlechtergetrennten Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Sudan, Niltal, Islam, Frauenleben, Mädchenbeschneidung, Patriarchat, zar-Kult, Besessenheit, Volksglaube, Geschlechterrollen, Scharia, Soziologie, Ethnologie, weibliche Gegenkultur, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beleuchtet die Lebenswelt und die soziokulturellen Verhaltensmuster muslimischer Frauen im nordsudanesischen Niltal unter dem Einfluss von Islam und traditionellen Bräuchen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Feldern gehören die patriarchalische Familienstruktur, die Rolle der Ehre und Scham, die Zirkumzision und die Ausübung volksreligiöser Praktiken wie der zar-Kult.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Untersuchung zielt darauf ab zu zeigen, wie Frauen im Niltal ihre eigene Kultur gestalten und durch religiöse oder magische Praktiken innerhalb eines stark begrenzten Rahmens Handlungsspielräume erschließen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine ethnologische Studie, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und dem Vergleich von Feldforschungsdaten basiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Mechanismen, durch die Frauen ihren sozialen Status sichern, die Bedeutung der Beschneidung für die Heiratsfähigkeit und die Funktion des zar-Kultes als therapeutisches Ventil.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Nordsudan, Geschlechtertrennung, Weibliche Beschneidung, zar-Kult, Volksglaube und soziale Identität fassen die Arbeit prägnant zusammen.

Was ist die symbolische Bedeutung der "pharaonischen Beschneidung"?

Der Brauch dient nach der Vorstellung der Niltalbewohner dem Schutz der weiblichen Fruchtbarkeit vor bösen Geistern und dem Verschließen des "Hauses der Geburt", um die Ehre und den Status der Familie zu wahren.

Welche Rolle spielt die "schaicha" im zar-Kult?

Die schaicha fungiert als Anführerin des Kultes und Mittlerin zwischen Mensch und Geistwelt; sie diagnostiziert Besessenheit und leitet die therapeutischen Rituale, wodurch sie selbst einen prestigeträchtigen Status erlangt.

Warum wird der zar-Kult von Männern oft kritisch betrachtet?

Männer sehen im zar-Kult oft ein "Trickrepertoire" der Frauen, um finanzielle Mittel zu kontrollieren, und betrachten ihn zudem als unislamisches, gar abtrünniges Verhalten, das die soziale Ordnung gefährdet.

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Lebensmuster muslimischer Frauen im sudanesischen Niltal
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Historische Ethnologie Frankfurt Main)
Note
1,0
Autor
M.A. Alexandra von Bose (Autor:in)
Erscheinungsjahr
1992
Seiten
74
Katalognummer
V153987
ISBN (eBook)
9783640664962
ISBN (Buch)
9783640665211
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frauen im Islam Geschlechterrollen Genderforschung Sudan
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
M.A. Alexandra von Bose (Autor:in), 1992, Lebensmuster muslimischer Frauen im sudanesischen Niltal, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/153987
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  74  Seiten
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