Armut und soziale Ungleichheit in Lateinamerika

Wie beeinflussen sich wirtschaftliche Entwicklung und Einkommensungleichheit


Essay, 2010

8 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Wie beeinflussen sich wirtschaftliche Entwicklung und Einkommensungleichheit?

Was ist wirtschaftliche Entwicklung und wie wird sie bestimmt?

Die Bezeichnung „wirtschaftliche Entwicklung“ ist äußerst komplex. Meist werden mit ihr zunächst Begriffe wie Wachstum und Fortschritt assoziiert, tatsächlich umfasst wirtschaftliche Entwicklung jedoch vielmehr. Denn auch Faktoren wie das Humankapital, Gesundheit und Lebenserwartung der Bevölkerung, flächendeckende Infrastrukturen sowie die Qualität staatlicher Institutionen etc. bilden die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes ab. Zur Messung dieser Arten der wirtschaftlichen Entwicklung wurden allerdings andere Maßstäbe und Indizes, wie beispielsweise der Human Development Index (HDI) entwickelt (Willis 2005: 13). Die Beurteilung der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes wird dahingegen meist anhand des Bruttonationaleinkommens vorgenommen. Ist also von wirtschaftlicher Entwicklung die Rede, so ist damit größtenteils das Wachstum des Bruttonationaleinkommens gemeint (Crow et al. 2009: 1053).

Was ist Einkommensungleichheit und wie wird sie bestimmt?

Ein Land kann reich und doch von Armut innerhalb der Bevölkerung geprägt sein, wenn das Gesamteinkommen dieses Landes ungleich auf seine Bewohner aufgeteilt ist. Viele Länder in Lateinamerika erzielen ein wesentlich höheres Durchschnittseinkommen als beispielsweise Länder in Afrika (Cardoso/Helwege 1997: 236). Solche Länder würden in der Summe ausreichend Einkommen erwirtschaften, um ihrer gesamten Bevölkerung ein Leben außerhalb der Armutsgrenze zu ermöglichen. In der Realität jedoch strömt der Hauptteil des Gesamteinkommens häufig zu den reichen Bevölkerungsschichten. In diesem Fall läßt sich von einer Einkommensungleichheit sprechen.

Um zu beurteilen, wie hoch die Einkommensungleichheit eines Landes ist, wird häufig der von Corrado Gini entwickelte Gini-Koeffizient bzw. der Gini-Index heran gezogen (Willis 2005: 8). Der Gini-Koeffizient (bzw. Gini-Index) kann Werte zwischen Null und Eins (bzw. Hundert beim Gini-Index) annehmen. Ein Wert von Null steht dabei für eine absolut gleiche Einkommensverteilung (jedem Einwohner eines Landes kommt der gleiche Anteil am Gesamtvermögen zu), während ein Wert von Eins (bzw. Hundert) die absolute Ungleichheit beschreiben würde (das gesamte Vermögen eines Landes ist im Besitz einer einzigen Person) (Willis 2005: 9).

Ein anderes weit verbreitetes Maß der Einkommensungleichheit bietet das Verhältnis des Einkommens des reichsten Quintils der Bevölkerung zu dem des ärmsten Quintils (Cardoso/Helwege 1997: 236 ff). Die relative Einkommensgleichheit wird dementsprechend anhand des Einkommensanteils der mittleren drei Quintilie am Gesamteinkommen der Bevölkerung gemessen (Easterly 2002, S. 2).

Eine wichtige und strittige Frage bei der Messung und Beurteilung von Einkommensungleichheiten ist, welche Einkommensart betrachtet werden soll. Ob also zum Beispiel das gesamte Markteinkommen eines Landes oder das verfügbare Nettoeinkommen zum Vergleich herangezogen wird, spielt eine wichtige Rolle. Genauso sollte bedacht werden, nach welchen empirischen Methoden die entsprechenden Einkommensarten erhoben werden. Je nach Autor oder publizierender Institution kann es dabei zu erheblichen Abweichungen bei den jeweiligen Messerergebnissen kommen (Cardoso/Helwege 1997: 239).

Klassische Sichtweise

Vor allem in der Zeit der Postindustrialisierung waren einige Wissenschaftler der Ansicht, Einkommensungleichheit wirke sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes aus und führe zu Wachstum. Sie begründeten ihre Meinung darin, dass durch eine ungleiche Einkommensverteilung Kapitalströme und Ressourcen zu denjenigen Bevölkerungsschichten geleitet werden, deren marginale Sparneigung höher ist (Cardoso/Helwege 1997: 237; Easterly 2002: 2; Galor 2009: o. S.). Dadurch erhöhten sich nicht nur die Anreize überhaupt zu arbeiten sondern auch die Sparquote, Investitionstätigkeiten und Kapitalakkumulation, was wiederum zu mehr Wachstum führe (Galor 2009: o. S.). „Withouts the savings of the rich, inevstment would decilne“ (Cardoso/Helwege 1997: 237).

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Armut und soziale Ungleichheit in Lateinamerika
Untertitel
Wie beeinflussen sich wirtschaftliche Entwicklung und Einkommensungleichheit
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Lateinamerika-Institut)
Veranstaltung
Entwicklung und Verteilung in Brasilien im Vergleich
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
8
Katalognummer
V154028
ISBN (eBook)
9783640665419
ISBN (Buch)
9783640665334
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einkommensungleichheit, wirtschaftliche, Entwicklung, Kuznet, Kuznet-Kurve, Verteilung, Wachstum, Humankapital, Ungleichheit, Armut, Entwicklungsländer, Schwellenländer, Gini-Index, Gini-Koeffizient, Gini
Arbeit zitieren
Anja Zemlin (Autor), 2010, Armut und soziale Ungleichheit in Lateinamerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154028

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