„Können Formate wie „Die Super Nanny“ den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder hilfreich sein?“


Seminararbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

GLIEDERUNG

1. Einleitung

2. Erwartungen der Eltern von Erziehungsberatungen

3. Erfüllte Erwartungen oder Enttäuschung der Eltern?
3.1 Stellungnahmen von Verbänden
3.1.1. Auszüge aus den Stellungnahmen des Deutschen Kinderschutzbundes
3.1.2. Auszüge aus den Stellungnahmen der Deutschen Gesellschaft fürSystemische Therapie und Familientherapie zur RTL-Realityserie „Die Super Nanny“

4. Ist das Fernsehen für die Familienpädagogik lehrreich?
4.1. Welche Qualitäten sollte gutes Erziehungsfernsehen haben?

5. Zusammenfassung/Ausblick: Wie muss eine kompetente Elternbildung aussehen?
5.1. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Während des Blockseminars „Geschlechterverhältnisse und Fürsorgebeziehungen in populären Beratungssendungen“ und der näheren Betrachtung des Formats „Die Super Nanny“ (RTL) befassten wir uns mit dem Verstehen der objektiven Struktur solcher Formate. Das Fernsehen mit dem Kontext Familie hat momentan Hochkonjunktur und dient als Orientierungs- und Unterstützungshilfe.

„Die Tabuisierung und Marginalisierung von Themen, die konfliktfähig sind, verläuft über Techniken der Desymbolisierung, des Unbewusstmachens.“ (Prokop/Jansen 2006). Daher benutzten wir die Methode der psychoanalytischen Kulturanalyse (Tiefenhermeneutik). Wir versuchten die neuen Inszenierungen zu beschreiben (vgl. Prokop/Jansen 2006). Die tiefenhermeneutische Medienanalyse in Form eines Wahrnehmungsprotokolls, das die Wirkung der Wahrnehmung von jedem einzelnen wiedergab, half uns, unseren inneren Erlebnisstrom (Assoziationen, Emotionen, Gedanken) zunächst einmal festzuhalten (vgl. Prokop/Jansen 2006). In den von der Super Nanny besuchten Familien herrschte häufig Chaos, Hektik und Gewalt. Die Hintergrundmusik und das Schreien der Kinder und der Mutter verstärkten die Anspannung und Wut nur noch. Die Mutter wurde negativ wahrgenommen. Es herrschte kein körperlicher Kontakt zwischen Mutter und Kindern. Die Kinder sollten nur ständig etwas tun. Taten sie es nicht, setzte sich die Mutter nur noch mit Schlägen durch. Die Nanny hielt per Funk Kontakt zur Mutter und gab ihr Tipps. Dennoch scheint es, dass der Lerneffekt der Mutter, sofern es ihn gab, äußerst gering war. Die autoritäre Beratung fand in Form eines Frontalunterrichts statt, der wenig lehrreich für die Mutter war. Am Ende der Sendung verabschiedeten sich alle herzlich von der Super Nanny, Katja Saalfrank. Es war ein harmonisches Ende mit einer Dramaturgie aus Chaos und Harmonie. Die Harmonie setzt sich allerdings im Zuschauer nicht um.

Bei der Verarbeitung des Angebots bleibt den Rezipienten/innen nun die Frage, ob Formate wie „Die Super Nanny“ den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder überhaupt hilfreich sein können. Dieser Frage werde ich im Folgenden nachgehen.

Die Erziehung von Kindern ist in den letzten Jahrzehnten zu einem immer schwierigeren Thema geworden. Viele Eltern sind verunsichert darüber, was in der Erziehung wichtig ist und wie sie dies am Besten erreichen können. An das elterliche Erziehungsverhalten sind somit die Ansprüche und Erwartungen deutlich gestiegen. Die Erziehung von Heranwachsenden erfordert heutzutage mehr Fähigkeiten als früher. Eltern müssen beispielsweise die Fähigkeit mitbringen, sich ohne eindeutige Rezepte auf unterschiedlichste Erziehungssituationen offen einzulassen (vgl. Keupp 1997).

Aber auch soziale und materielle Lebensbedingungen vieler Eltern und Kinder sind im Zuge gesellschaftlicher Wandlungsprozesse unsicherer bzw. schlechter geworden, wodurch ein kompetentes erzieherisches Handeln weiterhin erschwert wird. Bei Familien und Kindern lassen sich steigende Scheidungszahlen, geringere Familiengrößen (mehr Einzelkinder), spätere Eheschließungen und eine wachsende Zahl allein erziehender Eltern feststellen. „Weiterhin erleben Kinder und Jugendliche in ihren zentralen Lebensbereichen vermehrt Diskontinuität und Ambiguität, die sie verunsichern.“ (Vossler 2005). Intime Beziehungen der Kinder sind häufig instabil und die familiären Konstellationen, in denen sie aufwachsen, erweisen sich häufig als zunehmend brüchig. Bereits im Grundschulalter sind Kinder schon einem Konkurrenzdruck ausgesetzt wodurch psychische Beeinträchtigungen wie etwa Hyperaktivität oder Leistungsschwierigkeiten auftreten können. Häufig sind sie emotional verunsichert oder sogar depressiv. Sie können die Leistungsanforderungen nicht erfüllen und reagieren mit Apathie, Resignation oder auch mit Aggressivität (vgl. Vossler 2005). Aus diesen Gründen ist die Erziehungsberatung wichtiger denn je.

Im Folgenden werde ich mich mit der Frage beschäftigen, was Eltern eigentlich von der „Super Nanny“ erwarten und ob diese Erwartungen auch erfüllt werden. Dabei werde ich auch auf Stellungnahmen von Verbänden eingehen. Danach widme ich mich der Fragestellung ob das Fernsehen überhaupt für die Familienpädagogik lehrreich ist und zum Schluss gebe ich einen kurzen Ausblick, in dem ich erläutere welche Qualitäten eine kompetente Elternbildung erfüllen sollte und ende mit einem Fazit.

2. Erwartungen der Eltern von Erziehungsberatungen

Die Probleme und Schwierigkeiten mit denen die Eltern und Familien an die Beratungsstellen herantreten werden immer komplexer und komplizierter (Deutscher Caritasverband 2000). „Die so genannten „Multiproblem-Familien“, bei denen Schwierigkeiten und Notlagen in verschiedenen Lebensbereichen zusammenkommen und sich gegenseitig verstärken, sind längst keine Seltenheit mehr im Beratungsalltag.“ (Vossler 2005).

Eltern haben mehr oder weniger konkrete Erwartungen und zum Teil auch konkrete Befürchtungen von Erziehungsberatungen (vgl. Kaisen 1996). Studien weisen nach, dass 50% der Klienten die Beratung mit Ängsten antritt (vgl. Straus et al. 1988; Lenz 1990). Sie zweifeln an der generellen Wirksamkeit der Beratung. Weiterhin haben sie Scham- und Versagensängste und die Befürchtung in der Beratung mit reiner Theorie und mit „akademischer“ Distanz behandelt zu werden (vgl. Vossler 2005).

Eltern wünschen sich von der Beratung konkrete Hinweise, Ratschläge und Verhaltensrichtlinien für die Erziehung ihrer Kinder (vgl. Frey 1991; Lang et al. 1997; Lenz 1994). Sie erwarten „Denkanstöße“, die sie in der Praxis umsetzen können. Sie wünschen sich, dass der Berater aufgrund seiner Fachkompetenz den Beratungsablauf bestimmt und ein engagiertes und freundlich-zugewandtes Gegenüber ist. Die Auseinandersetzung mit dem Anliegen soll im Fokus der Beratungen stehen. Spannungen innerhalb der Familie oder zwischen den Elternteilen sollen nicht thematisiert werden (vgl. Kaisen 1996).

Studien (vgl. Vossler 2003) zeigen, dass 68% der Hilfe suchenden Eltern mit konkreten Erwartungen zum ersten Beratungstermin kommen. 32% erwarten Lösungsmöglichkeiten für ihre Probleme aufgezeigt zu bekommen, 24% erwarten Hilfe und Unterstützung, 22% hoffen, dass sich die Probleme entspannen und verbessern mögen, 14% hoffen auf Entlastung durch die Gesprächsmöglichkeit in der Beratung und 10% haben den Wunsch, die Ursachen für ihre Probleme und Schwierigkeiten zu erfahren. „Nur wenige Klienten (6%) erwarten von der Beratung, dass sie selbst eine aktivere Rolle im Sinne einer „Hilfe zur Selbsthilfe“ einnehmen oder sich mit Denkanstößen aktiv auseinandersetzen würden.“ (Vossler 2003). 32% der Befragten erwarten eine „kindzentrierte“ Behandlung und 29% eine Elternberatung. Nur 5% erwarten, dass der Berater die beiden Vorgehensweisen verbindet oder die ganze Familie in das Beratungsgeschehen einbezieht.

Auch Beratungssendungen im Fernsehen geben Handlungsempfehlungen. Der wichtigste Handlungskontext ist hierbei die private Lebenswelt der Adressaten dieser Empfehlungen (vgl. Weiß et al. 1994). Sie erwarten, dass beim Einsatz der Empfehlungen sich der gewünschte Erfolg einstellt.

Fernsehsendungen haben entweder einen expliziten oder impliziten Beratungscharakter. Werden konkrete Handlungsanweisungen oder Empfehlungen gegeben, so hat die Sendung einen expliziten Charakter (z.B. „Die Super Nanny“: Die Super Nanny gibt den Müttern konkrete Ratschläge/Anregungen zur Erleichterung der Erziehung ihrer Kinder.). Können die Informationen der Sendung oder des Beitrags ohne expliziten Ratschlag praktiziert werden, so handelt es sich um einen impliziten Charakter (vgl. Weiß/Trebbe 1994). Ein Beispiel für einen impliziten Charakter ist folgendes: „Die Problematisierung von Schlägen als Mittel der Erziehung in einer Fernsehdiskussion könnte einzelne Eltern auch ohne ausdrückliche Empfehlung zur Änderung ihres Erziehungsstiles bewegen.“ (Weiß/Trebbe 1994).

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Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
„Können Formate wie „Die Super Nanny“ den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder hilfreich sein?“
Hochschule
Universität Kassel
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V154087
ISBN (eBook)
9783640666027
ISBN (Buch)
9783640666126
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Super Nanny, Erziehung, Fernsehformate, RTL
Arbeit zitieren
Hanna Martin (Autor), 2007, „Können Formate wie „Die Super Nanny“ den Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder hilfreich sein?“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154087

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