Romuald von Ravenna und seine Eremiten im Spiegel der Ostmissionierung

Werkzeug der Christianisierung oder selbst gewählte Bürde?


Seminararbeit, 2010

25 Seiten, Note: 2,3


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Gliederung

1. Einleitung

2. Quellenkapitel
2.1. Hagiographische Quellen
2.2. Die ,,Vita beati Romualdi"
2.3. Die ,,Vita quinque fratrum"
2.4. Die Briefe des Petrus DamianiNr. 18 u. 50
2.5. Die ,Annales Camaldulenses Ordinis SanctiBenedikti"

3. Haupteil
3.1. Das Leben des Romuald und die Entstehung dessen Reformgedanken
3.2. Organisation und Lebensweise der Eremiten
3.3. Die Eremiten in Verbindung des Missionsgedanken unter Einfluss Ottos III.
3.4. Werkzeug der Christianisierung oder selbst gewahlte Burde?

4. Schluss
4.1. Zusammenfassung und Fazit

5. Anhang
5.1. Quellenverzeichnis
5.2. Literaturverzeichnis
5.3. Abbilder und Bildnachweis

1. Einleitung

Der christliche Glaube war das pragende und uber allem stehende Denken des Mittelalters, welches samtliche Schichten von Arm bis Reich durchdrang.[1] Somit ist das Christentum fur das Verstandnis dieser Zeit und daraus bedingt auch fur das Verstandnis unserer eigenen Kultur unabdingbar. Einher mit dieser Thematik geht die Christianisierung der europaischen Welt, die es daher verdient, naher betrachtet zu werden. Ich werde mich in dieser Arbeit nur mit einer kleinen Episode der lateinisch- romischen Christianisierung beschaftigen, welche sich kurz nach der Jahrtausendwende ereignete. Im Zentrum meiner Betrachtung steht der Missionsversuch der Eremiten um Romuald von Ravenna. Ich gehe davon aus, dassjedem Leser dieser Arbeit die hohe Bedeutung des Christentums fur das gesamte Mittelalter, bewusst ist. Dies gilt es immer im Gedachtnis zu behalten, denn nur dadurch sind die meisten Handlungen der historischen Personlichkeiten zu verstehen. Zu Beginn werde ich mich im Quellenkapitel mit den wichtigsten Quellen befassen, da diese die Grundlage einerjeden wissenschaftlichen Arbeit sein sollten. Jedoch ist es zuvor unabdingbar, sich kurz mit dem Begriff der Hagiographie auseinander zu setzen. Darauf folgt eine Betrachtung des Lebens von Romuald, denn dies ist meines Erachtens wichtig, um danach die Organisation und Lebensweise der Romualdiner skizzieren zu konnen und zu verstehen. Dem schliefit sich eine Darlegung der Slawenmission durch Brun-Bonefatius von Querfurt, Benedikt von Benvent und Johannes an. Naturlich werde ich unter diesem Aspekt das Einwirken von Otto III. (imp. 996-1002) und Boleslaw Chrobry (992-1025) berucksichtigen. Im letzten Teil dieser Hausarbeit werde ich versuchen, die Romualdiner von der Slawenmission zu trennen, um die These einer camaldulensischen Mission von Jurgen Sydow zu widerlegen.[2]

Diese Arbeit soll als eine Art Gegendarstellung zu Sydows These verstanden werden, da seit 1973 keine entsprechenden Antworten in der deutschen Forschung zu finden sind.[3] Als Grundlage dieser Arbeit diente mir unter anderen auch Walter Franke, jedoch stammte sein Werk[4] aus dem Jahr 1913 und wurde von mir entsprechend kritisch betrachtet, um die Aktualitat zum heutigen Forschungsstand zu gewahrleisten. Leider muss ich an dieser Stelle von einer Darlegung des aktuellsten internationalen Forschungsstandes absehen, da ich die notwendigen Sprachkompetenzen in Franzosisch, Polnisch und Italienisch noch nicht ausreichend besitze und der grofite Anteil der Fachliteratur in Italienisch verfasst wurde. Daher sei mir hier gestattet, auf die wichtigste Literatur im Anhang zu verweisen.

2. Quellenkapitel

2.1. Hagiographische Quellen

Ausgehend vom Wort, welches sich in griechisch ,,hagios" (heilig) und „graphein" (schreiben) unterteilt, wird die Hauptaufgabe dieser Gattung schon ersichtlich. Es handelt sich hierbei um eine Beschreibung vom Leben und Wirken heilig gesprochener Personen. Die Hagiographie ist eine typisch christliche Quellengattung mit dem Ursprung in christlicher Heiligen- und Reliquienverehrung. Diese Quellengattung erzielte die weiteste Verbreitung unter den erzahlenden Quellen des Mittelalters und lasst sich wiederum in 3 Typen unterteilen: Vita, Miracula und Translationsbericht. Im Kontext dieser Arbeit interessieren uns besonders die Viten, die das Leben (Herkunft, Geburt, Kindheit, Ausbildung, Tugenden, Frommigkeit, Wirken, Tod und Wunder) von Heiligen beschreiben. Viten sind als Sonderformen der mittelalterlichen Historiographie zu verstehen, da ihre historischen Beschreibungen ungenau und teils gar zweifelhaft sind, aber von dem Menschen des Mittelalters als wahr empfunden worden und somit an die beschriebenen Wunder geglaubt wurde. Weiterhin verfolgen sie meist gewisse ethisch-moralische Zwecke, die der Autor in ihnen darlegte und mussen daher als Gebrauchsschriften verstanden werden. Sie dienten der Erbauung und Belehrung von Monchen und Klerikern, aus diesem Grunde wurden sie als ,,Legenda" in Messen und bei den gemeinsamen Mahlzeiten vorgelesen. Ebenfalls wichtig ist, dass die Vita dem Kult des Heiligen der eigenen Kloster und Kirchen von Nutzen war. Aus diesem Grunde sollte man keine Kritik an den Heiligen oder an ihrem Handeln in einer Hagiographie erwarten.[5]

Es kam wahrscheinlich eher dazu, dass man unangebrachtes Handeln verschwieg und ihnen Handlungen zusprach, welche nicht der Realitat entsprachen, aber die sie als heilig-christliche Personlichkeit aufwerteten.

Zusammenfassend lasst sich sagen, dass in einer Heiligenvite das Leben und Wirken der zu beschreibenden Personen aufierst positiv und teilweise verzerrt dargestellt wurde. Ebenfalls waren sie abhangig von den politischen Intentionen des Autors. Somit muss jede Hagiographie aufierst kritisch betrachtet werden, um historisch relevante Nachrichten heraus filtern zu konnen. Dies geht freilich am besten durch eine Gegenuberstellung von mehreren Quellen zum selben Thema.

2.2. Die „Vita beati Romualdi"

Diese Vita verfasste Petrus Damiani, welcher Ende 1006 Anfang 1007 in Ravenna geboren wurde (| 1072).[6] Nach dem fruhen Tod seiner Eltern wurde er vermutlich von einem alteren Bruder (Mainfred), der bereits Priester war, erzogen. Damianis Ausbildung erfolgte in den ,,artes liberales" und den Rechtswissenschaften in Ravenna, Faenza und Parma. Danach berief man ihn zum Lehrer der Rhetorik, wahrscheinlich in Ravenna.[7] Nach einer Begegnung mit zwei Eremiten aus Fonte Avellana, trat er 1036 injene Einsiedelei ein[8] und wurde bereits 1040/41 mit der Reformierung des Klosters San Maria di Pomposa und 1041/42 des Klosters San Vincenzo di Petra Pertusa beauftragt. In diesen Zeitraum, also 1041/42, fallt die Ausfertigung der ,,Vita beati Romualdi". Nach Damianis eigenen Aussage entstand die Vita, als Auftragswerk zur Erbauung der Monche des S. Vincenzo Klosters.[9] Anschliefiend wurde Damiani 1043 zum Prior von Fonte Avellana gewahlt. Unter seiner Fuhrung erlebte Avellana eine Blute, denn es wurden eine Bibliothek, eine Kirche und mehrere Steingebaude errichtet und Laienbruder eingefuhrt. Damiani grundete mehrere Kloster und Einsiedeleien und gab ihnen Leitlinien fur ein geordnetes eremitisches Leben.[10] Weiterhin stand Damiani in Kontakt zu den Reformkreisen um Heinrich III. (imp.1046-1056) und um die romische Kurie.[11] Von Stephan X. (1057-1058) wurde er vermutlich 1057 gegen seinen Willen zum Kardinalbischof von Ostia ernannt und in den direkten Dienst der romischen Kurie gestellt.[12] Weitere Ausfuhrungen zu Damianis Biographie wurden den Rahmen dieser Arbeit sprengen und zu weit vom eigentlichen Thema wegfuhren.[13]

Wie schon erwahnt, wurde die ,,Vita beati Romualdi" 1041/42 in S. Vincenzo verfasst. Dadurch kommt es zu einem relativen Zeitabstand von uber 40 Jahren. So konnte sich Damiani nicht auf eigene Erinnerungen besinnen, zumal er Romuald nie personlich kennen lernte. Aus diesem Grunde musste er sich auf mundliche Uberlieferungen beziehen, die er wahrscheinlich durch Monche und Eremiten erhielt, welche in Verbindung mit Romuald oder dessen Wirkungsstatten standen.[14] Aus der Vita wird ersichtlich, dass Damiani ein grofier Bewunderer des heiligen Romuald war, ebenfalls dafur spricht der Eintritt in die Eremitenkongregation von Fonte Avellana. Er setzte sogar in gewisser Weise die Reformgedanken des Romuald fort, indem er die Vita zur Erbauung der Monche von Vincenzo schrieb. Genau dies wird zum Problem, vorwiegend sind Wundergeschichten enthalten (ca. die Halfte der Vita), im Sinne der Verherrlichung des Heiligen kommt es zum Verzicht auf Vollstandigkeit[15] und es fehlt eine klare Chronologie[16]. So muss man das Alter des Heiligen auf 120 Jahre festsetzen, was jedoch hochst unwahrscheinlich ist.[17] Fassen wir kurz zusammen, um uns ein Urteil bilden zu konnen. Die Biographie wurde mit zeitlichen Abstand verfasst, basiert auf mundlichen Uberlieferungen, weifit chronologische Ungereimtheiten auf, diente zur Erbauung der Monche, somit diente sie auch der Verherrlichung des Heiligen und die Vita wurde von einem Eremiten und Bewunderer, des schon zuvor heilig gesprochenen Romuald (1032), verfasst. Ebenfalls sollte man Einbindungen eigener Gedanken und Uberzeugungen von Damiani nicht unterschatzen. Diese Vita kann man klar zu der Gattung der Hagiograhie zahlen, da sie samtliche typische Eigenschaften jener Gattung enthalt. Daher ist eine aufierst kritische Quellenarbeit angebracht.[18]

2.3. Die „Vita quinque fratrum"

Diese Vita wurde ca. 1008 durch Brun von Querfurt verfasst. Brun entstammte dem Hause von Querfurt im Hassegau, einer Adelsfamilie, die im weiteren Sinne in Verwandtschaft mit dem ottonischen Kaiserhaus stand. Brun wurde um 974 in der Burg Querfurt geboren und erhielt seine Ausbildung von 985-995 in der Magdeburger Domschule. Nach Abschluss des Studiums war er fur kurze Zeit Domherr von St. Moritz in Magdeburg. 997 nahm ihn Kaiser Otto III. in seinem zweiten Italienzug als Hofkaplan mit sich. Im selben Jahr erlitt Adalbert von Prag das Martyrium bei den heidnischen Pruzzen[19] und dieses Ereignis war wahrscheinlichjenes, welches Brun 998 veranlasste, in das Benediktinerkloster S. Bonifazio et Alessio einzutreten, da Adalbert selbst in diesem Kloster 5 Jahre Monch war. Im Jahre 1001 begab sich Brun mit Benedikt und Johannes aus Montecassino nach Pereum[20] zu dem beruhmten Anachoreten Romuald von Ravenna. Benedikt und Johannes kamen dem Wunsch von Otto III. und Boleslaw Chorby nach und begaben sich zur Missionierung in das nordliche Slawenland. Dort erlitten sie mit drei weiteren Begleitern 1003 den Martyrertod.

Brun wollte zuvor die Erlaubnis bei Papst Silvester II. (999-1003) erlangen und dann folgen.[21] Jedoch durch den Tod Ottos III. und dem darauf folgenden kriegerischen Konflikt zwischen Konig Heinrich II. (1002- imp. ab 1014-1024) und Boleslaw Chorby war ihm dies nicht moglich. Erst 1004 wurde Brun mit Erlaubnis von Heinrich II. durch den Erzbischof von Magdeburg, Tangino (1004-1012), zum Erzbischof der Heiden geweiht. Nach langeren Umwegen fuhrte Bruns Weg schliefilich 1008 nach Polen und spater in das Gebiet Pruzzen, wo er ebenfalls das Martyrium erlitt.[22] Diese kurze Lebensbeschreibung Bruns zeigt schon, dass er ein grofier Verfechter des Missionsgedanken war, was sich naturlich in seiner Vita widerspiegelt.

Die ,,Vita quinque fratrum" ist eines der letzten uberlieferten Werke, die Brun 1008 kurz vor seinem Martyrium bei den Pruzzen (1009) verfasste. Damit war er ein direkter Zeitgenosse von Romuald. Er konnte durch personlichen Kontakt zu ihm und zur Eremitenkongregation von Pereum ein relativ gutes und glaubwurdiges Bild liefern. Was der Historizitat des Romualdbildes in der Vita weiterhin zugute kommt, ist, dass Brun, im Gegensatz zu Damiani, nicht die Absicht hatte, von Romuald ein idealtypisches Bild eines Heiligen zu skizzieren, teilweise ist sogar unterschwellige Kritik zu verspuren.[23] Dies ist bedingt durch den Schwerpunkt der Vita, denn dieser ist hauptsachlich auf zwei Missionseremiten (Benedikt und Johannes), zwei Novizen (Matthaus und Isaak) und einem Laienbruder (Christinus) und ihre Missionsarbeit im Slavenland ausgerichtet. Brun beschrieb ihr Handeln in einem begeisternden und schwarmerischen Tonfall. Es fallt auf, dass er durch eine predigthafte Art und Weise die fundamentale Bedeutung der Mission in den Mittelpunkt stellt. Weiterhin ist eindeutig eine Verherrlichung des Martyrium zu verspuren und Brun lasst stark eigene politische Gedanken einfliefien, z.B. verurteilte er die Renovatio Politik Ottos III. scharf.[24] Meiner Ansicht nach sollte eine Vorbildwirkung, Belehrung und Ansporn Anderer zur Mission erzielt werden. Das Werk ist durch eine grofie Anzahl von Wundern gepragt, die besonders am Schluss die Vita regelrecht aufzufullen scheinen.[25] Dies fuhrt uns wiederum direkt auf den Pfad der Hagiographie, denn auch dieses Werk muss in dieses Genre eingeordnet werden. Zusammenfassend komme ich zu dem Schluss, dass diese Hagiographie Informationen aus erster Hand enthalt, diese jedoch stark durch christlich-politische Intentionen des Autors gepragt wurden. Man sollte aus diesem Grunde keine Kritik am Missionsgedanken erwarten, sondern vielmehr Kritik an jenen, die Brun im Wege standen. Daher ist wiederum eine intensive Quellenkritik angebracht und nur im Vergleich konnen Ruckschlusse gezogen werden.[26] Im Vergleich mit der ,,Vita beati Romualdi" ist eine relative Deckungsgleichheit festzustellen, aus diesem Grund bleibt uns die Moglichkeit, diese beiden Hagiographien kritisch zu benutzen.

2.4. Die Briefe des Petrus Damiani Nr. 18 u. 50

Diese beiden Briefe sind von enormer Wichtigkeit, wenn man etwas uber die Verhaltensregeln und die Lebensweise der Eremiten von Fonte Avellana erfahren mochte. Der Brief Nr. 18 ging direkt an die Eremitenkongregation von Fonte Avellana und in ihm legt Damiani den Eremiten die Regeln nahe, nach denen sie Leben sollten. In der Datierung ist sich die Forschung unsicher, der Brief wird auf den Zeitraum von 1045-1050 eingegrenzt.[27]

Der Brief Nr. 50 hat einen ganz ahnlichen Inhalt wie Nr. 18, denn in ihm wurden die Vorzuge des Eremitenlebens thematisiert. Nr. 50 ging an den ehemaligen Monch undjetzigen Eremiten Stephan im Jahre 1057.[28] In diesen beiden Briefen lasst sich lediglich eine Leitlinie fur das eremitische Leben feststellen und keine straffen und klar ausformulierten Regeln.[29]

2.5. Die „Annales Camaldulenses Ordinis Sancti Benedikti"

Wie der Name es impliziert, handelt es sich hierbei um die Annalen des Klosters und Einsiedelei von Camaldoli. Ich wurde diese Annalen typologisch dem Genre der Klosterchroniken zuordnen, da eine deutliche Propagierung Camaldolis zu verspuren ist.[30] Auf den ersten Blick erscheint es daher als nicht sinnvoll, diese in meine Arbeit einfliefien zu lassen, da sie die selben markanten Fehler pragen wie die ,,Vita beati Romualdi", z.B. das Alter Romualds betragt auch hier 120 Jahre. Aus diesem Grunde werde ich die Annalen weniger fur Romualds Leben und Wirken heranziehen, sondern mehr fur die Verhaltensregeln der Eremiten von Camaldoli. Die Historizitat dieser Regeln, welche unter dem 4. Prior Rodulf (1074-1087) verfasst wurden[31], ist unbezweifelbar und waren fur die Eremiten geltend. In einem Abschnitt der Annalen wird ausdrucklich darauf hingewiesen, dass es sich um romualdinische Regeln handelt.[32]

Meiner Vermutung nach sind die Regeln des Prior Rodulf und die Briefe Nr. 18 und 50 von Damiani auf eine Constitutio des Romuald zuruckzufuhren, die uns jedoch leider nicht erhalten ist bzw. diese mundlich in denjeweiligen Eremitenkolonien uberliefert wurde.[33] Die Untersuchung von Stephan Freund kommt zu dem Schluss, dass starke Ahnlichkeiten zwischen den Briefen Nr. 18/50 von Damiani und den Regeln des Rodulf zwar bestehen, diese aber vermutlich nicht von einer Verarbeitung der Briefe in den Annalen herruhren und somit im Vergleich ein gesichertes Bild von der Lebensweise und den Regeln der Romualdiner wiedergeben konnen.[34] Die von mir benutzte Editionsreihe der Annalen war bereits in den Jahren 1755-1773 entstanden, dennoch scheint mir diese die einzig brauchbare zu sein. Jedoch sind die Marginalien von Mittarelli mit entsprechender Vorsicht zu geniefien.

Die Analyse der dokumentarischen Quellen soll hier vernachlassigt werden, da diese bereits einer uber 100-jahrigen Forschungsarbeit unterliegen und somit als gesichert gelten konnen.

3. Hauptteil

3.1. Das Leben des Romuald und die Entstehung dessen Reformgedanken

Romuald von Ravenna wurde 951/952 als Sohn des Herzogs Sergius in Ravenna geboren (f 1027).[35] In seinen ersten Lebensjahren genoss er vermutlich das typische Luxusleben eines jungen Adligen (Jagd, Waffenubungen usw.). Jedoch um 971 kam es zu einem einschneidenden Ereignis im Leben des 20-jahrigen Romuald. Sein Vater Sergius, anscheinend eine aufierst raue Personlichkeit, totete nach einem Streit, womoglich um ein Grundstuck, einen Verwandten der Familie. Dies veranlasste Romuald in das Kloster S. Apollinare, zur Suhne der Mordtat des Vaters (sog. Poenitenz = 40-tagige Bufie), einzutreten.[36]

[...]


[1] Zur Thematik des Christentums: Bredero, Adriaan. Christenheit und Christentum im Mittelalter: Uber das Verhaltnis von Religion, Kirche und Gesellschaft. Stuttgart 1998.

[2] Sydow, Jurgen. Probleme der Camaldulensischen Ostmission. In: Heidenmission und Kreuzugsgedanke in der deutschenOstpolitikim Mittelalter. Hrsg.: Baumann. Darmstadt 1973. S 146-155.

[3] Zumindest nach eingehender Recherche der deutschen Publikationen meinerseits.

[4] Franke, Walter. Romuald von Camaldoli und seine Reformtatigkeit zur Zeit Ottos III. Berlin 1913.

[5] Vgl.: Goetz, Hans-Werner. Proseminar Geschichte: Mittelalter. Stuttgart3 2006. S. 128-131. dazu auch vgl.: Boshof Egon. Mittelalterliche Geschichte. In: Grundlagen des Studiums der Geschichte: Eine Einfuhrung. Hrsg.: Boshof, Duwell, Kloft. (5. Aufl.) Koln, Weimar, Wien 1997. S.122-125.

[6] Johannes von Lodi. Vita Petri Damiani. In: Freund, Stephan. Studien zur Wirkungsgeschichte des Petrus Damiani. (MGH: Studien und Texte Bd. 13.) Hannover 1995. S. 203-265. c. 6 S. 224 u. c. 21. Infolge nur noch: VD. c. 6 u. 21.

[7] VD. c.2.

[8] VD. c.4.

[9] Damiani, Petrus. Vita beati Romualdi. Hrsg. Giovanni Tabacco (Fonti per la storia d'Italia /94). Rom 1957. c. 57 S. 98. Infolge nur noch: VR. c. 57. vgl. dazu Franke. 1913.S.5.;in Vincenzo: VD. c. 6.

[10] s. Kapitel 2.4. S. 6 in Bezug auf Brief 18. u. 50.

[11] Vgl. Brief 4, 11 u. 20.

[12] Vgl: Reindel, Kurt. Petrus Damiani-Leben und Werk. In: Die Briefe des Petrus Damiani: Teil 1 Nr. 1-40. Hrsg. Reindel. Munchen 1983. S. 1-13.; Goez, Werner. Kirchenreform und Investiturstreit: 910 - 1122. Bearb. Goez, Elke. Stuttgart2 2008. S. 51-52. u. Freund, Stephan. Petrus Damiani. In: BBKL, Bd. VII. Herzberg 1994. Sp. 346-358.

[13] Weiterfuhren: Dressler, Friedolin. Petrus Damiani. Leben und Werk. (Studia Anselmania Bd. 34). Rom 1954. u. a. Freund, Stephan. Studien zur literarischen Wirksamkeit des Petrus Damiani. (MGH: Studien und Texte Bd. 13.) Hannover 1995.

[14] Vgl. Franke. 1913. S. 4-5.

[15] VR. c. 27,65,68 u. 69.

[16] VR. praef.: ...non historiam tenens, sed quoddam breve. Zur Chronologie s. Abb. 1. Kap. 5.3. S. 24

[17] EinschatzungderVR.: Dressler. 1954. S. 21-27.; Kurze. 1964. S. 399.; zupositivistisch: Franke. 1913. S. 6-8. (missachtet Hagiographie)

[18] Fuhrend aufdem Gebiet der ,,Vita beati Romualdi" scheint mir D'Acunto (Werke s. Lit. S. 21).

[19] Uber Adalbert: Waldstein, Angelus; Machilek, Franz. Adalbert (956-997) In: Die Landespatrone der bohmischen Lander. Geschichte - Verehrung - Gegenwart. Hrsg.: Samerski. Paderbornu.a. 2009. S. 45-66.

[20] Pereum lag in den Valli di Comacchio sudlich der Pomundung.

[21] Fried, Johannes. Otto III. und Boleslaw Chrobry: Das Widmungsbild des Aachener Evangeliars, der "Akt von Gnesen" und das fruhe polnische und ungarische Konigtum. Stuttgart2 2001. S. 101.

[22] Vgl.: Manitius, Max. Geschichte der lateinischen Literatur des Mittelalters: Zweiter Band: Von der Mitte des 10. Jahrhunderts bis zum Ausbruch des Kampfes zwischen Kirche und Staat. Munchen 1923. S. 231-232.; Wood, Ian. The missionary life: saints and the evangelisation ofEurope, 400-1050. Harlow u.a. 2001. S. 231-240. (beide auch zur Wertung der ,,Vita quinque fratrum") u. Wenskus, Reinhard. Studien zur historisch-politischen Gedankenwelt Bruns von Querfurt. (Mitteldeutsche Forschung Bd. 5.) Munster/Koln 1956. S. 2-3.

[23] Brun aufiert Kritik an der Lebensweise der Eremiten in Pereum: VF. c. 2-3.

[24] Zur politischenIntensionenBruns: Wenskus.1956.bes. S. 198-201.

[25] Vgl.: Manitius. 1923. S. 235. wiederzupositiv: Franke. 1913. S. 15-17.

[26] Wood wies zuletzt eindrucksvoll daraufhin, dass Hagiographien mit Missionbezug nur mit Vorsicht zu verwenden sind. Zu Brun von Querfurt: Wood. 2001. S. 226 ff.

[27] Die Briefe des Petrus Damiani: Teil 1 Nr. 1-40. In: MGH Epist. 2, 4,1. Hrsg.: Reindel. Munchen 1983. S. 168-179. Infolgenurnoch: D. 18/1. S. 168-179.

[28] Die Briefe des Petrus Damiani: Teil 2 40-90. In: MGH Epist. 2, 4,2. Hrsg.: Reindel. Munchen 1988. S. 77-131. Infolge nur noch: D. 50/2. S. 77-131. Zur Datierung Ann. Cam. 2. S. 170.

[29] Freund, Stephan. Studienzurliterarischen WirksamkeitdesPetrusDamiani. (MGH: Studien und TexteBd. 13) Hannover 1995. S. 148.

[30] Zu Annalen undChroniken vgl.: Goetz. 2006. S. 108-118. u. auchBoshof. 1997. S. 116-121.

[31] Annales Camaldulenses Ordinis Sancti Benedicti: Quibus plura interseruntur tum ceteras Italico-monasticas res, tum historiam Ecclesiasticam remque Diplomaticam illustrantia. D. Johanne-Benedicto Mittarelli & D. Anselmo Costadoni Presbyteris & monachis e Congregatione Camuldulensi Auctoribus. Tomus Tertuis Complectens res gestas ab anno Christi M. LXXX. ad annum M. C. LX. Venedig 1758. Sp. 542-551. Infolge nur noch: Ann. Cam. III. Sp. 512-551.

[32] Ann. Cam. III. Sp. 542.

[33] Roggi, Clemente. Vita e costumanze dei Romualdini del Pereo, di Fonte Avellana e di Camaldoli. In: Benedictina Bd. 4. 1950. S. 69-86. uber den gemeinsamen Ursprung in einer Constitutio des Romuald: S. 86. dagegen Lucchesi, Giovanni. Clavis s. Petri Damiani. In: Studi su S. Pier Damiano. 1961. S. 164.

[34] Vgl.: Freund. 1995. S. 126-128. Er rechnet dabei die ,,Liber eremitice regula" nichts zu Rodulfs Regeln sondern datiert sie ins Spatmittelalter, da diese viel strukturierter, genauer und komplexer sind, als die ,,Rodulphi Constitutionis". S. 135 ff.

[35] Brun von Querfurt. Vita quinque fratrum. ed. J. Karwasinska. In: MPH NS 4.3. Warschau 1973. c. 3 S. 38. Infolge nur nur noch: VF. c. 3.; VR. c. 1.

[36] VR. c. 1.

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Details

Titel
Romuald von Ravenna und seine Eremiten im Spiegel der Ostmissionierung
Untertitel
Werkzeug der Christianisierung oder selbst gewählte Bürde?
Hochschule
Universität Leipzig  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
Das ottonisch/salische Reich in Europa (919/1125)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V154164
ISBN (Buch)
9783640664146
Dateigröße
517 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Romuald von Ravenna, Eremiten, Otto III., Vita beati Romualdi, Vita quinque fratrum, Annales Camaldulenses
Arbeit zitieren
Pierre Köckert (Autor), 2010, Romuald von Ravenna und seine Eremiten im Spiegel der Ostmissionierung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154164

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