Diese Seminararbeit bietet einen kurzen Abriss zu Klassikern der politischen Theorie.
Zunächst werde ich den Begriff "normativ" klären. Dann folgt ein großer Zeitsprung in die frühe Neuzeit. Weiter geht es mit dem Aufklarungsphilosophen Immanuel Kant. Die Theorien von Hegel, Marx und anderen werden betrachtet. Zu guter Letzt folgt noch Joseph Alois Schumpeter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die normativen Vorzüge der Vertragstheorie
1.1 Hobbes: Der Abtretungsvertrag
1.2 Locke: Der Liberale Gesellschaftsvertrag
1.3 Rousseau: Der volonté général
1.4 Kant: Die Vernunft als Konstrukt
2. Kritische Perspektiven auf die Vertragstheorie
2.1 Hegel: Kritik an der Legitimationsfiktion
2.2 Marx: Materialismus und Revolution
2.3 Mill: Liberalismus und Utilitarismus
2.4 Tocqueville: Massengesellschaft und Demokratie
2.5 Schumpeter: Bürokratie und Elitenherrschaft
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die normativen Vorzüge der klassischen Vertragstheorie anhand zentraler politischer Denker und stellt diese im zweiten Teil den kritischen Positionen des 19. und 20. Jahrhunderts gegenüber, um die Legitimität staatlicher Ordnung zu hinterfragen.
- Analyse der klassischen Vertragstheorien von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant.
- Untersuchung von Gegenpositionen durch Hegel, Marx, Mill, Tocqueville und Schumpeter.
- Reflektion über Begriffe wie Naturzustand, Freiheit, Eigentum und Souveränität.
- Kritik an der Vorstellung von Gesellschaftsverträgen als Legitimationsfiktionen.
- Gegenüberstellung von normativen Gesellschaftsentwürfen und machttheoretischen Ansätzen.
Auszug aus dem Buch
Besitzen die Vertragstheorien normative Vorzüge?
Zunächst möchte ich den Begriff „normativ“ klären. Dazu finden sich folgende Definitionen: „Normativ“ (lateinisch eigentlich Winkelmaß, Richtschnur, Regel) bedeutet allgemein normgebend, also Normen und Regeln aufstellend oder ein Sollen vorschreibend. In den Sozialwissenschaften beschreibt „normativ“ den Teil unserer gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen, die menschlich sozialen Aktivitäten reguliert.
Bei den Griechen kann man noch nicht von Vertragstheorien sprechen. Die Gesellschaft existiert „vertragslos“. Der Staat muss nicht legitimiert werden, denn er gilt als gottgegeben. Hier finden sich aber trotzdem schon direkt-demokratische Elemente. Dennoch kann von einer weit entwickelten Demokratie, wie sie heute verbreitet ist, nicht die Rede sein. Es handelt sich vielmehr um eine Herrschaft der Philosophen.
Nun folgt ein grosser Zeitsprung in die frühe Neuzeit, in das England des 17. Jahrhunderts. Dort habe die Aufklärung schon in der Mitte jenes Jahrhunderts begonnen. Beleg für diese Behauptung ist der bekannte Philosoph Thomas Hobbes. Mit ihm beginnt die so genannte „Vertragstheorie“ und damit eine erste Zäsur in der politischen Theorie. Der von Hobbes skizzierte Naturzustand (Homo homini lupus), in dem sich die Menschen im Krieg, im Kampf eines Jeden gegen jeden, befinden, ist unbefriedigend. Ergo wird ein Staat notwendig. Dies geschieht durch einen Gesellschaftsvertrag, in dem alle Menschen unwiderruflich ihr Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungsrecht an den Souverän (Leviathan) übertragen, der im Gegenzug Schutz und Sicherheit garantiert. Hier handelt es sich also um einen reinen Abtretungsvertrag. Ein solcher Staat ist gemäss Hobbes sicherlich dem Naturzustand vorzuziehen. Der beschriebene Vertrag hat demnach klare normative Vorzüge, da er der Gesellschaft einen ordnenden Rahmen gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die normativen Vorzüge der Vertragstheorie: Dieser Abschnitt behandelt die Grundlagen der klassischen Vertragstheorie und analysiert die Ansätze von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant hinsichtlich ihrer normativen Rechtfertigung von Herrschaft.
2. Kritische Perspektiven auf die Vertragstheorie: Dieser Teil setzt sich mit der Kritik an vertragstheoretischen Modellen auseinander und beleuchtet alternative politikwissenschaftliche Ansätze von Hegel, Marx, Mill, Tocqueville und Schumpeter.
Schlüsselwörter
Vertragstheorie, Normativität, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Freiheit, Souveränität, Liberalismus, Staatstheorie, Aufklärung, Machtverhältnisse, Demokratie, Legitimationsfiktion, Eigentum, Rechtsstaat, Politische Philosophie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Begründungslogik staatlicher Ordnung in der politischen Ideengeschichte, beginnend bei klassischen Vertragstheorien bis hin zu deren kritischer Hinterfragung durch moderne Denker.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen den Übergang vom Naturzustand zur staatlichen Ordnung, die Rolle von Freiheit und Eigentum sowie die Legitimität von Herrschaftsformen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob und warum die klassischen Vertragstheorien als normativ vorteilhaft betrachtet werden können und welche Kritikpunkte spätere Theoretiker gegen diese Modelle vorbrachten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine ideengeschichtliche Analyse, die zentrale Werke klassischer und moderner politischer Philosophen komparativ gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Modelle von Hobbes, Locke, Rousseau und Kant dargelegt und anschließend durch die Gegenpositionen von Hegel, Marx, Mill, Tocqueville und Schumpeter kritisch reflektiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Vertragstheorie, Naturzustand, Normativität, Freiheit und politische Herrschaft.
Wie bewertet Thomas Hobbes die Notwendigkeit eines Staates?
Hobbes argumentiert, dass der Naturzustand ein unbefriedigender Kriegszustand aller gegen alle sei, der einen Gesellschaftsvertrag und die Übertragung von Rechten an einen Souverän zur Gewährleistung von Sicherheit zwingend erforderlich mache.
Warum lehnt Hegel die Vertragstheorie als Legitimationsfiktion ab?
Hegel kritisiert, dass Vertragstheoretiker historische Bedingungen ausblenden und den Staat als bloßes Konstrukt behandeln, während er selbst den Idealismus und die Geschichtsphilosophie als Grundlage für politische Institutionen hervorhebt.
Welche Rolle spielt die „Tyrannei der Mehrheit“ bei Tocqueville?
Tocqueville sieht in der Massengesellschaft und dem Streben nach Gleichheit die Gefahr, dass die Mehrheit die Freiheit des Einzelnen unterdrückt, weshalb er staatliche Bildung und dezentrale Institutionen zur Sicherung der Freiheit fordert.
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- Samuel Schmid (Author), 2008, Haben Vertragstheorien normative Vorzüge?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154166