Laufanalysen werden zu vielfältigen Zwecken und von unterschiedlichen Anbietern offeriert. Unklar ist, ob ein Beobachtungsschema, vergleichbar wie in der beobachtenden Ganganalyse nach Perry, das einen Abgleich mit einer hypothetischen Norm zulässt, Anwendung finden kann. Gegenstand dieser Literaturrecherche ist, gültige Beobachtungskriterien in der Laufanalyse zu sichten und zu diskutieren. Hierzu wird der Fragestellung nachgegangen, ob detaillierte Beschreibungen des Laufs existieren, die eine Bestimmung des normalen Laufs zulassen. Es wird untersucht, ob dem Laufen, ebenfalls wie dem Gang, verschiedene standardisierte Phasen zugeordnet werden können, Normwerte für Gelenkwinkel definiert sowie Bewegungsabläufe, Muskelaktivierungen und Drehmomentanforderungen beschrieben sind.
Ein solches Schema würde weitergehend erlauben, auch ohne Verwendung hochinstrumentalisierter Methodik, pathologische Abweichungen beim Laufen zu erkennen, diesen möglichen Ursachen zuzuordnen und adäquat therapeutisch zu intervenieren. Eine Standardisierung in der beobachtenden Laufanalyse wäre möglich, um Untersuchern in der täglichen Arbeit mit Läufern ein Untersuchungsschema zu empfehlen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Darstellung der aktuellen Situation
1.2 Zielsetzung und Bedeutsamkeit
2. Ganganalyse
2.1 Geschichte der Ganganalyse
2.2 Konzepte und Standards in der Ganganalyse
2.3 Beobachtende Ganganalyse
2.4 Instrumentelle Ganganalyse
2.4.1 Kinematische Messsysteme
2.4.2 Kinetische Messsysteme
2.4.3 Messung von Muskelaktivität
2.4.4 Messung des Energieverbrauchs
3. Der Gang
3.1 Der Gang in der hypothetischen Norm
3.1.1 Normwerte im Gang
3.2 Verschiedene Nomenklaturen der Gangphasen
3.3. Die Gangphasen nach Perry
3.3.1 Initial contact, initiale Standphase
3.3.2 Loading response, Stoßdämpfungsphase
3.3.3 Mid stance, mittlere Standphase
3.3.4 Terminal stance, terminale Standphase
3.3.5 Pre-swing, Vorschwungphase
3.3.6 Initial swing, initiale Schwungphase
3.3.7 Mid swing, mittlere Schwungphase
3.3.8 Terminal swing, terminale Schwungphase
3.4 Kipphebelfunktionen
3.4.1 Die Heel rocker-Funktion
3.4.2 Die Ankle rocker-Funktion
3.4.3 Die Forefoot rocker-Funktion
4. Gangabweichungen - der pathologische Gang
4.1 Oberes Sprunggelenk
4.1.1 Übermäßige Plantarflexion des oberen Sprunggelenks
4.1.2 Übermäßige Dorsalextension des oberen Sprunggelenks
4.2 Funktionsstörungen des Fußes
4.2.1 Vorzeitiges Ablösen der Ferse
4.2.2 Verlängerter Fersenkontakt
4.2.3 Übermäßige Inversion
4.2.4. Übermäßige Eversion
4.3 Kniegelenk
4.3.1 Unzureichende Flexion
4.3.2 Übermäßige Flexion
4.3.3 Unzureichende Knieextension
4.3.4 Übermäßige Extension, Hyperextension, Extensorenschub
4.3.5 Schlottern
4.3.6 Varus- und Valgusabweichung
4.4 Das Hüftgelenk
4.4.1 Unzureichende Extension
4.4.2. Übermäßige Flexion
4.4.3 Übermäßige Adduktion
4.4.4 Übermäßige Abduktion
4.4.5 Rotation in der Transversalebene
5. Der Lauf
5.1 Phasen im Lauf und Nomenklaturen
5.1.1 vordere Stützphase
5.1.2 hintere Stützphase
5.1.3 hintere Schwungphase
5.1.4 vordere Schwungphase
5.2 Unterschiede des Laufschritts zum Gang
6. Diskussion
6.1 Ziele und Möglichkeiten der Laufanalyse
6.2 Möglichkeiten der Normierung des Laufs
6.3 Beobachtungskriterien in der Laufanalyse
7. Zusammenfassung und Konsequenzen
8. Ausblick auf weiterführende Forschung
9. Literaturverzeichnis
10. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Master-Thesis untersucht die Übertragbarkeit klinisch etablierter Beobachtungskriterien aus der Ganganalyse auf die Laufanalyse, um zu prüfen, ob für das Laufen eine wissenschaftlich validierte "Norm" zur Pathologieerkennung definiert werden kann.
- Vergleichende Analyse der Biomechanik von Gang und Lauf.
- Untersuchung der Variabilität und Normierbarkeit des Laufschritts.
- Bewertung der Anwendbarkeit ganganalytischer Schemata auf die Laufanalyse.
- Diskussion der klinischen Relevanz von Laufanalysen zur Prävention und Diagnostik.
- Herausarbeitung geschwindigkeitsabhängiger Parameter und deren Einfluss auf die Bewegungsökonomie.
Auszug aus dem Buch
3.3.1 Initial contact, Initiale Standphase, Initialer Bodenkontakt
Während Götz-Neumann diese Phase als Moment beschreibt, also als Punkt null im Gangzyklus, räumt Perry eine Zeitspanne von null bis zwei Prozent im Gangzyklus ein, wodurch es sich um die erste Unterphase handelt. Der Beginn, das Aufsetzen der Ferse auf den Boden, beschreibt dennoch gleichzeitig das Ende der Phase (Abb. 2a).
Dem Bodenkontakt geht ein freier Fall der Ferse aus 1cm Höhe voran, der eine Bodenreaktionskraft auslöst. Dabei werden 60 Prozent des Körpergewichts innerhalb von 0,02 Sekunden auf das entsprechende Bein übertragen. Der Vektor der Bodenreaktionskraft verläuft posterior des oberen Sprunggelenks und anterior von Knie und Hüftgelenk. In der unteren Extremität entstehen dadurch drei instabile Gelenksituationen. Im oberen Sprunggelenk entsteht ein Plantarflexionsdrehmoment, im Knie zunächst ein Extensionsdrehmoment und im Hüftgelenk ein Flexionsdrehmoment.
Das Hüftgelenk befindet sich in zwanzig und das Kniegelenk in fünf Grad Beugung, das obere Sprunggelenk in Neutral-Null-Stellung und das untere Sprunggelenk in Neutral-Null-Stellung bis leichte Inversion. Das kontralaterale Bein befindet sich in der Vorschwungphase.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die aktuelle Situation der Laufanalyse wird dargestellt, wobei auf die Vielfalt der Anbieter, Zielsetzungen und Methoden sowie die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Standardisierung eingegangen wird.
2. Ganganalyse: Dieses Kapitel gibt einen historischen Abriss der Ganganalyse und erläutert die verschiedenen instrumentellen sowie beobachtenden Konzepte und Standards.
3. Der Gang: Es werden die Grundlagen des "normalen" Ganges, die hypothetische Norm, diverse Nomenklaturen und die spezifischen Phasen nach Perry detailliert beschrieben.
4. Gangabweichungen - der pathologische Gang: Dieses Kapitel systematisierte pathologische Veränderungen in den einzelnen Gelenken (Sprunggelenk, Knie, Hüfte) basierend auf den Kriterien von Perry und Götz-Neumann.
5. Der Lauf: Der Laufschritt wird als Bewegungsablauf analysiert, seine Phasen unterteilt und die wesentlichen Unterschiede zum menschlichen Gang herausgearbeitet.
6. Diskussion: Die Möglichkeiten einer Normierung des Laufs werden kritisch hinterfragt, wobei die hohe Variabilität des Laufs und die Übertragbarkeit ganganalytischer Kriterien diskutiert werden.
7. Zusammenfassung und Konsequenzen: Die wesentlichen Ergebnisse der Literaturrecherche werden zusammengeführt und die Schlussfolgerungen für die Praxis der Laufanalyse abgeleitet.
8. Ausblick auf weiterführende Forschung: Es werden offene Forschungsfragen formuliert, insbesondere im Hinblick auf die Standardisierung und Objektivierung der Laufanalyse.
Schlüsselwörter
Laufanalyse, Ganganalyse, Biomechanik, Gangzyklus, Laufzyklus, Laufökonomie, Bewegungskriterien, Pathologie, Kinematik, Kinetik, Stoßbelastung, Muskelaktivität, Fersenlauf, Vorfußlauf, Bodenreaktionskräfte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob ganganalytische Beobachtungskriterien (insbesondere nach Perry) auf die Laufanalyse übertragen werden können, um eine normbasierte Beurteilung des Laufs zu ermöglichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Biomechanik des Gehens und Laufens, die methodische Einteilung von Bewegungsphasen und die Frage, ob eine hypothetische "Normal-Lauf"-Norm definiert werden kann.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit hinterfragt, ob detaillierte Beschreibungen des Laufs existieren, die eine Bestimmung eines normalen Laufmusters zulassen, um pathologische Abweichungen besser identifizieren zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine umfangreiche Literaturrecherche und einen systematischen Vergleich kinematischer und kinetischer Daten, basierend auf internationaler wissenschaftlicher Fachliteratur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Ganganalyse und ihre Standards detailliert erläutert, gefolgt von einer Analyse des normalen Laufschritts und einem Vergleich der mechanischen Unterschiede zwischen Gang und Lauf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ganganalyse, Laufanalyse, Biomechanik, Laufökonomie und Pathologieerkennung definiert.
Warum ist eine Normierung beim Laufen schwieriger als beim Gehen?
Das Laufen weist eine deutlich höhere Variabilität auf. Winkelmaße und Gelenkbewegungen hängen beim Laufen stark von der individuellen Geschwindigkeit, dem Laufstil und dem Trainingszustand ab, was eine allgemeingültige Norm erschwert.
Wie unterscheiden sich Gang und Lauf in Bezug auf den Fußaufsatz?
Beim Gehen ist der laterale Fersenkontakt weitgehend standardisiert. Beim Laufen hingegen variiert der Aufsetzpunkt stark: Er verschiebt sich mit steigender Geschwindigkeit vom Rückfuß Richtung Vorfuß, wobei auch individuelle Stile existieren.
Ist die Ganganalyse für Läufer in der Praxis sinnvoll?
Der Autor schließt, dass es zur Bestimmung von Pathologien vorerst empfehlenswert ist, begleitend zur Laufanalyse auch eine Ganganalyse durchzuführen, da ganganalytische Kriterien hierfür besser validiert sind.
Welche Rolle spielt die Geschwindigkeit bei der Analyse?
Die Geschwindigkeit ist ein entscheidender Faktor, da sie nicht nur den Bewegungsablauf selbst, sondern auch die auftretenden Kräfte und die Anforderungen an die Muskulatur und Sehnen massiv beeinflusst.
- Citation du texte
- Michael Schneider (Auteur), 2009, Laufanalyse. Möglichkeiten und Grenzen der Übertragbarkeit kinetischer und kinematischer Kriterien der beobachtenden Ganganalyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154168