Altsteinzeit - Unterrichtsentwurf zum Thema für eine 6. Klasse Gymnasium


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006
16 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Curricularer Zusammenhang

2. Sachanalyse: Die Altsteinzeit

3. Didaktische Analyse

4. Planung der Unterrichtsstunde: methodische Überlegungen

5. Unterrichtsverlaufsplan

6. Lernziele

7. Eigene Reflexion und Feedback

Literaturverzeichnis

Inhaltsübersicht Anhang

1. Curricularer Zusammenhang

Der hier vorgestellte Unterrichtsentwurf zum Thema „Altsteinzeit“ entstand im Rahmen des fachdidaktischen Hauptseminars „Der Beginn des Geschichtsunterrichts“. In der schulischen Praxis würde dieser Entwurf als Doppelstunde in einer 5. Klasse am Gymnasium umgesetzt werden, da die curricularen Vorgaben des Landes Niedersachsen dies so vorsehen und dieses Thema auch in den höheren Klassenstufen nicht noch einmal aufgegriffen wird. Wie sowohl im Ablaufplan des Seminars als auch in den Rahmenlichtlinien des Faches Geschichte am Gymnasium für die Schuljahrgänge 5/6 des niedersächsischen Kultusministeriums[1] vorgegeben, sollte diese Stunde nicht direkt zu Beginn des Geschichtsunterrichts in Klasse 5 platziert werden. Ziel des Anfangsunterrichts im Fach Geschichte sei es, an die spezifischen Arbeits- und Erkenntnisweisen des Faches heranzuführen und ein frühes Geschichtsbewusstsein zu fördern. Dieses Geschichtsbewusstsein entwickele sich in dieser Altersstufe vor allem über ein Zeitbewusstsein.[2] Um dieses Zeitbewusstsein zu fördern, bieten sich für den Beginn und als Zugang zum Fach die Familien-, Orts-, Regional und Landesgeschichte an. Im Zuge dieser Themen sollten die Schülerinnen und Schüler in die Zeitleistenarbeit eingeführt werden, welche die Entwicklung eines Zeitbewusstseins ebenfalls unterstützt. Die Erstellung eines Längsschnittes zu verschiedenen Teilaspekten der Familien- oder Ortsgeschichte (z.B. Kindheit oder Schule) kann den Schülerinnen und Schülern dabei helfen, die eigene Person als Teil eines historischen Prozesses wahrzunehmen. Nach dieser Heranführung an das Fach Geschichte sollte vor der Durchführung der Unterrichtsstunden zum Thema „Altsteinzeit“ das Thema „Die Entstehung und Entwicklung des Menschen“ behandelt worden sein, denn im vorliegenden Entwurf werden Teilaspekte dieses Themas aufgegriffen und wiederholt. Eine vorherige Behandlung archäologischer Forschungsmethoden wäre ebenfalls hilfreich, da die Schülerinnen und Schüler dadurch bereits im Vorfeld an die Problematik des Rekonstruktionscharakters der Ur- und Frühgeschichte herangeführt und für ihn sensibilisiert werden können.

Eine ausführliche Behandlung der Lebensgrundlagen und Lebensweisen der Menschen der Altsteinzeit erachte ich besonders im Hinblick auf die im weiteren Unterrichtsverlauf zu erarbeitende Neolithische Revolution als wichtig, da diese nur dann als bedeutende Umwälzung in der Menschheitsgeschichte verstanden werden kann, wenn die Schülerinnen und Schüler die wesentlichen Merkmale dieser Umwälzung im Vergleich mit der Zeit der steinzeitlichen Jäger und Sammler erklären und benennen können. Dies bedeutetet für den Unterricht, dass die Themen der Ur- und Frühgeschichte chronologisch, d.h. in der Abfolge: Altsteinzeit, Jungsteinzeit und ggf. Metallzeit, angeordnet sein sollten, um zu gewährleisten, dass die oben genannte Neolithische Revolution verstanden werden kann und darüber hinaus auch das zeitliche Bewusstsein der Schülerinnen und Schüler weiter gefördert und eingeübt werden kann.

2. Sachanalyse: Die Altsteinzeit

Innerhalb der Gesamtepoche Steinzeit ließen sich seit dem 19. Jahrhundert die beiden Epochen Altsteinzeit und Jungsteinzeit anhand der vorkommenden Werkzeuge unterscheiden. In diesem Sinne sei die Zeit der Altsteinzeit (Paläolithikum) die Zeit des behauenen Steins und zugleich die Zeit der Jäger und Sammler. Demgegenüber sei die Zeit der Jungsteinzeit (Neolithikum), die Zeit des geschliffenen Steins, in der die Menschen als Ackerbauern und Viehhalter und –züchter lebten, abzugrenzen.

Absolut chronologische Zeitangaben ließen sich nur für eng begrenzte Regionen treffen, da neue Wirtschaftsweisen nie überall zeitgleich aufgetreten seien. Da die Anstöße für neue Wirtschaftsweisen aus dem Vorderen Orient gekommen seien, ergäbe sich für Mitteleuropa ein zeitliches Süd/Nord - Gefälle.[3]

Man unterscheidet bis zur Neolithischen Revolution folgende Epochen für die verschiedenen Kontinente: das Early Stone Age in Afrika und das Altpaläolithikum in Eurasien (2 500 000 bis 200 000 vor heute) als ersten Abschnitt der Steinzeit, das Middle Stone Age in Afrika und das Mittelpaläolithikum in Eurasien (200 000 bis 40 000 vor heute) als zweite Phase und das Jungpaläolithikum (Eurasien), das Late Stone Age (Afrika) sowie das Paläoaustralian und das Paläoindian als dritte Phase (40 000 bis 10 000 vor heute).[4]

Auf die evolutionäre Entwicklung des Menschen soll im Rahmen dieser Seminararbeit nur ab der ältesten Spezies der Gattung Homo eingegangen werden (ab 2 Mio. Jahren vor heute), da dieser, namentlich der Homo habilis, der „geschickte“ Mensch, der erste war, der Werkzeuge aus Stein verwendete. Durch die Verwendung von Werkzeugen hatte dieser die Schwelle des Tierreiches überschritten und konnte eindeutig als Mensch definiert werden.

Der Urmensch, Homo habilis, fand seine Weiterentwicklung im Frühmenschen, dem Homo erectus, welcher vor 1,5 Millionen Jahren auftrat. Als Bewohner der tropischen und subtropischen Gebiete war der Frühmensch anfänglich an hohe Temperaturen (27°C) gewöhnt, lernte jedoch im Verlauf seiner Entwicklung, sich an andere Lebensräume und Klimata anzupassen. Er verließ das afrikanische Ursprungsgebiet, um nach Asien und Europa abzuwandern. Die ersten Funde von Homo erectus Mitteleuropa entstammten aus der Zeit vor 700.000 Jahren. Um sich in den gemäßigten Zonen aufhalten zu können, musste der Frühmensch gelernt haben, das Feuer zu beherrschen und sich mit Fellen vor der Kälte zu schützen.[5]

Vor 25 Millionen Jahren habe nämlich eine allmähliche globale Abkühlung eingesetzt, welche zur Vereisung der antarktischen Landmasse geführt hätte. Vor 2,5 Millionen habe sich auf Grund dieser Entwicklung dann ein nordpolares Eisschild gebildet. Dieses Eisschild habe dann einen zyklischen Wechsel von Warm- und Kaltzeiten bedingt, welche sich mehr und mehr zu Grundzyklen eingependelt hätten. Während die Gletscher innerhalb der Kältephasen vorrückten, seien die Temperaturen von Nord nach Süd oder von den Hochgebirgen in die Ebenen gesunken. Für die Vegetation hätte das Vorrücken der Gletscher ein allmähliches Abdrängen von Mitteleuropa nach Südeuropa zur Folge gehabt. Zuerst seien die thermophilen sommergrünen Laubmischwälder, dann die borealen Nadelwälder und die Baum- und Strauchtundra verschwunden, bis schließlich nur eine Frostschuttwüste in Form einer Lösssteppe übrig geblieben sei. Nach einer Kaltzeit habe, verbunden mit dem Abschmelzen der Gletscher, eine umgekehrte Entwicklung zurück zu dem gemäßigt warmen Klima- und Vegetationsverhältnissen eingesetzt.[6]

Während die Eiszeit einerseits dem Frühmenschen die Eroberung Europas, Südostasiens und Chinas durch die Entstehung von Landbrücken erst ermöglicht hatte, stellte sie ihn andererseits durch das durch sie bedingte Klima, vor neue Herausforderungen und Aufgaben.

Beispielsweise hätten die Frühmenschen, als Schutz vor der arktischen Kälte, einfache Unterkünfte gebaut und zudem einfache Formen der Vorratshaltung entwickelt, welche es ihnen erlaubten, über Jahreszeiten mit geringem Nahrungsangebot hinwegzukommen. Sie hätten außerdem von nun an in Gruppen zusammengelebt, für welche eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung anzunehmen sei. Die Frauen hätten demnach den pflanzlichen Anteil der Nahrung gesammelt und die Männer das Fleisch beschafft[7]. Auf Grund der klimatischen Auswirkungen der Eiszeit auf Flora und Fauna seien die Frühmenschen gezwungen gewesen, ihre Umgebung von festen Standquartieren aus zu durchstreifen. Sei ein Schweifgebiet für die Nahrungssuche und Jagd nicht mehr ergiebig gewesen, hätten sich die Gruppen neue Gebiete erschlossen.

Das Geräte-Inventar aus Stein sei durch das Auftreten des Homo erectus vor 1,5 Millionen Jahren deutlich erweitert worden. Diese Werkzeuge wie Faustkeil/ Schaber und Handspitzen seien bis zum Auftreten des Neandertalers und des modernen Menschen über eine Millionen Jahre lang unverändert geblieben.

Die Zähmung und Nutzung des Feuers hätte für die damaligen Menschen nicht nur den Vorteil eines Kälteschutzes mit sich gebracht, sondern außerdem die Nahrung verträglicher gemacht, ermöglicht, Werkzeuge durch Härtung im Feuer zu verbessern und wilde Tiere von den Lagern fernzuhalten.

Vor etwa 120.000 Jahren sei dann in Europa und Asien die Spezies des Neandertalers erstmals aufgetreten, deren Verbreitung in Afrika nicht belegt sei. Diese Gattung sei die erste, welcher Begräbnisse nachzuweisen seien.

Aus bisher noch nicht vollständig erklärbaren oder zumindest strittigen Gründen habe der Homo sapiens sapiens den Neandertaler vor etwa 40.000 Jahren aus Europa verdrängt. Aus dem Bereich der Sahara stammend, habe sich der Homo sapiens sapiens vor ungefähr 90.000 Jahren im Zuge einer Warmphase der letzten Eiszeit auf den Weg nach Norden gemacht. Es sei für den Balkan in dieser Phase anzunehmen, dass Neandertaler und Homo sapiens parallel lebten und sich eventuell sogar vermischten.

Insbesondere technische Neuerungen hätten die Überlegenheit des modernen Menschen gegenüber den Neandertalern in dieser Phase begründet. Wurfhölzer und Speere, Pfeil und Bogen, Fischnetze und Angelhaken mit Widerhaken seien aufgetaucht und zudem habe der moderne Mensch im Gegensatz zum Neandertaler, der das Material für seine Werkzeuge aus der näheren Umgebung bezogen habe, große Entfernungen zurückgelegt, um sich den hochwertigen und widerstandsfähigeren Feuerstein zu besorgen.

Zum ersten Mal hätten die Menschen in dieser Zeit auch Knochen und Geweih für die Herstellung ihrer Werkzeuge verwendet. Mit Hilfe der neuen Werkstoffe sei es den Menschen möglich gewesen, neue Werkzeuge und auch völlig neue Tätigkeiten zu entwickeln. Dazu zählten beispielsweise die Herstellung eng an den Körper anliegender, aus Fellen maßgeschneiderter Kleidung mit Hilfe einer Nadel aus Horn.

[...]


[1] Vgl.: http://nibis.ni.schule.de/nibis.phtml?menid=335

[2] Vgl. ebd. S. 4.

[3] Vgl.: Klaus Lampe: Ur- und Frühgeschichte (Unterricht Geschichte. Themen – Materialien – Medien. Reihe A, Band 1), Köln 1995, S. 8.

[4] Vgl.: Hansjürgen Müller-Beck: Die Steinzeit – Der Weg der Menschen in die Geschichte, München 32004, S. 5 u. S. 33.

[5] Vgl.: Klaus Lampe (1995), S. 10f..

[6] Vgl.: Dietrich Mania: Die ersten Menschen in Europa, Stuttgart 1998, S. 17f..

[7] Die Flora und Fauna variierte während der eiszeitlichen Warmphasen in den verschiedenen Regionen sehr stark. Mania (1998) nennt allein für eine eiszeitliche Warmphase des Fundorts Bilzingsleben diverse Baumarten, Sträucher, Gräser und Moose, die heutzutage im nördlichen Mitteleuropa nur selten oder gar nicht mehr vorkämen und in Süd- und Südosteuropa verbreitet seien. Neben Schnecken seien im Bilzingslebener Lager des Homo erectus in den Jagdbeuteresten auch größere Säugetiere aufzufinden. Darunter Knochen von Walelefanten, Wald- und Steppennashörnern, Wisenten, Rothirsche, Dam- und Riesenhirsche, Rehe und Wildschweine, Löwen, Bären, Wölfe und kleinere Raubtiere wie Füchse, Dachse, Marder und Wildkatzen. Dieses Nahrungsangebot sei durch verschiedene Vogelarten (auch Eier) und Fische ergänzt worden. (S. 34f..)

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Altsteinzeit - Unterrichtsentwurf zum Thema für eine 6. Klasse Gymnasium
Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
16
Katalognummer
V154192
ISBN (eBook)
9783640665662
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Anhang zur Arbeit wird hier nicht mitgeliefert.
Schlagworte
Fachdidaktik Geschichte, 6. Klasse Gymnasium, Altsteinzeit
Arbeit zitieren
Stefanie Däne (Autor), 2006, Altsteinzeit - Unterrichtsentwurf zum Thema für eine 6. Klasse Gymnasium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154192

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