Einsatz von Kommunikationsinstrumenten des Investor Marketings zur Erreichung von privatanlegerorientierten Zielsetzungen

Mit einer empirischen Untersuchung im DAX-30


Bachelorarbeit, 2010

75 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalts-verzeichnis

Abbildungs-Verzeichnis

Tabellen-Verzeichnis

Glossar und Abkürzungs-Verzeichnis

1 Einführung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition Public Relations, Investor Relations, Investor Marketing
2.2 Einordnung der Investor Relations-Tätigkeit im Unternehmen
2.3 Einordnung und Stellenwert des Privatanlegers als Investor

3 Einsatz von Kommunikationsinstrumenten des Investor Marketings zur Erreichung von privatanlegerorientierten Zielsetzungen
3.1 Privatanlegerorientierte Zielsetzungen des Investor Marketings
3.1.1 Finanzpolitische Ziele
3.1.2 Kommunikationspolitische Ziele
3.2 Privatanlegerorientierte Kommunikationsinstrumente des Investor-Marketings
3.2.1 Persönliche Instrumente
3.2.2 Unpersönliche Instrumente
3.3 Zuordnung der Privatanleger-orientierten Kommunikationsinstrumente zu den Investor Marketing-Zielsetzungen
3.3.1 Zuordnung der persönlichen Instrumente zu den Investor-Marketing-Zielsetzungen
3.3.2 Zuordnung der unpersönlichen Instrumente zu den Investor Marketing-Zielsetzungen
3.4 Zwischenbetrachtung der Kommunikationsinstrumente des Investor Marketings

4 Empirische Untersuchung der Kommunikationsinstrumente des Investor-Marketings im DAX-30
4.1 Zielsetzung der empirischen Untersuchung
4.2 Anforderung an die empirische Untersuchung
4.2.1 Datenerhebungsproblematik
4.2.2 Aufbau
4.2.3 Grundgesamtheit
4.2.4 Gestaltung des Fragebogens

5 Auswertung und Zusammenfassung der gewonnenen Erkenntnisse
5.1 Rücklaufquote
5.2 Auswertung der Untersuchung
5.2.1 Relevanz des Privatanlegers
5.2.2 Angaben zu IR-Abteilung
5.2.3 Instrumente und Ziele des IR
5.3 Fazit aus den gewonnenen Erkenntnissen

Literatur-Verzeichnis

Anlagen-Verzeichnis

Abbildungs-Verzeichnis

Abbildung 1: IR-Abteilung mit direktem Kontakt zum Vorstand

Abbildung 2: IR als Unterabteilung anderer Funktionsbereiche

Abbildung 3: Eingliederung des IR in den Vorstand

Abbildung 4: Der Privatanleger im Mittelpunkt des Kommunikationsprozesses

Abbildung 5: Investor Marketing Mix-Elemente

Abbildung 6: Bezugsrahmen der Zielsetzungen im IR

Abbildung 7: Zielsetzungen des Investor Marketings

Abbildung 8: Stellenwert des Privatanlegers

Abbildung 9: Intensität der Zusammenarbeit von IR und Marketing

Abbildung 10: Häufigkeit des Einsatzes von freiwilligen Instrumenten

Abbildung 11: Einflussmöglichkeiten der freiwilligen Instrumente

Abbildung 12: Relevanz der freiwilligen und pflichtmäßigen IR-Instrumente

Abbildung 13: Relevanz von IR-Zielsetzungen zum Gewinn von Privatanlegern

Abbildung 14: Vorliegen einer schriftlichen Strategie für Privatanleger

Tabellen-Verzeichnis

Tabelle 1: Überblick der Instrumente des Investor Marketings

Tabelle 2: Einflussmöglichkeiten der Produkt-Variationen auf die Kommunikation

Tabelle 3: Einflussmöglichkeiten der Distributions-Instrumente auf die Kommunikation

Tabelle 4: Einflussmöglichkeiten der Preis-Instrumente auf die Kommunikation

Tabelle 5: Verbindung der Zielsetzungen mit den persönlichen Instrumenten Teil 1

Tabelle 6: Verbindung der Zielsetzungen mit den persönlichen Instrumenten Teil 2

Tabelle 7: Verbindung der Zielsetzungen mit den unpersönlichen Instrumenten Teil 1

Tabelle 8: Verbindung der Zielsetzungen mit den unpersönlichen Instrumenten Teil 2

Glossar und Abkürzungs-Verzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

1.1 Relevanz des Themas

Der wichtigste Markt des einundzwanzigsten Jahrhunderts ist der Kapitalmarkt. Er ist das Herzstück der Volkswirtschaft. Im Kapitalmarkt agieren Unternehmen und Investoren. Die Unternehmen verfolgen das Ziel, sich kostengünstig zu finanzieren und die Liquidität zu gewährleisten. Die Investoren möchten eine möglichst gewinnbringende Anlageform unter Minimierung der Risikofaktoren finden. Beide Akteure finden am Aktienmarkt zusammen, der frisches Kapital für Unternehmen schafft und Investoren mit hohen Kurssteigerungen und Renditeaussichten lockt.

Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, ihre Zukunftsaussichten für potenzielle Investoren darzustellen. Dieser Kommunikationsprozess ist der tägliche Dialog, der an den Weltbörsen beobachtet werden kann, von Aktiengesellschaften zu Investoren, Journalisten und Analysten. Der Kommunikationsprozess von Unternehmen zu ihren Zielgruppen wird Investor Relations genannt. Schwerpunkt des Investor Relations ist der Dialog mit den Investoren. Die zahlenmäßig größte Investorengruppe stellen mit 3,4 Millionen Personen in Deutschland die Privatanleger dar.[1] Die Unternehmen verfolgen die Zielsetzung, mit kommunikativen Mitteln und Instrumenten diese Zielgruppe zu werben. Dabei entsteht jedoch die Gefahr, bei der komplexen Kommunikation die Inhalte nicht sachgerecht zu vermitteln, sodass unter Umständen der Privatanleger durch falsche Versprechungen langfristig als Aktionär verloren geht. Es finden sich dazu einige Beispiele, so bezeichnete der Schauspieler Manfred Krug die Werbespots für die Emission der T-Aktie als seinen größten beruflichen Fehler und entschuldigte sich bei den Aktionären.[2]

Eine gute Investor Relations-Arbeit hingegen führt zu einem Vertrauensgewinn und einer Steigerung des Börsenwertes um 10% bis 15%.[3] Dieser Gewinn verschafft den Unternehmen Liquidität und erhöht ihren finanziellen Handlungsspielraum. Doch nach welchen Prinzipien erfolgt die Investor Relations-Arbeit, liegen Kommunikationsstrategien zu Grunde? Eine Möglichkeit ist es, die Aktie als Produkt und die Investoren als Zielgruppe zu betrachten. Anhand dieser Faktoren muss eingegrenzt werden, ob und in welchem Umfang Kommunikations-Politik als Marketingansatz eingesetzt werden kann. Dies ist Aufgabenfeld des Investor Marketing. Das Unternehmen selbst wird zum Gegenstand der Vermarktung.[4]

1.2 Aufbau und Zielsetzung der Arbeit

Der Schwerpunkt der vorliegenden Thesis ist die Darstellung der Investor Relations-Tätigkeit deutscher börsennotierter Unternehmen (DAX-30) in Bezug auf die Zielgruppe der Privatanleger. Hierbei soll dem Leser zunächst ein grundlegender Überblick im Bereich Investors Relations vermittelt werden. Im Verlauf der Thesis wird dann das Thema in Bezug auf die Besonderheiten der Privatanleger konkretisiert. Es sollen des Weiteren die Instrumente des Investors Relations (nachfolgend IR)[5] und deren Erfolgsfaktoren privatanlegerorientiert aufgezeigt und auf Praxiseinsatz geprüft werden. Die Thesis soll Ansätze zur verbesserten Eingliederung der IR-Instrumente im Unternehmen zeigen, die eine effiziente Erreichung der privatanlegerorientierten Zielsetzungen sicherstellen soll.

Die Thesis gliedert sich in fünf Punkte. Das erste Kapitel dient zur Orientierung des Lesers und beschreibt die Zielstellung.

Im zweiten Kapitel werden grundlegende Rahmenbedingungen zur Einordnung und Begriffsabgrenzung von IR erläutert.

Das dritte Kapitel geht zunächst auf die Zielsetzungen einer privatanlegerorientierten Ausrichtung des IR ein. Anschließend wird dargestellt, über welche Instrumente die Zielsetzungen verfolgt werden können. Im nächsten Schritt wird ausgehend von den einzelnen Instrumenten eine mögliche Verbindung mit den Zielsetzungen geprüft.

Im vierten Kapitel wird anhand einer empirischen Studie analysiert, welchen Stellenwert die Instrumente und Ziele des IR besitzen. Weiterhin werden Rahmenbedingungen zum Einsatz der Instrumente untersucht. Untersuchungsgegenstand sind alle Unternehmen des Deutschen Aktien Index DAX-30.

Im letzen Kapitel werden die gewonnen Erkenntnisse aus der Befragung ausgewertet und in Form eines Fazits dem Leser dargelegt.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Begriffsdefinition Public Relations, Investor Relations, Investor Marketing

Um die Begriffsdefinition des Investor Marketings zu erleichtern, ist es zunächst sinnvoll, auf die verwandten Bereiche des Public Relations und des Investor Relations einzugehen.

Public Relations wird dem Marketing zugeordnet und als „Öffentlichkeitsarbeit“ bezeichnet.[6] Genauer gesagt ist Public Relations ein Teil der Kommunikationspolitik, die wiederum im Marketing-Mix verankert ist.[7] Eine umfassende Definition liefert die Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG): „Das bewusste und legitime Bemühen(…)um Aufbau und Pflege von Vertrauen in der Öffentlichkeit auf Grundlage systematischer Erforschung.“[8] Es wird deutlich, dass im Unterschied zur Werbung nicht das Herbeiführen einer unmittelbaren Konsumentscheidung im Mittelpunkt steht. Vielmehr ist Public Relations der Versuch des Aufbaus einer langfristigen Kundenbeziehung, in der die Förderung des Firmen-Images mehr fokussiert wird als bei werbeorientierten Ansätzen.

IR ist eine Unterform des Public Relations. General-Electric verwendete ihn in den 50er Jahren das erste Mal.[9] Von der deutschen Literatur ist der Begriff übernommen worden. Inzwischen gibt es einen eigenständigen Verband für IR in Deutschland, den Deutschen IR Verband (kurz DIRK), dieser umfasst 290 Mitglieder.[10] Der Verband bezeichnet das Ziel von IR als „in der Öffentlichkeit und insbesondere am Finanzmarkt eine möglichst realistische Wahrnehmung des Unternehmens zu erreichen.“[11] Es ist festzuhalten, dass im Unterschied zum Public Relations eine zunehmende Eingrenzung auf Finanzmärkte und deren Zielgruppe, die Investoren erfolgt.

Freiling u. Kollmann bezeichnen IR als „(…)die strategisch geplante und zielgerichtete Gestaltung der Kommunikationsbeziehungen zwischen einem börsennotierten Unternehmen und Mitgliedern der Financial-Community.“[12] Im Unterschied zu DIRK grenzen sie auf börsennotierte Unternehmen ein und betonen die langfristige strategische Perspektive. Töpfer vertritt eine ähnliche Definition wie DIRK: „(...)Entscheidungen und Ergebnisse, die den Wert der Unternehmensanteile beeinflussen, möglichst objektiv und neutral darzustellen.“[13]

Rosen hingegen vertritt eine offensivere Auffassung des IR. Er vertritt den Ansatz durch den „Wettbewerbsfaktor(…) die Aufmerksamkeit von Kapitalgebern zu binden.“[14] Er impliziert den Wettbewerb der Unternehmen um das knappe Gut des Geldes. Andere Autoren sprechen von einer objektiven, neutralen und realistischen Darstellung des Kapitalmarktes und nicht vom Konkurrenzfaktor.[15] Ein Erklärungsansatz für die in der Literatur gegensätzlich vertretenen Meinungen ist, dass der Wettbewerb auf dem Kapitalmarkt in einem bestimmten rechtlichen Rahmen beschränkt stattfindet und somit immer eine gewisse Ordnung eingehalten wird (objektive und faire Rahmenbedingungen). Es wird deutlich, dass eine Definition aus verschiedenen Perspektiven erfolgen kann. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass Unternehmen in verschiedenen Wettbewerbs-Situationen auch verschiedene Strategien zur Kapitalbeschaffung verwenden.

Festgehalten aber werden muss, dass eine nachhaltige Unternehmenswertsteigerung nur durch Vertrauen der Kapitalgeber möglich ist. Dieses Vertrauen stützt sich zumindest langfristig auf einen fairen Umgang mit Aktionären. Entzieht der Kapitalgeber dem Unternehmen das Vertrauen, so ist dies ein Faktor, der zur Verkaufsentscheidung von Unternehmensanteilen beiträgt.

Der Begriff Investor Marketing wird von Rosen als ein Bestandteil „innerhalb des Investors Relations“ gesehen.[16] Theilen hingegen vertritt die Auffassung, dass IR eine „umfassende Funktion des Investor Marketings“ ist.[17] Dies begründet Theilen über die Unternehmensstrategie, in der die effektive Nutzung der Kommunikationselemente nur möglich ist, wenn das Unternehmen ganzheitlich kommuniziert. Diesen Kommunikationsprozess gliedert er im Bereich Marketing ein, genauer im Investor Marketing. Somit ordnet Theilen die IR als ein wichtiges Instrument innerhalb des Investor Marketings ein und widerspricht Rosen. Bartscherer hingegen benutzt eine elegante Lösung. Er ersetzt den Begriff des Investor Marketings und spricht von einer „marktorientierten Betrachtung des Investor Relations.“[18] In diesem Modell verweist Bartscherer auf den Marketing-Mix und verbindet dieses mit dem Bereich des IR.

Je nach Schwerpunkt und Zielsetzung der einzelnen Werke wählen die Autoren den Begriff IR oder Investor Marketing. Weder die Definitionen noch die Abgrenzung der beiden Begriffe untereinander sind eindeutig. Somit ist nach Sichtung der Literatur von inhaltlichen Überschneidungen auszugehen. Allerdings weisen die Autoren dem Investor Marketing mehr strategische Elemente in Abstimmung mit der Unternehmstrategie zu.[19] Somit soll der Begriff Investor Marketing in der Thesis vornehmlich im Zusammenhang mit strategischen Gesichtspunkten verknüpft werden. Der Begriff IR soll hingegen bei finanzwirtschaftlichen Aspekten und deren Zielen und Instrumenten Verwendung finden.

2.2 Einordnung der Investor Relations-Tätigkeit im Unternehmen

Um die IR-Tätigkeit einordnen zu können, ist sie zu klassifizieren. Die Tätigkeit des IR variiert innerhalb jedes Unternehmens und ist maßgeblich vom Börsen-Segment[20] und der Unternehmensgröße abhängig.[21] Als wesentliche Grundaufgaben zur erfolgreichen Umsetzung des IR sind die Vorbereitung der Hauptversammlung, die Veröffentlichung sämtlicher Finanzberichte sowie der Kontakt zu den Aktionären in Form von Öffentlichkeitsarbeit zu nennen.[22]

Das IR steht vor der Herausforderung, sich im Unternehmen zu integrieren. Eine Integration im Bereich Finanzen scheint falsch, da wichtige kommunikationspolitische Tätigkeiten einfließen.[23] Eine Eingliederung im Bereich Marketing könnte jedoch zu einer Überbewertung der kommunikationspolitischen Instrumente führen.[24] Für diese Problemstellung existieren mehrere Lösungsansätze. Zunächst unterscheidet die Literatur in interne und externe Organisationskonzepte. Letztere werden durch einen externen Dienstleister sichergestellt und finden vornehmlich in kleinen Unternehmen Anwendung.[25] Daher wird auf sie nicht weiter eingegangen.

Unter die internen Konzepte fallen:[26]

- IR-Abteilung mit direktem Kontakt zum Vorstand (vgl. Abbildung 1)
- IR als Unterabteilung anderer Funktionsbereiche (vgl. Abbildung 2)
- Eingliederung des IR in den Vorstand (vgl. Abbildung 3)

Abbildung 1: IR-Abteilung mit direktem Kontakt zum Vorstand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigenerstellung auf Grundlage von Pierbattisti u. Streuer

Das IR wird auf Abteilungsebene angesiedelt, mit direktem Zugang zum CEO (Chief Executive Officer) und CFO (Chief Financial Officer).

Der Vorteil ist im Informationsfluss zum IR zu sehen, da die Informationen aus dem direkten Kontakt zum Vorstand stammen. Dieses Modell ist bei größeren Unternehmen verbreitet.

Abbildung 2: IR als Unterabteilung anderer Funktionsbereiche

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigenerstellung auf Grundlage von Pierbattisti u. Streuer

Die Abbildung zwei zeigt die Eingliederung der IR-Abteilung als Unterabteilung mehrerer Funktionsbereiche. Praxisnah wäre eine Einbeziehung im Marketing oder im Bereich Finanzen/Rechnungswesen.[27] Das Modell findet aber nicht häufig Verwendung, da es eine isolierte Stellung des IR vornimmt (Abwertung als Unterabteilung), aus der heraus eine starke Position der Kommunikation nicht sichergestellt werden kann.

Abbildung 3: Eingliederung des IR in den Vorstand

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigenerstellung auf Grundlage von Pierbattisti u. Streuer

Dieses Modell setzt eine doppelte Funktion des IR voraus. Es wird von einer Doppelrolle gesprochen, weil der Abteilungsleiter vom IR gleichzeitig einen Sitz im Vorstand hat und diese Tätigkeit mit der eigenen Abteilung koordinieren muss. Somit soll sichergestellt werden, dass alle Informationen zeitnah verfügbar sind, denn der Abteilungsleiter nimmt an allen Vorstandssitzungen teil.

Dieses Modell soll nach außen die Wichtigkeit der IR-Tätigkeit für Investoren darlegen.[28] Anwendung findet dieses Modell nur in größeren Unternehmen mit entsprechenden personellen Kapazitäten.

2.3 Einordnung und Stellenwert des Privatanlegers als Investor

Die Definition des Privatanlegers lautet: „Privatanleger sind natürliche Personen, die Ihr Vermögen bereits in Aktien angelegt haben oder beabsichtigen, es in Zukunft zu tun.“[29] Nach dieser Definition ist ein Belegschaftaktionär[30] als eine Teilgruppe der Privataktionäre zu behandeln, da er eine natürliche Person ist und Vermögensanteile in Aktien besitzt. Diese Anteile werden häufig von Mitarbeitern über Beteiligungs-Programme erworben. Aus einer Studie des Jahres 2009 geht hervor, dass der Privataktionär in Deutschland insgesamt einen Anteil am Grundkapital der Aktiengesellschaften von durchschnittlich 21,3 % aufweist.[31] Weiterhin gibt die Studie an, dass sich die absolute Zahl der Privatanleger in Deutschland aus Sicht des Jahres 2000 im Verhältnis zum Jahr 2009 fast halbiert hat auf 3,3 Millionen Anleger.[32]

Innerhalb der Privatanleger unterscheidet Vollbrecht in zwei Gruppen: In kurzfristig orientierte Anleger, die weniger Interesse am Geschäftsmodell aufweisen, sondern nur die maximale kurzfristige Rendite abgreifen wollen und mittel- bis langfristig orientierte Anleger.[33] Letztere Anlegergruppe gilt in der Literatur als wünschenswert, weil diese Gruppe als ein beständiger Aktionär betrachtet wird, sodass auch das Unternehmen langfristig mit dem eingesetzten Kapital planen kann. Denn der Privatanleger verkauft seine Aktien seltener als kommerzielle Investoren. Dies trägt zur Reduzierung von Kursschwankungen bei. Im Gegensatz zu institutionellen Investoren, die durch homogenes Verhalten starke Kursschwankungen auslösen können, agieren Privatanleger weniger geschlossen.[34] Die folgende Grafik verdeutlicht die möglichen Kommunikationsprozesse des Unternehmens zum Privatanleger:

Abbildung 4: Der Privatanleger im Mittelpunkt des Kommunikationsprozesses Die Financial-Community

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigendarstellung in Anlehnung an Harzer[35]

Anmerkungen zur Abbildung:

Bezugnehmend auf die einzelnen Gruppen Unternehmen, Wirtschaftsjournalisten, Finanzanalysten, Anlageberater und Privatanleger wird auch zusammenhängend von der Financial-Community gesprochen.[36]

Alle dargestellten Wirkungs-Zusammenhänge, die sich über zwei oder mehr Gruppen erstrecken, sind als Multiplikatoren-Effekt anzusehen.[37] Ein Beispiel hierfür ist, dass die Unternehmen die Wirtschaftsjournalisten (erste Gruppe) beeinflussen, die Wirtschaftsjournalisten beeinflussen wiederum die Privatanleger (zweite Gruppe).

Weitere Differenzierungsmöglichkeiten der Privatanleger

Ist die Zielgruppe beschrieben, kann als weiteres Mittel eine Markt-Segmentierung erfolgen. Hierunter ist die genauere Einteilung der Zielgruppe in einzelne Gruppen (Segmente) zu verstehen. Als mögliche Kriterien der Segmentierung im Investor Marketing sind zu nennen:

- Mittelherkunft des Privatanlegers, Eigenkapital oder Fremdkapital [38]
- Anlagevolumen des Privatanlegers[39]
- Land und Region des Privatanlegers[40]
- Aktionär oder potenzieller Aktionär[41]

3 Einsatz von Kommunikationsinstrumenten des Investor Marketings zur Erreichung von privatanlegerorientierten Zielsetzungen

Zu Beginn des dritten Kapitels werden die zu untersuchenden Kommunikationsinstrumente des Investor Marketings kurz vorgestellt. Anschließend werden die Rahmenbedingungen des Einsatzes der Kommunikationsinstrumente aufgezeigt, um auf Grundlage dessen die Ziele des Investor Marketings darzustellen. Im Anschluss werden die Instrumente ausführlich beschrieben und es wird eine mögliche Wirkungsbeziehung der privatanlegerorientierten Zielsetzungen zu den Instrumenten untersucht.

Übersicht der Kommunikationsinstrumente

Die Kommunikationsinstrumente können in persönliche und unpersönliche unterteilt werden.[42] Wenn die Teilnehmer unmittelbar miteinander kommunizieren, spricht man von persönlichen Instrumenten, dies schließt Multiplikatoren-Effekte in der Kommunikation zum Privatanleger mit ein. Bei unpersönlichen Instrumenten gibt es keine unmittelbare Möglichkeit der Teilnehmer miteinander zu kommunizieren.

Die folgende Übersicht stellt die verschiedenen Instrumente der persönlichen und unpersönlichen Kommunikation einander gegenüber. Eine ausführliche Beschreibung der einzelnen Instrumente ist dem Kapitel 3.2 zu entnehmen.

[...]


[1] vgl. Greiten, Kuhn, & Rekic, 2009 S.14

[2] vgl. www.faz.net -M. Krug-

[3] vgl. Rosen, 2003 S.174

[4] vgl. Kirchhoff & Piwinger, 2009 S.20

[5] Die Abkürzung IR für Investor Relations soll in der Thesis Verwendung finden.

[6] Becker, 2006 S.600

[7] vgl. Bühler, Naderer, Koch & Schuster, 2007 S.12

[8] www.dprg.de -Grundsätze Public Relation-

[9] vgl. Bartscherer, 2004 S.7

[10] vgl. www.dirk.org -Startseite-

[11] www.dirk.org -Berufsgrundsaetze-

[12] Freiling & Kollmann, 2008 S.138

[13] Töpfer, 2005 S.220

[14] Rosen, 2003 S.174

[15] Vergleiche die Definitionen des IR von den anderen genannten Autoren.

[16] Rosen, 2003 S.174

[17] Theilen, 2008 S.58

[18] Bartscherer, 2004 S.20

[19] vgl. z.B. das Werk: Ebel & Hofer, 2003

[20] Das Börsensegment ist die Abgrenzung von Aktien auf Grundlage verschiedener Anforderungen.

[21] vgl. Schnorrenberg, 2008 S.18

[22] vgl. Ebenda, S.14-16

[23] vgl. Könen, 2004 S.69

[24] vgl. Ebenda, S.69-70

[25] vgl. Pierbattisti, 2007 S.17

[26] vgl. Pierbattisti, 2007 S.17-19 u. Streuer, 2004 S.67-73

[27] vgl. Streuer, 2004 S.68

[28] vgl. Pierbattisti, 2007 S.19

[29] Harzer, 2005 S.10

[30] Person, die Aktien einer Firma besitzt und gleichzeitig Mitarbeiter der Firma ist.

[31] vgl. Greiten, Kuhn, & Rekic S.11

[32] vgl. Ebenda S.14

[33] Vollbrecht, 2004 S.293-294

[34] Hocker, 2003 S.76

[35] vgl. Harzer, 2005 S.59

[36] vgl. Bartscherer, 2004 S.75

[37] vgl. Ebenda, S.75

[38] vgl. Bartscherer, 2004 S.76

[39] vgl. Ebenda, S.76

[40] vgl. Ebel & Hofer, 2003 S.30

[41] vgl. Ebenda, S.30

[42] vgl. Huchzermeier, 2006 S.80

Ende der Leseprobe aus 75 Seiten

Details

Titel
Einsatz von Kommunikationsinstrumenten des Investor Marketings zur Erreichung von privatanlegerorientierten Zielsetzungen
Untertitel
Mit einer empirischen Untersuchung im DAX-30
Hochschule
Fachhochschule Flensburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
75
Katalognummer
V154196
ISBN (eBook)
9783640666515
ISBN (Buch)
9783640666386
Dateigröße
1222 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
INVESTOR MARKETING, Investor Realtion, DAX-30, IR, KOMMUNIKATIONSINSTRUMENTE, Privatanleger IR, Privatanleger
Arbeit zitieren
Jan-Christoph Drewicke (Autor), 2010, Einsatz von Kommunikationsinstrumenten des Investor Marketings zur Erreichung von privatanlegerorientierten Zielsetzungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154196

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