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Analyse der Medea-Figur in Christa Wolfs "Medea. Stimmen"

Eine Frau im Wandel der Zeit

Title: Analyse der Medea-Figur in Christa Wolfs "Medea. Stimmen"

Term Paper , 2010 , 22 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nicola Huber (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Im Jahre 1993 kam ans Licht, dass Christa Wolf, aufgewachsen in der DDR, zwischen 1959 und 1962 als IM ‚Margarete’ für die Stasi tätig war. Nicht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass sie bis zum Jahre 1989 ein Mitglied der SED war. Demnach zu schließen, müsste sie ja hinter dem System der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik gestanden haben, wenn sie sogar dessen Machenschaften unterstützte. Als Wolf noch in der DDR lebte, plädierte sie für den Zusammenhalt der Menschen, ihre Grundidee war geprägt von einem positiven Kollektivgedanken. Obwohl sie ein Bewusstsein für die Probleme im Staat entwickelte, war sie doch der Überzeugung, dieses könnten überwunden werden, wenn die Menschen etwas für den Sozialismus tun würden. Sie glaubte an eine Existenz der DDR, wenn die Bewohner dieses Staates dazu beitrügen, den Sozialismus zu fördern und zu unterstützen. Wolfs Werke sind also eher der systemtragenden Literatur zuzuordnen als der systemkritischen. Manche mögen auch von offizieller Propagandaliteratur sprechen, was in ihren frühen Werken durchaus berechtigt war, bei „Medea, Stimmen“ jedoch nicht mehr ausschließlich zutrifft, denn hier werden weder die Kolcher, mag man sie als Repräsentanten der ehemaligen DDR-Bürger sehen, noch die Korinther als Repräsentanten der BRD-Bürger, vollkommen dargestellt. „Medea. Stimmen“, erschienen 1996, zählt noch zur sog. Wendeliteratur: Die kulturellen, sozialen und gesellschaftlichen Folgen des Mauerfalls und der Wiedervereinigung Deutschlands stehen im Mittelpunkt und dabei geht es mehr um die Menschen und ihre Situation, als um politische Entscheidungen. Nachdem auf den antiken Mythos der Medea (2. 1 Die antike Medea – ein kurzer Abriss) und den „neuen“ Mythos der Medea der Christa Wolf eingegangen wurde, wird „Medea. Stimmen“ näher beleuchtet: Der Inhalt (2. 2. 1 Inhaltsangabe) legt Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede offen, die sprachlichen Besonderheiten unter Punkt 2. 2. 2 bieten einen Einblick in die Schreibweise der Christa Wolf und anhand der formalen Kriterien (2. 2. 3 äußere Form) lässt sich der Aufbau des Romans aufzeigen. Das deutsch-deutsche Verhältnis wird unter Punkt 3 genauer betrachtet: [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Christa Wolf als Für- oder Widersprecherin des DDR-Staates?

1.1 Übersicht über die vorliegende Arbeit

1.2 Literaturbericht

2 Medea als Figur über die Jahrhunderte hinweg

2.1 Die antike Medea bei Euripides – ein kurzer Abriss

2.2 Christa Wolfs Medea

2.2.1 Knappe Inhaltsangabe unter Berücksichtigung der Stimmen

2.2.2 Sprachliche Besonderheiten

2.2.3 Äußere Form

3 Das deutsch-deutsche Verhältnis in „Medea. Stimmen“

3.1 Eine verschlüsselte politische Botschaft?

3.2 Medea als zentrale Figur zu einer Zeit politischer Umbrüche

3.3 Ost-West – Konflikt? – Kolchis versus Korinth?

3.3.1 Kolchis als matriarchale Gesellschaft

3.3.2 Korinth als patriarchale Gesellschaft

4 Gestalt auf einer Zeitengrenze

5 Literatur

5.1 Primärliteratur

5.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Christa Wolfs Roman „Medea. Stimmen“ unter besonderer Berücksichtigung des deutsch-deutschen Verhältnisses nach der Wiedervereinigung. Ziel ist es, die Rolle der Medea als „Frau zwischen den Zeiten“ zu analysieren und aufzuzeigen, inwiefern der antike Mythos für eine Auseinandersetzung mit politischen Umbruchszeiten und gesellschaftlichen Sündenbock-Mechanismen instrumentalisiert wird.

  • Analyse des antiken Medea-Mythos im Vergleich zur modernen Adaption von Christa Wolf.
  • Untersuchung der strukturellen und sprachlichen Besonderheiten des Romans („Stimmen“).
  • Deutung der gesellschaftlichen Konflikte (Kolchis versus Korinth) als Spiegelung ost-westdeutscher Befindlichkeiten.
  • Erörterung von Machtstrukturen, Patriarchat und gesellschaftlicher Ausgrenzung.
  • Bewertung von Medea als Identifikations- bzw. Projektionsfigur für die Bewohner der ehemaligen DDR.

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Kolchis als matriarchale Gesellschaft

Die Stadt Kolchis wird als „der Rand der Welt“ beschrieben. Und obwohl die Landschaft schroff und bergig ist, weiß Medea schon immer, dass sie nie aufhören würde, sich nach dieser Stadt zu sehnen. Das geht auch den anderen geflüchteten Kolchern in Korinth so. Einige treffen sich, um ihre Lieder zu singen und ihre Bräuche zu pflegen, sie verklären Kolchis; andere wollen sich vollkommen integrieren und „für echte Korinther“ gehalten werden. Die Flüchtlinge teilen sich sozusagen in zwei Gruppen, die Integration wird in Frage gestellt.

Medea flüchtet jedoch mit Jason und seinen Argonauten von Kolchis, weil sie dessen Niedergang bereits ahnt und vielmehr noch, weil sie nach dem Tode ihres Bruders den Glauben an eine bessere Zukunft verloren hat. Immer mehr Kolcher schließen sich einer Art Oppositionsbewegung an, da sie mit der Regierung des alten und verknöcherten König Aietes nicht mehr einverstanden sind. Die Kolcher tragen in ihren Herzen die Vorstellung von einem Land, das von gerechten Herrschen mit periodischer Ämterverteilung gelenkt wird, in dem alle in Eintracht lebten, jeder den gleichen Besitz habe und keiner beneidet würde oder gar von den Mitbürgern bedroht. Wolf beschreibt hier das Idealbild des Sozialismus! Da Aietes die Anzeichen in der Bevölkerung für einen Umbruch bzw. eine Neuerung jedoch nicht erkennen will, setzt er seinen Sohn Absyrtos zum König ein und lässt ihn dann von einer fanatischen Gruppe alter Weiber, die durchzusetzen versuchten, dass die Kolcher „in jeder winzigsten Einzelheit so leben sollten“ wie ihre Vorfahren, töten. Alles war geregelt. Er wählte die Macht, für die er seinen Sohn opferte und als Mittel der Macht die Einschüchterung. Auch die SED versuchte in der ehemaligen DDR ihre Macht mit Einschüchterung zu erhalten.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Christa Wolf als Für- oder Widersprecherin des DDR-Staates?: Die Einleitung beleuchtet die politische Verortung der Autorin und stellt den Roman als ein Werk der Wendeliteratur vor.

2 Medea als Figur über die Jahrhunderte hinweg: Dieses Kapitel gibt einen Abriss des antiken Mythos und analysiert die spezifische literarische Ausgestaltung durch Christa Wolf.

3 Das deutsch-deutsche Verhältnis in „Medea. Stimmen“: Der Hauptteil untersucht die politische Lesart des Romans und die Gegenüberstellung von Kolchis und Korinth als gesellschaftliche Systeme.

4 Gestalt auf einer Zeitengrenze: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und charakterisiert Medea als eine Figur, die in keiner Welt einen festen Platz findet.

5 Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Primär- und Sekundärquellen.

Schlüsselwörter

Christa Wolf, Medea, DDR-Literatur, Wendeliteratur, Mythos, Kolchis, Korinth, Ost-West-Konflikt, Gesellschaftskritik, Patriarchat, Matriarchat, Sündenbock, Identität, Machtstrukturen, Fremdheit.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Roman „Medea. Stimmen“ von Christa Wolf unter Berücksichtigung literaturwissenschaftlicher Aspekte und dessen Bezug zur deutschen Geschichte nach der Wiedervereinigung.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Im Zentrum stehen die Mythenrezeption, die Darstellung von Herrschaftsmechanismen sowie das Migrations- und Identitätsproblem der Akteure vor dem Hintergrund des Zusammenbruchs der DDR.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wolf den antiken Medea-Stoff nutzt, um gesellschaftliche Ausgrenzung, politische Machtansprüche und die Zerrissenheit der Menschen nach dem Mauerfall zu verarbeiten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer literaturwissenschaftlichen Analyse des Textes unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur zur Interpretation der Symbolik und der politischen Hintergründe.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Interpretation des deutsch-deutschen Verhältnisses durch die Gegenüberstellung von Kolchis und Korinth und untersucht die Rolle der Medea als zentrale Identifikationsfigur.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören unter anderem Medea, Christa Wolf, DDR, Kolchis, Korinth, Mythos, Sündenbock-Mechanismus und gesellschaftlicher Wandel.

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Königs Aietes?

Aietes wird als verknöcherter Herrscher gezeichnet, der den gesellschaftlichen Wandel verkennt und Macht durch Einschüchterung sichert, was Parallelen zum SED-System der ehemaligen DDR aufzeigt.

Warum wird Medea in Korinth zur Ausgestoßenen?

Medea wird zur Sündenbockfigur, da sie mit ihrem alternativen Wissen und ihrem „anderen“ kulturellen Hintergrund den korinthischen Mächtigen als Spiegel dient, der deren eigenes moralisches Versagen und ihre Untaten offenlegt.

Welche Funktion hat die „Stimmen“-Struktur des Romans?

Die elf verschiedenen Stimmen dienen dazu, ein vielschichtiges, collagenartiges Bild der Hauptfigur zu entwerfen, das sich von der klassischen Zuschreibung der Medea als Kindsmörderin distanziert.

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Details

Title
Analyse der Medea-Figur in Christa Wolfs "Medea. Stimmen"
Subtitle
Eine Frau im Wandel der Zeit
College
University of Passau  (Lehrstuhl für Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Course
Literatur aus und über die DDR
Grade
1,0
Author
Nicola Huber (Author)
Publication Year
2010
Pages
22
Catalog Number
V154202
ISBN (eBook)
9783640666522
ISBN (Book)
9783640666478
Language
German
Tags
Christa Wolf Medea Kindermord Jason Korinth Kolchis Flucht DDR Ostdeutschland Westdeutschland Mythos Antike
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicola Huber (Author), 2010, Analyse der Medea-Figur in Christa Wolfs "Medea. Stimmen", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154202
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