Die menschliche Sprache ist das größte Kulturgut der humanen Gesellschaft und der essentielle Unterschied, der uns von anderen Lebewesen abgrenzt. Sprache ist die höchst entwickelte Form der Kommunikation und in ihr sind die kollektiven Erfahrungen einer Gesellschaft gespeichert. Umso bedeutender erscheint die Frage, wie sich Sprachkompetenz aufbaut und entwickelt. Unter welchen Rahmenbedingungen wird der bestmögliche Spracherwerb gewährleistet? Welche Methoden und Bedingungen fördern den Spracherwerb? Welche Faktoren beeinflussen den Zweitspracherwerb?
Um diese Fragen beantworten zu können, muss man zuerst einige Definitionen und terminologische Abgrenzungen vornehmen. Aufgrund dessen werde ich im ersten Teil zunächst erläutern, was allgemein unter den Begriffen Erst- und Zweitspracherwerb verstanden wird. Daran anschließend werde ich insbesondere den Zweitspracherwerb expliziter erläutern und die Unterschiede zum Erstspracherwerb herausstellen. Darauf aufbauend werde ich die zentralen Theorien des Zweitspracherwerbs darstellen. Bevor ich hieraus abschließende Konsequenzen für die Schulbildung ziehe, werde ich im Vorfeld eine kurze Charakteristika der beiden Sprachen Türkisch und Russisch vornehmen, da diese vor dem Hintergrund des besuchten Seminars und der Vielzahl in Deutschland lebenden Migranten mit einer der jeweiligen Erstsprache von außerordentlichem Interesse sind.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 SPRACHERWERB
2.1 ERSTSPRACHERWERB
2.2 ZWEITSPRACHERWERB
2.2.1 Ungesteuerter Zweitspracherwerb
2.2.2 Gesteuerter Zweitspracherwerb
2.3 UNTERSCHIEDE ERST- UND ZWEITSPRACHERWERB
3 DIE THEORIEN DES ZWEITSPRACHERWERBS
3.1 KONTRASTIVHYPOTHESE
3.2 IDENTITÄTSHYPOTHESE
3.3 INTERLANGUAGE-HYPOTHESE
3.4 DIE „MONITOR-THEORIE“ NACH KRASHEN
3.5 PIDGINISIERUNGSHYPOTHESE
3.6 INTERDEPENDENZ- UND SCHWELLENNIVEAUHYPOTHESE
4 KONSEQUENZEN FÜR TÜRKISCHE UND RUSSISCHE LERNER
4.1 DAS TÜRKISCHE
4.2 DAS RUSSISCHE
4.3 SCHLUSSFOLGERUNGEN
5 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentralen Theorien des Zweitspracherwerbs, um daraus konkrete Anforderungen und pädagogische Empfehlungen für die schulische Bildung von Migrantenkindern abzuleiten. Dabei liegt ein besonderer Fokus auf den strukturellen Besonderheiten der türkischen und russischen Sprache im Vergleich zum Deutschen sowie der Bedeutung der Erstsprache für den erfolgreichen Erwerb der Zweitsprache.
- Grundlagen des Erst- und Zweitspracherwerbs
- Wissenschaftliche Erklärungsmodelle (z. B. Kontrastiv-, Interlanguage- und Monitor-Theorie)
- Kontrastive Analyse der Merkmale von Türkisch und Russisch gegenüber dem Deutschen
- Empirische Erkenntnisse zu Transferleistungen und Lernschwierigkeiten
- Implikationen für die frühe Sprachförderung und pädagogische Praxis
Auszug aus dem Buch
3.4 Die „Monitor-Theorie“ nach Krashen
Die Monitor-Theorie beschäftigt sich primär mit dem Verhältnis zwischen ungesteuerten und gesteuerten Spracherwerb. Dabei können drei Grundannahmen unterschieden werden:
(1) Es kann zwischen unbewusstem und bewusstem Spracherwerb differenziert werden, wobei dem ersteren ein höherer Stellenwert eingeräumt wird. Spracherwerb benötigt realistische Kommunikation, bei der dem Akteur nicht die sprachliche Richtigkeit seiner Äußerungen wichtig ist, sondern vielmehr das Bedürfnis zu verstehen und verstanden zu werden.
(2) Damit das Lernen erfolgreich verlaufen kann, muss eine Art Kontrollinstanz, ein sogenannter Monitor, im Akteur aktiv sein, der ihn korrigiert und das Lernen lenkt.
(3) Die Wirksamkeit des Monitors ist jedoch von Rahmenbedingungen abhängig: a) es muss ausreichend Zeit zur Sprachverarbeitung vorhanden sein, b) der Akteur muss die formale Korrektheit anstreben und c) er muss die korrekten Formen kennen.
Nach Ansicht dieser Theorie überwacht der Akteur aktiv seine eigene Sprachproduktion sowie das Verstehen von Äußerungen. Dies ist jedoch nur dann möglich, wenn er ein mentales Kontrollmedium (Monitor) präsent hat. Im Zentrum dieser Theorie steht somit der unbewusst verlaufende Erwerbsprozess von Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung legt den Grundstein für die Untersuchung, indem sie die Bedeutung von Sprache als Kulturgut hervorhebt und die zentrale Forschungsfrage nach den Bedingungen für den erfolgreichen Zweitspracherwerb formuliert.
2 SPRACHERWERB: Dieses Kapitel definiert die grundlegenden Begriffe des Erst- und Zweitspracherwerbs, differenziert zwischen ungesteuerten und gesteuerten Lernprozessen und verdeutlicht die Unterschiede zwischen Fremd- und Zweitsprachenerwerb.
3 DIE THEORIEN DES ZWEITSPRACHERWERBS: Hier werden zentrale wissenschaftliche Hypothesen wie die Kontrastiv-, Identitäts-, Interlanguage-, Monitor- und Interdependenzhypothese detailliert vorgestellt und kritisch diskutiert.
4 KONSEQUENZEN FÜR TÜRKISCHE UND RUSSISCHE LERNER: Dieses Kapitel analysiert die linguistischen Kontraste zwischen Türkisch, Russisch und Deutsch, um spezifische Hürden für Lerner dieser Sprachen aufzuzeigen.
5 KONSEQUENZEN FÜR DEN UNTERRICHT: Abschließend werden aus den theoretischen und empirischen Ergebnissen pädagogische Konsequenzen für die frühkindliche und schulische Sprachförderung abgeleitet.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Erstspracherwerb, Kontrastivhypothese, Interlanguage, Monitor-Theorie, Türkisch, Russisch, Erstsprache, Migrantenkinder, Sprachförderung, Schwellenniveauhypothese, Interdependenzhypothese, Lernerschwernisse, Sprachunterricht, Bilingualismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs und deren praktischer Anwendung in der Bildungslandschaft für Kinder mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Abgrenzung von Erwerbsprozessen, die Vorstellung gängiger linguistischer Spracherwerbstheorien sowie eine kontrastive Analyse von Türkisch und Russisch gegenüber dem Deutschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, den hohen Stellenwert der Erstsprache für den Zweitspracherwerb aufzuzeigen und daraus konkrete Anforderungen für die schulische Sprachförderung abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine theoretische Literaturanalyse sowie auf die Auswertung empirischer Studien, wie etwa die von Wegener oder Haberzettl, um linguistische Phänomene zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Spracherwerbsmodelle sowie einen anwendungsorientierten Teil, der die Besonderheiten türkischer und russischer Lerner in den Mittelpunkt stellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Zweitspracherwerb, Erstsprache, Interlanguage, Kontrastivhypothese sowie Sprachförderung.
Warum ist die Erstsprache laut der Arbeit so wichtig?
Die Arbeit argumentiert, dass eine funktionierende Erstsprache das Fundament bildet, auf dem der Zweitspracherwerb aufbaut, und dass ihre Vernachlässigung negative kognitive Folgen haben kann.
Welche Rolle spielen die türkische und russische Sprache in diesem Kontext?
Diese Sprachen dienen als konkrete Fallbeispiele, um aufzuzeigen, wie linguistische Differenzen (z. B. Satzbau oder Flexion) den Zweitspracherwerb beeinflussen können.
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- B.A. Michael Rieken (Author), 2010, Die zentralen Theorien des Zweitspracherwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154226