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Die Ästhetik des Hässlichen

Die descriptiones Cundrîes (Parzival) und Rûels (Wigalois)

Titel: Die Ästhetik des Hässlichen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 27 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Julia Braun (Autor:in)

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Bei dem Titel „Die Ästhetik des Hässlichen“ handelt es sich um keinen Widerspruch. Bis ins 19. Jahrhundert wurde die Ästhetik zwar als Wahrnehmung dessen bezeichnet, was allgemein als schön und harmonisch gilt; in dieser Arbeit wird der Begriff Ästhetik aber streng wörtlich genommen und als rein sinnliche Wahrnehmung verstanden, die sich in diesem Fall eben nicht auf die schönen und angenehmen Dinge richten wird, sondern auf das Hässliche und Abstoßende zielt.
Dabei wird versucht, nicht nur als heutiger Rezipient die aufgeführten Textbeispiele zu bewerten und zu interpretieren, sondern auch darauf einzugehen, wie die verschiedenartigen descriptiones auf den mittelalterlichen Rezipienten gewirkt haben müssen.
Auf den ersten Seiten der Arbeit befasse ich mich mit den lexikalischen und semantischen Besonderheiten, die das Adjektiv „hässlich“ betreffen. Es wird darauf geachtet, die Unterschiede zwischen der mittelalterlichen und der heutigen Vorstellung herauszuarbeiten. Ein kurzer Exkurs über die Ekphrasis-
Theorien der Antike und des Mittelalters sollen zu den ausgesuchten Beispielen überleiten, an denen die mittelalterliche Methode der Ekphrasis aufgezeigt werden kann. Außerdem soll deutlich werden, dass die Beschreibung der Hässlichkeit festgelegten Mustern folgt, die beabsichtigte Wirkung aber, die die Hässlichkeit beim Rezipienten hervorrufen soll, nicht
immer dieselbe ist.
Es geht in dieser Arbeit nicht nur um die Darstellung von körperlich hässlichen Menschen, sondern auch darum, wie der hässliche Charakter eines Menschen dargestellt werden kann. Schlussendlich stellt sich die Frage, warum Beschreibungen von hässlichen Menschen oder grauenhaften Begegnungen in der Literatur überhaupt thematisiert werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

Allgemeines über das Hässliche

Zur Lexik

Zur Semantik

Zur antiken und mittelalterlichen Praxis der Ekphrasis

Die Inszenierung der Hässlichkeit bei ausgesuchten Figuren

Die Gralsbotin Cundrîe

Das wilde wîp Rûel

Karriôz

Marrîên

Rôaz

Schluss

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Hässlichen in der mittelhochdeutschen Literatur, insbesondere in den Werken Wigalois und Parzival, und analysiert, wie diese ästhetische Kategorie als sinnliche Wahrnehmung sowie als Charakterisierungsmittel jenseits der Kalokagathia eingesetzt wird.

  • Lexikalische und semantische Analyse des Begriffs "hässlich" im Mittelalter.
  • Untersuchung der literarischen Methode der Ekphrasis zur Beschreibung hässlicher Figuren.
  • Analyse der Inszenierung von Hässlichkeit am Beispiel von Cundrîe, Rûel, Karriôz, Marrîên und Rôaz.
  • Diskussion der Ambivalenz zwischen äußerer Hässlichkeit und innerer Verfassung oder Funktion.
  • Hinterfragung der normativen Vorstellungen von Schönheit und Moral.

Auszug aus dem Buch

Die Gralsbotin Cundrîe

Auch Cundrîe darf man zu dem Typus der hässlichen, aber gelehrten Frau zählen. Sie ist die Gralsbotin, die die Feierlichkeiten am Artushof stört und Parzival und den anderen Rittern unverblümt seine Unzulänglichkeit vor Augen führt. Sie ist aber auch die Person, die ihm im fünfzehnten Buch seine Zukunft als Gralskönig verkündet. Cundrîe scheint die Funktion der Fortuna zu übernehmen: sie ruft Trauer und Entsetzen hervor, verkündet aber auch zu einem späteren Zeitpunkt wieder Glück und Freude. Nicht nur Cundrîes Handeln ist von einer Ambivalenz geprägt, auch in ihrem Äußeren scheint sich Gegensätzliches vereinen zu wollen, wie der Erzähler eindrucksvoll beschreibt. Er stellt Cundrîe als modisch gekleidete Frau vor, die tierische Merkmale von Schwein, Hund, Eber, Bär, Affe und Löwe an ihrem Körper aufweist, der dadurch als hässlich bezeichnet werden kann. Bemerkenswert ist, dass die drei zuletzt aufgeführten Tiere alle auf den Teufel verweisen.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung definiert das Hässliche als sinnliche Wahrnehmung und führt in die Fragestellung ein, wie derartige Beschreibungen auf den mittelalterlichen Rezipienten gewirkt haben könnten.

Hauptteil: Der Hauptteil analysiert lexikalische und semantische Hintergründe des Hässlichen, erläutert die Technik der Ekphrasis und untersucht spezifische hässliche Figuren wie Cundrîe, Rûel, Karriôz, Marrîên und Rôaz auf ihre jeweilige Funktion.

Schluss: Das Fazit resümiert, dass Hässlichkeit in den untersuchten Werken nicht bloß stigmatisiert, sondern zur Komplexitätssteigerung genutzt wird, um traditionelle Schönheitsideale zu hinterfragen.

Schlüsselwörter

Hässlichkeit, Ekphrasis, Wigalois, Parzival, Cundrîe, Rûel, Kalokagathia, Mittelalter, Literarische Darstellung, Groteske, Ästhetik, höfische Literatur, Fabelwesen, Symbolik, Wissensvermittlung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit behandelt die Ästhetik des Hässlichen in der mittelhochdeutschen Literatur unter besonderer Berücksichtigung der Beschreibungen von Figuren in den Romanen Wigalois und Parzival.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören die Bedeutung von Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter, das Stilmittel der Ekphrasis sowie die Charakterisierung durch körperliche Deformationen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die Beschreibung hässlicher Menschen nicht nur ein Mittel der Abwertung ist, sondern eine differenzierte Funktion erfüllt, die das gängige Schönheitsideal der Zeit hinterfragt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse von Primärtexten, ergänzt durch die Anwendung literaturwissenschaftlicher Theorien zur Ekphrasis und zur Darstellung des Hässlichen im Mittelalter.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Lexik und Semantik des Begriffs "hässlich" sowie in detaillierte Einzelanalysen zu den Figuren Cundrîe, Rûel, Karriôz, Marrîên und Rôaz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind unter anderem Hässlichkeit, Ekphrasis, Kalokagathia, höfische Literatur und die Analyse spezifischer Romanfiguren.

Warum wird Cundrîe trotz ihrer Hässlichkeit als ambivalent beschrieben?

Obwohl Cundrîe als abgrundtief hässlich dargestellt wird und tierische Attribute trägt, agiert sie als gelehrte Gralsbotin und zeigt Mitgefühl, was den direkten Zusammenhang von körperlicher Erscheinung und moralischer Gesinnung aufhebt.

Welche Rolle spielt die "Wilde Frau" Rûel im Wigalois?

Rûel dient als Kontrastfigur zur höfischen Dame. Ihre Darstellung nutzt das Groteske und das Schreckliche, um den Ritter Wigalois in Todesgefahr zu bringen und das "Andere" außerhalb der höfischen Welt zu inszenieren.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Ästhetik des Hässlichen
Untertitel
Die descriptiones Cundrîes (Parzival) und Rûels (Wigalois)
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
1,3
Autor
Julia Braun (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V154253
ISBN (eBook)
9783640670130
ISBN (Buch)
9783640670475
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Hässlichen Cundrîes Rûels
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Julia Braun (Autor:in), 2010, Die Ästhetik des Hässlichen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154253
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  27  Seiten
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