1 Einleitung
In verschiedensten Grammatiken, wie der Deutschen Grammatik von Helbig/ Buscha (2001: 44f.), werden die Verben zunächst in Vollverben, welche die alleinigen Prädikatsbilder des Satzes darstellen, und Nicht-Vollverben unterschieden. Letztere sind lediglich als Elemente mehrteiliger Strukturen zu verstehen. Zu den Nicht-Vollverben zählen nach Helbig/Buscha u.a. Modalverben, Kopulaverben und Funktionsverben, welche gemeinsam mit anderen sprachlichen Einheiten komplexe Prädikate erzeugen. Diesbezüglich merkt Welke (2007: 194) an, dass mehrteilige Prädikate, welche von der Sprachgemeinschaft als morphologische Gebilde gedeutet werden, ursprünglich auf syntaktische Bestandteile zurückzuführen seien. Diese Entwicklungstendenz vom Lexikalischen zum Grammatischen lässt sich mittels des Prozesses der Grammatikalisierung begründen (Nübling 2006: 222). Hierbei wandeln sich nach Nübling lexikalische Einheiten zu grammatischen Wörtern, wie es der Übergang von Vollverben zu Nicht-Vollverben illustriert. Dies verdeutliche die Möglichkeit, im Umkehrschluss alle Hilfsverben ebenso als alleinige Prädikate im Satz gebrauchen zu können (1), vgl. Welke (2007: 197).
(1) a. Ich möchte (Hilfsverb) ins Theater gehen. Ich möchte (Vollverb) den Kaffee.
b. Sie ist müde. Sie ist gerne mit ihr zusammen.
c. Das Thema zur Sprache bringen. Sie bringt ihr den Tee.
Ebenso verhält es sich mit Funktionsverben (1c), welche wie Vollverben aussehen, jedoch ihre ursprüngliche lexikalische Bedeutung verloren haben und zu einem Hilfsverb degradiert wurden, vgl. Musan (2008: 43). Das Funktionsverb bildet gemeinsam mit einem nominalen Bestandteil, welcher ebenso ursprünglich eigenständiges Satzglied war, das komplexe Prädikat, welches als Funktionsverbgefüge (FVG) bezeichnet wird. Diese mehrteilige Struktur eines Funktionsverbgefüges würde originär aus einzelnen Satzgliedern (einfaches Prädikat + Direktivum, einfaches Prädikat + statisches Lokal, einfaches Prädikat + Akkusativobjekt) konstruiert werden, vgl. Welke (2007: 215). Jenes verdeutlicht die Problematik, funktionsverbverdächtige Gebilde zum einen als komplexe Prädikate und zum anderen als syntaktische Konstruktionen deuten zu können.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 HAUPTTEIL
2.1 FUNKTIONSVERBGEFÜGE
2.1.1 Abgrenzungsproblematik der Funktionsverbgefüge
2.1.2 Die Umstellprobe
2.1.3 Präpositionale Funktionsverbgefüge
2.1.4 Akkusativische Funktionsverbgefüge
3 SCHLUSS
4 LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Abgrenzungsproblematik von Funktionsverbgefügen gegenüber syntaktischen Konstruktionen. Dabei soll anhand der Umstellprobe analysiert werden, ob bestimmte sprachliche Strukturen als komplexe Prädikate oder als einfache syntaktische Fügungen zu klassifizieren sind.
- Grammatikalisierung und der Übergang von Vollverben zu Funktionsverben
- Kriterien zur Identifikation und Abgrenzung von Funktionsverbgefügen
- Anwendung der Umstellprobe als linguistisches Testverfahren
- Unterscheidung zwischen präpositionalen und akkusativischen Funktionsverbgefügen
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Die Umstellprobe
Ein weiteres Testverfahren zur Analyse funktionsverbverdächtiger Konstruktionen wird bei Welke (2007: 219ff.) als Umstellprobe bezeichnet. Dabei handelt es sich um ein Verfahren, welches mittels Verschiebung einzelner Wörter oder Wortgruppen der Ermittlung von Satzgliedern im Satz dienlich ist. Hat das Umsetzen der Glieder keine ungrammatischen Konstruktionen zur Folge, ist ihnen eine Satzgliedfunktion zuzuschreiben.
Die Definition der Umstellprobe verdeutlicht ihre Wichtigkeit zur Abgrenzung komplexer Prädikate von syntaktischen Fügungen. So ermöglicht sie, Ergänzungen, welche rechts vom Substantiv stehen, auf ihren Satzgliedcharakter zu überprüfen. Konnte das Testverfahren den Zusatz nicht als Satzglied ermitteln, handelt es sich hierbei um ein Attribut zum Substantiv. In diesem Fall ist die Analyse als komplexes Prädikat auszuschließen und eine syntaktische Konstruktion, bei welcher das Substantiv attributiert wird, anzusetzen. Führt die Umstellprobe jedoch zu dem Ergebnis, die Ergänzung rechts vom Substantiv als Satzglied zu bewerten, findet man ein Funktionsverbgefüge vor. Dies ist darin zu begründen, dass Funktionsverben und deverbale oder deadjektivische Substantive als Funktionsverbgefüge gemeinsam ein Prädikat im Satz bilden. Sowohl das Funktionsverb als auch der nominale Bestandteil haben in ihrer originären Bedeutung eine Valenz, welche nun im komplexen Prädikat vereinigt wird, vgl. van Pottelberge (2001: 18). Folglich fordern Funktionsverbgefüge Ergänzungen, die als Objekte, welche die ermittelten Satzglieder darstellen, verstanden werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Die Einleitung führt in die Problematik ein, Verben in Vollverben und Nicht-Vollverben zu unterscheiden, und stellt die Forschungsfrage zur Abgrenzung von Funktionsverbgefügen.
2 HAUPTTEIL: Der Hauptteil definiert Funktionsverbgefüge, erläutert Kriterien wie die Umstellprobe und untersucht detailliert präpositionale sowie akkusativische Funktionsverbgefüge.
3 SCHLUSS: Im Schluss werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Schwierigkeiten bei der eindeutigen Bestimmung von Funktionsverbgefügen kritisch reflektiert.
4 LITERATURVERZEICHNIS: Dieses Kapitel listet alle verwendeten Fachquellen, Zeitungsartikel und Internetquellen auf.
Schlüsselwörter
Funktionsverbgefüge, Umstellprobe, komplexe Prädikate, syntaktische Konstruktionen, Grammatikalisierung, Vollverben, Hilfsverben, Valenz, präpositionale Funktionsverbgefüge, akkusativische Funktionsverbgefüge, Satzgliedanalyse, linguistische Abgrenzung, nominaler Bestandteil, Sprachwissenschaft, Deutsche Grammatik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der linguistischen Einordnung von sogenannten Funktionsverbgefügen im Deutschen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Definition von Funktionsverbgefügen, ihre Abgrenzung zu syntaktischen Fügungen und die Analyse ihrer morphologischen sowie syntaktischen Struktur.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob Konstruktionen in Form von Funktionsverbgefügen als komplexe Prädikate oder als rein syntaktische Fügungen zu deuten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein deduktives Verfahren angewandt, wobei insbesondere die sogenannte Umstellprobe als Testmethode zur Satzgliedanalyse eingesetzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, stellt Kriterien zur Abgrenzung auf und wendet diese auf präpositionale sowie akkusativische Gefüge an.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Funktionsverbgefüge, Umstellprobe, komplexe Prädikate, Valenz und syntaktische Konstruktionen.
Warum ist die Abgrenzung von Funktionsverbgefügen so schwierig?
Die Schwierigkeit resultiert daraus, dass viele Gebilde sowohl als komplexes Prädikat als auch als syntaktische Konstruktion (Prädikat + Objekt) interpretiert werden können.
Welche Rolle spielt die Umstellprobe in der Analyse?
Sie dient als Testverfahren, um festzustellen, ob ein Satzteil als eigenständiges Satzglied (was auf ein Funktionsverbgefüge hindeutet) oder als bloßes Attribut fungiert.
Gibt es einen Unterschied zwischen präpositionalen und akkusativischen Funktionsverbgefügen?
Ja, sie unterscheiden sich in ihrer morphologischen Struktur; die Umstellprobe liefert bei beiden unterschiedliche Evidenzen zur Klassifizierung als komplexes Prädikat.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass viele Beispiele in der Literatur nicht eindeutig zu klassifizieren sind und die aktuelle Forschung einen Kompromiss zwischen verschiedenen Analysen erfordert.
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- Babette Treptow (Author), 2009, Funktionsverbgefüge , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154302