Slum- und Squatterbildung in der Dritten Welt: Entwicklung, räumliche Muster, soziale Strukturen, Planungsprobleme


Seminararbeit, 2008

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Differenzierung der Begriffe: Slum, Squattersiedlung, Elendsviertel, Marginalsiedlung
2.1 Abgrenzung Slum und Squattersiedlung

3. Entwicklung
3.1 Vorkoloniale Zeit
3.2 Kolonialzeit
3.3 Heutige Prozesse
3.4 Fazit Entwicklungsgeschichte

4. Städte wachsen

5. Leben in einem Slum.

6. Fallbeispiel Dharavi (Mumbai)

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit behandelt das Thema „Slum- und Squatterbildung in der Dritten Welt: Entwicklung, räumliche Muster, soziale Strukturen, Planungsprobleme“.

Slum- und Squattersiedlungen findet man in allen Ländern der Dritten Welt. Besonders in der Nähe von großen Städten leben Menschen in diesen Siedlungen. Für viele Menschen sind sie die einzige Möglichkeit ihre Familien in stadtnähe unterzubringen.

Im Folgenden beschäftige ich mich zunächst kurz mit der Differenzierung der, in der Literatur häufig synonym verwendeten, Begriffe Slum, Squattersiedlung, Elendsviertel und Marginalsiedlung.

Anschließend stelle ich die Entwicklung und das Wohnen in diesen Siedlungen dar. Anhand des Fallbeispiels Adivasi Nagar verdeutliche ich die zuvor vorgestellten allgemeinen Darstellungen.

Zum Schluss stelle ich ein Projekt aus Mumbai (Bombay) vor, bei dem der Slum Dharavi verkauft und danach grundsaniert werden soll. Dabei stellt sich die Frage, ob dieser Schritt für alle Beteiligten die richtige Lösung ist. Ich werde versuchen, unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Meinungen der Beteiligten, diese Frage zu beantworten.

2. Differenzierung der Begriffe: Slum, Squattersiedlung, Elendsviertel, Marginalsiedlung

Um die Begriffe differenzieren zu können, ist es hilfreich sie zunächst zu definieren:

Slum: Unter einem Slum wird ein innerstädtisches Quartier, bestehend aus vorwiegende permanenter Bebauung, verstanden. Die Baussubstanz ist heruntergekommen, wodurch bedingt ein niedriger Wohnungsstandard vorliegt. Weiterhin ist die Infrastruktur sehr schlecht. (Leser, 2005, S.847)

Eine Definition aus Indien: „Eine Slumzone könnte man als chaotisch besiedeltes, unsystematisch entwickeltes und in jeder Hinsicht vernachlässigtes Gebiet definieren.“ (Baldeaux, 1983, S.22)

Die UN definiert einen Slum folgendermaßen:

Slum, als eine überfüllte, ärmliche bzw. informelle Unterkunft ohne angemessenen Zugang zu Trinkwasser und sanitären Einrichtungen sowie ungesicherter Verfügungsgewalt über Grund und Boden. (vgl. Davis, 2007, S.27)

Squattersiedlung: Unter einem Squatter versteht man einen „wilden Siedler, der bei der Errichtung von Squattersiedlungen beteiligt ist. Die Squatter treten meist in Gruppen auf, da sie so ihr in Besitz genommenes Land besser >>verteidigen<< können.“ (Leser, 2005, S.871)

Squattersiedlungen sind also spontan entstandene Siedlungen, die auf fremdem Boden, ohne Erlaubnis errichtet wurden. Meistens entstehen diese Siedlungen am Rande einer großen Stadt. Einige Siedlungen entstehen aber auch in zentrumsnahen Bereichen. Die Menschen die in einer Squattersiedlung leben, lebten zuvor häufig in Slums, einige lebten jedoch auch im Umland der Städte. Die Häuser sind nicht- beziehungsweise semipermanent gebaut. Die Infrastruktur ist ebenfalls sehr schlecht. (Leser, 2005, S.871)

Elendsviertel: Die Bezeichnung „Elendsviertel“ ist eine sozialkritische Bezeichnung eben dieser zuvor genannten Wohnsiedlungen. Hier wird jedoch nicht so sehr auf die Bausubstanz und die räumliche Verortung Wert gelegt, sondern eher auf die Lebensbedingungen und die Herkunft, der in diesen Vierteln lebenden Menschen der Schwerpunkt gesetzt. So definiert Meyer Lexikon online ein Elendsviertel wie folgt:

„Elendsviertel, meist am Rande großer Städte gelegen, aber auch innerstädtische Verfallsräume umfassende Wohngebiete von unterprivilegierten Bevölkerungsgruppen, v.a. von Zuwanderern vom Land.“ (http://lexikon.meyers.de/meyers/Elendsviertel)

Marginalsiedlung: „Marginalsiedlungen unterscheidet man akademisch zwischen Slums, innenstadtnahen Wohngebieten mit starken Verfallserscheinungen, und Hüttensiedlungen, die oft quasi „über Nacht“ auf öffentlichem Grund entstehen.“ (http://db.swr.de/upload/manuskriptdienst/wissen/wi20050510_3135.rtf.) Folglich ist Marginalsiedlung der Oberbegriff für die zuvor definierten Bezeichnungen. Marginal bedeutet „am Rande“. In der Wortbezeichnung bezieht dieses sich auf die Menschen, die in den Siedlungen leben. Sie leben am Rande der Gesellschaft.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten! Nicht jede Slum- oder Squattersiedlung ist auch eine Marginalsiedlung, denn es ist keine Voraussetzung, dass die Menschen die dort Leben sozial schlechter gestellt sind, als Menschen die in städtischen Wohnungen leben.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass alle Bezeichnungen Wohngebiete benennen mit schlechter Infrastruktur und ebenfalls schlechten Wohnbedingungen. Die Begriffe Slum- und Squattersiedlungen geben Auskunft über die Lage der Siedlungen und ihre Infrasturkur, während der Begriff Elendsviertel eine sozialkritische Bezeichnung für diese Wohnsiedlungen darstellt. Der Begriff Marginalsiedlung besagt, dass die Menschen, die in der Siedlung leben, sozial schlecht gestellt sind.

Wenn nun also diese Begriffe in der Literatur synonym verwendet werden, ist dies nicht korrekt. Es muss zuvor geklärt werden, von welcher Bezeichnung ausgegangen wird.

2.1 Abgrenzung Slum und Squattersiedlung

In der Praxis ist es schwer, die Siedlungsformen Slum und Squattersiedlung zu unterscheiden. Häufig kommen sie in Mischformen vor. Anhand des Definitionsversuchs für den Begriff Slum von BORDA wird diese Problematik deutlich. Er gibt an, dass man „die Slums in vier Gruppen einteilen“ kann (Baldeaux, 1983, S. 23). Die erste Gruppe zeichnet sich durch Wohnzonen mit hoher Bevölkerungsdichte, mehrstöckige, kasernenartige Wohnblocks, unzureichend belüftete Räume mit wenig Tageslicht und gemeinschaftlichen Hygieneeinrichtungen aus. Dies entspricht sicherlich auch der zuvor genannten Definition eines Slums.

Für die zweite Gruppe sind überalterte dörfliche Strukturen im Stadtbereich mit umringter städtischer Bebauung, fehlender urbaner Infrastruktur und unzureichende Hygienebedingungen charakteristisch. Auch hier lässt sich die oben genannte Definition bestätigen.

Auch die dritte Gruppe stellt BORDA mit typischen Charakteristika eines Slums dar. Die Gebäude sind eingeschossig und barackenartig. Sie wurden 1940 für temporäre Nutzungen erbaut, werden aber dauerhaft genutzt. Aus diesem Grund ist auch hier eine schlechte Bausubstanz vorhanden. Weiterhin fehlen die Infrastruktur und die Hygieneeinrichtungen.

Die letzte Gruppe wird durch eine Bebauung in ländlicher Grundform aus Baustoffen wie Abfall, Blechkanistern und Pappe charakterisiert. Ein Bambusgerüst stützt die Konstruktion. Diese Häuser entstehen überall dort, wo sich zwischen den Wohnsiedlungen Platz bietet. Hier wird nun deutlich, dass ebenso auch eine Squattersiedlung definiert wird.

Legt man nun ein Augenmerk auf die Bewohner dieser Viertel, so ist eine Abgrenzung noch viel weniger möglich. Die meist mittellosen Neuzuwanderer haben nicht die Auswahlmöglichkeit in welches Viertel sie ziehen möchten. Sie ziehen in die Gegenden, in denen die Mieten gering sind. Diese Gebiete sind eben Slum- und Squattersiedlungen. (Baldeaux, 1983, S. 23-25)

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Slum- und Squatterbildung in der Dritten Welt: Entwicklung, räumliche Muster, soziale Strukturen, Planungsprobleme
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V154375
ISBN (eBook)
9783640667468
ISBN (Buch)
9783640667772
Dateigröße
488 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Slum-, Squatterbildung, Dritten, Welt, Entwicklung, Muster, Strukturen, Planungsprobleme
Arbeit zitieren
Anne Sürken (Autor), 2008, Slum- und Squatterbildung in der Dritten Welt: Entwicklung, räumliche Muster, soziale Strukturen, Planungsprobleme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154375

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