"Emil und die Detektive" - Film und Buch im Vergleich

Darstellung der inhaltlichen Abweichungen und anschließende, inhaltsanalytische Bewertung der Erstverfilmung gegenüber der Buchvorlage Erich Kästners


Seminararbeit, 2009

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. „Emil und die Detektive“ – Ein Roman und seine Verfilmung

2. Grundbegriffe und Elemente der systematischen Filmanalyse
2.1 Die Einstellungsgrößen
2.3 Die Einstellungsverbindungen
2.4 Die Kamera- und Blickperspektiven

3. „Emil und die Detektive“ – Inhaltliche Abweichungen der Erstverfilmung von der Buchvorlage
3.1 Der Denkmal – Streich
3.2 Das mit Schlafmittel versetzte Bonbon
3.3 Die Verfolgung mit der Straßenbahn
3.4 Überbringung der Nachricht an Emils Großmutter
3.5 Der versuchte Rück – Diebstahl
3.6 Die Jagd auf Grundeis
3.7 Ankunft in Neustadt
3.8 Filmbegleitende, inhaltliche Differenzen zur Buchvorlage

4. Inhaltsanalytische Beurteilung der Abweichungen im Film

5. Die Erstverfilmung von „Emil und die Detektive“ – Inhaltlich teilweise anders akzentuiert, aber formal dennoch geglückt?

Literatur- und Quellenverzeichnis

1. „Emil und die Detektive“ – Ein Roman und seine Verfilmung

„Euch kann ich’s ja ruhig sagen: Die Sache mit Emil kam mir selber unerwartet. Eigentlich hatte ich ein ganz anderes Buch schreiben wollen.“[1]

Mit diesen zwei Sätzen beginnt eines der erfolgreichsten Kinder- und Jugendbücher, das jemals veröffentlicht wurde. Es handelt sich dabei um das Werk „Emil und die Detektive“ von Erich Kästner. Er veröffentlichte es 1929 und erlangte damit innerhalb kürzester Zeit einen Bekanntheitsgrad, der bis heute bei Kindern, Jugendlichen, aber auch Erwachsenen beachtlich geblieben ist. Die Geschichte des kleinen Emil in der Großstadt Berlin erfreut sich ungebrochener Beliebtheit und ist Grundlage vieler seitdem veröffentlichter Kinder-Detektivgeschichten. Dabei muss man beachten, dass Kästner mit diesem Werk nicht nur einen sehr bedeutenden Teil zur Kinder- und Jugendliteratur beigetragen hat, sondern genauso auch eine große Rolle in der deutschen Filmgeschichte gespielt hat[2]. Bereits 1931 verfilmte Gerhard Lamprecht „Emil und die Detektive“ nach dem Drehbuch von Billy Wilder[3] und es wurde ein voller Erfolg auf der Leinwand[4]. Der Film gilt als einer „der bedeutendsten Filme der frühen Tonfilmzeit“[5] und wird heute auch als erster Klassiker der deutschen Kinderfilmproduktion bezeichnet[6].

Bei der Betrachtung vom Buch und der Erstverfilmung fällt aber auf, dass es einige inhaltliche Differenzen gibt. Schon direkt am Anfang merkt der Rezipient, dass der Film in der Handlung anders beginnt, wie das Buch. Genau diese Differenzen sind der Untersuchungsgegenstand dieser Ausarbeitung.

Um jedoch diese Unterschiede verständlich darlegen zu können, werden zunächst einige Grundbegriffe und Elemente der systematischen Filmanalyse vorgestellt. Unterschiede in den Einstellungsgrößen, verschiedene Kamerabewegungen, Einstellungsverbindungen und Blickperspektiven werden kurz dargelegt und erleichtern das Verständnis der nächsten Abschnitte dieser Arbeit.

Darauffolgend werden dann die Filmabschnitte vorgestellt, die inhaltlich vom Buch abweichen. Es wird jeweils zuerst beschrieben, wie Szenen im Film dargestellt werden und in welcher Form sie eine Abweichung zur Buchvorlage aufweisen.

Anschließend wird im nächsten Gliederungsabschnitt eine inhaltsanalytische Beurteilung der Differenzen vorgenommen, welche schließlich die Grundlage einer fundierten Kritik bildet, die den gesamten Film im letzten Gliederungspunkt bewertet.

2. Grundbegriffe und Elemente der systematischen Filmanalyse

Die Medienwissenschaft verfügt wie jedes andere Fach über ein Repertoire von Grundbegriffen, die das wissenschaftliche Arbeiten im Zusammenhang mit der Analyse von Filmen vereinheitlichen und objektivieren[7]. Diese Grundelemente der systematischen Filmanalyse werden im Folgenden dargestellt.

2.1 Die Einstellungsgrößen

Verschiedene Einstellungsgrößen in Filmen bezeichnen das wahrgenommene Verhältnis zwischen Kamera und dem im Bild fixierten Objekt. Durch die Wahl unterschiedlicher Abbildungsgrößen von Personen oder Gegenständen können beim Rezipienten verschiedene Emotionen hervorgerufen werden. Nahe oder weite Einstellungsgrößen gestalten somit den „Einfühlungsprozess“ des Zuschauers elementar mit[8]. Das Schauen eines Films wird deshalb auch oftmals als emotional eindringlicheres und intensiveres Erlebnis wahrgenommen als das Bücherlesen[9], was durch die Wahl verschiedener Einstellungsgrößen erreicht werden kann. In der systematischen Filmanalyse wird im allgemeinen zwischen sechs bis acht verschiedenen Einstellungen unterschieden. Helmut Korte differenziert in seinem Arbeitsbuch „Einführung in die Systematische Filmanalyse“ folgende sieben verschiedene Einstellungsgrößen, die er jeweils in Verbindung mit der Darstellung einer Einzelperson beschreibt:

- Weit, Super-Totale oder Panorama: Person in der Weite der Landschaft, in einem weitläufigen Innenraum etc.
- Totale: Person, umgeben von viel Raum.
- Halbtotale: Person füllt das Bildformat.
- Amerikanische oder >knee-shot<: Person von Kopf bis Oberschenkel.
- Nah: Person mit Kopf und Oberkörper.
- Groß: Kopf oder Hand der Person.
- Detail: Auge, Nase oder Finger der Person.[10]

Die hier unterschiedenen Einstellungen sind oftmals nicht genau voneinander abzugrenzen, da in der Praxis Einstellungsgrößen auch durch „Hinein- oder Heraus-Zoomen“ ineinander übergehen. Nimmt man das Drehbuch von Billy Wilder zu „Emil und die Detektive“ zur Hand, so fällt einem zudem auf, dass hier teilweise andere Bezeichnungen oder aber auch weitere Einstellungsgrößen genannt werden. Wilder nennt gleich zu Beginn des Films beim Denkmalstreich im Drehbuch die Einstellung „Gesamt“[11], was in Kortes Einteilung der „Totale“ oder „Super-Totale“ entsprechen würde. An anderer Stelle wird noch die Einstellung „Halbnah“[12] genannt, bei der eine etwas weitere Entfernung der Kamera zum Objekt gemeint ist, wie bei Kortes Einstellung „Nah“. Es wird deutlich, dass die hier aufgeführte Differenzierung von Einstellungsgrößen nicht immer eindeutig sein kann und bei verschiedenen Personen subjektiv unterschiedliche Bezeichnungen und Interpretationen auftreten können[13]. Bei den später beschriebenen Filmszenen wird zur wissenschaftlichen Untersuchung die Einteilung Kortes herangezogen werden.

2.2 Die Kamerabewegungen

In der Filmanalyse werden nach Korte zwei prinzipielle Arten der Kamerabewegungen, „Fahrt und Schwenk“, unterschieden[14]. Bei der ersteren Art der Bewegung kann die Kamera an ein Objekt heranfahren, was auch als „Ranfahrt“ bezeichnet wird, sie kann aber auch konträr von einem Objekt wegfahren, was als die sogenannte „Rückfahrt“ gekennzeichnet wird[15]. Bei der Erstverfilmung von „Emil und die Detektive“ kann man bereits in der ersten Szene eine „Rückfahrt“ der Kamera nachvollziehen[16]. Zunächst ist hier nur eine Hand und ein Würfel in der Einstellungsgröße „Groß“ dargestellt, dann fährt die Kamera aber zurück bis in die „Halbtotale“ und man erkennt drei Jungen, von denen der mittlere Emil darstellt. Weitere Arten der Kamerafahrt sind die „Seitfahrt“, bei der sich die Kamera an mehreren Objekten vorbei bewegt und die „Parallelfahrt“[17]. Hier bewegt sich die Kamera „annähernd parallel zu einem sich bewegenden Objekt“[18]. Im Film „Emil und die Detektive“ ist eine archetypische Parallelfahrt in der Szene dargestellt, als Pony Hütchen und Krummbiegel von Emils Großmutter zum Hauptquartier fahren[19]. Zunächst sieht man beide in der „Totale“ auf die Kamera zufahren, was auch als „Bewegte Kamera“ bezeichnet wird, ab 36:49 kann man aber eine Parallelfahrt in Reinform nachvollziehen.

Die zweite Art von Kamerabewegung, der Schwenk, wird von Korte folgendermaßen gekennzeichnet:

„Beim Schwenk wird die Kamera, ohne den Standpunkt zu verlassen, um eine horizontale, vertikale oder diagonale Achse gedreht.“[20]

Beispielhaft für einen Kameraschwenk lässt sich auch wieder der Denkmal – Streich am Anfang des Films „Emil und die Detektive“ nennen. Nach dem Würfelspiel wird Emil schleichend in der „Totale“ dargestellt[21]. Dabei schwenkt die Kamera um die vertikale Achse und verfolgt ihn damit.

[...]


[1] Emil und die Detektive. Ein Roman für Kinder von Erich Kästner. Illustrationen von Walter Trier. 156. Auflage. Zürich 1935, S. 7.

[2] Vgl. Tornow, Ingo: Erich Kästner und der Film. Mit Songtexten Kästners aus „Die Koffer des Herrn O.F.“. München 1998, S. 6.

[3] Vgl. ebd., S. 32.

[4] Vgl. ebd., S. 34.

[5] Ebd., S. 34.

[6] Vgl. Sahr, Michael: Verfilmte Kinder- und Jugendliteratur. Der literarische Kinderfilm – ein vernachlässigtes Unterrichtsmedium. Baltmannsweiler 2004, S. 28.

[7] Vgl. Korte, Helmut: Einführung in die Systematische Filmanalyse. Ein Arbeitsbuch. Berlin 1999, S. 24.

[8] Ebd., S. 25.

[9] Vgl. Sahr (2004), S. 38.

[10] Korte (1999), S. 25.

[11] Vgl. Emil und die Detektive. Drehbuch von Billie Wilder, frei nach dem Roman von Erich Kästner zu Gerhard Lamprechts Film von 1931. Mit einem einführenden Essay von Helga Schütz und Materialien zum Film von Gabriele Jatho. München 1998, S. 31.

[12] Vgl. ebd., S. 34.

[13] Korte (1999), S. 26.

[14] Ebd., S. 27.

[15] Ebd., S. 27.

[16] Vgl. Emil und die Detektive 1931, in: 2 Filme: schwarz-weiß 1931 / coloriert 1954. Emil und die Detektive von Erich Kästner, Deutschland 2003, 00:01:49.

[17] Korte (1999), S. 27.

[18] Ebd., S. 27.

[19] Vgl. Emil und die Detektive 1931 (2003), 00:36:17 – 00:37:03.

[20] Korte (1999), S. 27.

[21] Vgl. Emil und die Detektive 1931 (2003), 00:02:20.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
"Emil und die Detektive" - Film und Buch im Vergleich
Untertitel
Darstellung der inhaltlichen Abweichungen und anschließende, inhaltsanalytische Bewertung der Erstverfilmung gegenüber der Buchvorlage Erich Kästners
Hochschule
Universität Trier
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V154453
ISBN (eBook)
9783640674879
ISBN (Buch)
9783640675081
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emil, Detektive, Film, Buch, Vergleich, Darstellung, Abweichungen, Bewertung, Erstverfilmung, Buchvorlage, Erich, Kästners, Kästner, Emil und die Detektive, Thema Emil und die Detektive
Arbeit zitieren
Florian Meier (Autor), 2009, "Emil und die Detektive" - Film und Buch im Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154453

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