Der Krieg gegen Drogen

Die Auswirkungen der US-Anti-Drogenpolitik auf Kolumbien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Einordnung

3 Die US-Anti-Drogenpolitik

4 Auswirkungen
4.1 Geografische Verlagerung des Kokaanbaus
4.1 Verscharfung des bewaffneten Konflikts - Politik der Militarisierung
4.3 Destabilisierung demokratischer Institutionen und Delegitimierung des Staates
4.4 Okologische und soziale Auswirkungen
4.6 Auswirkungen auf die Nachbarstaaten

5 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Kolumbien wird haufig als eine der altesten Demokratien Amerikas bezeichnet. Jedoch herrscht seit mehr als 40 Jahren ein scheinbar nicht enden wollender bewaffneter Konflikt zwischen der Staatsmacht und kriminellen Organisationen, die sich mit illegalem Drogenhandel finanzieren, sowie linksgerichteten Guerillabewegungen. Seit den 1970er Jahren gab es wiederholte Versuche, die Konflikte gewaltsam beizulegen, ohne dabei jedoch auf die grundlegenden strukturellen Probleme des Landes einzugehen. Effektive Losungsansatze, wie Strategien fur eine landliche Entwicklung zur nachhaltigen Sicherung von Lebensgrundlagen der kolumbianischen Kleinbauern wurden ausgeblendet (Lemus et al 2005: S. 99 ff.). Auch die US-Drogenpolitik setzt bei der Bekampfung der Symptome, nicht aber der grundlegenden, historisch tief verankerten Ursachen des Konfliktes an.

Ziel dieser Arbeit ist es die Auswirkungen der US-Anti-Drogenpolitik und deren Maßnahmen, namentlich des Plan Colombia wahrend der Prasidentschaft von Pastrana und Clinton und der daran anknupfenden Andean Regional Initiative unter deren Nachfolgern Uribe und Bush, genauer zu beleuchten.

Die US-Anti-Drogenpolitik hat zur Verscharfung des bewaffneten Konflikts in Kolumbien und zur Verschlechterung der humanitaren Lage im Land beigetragen, ohne ihr Ziel der Drogenvernichtung, erreicht zu haben. Dem >Drogenkrieg< fielen zahlreiche Menschen zum Opfer; er zog (und zieht immer noch) Armut, Krankheiten sowie Destabilisierung mit sich und hat fatale Auswirkungen auf die okologische Vielfalt des Landes.

Aufgrund der hohen Komplexitat und der historisch weit reichenden Verankerungen des kolumbianischen Konflikts ist es unmoglich, alle Probleme und Entwicklungen en Detail zu erortern. Die gewahlte Gliederung dient dazu, die Komplexitat nicht aus den Augen zu verlieren, und um die fest miteinander zusammenhangenden, sich gegenseitig bedingenden Ursachen und Auswirkungen prasent zu halten.

Im Folgenden werden zunachst kurz die historischen Vorbedingungen zum besseren Verstandnis der Rahmenbedingungen dargestellt. Kapitel 3 fuhrt die zwei wichtigsten Strategien der US-Anti-Drogenpolitik seit 1999 auf. Kapitel 4 bezieht sich auf den Kern der Arbeit, die Auswirkungen der US-Drogenpolitik auf die Bereiche Anbau (d.h. vor allem die Kleinbauern), Produktion und Handel. Im abschließenden Kapitel wird eine Bewertung vorgenommen sowie ein knapper Ausblick gegeben.

2 Historische Einordnung

Die Wurzeln des bewaffneten Konflikts in Kolumbien liegen in der Periode La Violencia, die von landesweiten Kampfen zwischen Liberalen und Konservativen gepragt war. 1959, nach einer sechsjahrigen Diktatur, schlossen beide Parteien ein Ubereinkommen zur wechselnden Regierungsubernahme. Die dadurch entstandene Exklusion anderer Gruppen vom politischen Prozess fuhrte schon vor 1974, dem Ende des Ubereinkommens, zur Grundung verschiedener Guerillabewegungen.

Schon in den 1960er Jahren unterstutzte die US-Regierung die kolumbianische Armee bei der Bekampfung aufstandischer Gruppen und war auch am Angriff auf Marquetalia, einer bewaffneten Bauerngemeinde beteiligt. Dieser Angriff fuhrte zur Grundung der heute großten Guerillagruppe Kolumbiens, den Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia - Ejercito del Pueblo (FARC-EP; deutsch: Revolutionare Streitkrafte Kolumbiens - Volksarmee). Die FARC gelten als Hauptgegner im aktuellen Kampf gegen die Drogen.

Die paramilitarischen Gruppen, die heute in der Dachorganisation „Vereinigte Selbstverteidigungsgruppen von Kolumbien“ (Autodefensas Unidas de Colombia, AUC) organisiert sind, entstanden ebenfalls in den 1960ern. Ihre Grundung geht auf ein Dekret von 1965 zuruck, welches der Regierung erlaubte, die Zivilbevolkerung militarisch in so genannten Selbstverteidigungsgruppen zu organisieren, um sich gegen die Guerilla wehren zu konnen. Die Armee involvierte vor allem Geschaftsleute, Landbesitzer und fuhrende Politiker in den finanziellen Aufbau solcher Gruppen mit ein. In den 1980er und 90er Jahren formierten sich viele solcher Selbstverteidigungsgruppen oder wurden direkt von den Drogenkartellen organisiert, was ihre bis heute bestehende enge Verbindung mit dem Drogenhandel erklart. Aufgrund der steigenden Gewaltbereitschaft wurden sie 1989 illegalisiert. Kritisch ist zusatzlich ihre Verbindung zu den regularen Streitkraften, was im Laufe der Arbeit wieder aufgegriffen wird (Holmes/Pineres/Curtin 2006: S.168).

Die Drogenkartelle beschrankten sich hauptsachlich auf Produktion und Vertrieb des Kokains, eigene Anbaufelder unterhielten sie hingegen kaum. Auch wenn Kolumbien das Zentrum des internationalen Drogenhandels war, wurde nur knapp ein Viertel des weltweiten Kokas angebaut, wohingegen im Jahr 1995 Peru und Bolivien mehr als drei Viertel produzierten. Die US-Anti-Drogenpolitik der spaten 1990er Jahre bestand vor allem in der Vernichtung der Kokafelder in den Anbauregionen und der Unterbrechung der Verkehrswege nach Kolumbien. Die weitgehend erfolgreiche Vernichtung großer Teile des Kokaanbaus in Peru und Bolivien hatte eine Verlagerung des Anbaus nach Kolumbien zur Folge. Auch der Wegfall der großen Kartelle begunstigte diese Entwicklung, da kleinere Drogenhandler Kokablatter von heimischen Bauern kauften und so lange riskante Transportwege vermieden. Bis zum Jahr 2001 hatte sich die Kokaanbauflache derart ausgeweitet, dass Kolumbien mit uber 75% der weltweiten Produktion zum fuhrenden Erzeugerland wurde (Rensselaer 2002: S. 540).

In den spaten 1980er Jahren begann die US-Drogenhilfe verstarkt mit der Bekampfung der großen Drogenkartelle, vor allem der rivalisierenden Kartelle aus Medellin und Cali, welche fast die gesamte kolumbianische Drogenindustrie auf sich konzentrierten. Ihre Zerschlagung (Medellin 1993 mit der Ermordung von Pablo Escobar, dem Kopf des Kartells, und Cali 1996/97) galt als großer Erfolg der Drogenbekampfung. Dieser Erfolg wahrte jedoch nicht lange. Vielmehr fuhrte er lediglich zu einer Fragmentierung und Dezentralisierung der Strukturen der kolumbianischen Kokainindustrie. Die kleineren Nachfolgegruppen, die im Drogenhandel ein lukratives Geschaft wahrnahmen, agieren bis heute teilweise unidentifiziert und existieren in keiner Kartei. Sie hinterlassen kaum Spuren, da sie in Internetforen oder uber Mobiltelefone kommunizieren (Livingstone 2003: S. 131 f.; Rensselaer 2002: S. 543). Um das stabil gebliebene Kokain- und das wachsende Heroinangebot in den USA zu verringern, entschloss sich Washington fur hartere Strategien zur Drogenbekampfung an der Quelle, welche in Kapitel 3 genauer erlautert werden. Obwohl die Vernichtung der Kokaplantagen anhand von Bespruhungen mit Herbiziden gravierende Folgen nach sich zog und kaum Erfolge zeitigte, werden diese als zentrales Mittel der Drogenbekampfung bis heute fortgesetzt (Lemus et al 2005: S. 101).

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Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Der Krieg gegen Drogen
Untertitel
Die Auswirkungen der US-Anti-Drogenpolitik auf Kolumbien
Hochschule
Universität zu Köln  (Forschungsinstitut für politische Wissenschaft und europäische Fragen )
Veranstaltung
Lateinamerika und die Welt seit 1945
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
17
Katalognummer
V154466
ISBN (eBook)
9783640671670
Dateigröße
415 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krieg, Drogen, Auswirkungen, US-Anti-Drogenpolitik, Kolumbien
Arbeit zitieren
Miriam Heins (Autor), 2010, Der Krieg gegen Drogen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154466

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