In Deutschland tritt der Staat keinesfalls als Organisator und Leiter des Sports auf, welcher sämtliche Dinge des Sports betreffend von oben nach untern bestimmen wollte. Die Beziehung zwischen Staat und Sport ist gerade umgekehrt von unten nach oben strukturiert. Dabei garantiert das Grundgesetz die Autonomie von Sportverbänden und -vereinen, die sich selbst verwalten können und sollen und aus diesem Grund als unabhängig gelten. Diese Selbstverwaltungsgarantie wird durch das Prinzip der Subsidiarität bestätigt, wonach der Staat nur dann mit materiellen und/oder ideellen Förderungsmaßnahmen eingreift oder legislativ tätig wird, falls die eigenen Kräfte der Sportverbände und -vereine nicht ausreichen oder die öffentliche Sicherheit und Ordnung es erfordern.
Während in den Anfangsjahren des modernen Sports (50er und 60er Jahre) der Einfluss des staatlichen Rechts sehr begrenzt war und lediglich in Einzelfällen bzgl. des Strafrechts oder zivilen Schadenersatzrechts zum Schutz der körperlichen Unversehrtheit eine Rolle spielte, änderte sich dieses im Zuge der sukzessiven Kommerzialisierung des Sports. Je mehr der Sport zum Wirtschaftssektor avancierte, desto eher und notwendiger musste sich die Beurtei-lung des Sportbetriebs an normative Maßstäbe des materiellen Rechts orientieren.
Die folgende Arbeit beschäftigt sich daher mit der Frage, inwieweit die den Sportverbänden gewährte Autonomie im Rahmen der Rechtsfindung und -setzung nicht nur nationalrechtliche Grenzen zu beachten hat, sondern sich auch an die Gewährleistung und Anforderungen des europäischen Gemeinschaftsrechts orientieren muss.
Zur Beantwortung dieser Frage wird der Deutsche Fußballbund exemplarisch als weltweit mitgliedsstärkster Fußballverband näher beleuchtet. Zunächst finden eine allgemeine Begriffsabgrenzung und eine Beschreibung der Verwaltung und Organisation deutscher Sportver-bände statt. Anschließend wird speziell auf die Organisation und Interdependenzen der Fußballverbände eingegangen und anhand von ausgewählten Urteilssprüchen der Einfluss natio-naler und internationaler Rechtsprechung auf den DFB kenntlich gemacht. Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Schlussbetrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSABGRENZUNG UND ORGANISATION DEUTSCHER SPORTVERBÄNDE
2.1. BEGRIFFSABGRENZUNG VERBÄNDE
2.2. DIE VERWALTUNG UND ORGANISATION IM SPORTSYSTEM
2.2.1. Die öffentliche Sportverwaltung
2.2.2. Selbstverwaltung des Sports
2.2.4. Verbandsautonomie
2.2.3. Das Ein-Verbands-Prinzip
3. DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN EUROPÄISCHER POLITIK UND RECHTSPRECHUNG UND DEN FUßBALLVERBÄNDEN
3.1. ORGANISATION UND INTERDEPENDENZEN DER FUßBALLVERBÄNDE
3.1.1. Die FIFA (Fédération Internationale de Football Association)
3.1.2. Die UEFA (Union of European Football Associations)
3.1.3. Der Deutsche Fußball Bund (DFB) e.V.
3.1.4. Die Liga - Fußballverband e.V. (Ligaverband)
3.1.5. Die DFL Deutsche Fußball Liga GmbH (DFL)
3.2. DER EINFLUSS DER NATIONALE UND INTERNATIONALEN RECHTSPRECHUNG AUF DIE FUßBALLVERBÄNDEPOLITIK IN DEUTSCHLAND
3.2.1. Der Fall Bosman / Das Bosman-Urteil
3.2.2. Konfliktäre Beziehung zwischen der Zentralvermarktung der Fernsehrechte und Art. 81 EGV
4. ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss der europäischen Rechtsprechung auf die Autonomie deutscher Fußballverbände, wobei der DFB als Fallbeispiel dient. Dabei wird analysiert, wie sich das Spannungsfeld zwischen der verbandsinternen Selbstverwaltung und den Anforderungen des europäischen Gemeinschaftsrechts entwickelt hat.
- Organisation und Struktur des deutschen Sports
- Aufgaben und Interdependenzen der Fußballverbände (FIFA, UEFA, DFB, DFL)
- Die Auswirkungen des Bosman-Urteils auf Transferregelungen
- Die Aufhebung der Ausländerklausel durch den EuGH
- Rechtliche Konflikte bei der Zentralvermarktung von Fernsehrechten
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1. Sachverhalt
Vor dem „Fall Bosman“ gab es in vielen europäischen Ländern Regelungen, die beim Vereinswechsel eines Spielers die Zahlung einer Ablösesumme vorsahen. Auch im Falle eines ausgelaufenen Vertrages durfte ein wechselwilliger Spieler nur dann zu einem neuen Arbeitgeber transferieren, wenn dieser ihn mit einem entsprechenden Geldbetrag bei seinem alten Klub auslöste. Hierbei war grundsätzlich frei verhandelbar, welche Ablösesumme ein Verein für einen Neuzugang an dessen früheren Klub zahlen musste. Lediglich für Streitfälle gab es eine neutrale Kommission, die den entsprechenden Betrag in Abhängigkeit von Finanzkraft der beteiligten Vereine festsetzte. Hauptsächliche Gründe für diese Regelung war zum einen die Absicherung weniger finanzstarker Vereine, wenn sie Leistungsträger an einen zahlungskräftigen Klub abgeben mussten. Zum anderen konnte ein Verein seine Spieler bei der Aufnahme eines Kredits als Sicherheit ansetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der Autonomie der Sportverbände im Kontext des europäischen Rechts dar und definiert das Ziel der Arbeit, diese am Beispiel des DFB zu untersuchen.
2. BEGRIFFSABGRENZUNG UND ORGANISATION DEUTSCHER SPORTVERBÄNDE: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe definiert und das duale System der deutschen Sportverwaltung sowie die Autonomie der Verbände erläutert.
3. DAS VERHÄLTNIS ZWISCHEN EUROPÄISCHER POLITIK UND RECHTSPRECHUNG UND DEN FUßBALLVERBÄNDEN: Dieser Hauptteil analysiert die hierarchischen Strukturen der Fußballverbände und bewertet den Einfluss grundlegender EuGH-Urteile sowie wettbewerbsrechtlicher Vorgaben auf die Praxis der Verbände.
4. ZUSAMMENFASSENDE SCHLUSSBETRACHTUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass der Sport heute kein rechtsfreier Raum mehr ist und die Verbände ihre Regelwerke an staatliche und europäische Vorgaben anpassen müssen.
Schlüsselwörter
Sportverband, DFB, DFL, Autonomie, Bosman-Urteil, Europäische Rechtsprechung, Freizügigkeit, Transferregelung, Zentralvermarktung, Fernsehrechte, Sportrecht, Kartellrecht, Binnenmarkt, Spielertransfer, Ausländerklausel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit die Autonomie deutscher Fußballverbände durch die Vorgaben der europäischen Politik und Rechtsprechung eingeschränkt oder beeinflusst wird.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Themen umfassen die Organisationsstruktur des Sports, die rechtliche Einordnung des Verbandswesens sowie die Auswirkungen europäischer Urteile auf Transfermodelle und Vermarktungsrechte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Spannungsfeld zwischen verbandsinternen Regelungen und übergeordnetem europäischem Gemeinschaftsrecht durch ausgewählte Gerichtsurteile aufgelöst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine rechtswissenschaftliche und politikwissenschaftliche Analyse, basierend auf Literaturquellen sowie der Auswertung von Urteilen des Europäischen Gerichtshofs und des Bundesgerichtshofs.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Verbandsstrukturen von FIFA über UEFA bis hin zu DFB und DFL sowie die detaillierte juristische Analyse zum Bosman-Urteil und zur Zentralvermarktung von Medienrechten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Sportverbände, Autonomie, Bosman-Urteil, Europäisches Wettbewerbsrecht und Zentralvermarktung.
Welche Rolle spielt die DFL im Zusammenhang mit dem Kartellrecht?
Die DFL steht als Vermarkter der Fernsehrechte im Fokus des Kartellrechts, da ihre zentrale Rechtevergabe als potenziell wettbewerbswidrig eingestuft wurde, was nachfolgende Anpassungen im Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) erforderte.
Wie wirkte sich das Bosman-Urteil konkret auf die Gehälter aus?
Durch die verbesserte Verhandlungsmacht der Spieler nach Vertragsende, da keine Ablösesummen mehr fällig wurden, stiegen die Spielergehälter innerhalb von nur zwei Jahren massiv an.
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- Timm Witt (Author), 2010, Einfluss der Sportverbände, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154508