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Die Entwicklung der deutschen Erinnerung um das Konzentrationslager Auschwitz

Tendenzen einer Gedächtniskultur in DDR und BRD

Titel: Die Entwicklung der deutschen Erinnerung um das Konzentrationslager Auschwitz

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2010 , 28 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Stefanie Zabel (Autor:in)

Geschichte Deutschlands - Nachkriegszeit, Kalter Krieg
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Behandlung von Auschwitz als Stätte der Erinnerung impliziert bereits bekannte Fakten wie die industrielle Vernichtung von über einer Million Menschen, wobei die Vernichtung der Juden in heutigen Nachschlagewerken insbesondere hervorgehoben wird.
Das Konzentrationslager Auschwitz als Tat der Nationalsozialisten hervorzuheben, lässt einen weiträumigen Horizont der Betrachtung zu: Auschwitz symbolisiert hierbei den gesamten Vernichtungsapparat des Dritten Reiches unter dem Führer Adolf Hitler. In diese gerade allegorische Sichtweise inbegriffen sind damit auch alle anderen Konzentrations- und Vernichtungslager der Deutschen sowie die seit Mitte der 1930er organisierte Hetze gegen Minderheiten wie Polen und Juden. Symbol der Politik der Verfolgung und industriellen Ausrottung stellt aufgrund der hohen Zahl der Opfer eben dieses Lager Auschwitz dar. Ähnliche Anstalten wie Belzec und Chelmno erlangten bis heute keine vergleichbare 'Berühmtheit': „Auschwitz dient […] als Synonym für das Grauen des Völkermords, als Metapher von Schuld und Verstrickung im Bewußtsein [sic] der Deutschen“.
Ein zweites Problem, welches sich vor einer Bearbeitung des Themas stellt, ist die Vielfalt der Erinnerungskulturen in Deutschland seit Ende des Zweiten Weltkrieges: nicht nur in kultureller Hinsicht begannen beide deutsche Staaten, die Bundesrepublik wie die Deutsche Demokratische Republik, eine Eigenart des Gedächtnisses gegenüber der Problematik Auschwitz zu entwickeln. Auch politisch, durch die verschiedentliche Ausrichtung der jeweiligen Staatsformen und -ziele bildeten sich schnell weitreichende Unterschiede in der Aufarbeitung der eigenen, der deutschen, Vergangenheit um Auschwitz.

Die Spannweite der Erinnerungskultur in Deutschland ist demnach überaus facettenreich. Durch verschiedene Auslegungen der Geschehnisse, durch neuere und ältere Deutungen sowie durch Vergessen und Geschichtsverfälschung entsteht ein für Deutschland sehr mannigfaches Bild einer Erinnerungskultur um Auschwitz.
Die vorliegende Arbeit hat die kritische Darlegung der seit 1945 herausgebildeten Bildern der Erinnerung zum Ziel. Jeweilige Eigenheiten und Kontroversen der vielgestaltigen Erinnerungslandschaft sollen darin hervorgehoben und hinterfragt werden. Gleichzeitig sollen auch die Schnittpunkte zeitlicher oder örtlicher Kontinuitäten der Erinnerungskultur in den Blick genommen werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Abschnitt: 1945-1949

II. Abschnitt: Betrachtungen zur DDR

III. Abschnitt: Erinnerungskultur der BRD bis 1990

1. Das deutsche Gedächtnis 1945 bis zum Ende der 1950er Jahre

2. Versuche der Aufarbeitung der Geschehnisse 1958-1968 in Justiz und Literatur

3. Studentischer Aufbruch 1968

4. Holocaust (1979)

5. 1980er und 1990er Jahre

6. Historikerstreit

IV. Abschnitt: Einblicke in die Kultur der Erinnerung um Auschwitz heute

V. Abschnitt: Exkurs – Auschwitz im Blickfeld der Geschichtsforschung

Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit analysiert die Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur in Bezug auf das Vernichtungslager Auschwitz von 1945 bis zur Gegenwart. Ziel ist es, die spezifischen Dynamiken des gesellschaftlichen Gedächtnisses in der DDR und der BRD kritisch darzulegen und zu hinterfragen, wie sich Bilder der Erinnerung und politische Instrumentalisierungen im Zeitverlauf verändert haben.

  • Vergleich der Erinnerungskultur in DDR und BRD nach 1945
  • Die Rolle der Justiz und Literatur bei der NS-Aufarbeitung
  • Einfluss des Generationenwechsels und der 68er-Bewegung auf die Erinnerung
  • Wirkung medialer Repräsentationen wie des Films "Holocaust" (1979)
  • Die Auseinandersetzung der Geschichtswissenschaft mit Auschwitz

Auszug aus dem Buch

Studentischer Aufbruch 1968

Durch den allmählich zutage tretenden Generationenkonflikt und der studentischen Revolte 1968 wurden nicht nur die damals vorherrschenden gesellschaftlichen Wertvorstellungen und Welthaltungen angefochten. Eine nicht unwesentliche Rolle spielte vielmehr auch die Bezugnahme auf die Vergangenheit der eigenen Eltern bzw. Großeltern durch die jüngere Generation. Die „Mitläuferschaft“, der Holocaust und vor allem die Geschehnisse in Auschwitz gerieten in den kritischen Blickpunkt junger Menschen. Ein Ergebnis dieses Aufarbeitungsversuches ist in der vollkommenen Offenlegung einer Unmündigkeit, bzw. autoritären Mentalität, der früheren Generation zu sehen, die mit Hitler mitmarschierte. Aus dieser Erkenntnis heraus resultierte die stärkere Hinterfragung der Älteren, welche erstmals überhaupt massiven Vorwürfen ihrer Kinder und Enkeln ausgesetzt waren. Bis dahin konnte sich die NS-Generation durch Schweigen und fehlende Urteile verhüllen. Nun sollten die Ausreden der Vergangenheit nicht mehr gelten. Die Generation von 1968 „lud […] das Erinnerungspotential von neuem auf“.

Doch gleichzeitig mit der Verurteilung der Älteren kam die 68er-Generation, dies hat Christian Meier richtig erkannt, in den Genuss, sich durch den Fingerzeig auf andere selbst von der Schuld der Deutschen rein zu waschen - man selbst war es ja nicht gewesen; Schuld hatten die Eltern und Großeltern, die Vernichtungslager wie Auschwitz zuließen und auf Befehl hin Menschen ermordeten.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Problematik der Definition von Auschwitz als Erinnerungsort und die Vielfalt der sich entwickelnden Erinnerungskulturen in den beiden deutschen Staaten.

I. Abschnitt: 1945-1949: Dieses Kapitel beleuchtet die unmittelbare Nachkriegszeit, die durch eine kollektive Schweigsamkeit und existenzielle Krisen der Bevölkerung geprägt war.

II. Abschnitt: Betrachtungen zur DDR: Hier wird untersucht, wie die DDR durch die Heroisierung antifaschistischer Kämpfer und die Abkehr von der kollektiven Schuld eine eigene Erinnerungskultur etablierte.

III. Abschnitt: Erinnerungskultur der BRD bis 1990: Dieser Abschnitt analysiert die westdeutsche Erinnerungspolitik, von den ersten Verdrängungsphasen über die Aufarbeitung durch Justiz und Literatur bis hin zu den 68ern und dem Historikerstreit.

IV. Abschnitt: Einblicke in die Kultur der Erinnerung um Auschwitz heute: Dieses Kapitel betrachtet die gegenwärtigen Dynamiken der Erinnerung und das Fortbestehen von Distanzierungsmechanismen zur NS-Vergangenheit.

V. Abschnitt: Exkurs – Auschwitz im Blickfeld der Geschichtsforschung: Der Exkurs hinterfragt die Gründe für das lange Schweigen in der Geschichtswissenschaft und die personellen Kontinuitäten an den Universitäten.

Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse hinsichtlich der zeitlichen Distanz, politischer Interessen und der wissenschaftlichen Aufarbeitungstiefe zusammen.

Schlüsselwörter

Auschwitz, Erinnerungskultur, Gedächtnis, Nationalsozialismus, Vergangenheitsbewältigung, Holocaust, DDR, BRD, 68er-Generation, Historikerstreit, Geschichtswissenschaft, NS-Verbrechen, Kollektivschuld, Erinnerungsort, Aufarbeitung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die Entwicklung der deutschen Erinnerungskultur um das Vernichtungslager Auschwitz von 1945 bis 1990 sowie die Einflüsse politischer und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen darauf.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den zentralen Themen zählen der Vergleich zwischen der DDR und der BRD, die Rolle des Generationenwechsels (68er), die justizielle Aufarbeitung und die mediale Vermittlung des Holocaust.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Das Ziel ist die kritische Darlegung der seit 1945 herausgebildeten Bilder der Erinnerung und die Hinterfragung der Kontinuitäten sowie Kontroversen innerhalb der deutschen Erinnerungslandschaft.

Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer geschichtswissenschaftlichen Untersuchung, die Fachliteratur, zeitgenössische Analysen und gesellschaftliche Diskurse reflektiert und in den Kontext aktueller Forschung stellt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Zeitabschnitte, die von der Stunde Null über die Entwicklung der beiden deutschen Staaten bis hin zum Historikerstreit und der heutigen Erinnerungskultur reichen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Schlüsselbegriffe sind Erinnerungskultur, Vergangenheitsbewältigung, Holocaust, Auschwitz, Kollektivschuld und der deutsche Historikerstreit.

Wie unterschied sich die DDR von der BRD in der Aufarbeitung?

Die DDR heroisierte den antifaschistischen Widerstand und entzog sich der Anerkennung einer kollektiven Schuld, während die BRD erst durch langwierige Prozesse, Literatur und studentische Proteste schrittweise eine kritische Auseinandersetzung einleitete.

Warum war die Geschichtswissenschaft lange Zeit zögerlich?

Viele Historiker, die bereits im NS-Regime tätig waren, besetzten nach 1945 weiterhin Lehrstühle, was eine selbstkritische Aufarbeitung und die Thematisierung der Verbrechen der eigenen Kollegen verhinderte.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Entwicklung der deutschen Erinnerung um das Konzentrationslager Auschwitz
Untertitel
Tendenzen einer Gedächtniskultur in DDR und BRD
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Institut für Europäische Geschichte)
Veranstaltung
Erinnerungskultur im Wandel
Note
1,3
Autor
Stefanie Zabel (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2010
Seiten
28
Katalognummer
V154511
ISBN (eBook)
9783640673889
ISBN (Buch)
9783640674213
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entwicklung Erinnerung Konzentrationslager Auschwitz Tendenzen Gedächtniskultur deutsch Kultur Geschichte BRD DDR Erinnerungskultur
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Stefanie Zabel (Autor:in), 2010, Die Entwicklung der deutschen Erinnerung um das Konzentrationslager Auschwitz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154511
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Leseprobe aus  28  Seiten
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