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Traditionelle Musik auf La Réunion

Ausdruck kultureller Identität 1981-2009

Titel: Traditionelle Musik auf La Réunion

Magisterarbeit , 2009 , 141 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ulrike Weiher (Autor:in)

Französische Philologie - Landeskunde und Kultur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

La Réunion bietet aufgrund ihrer mannigfaltigen Bevölkerungszusammensetzung und der Abhängigkeit von Frankreich als Département et région d’outre-mer (DROM) eine konfliktreiche komplexe und vielfältige linguistische und kulturelle Beschaffenheit, in der traditionelle Musik eine außerordentlich wichtige Rolle spielt, da sie die kreolische Identität zum Ausdruck bringt und auch verteidigt. Die beiden Musikgenres Maloya und Séga ermöglichen neben dem Erhalt des kulturellen Erbes der Vorfahren das Eintauchen in die schmerzhafte Vergangenheit und das Herstellen einer Verbindung zu den eigenen Wurzeln. Maloya und Séga stellen repräsentative Musikformen der réunionesischen Kultur und Identität dar und können als Bestandteil der kreolischen Seele bezeichnet werden.

Die Ende September 2009 getroffene Entscheidung der UNESCO, den Maloya auf La Réunion zum Weltkulturerbe zu erklären, bestätigt die große Bedeutung dieses Musikgenres für die Kultur und Identität der réunionesischen Gesellschaft und die Aktualität der vorliegenden Arbeit.

Trotz der nunmehr honorierten Bedeutsamkeit der traditionellen réunionesischen Musik ist der Forschungsstand auf diesem Gebiet noch immer relativ gering. Einer der führenden Wissenschaftler ist Guillaume Samson, der als Angestellter beim lokalen Pôle Régional des Musiques Actuelles (P.R.M.A) im Bereich Forschung tätig ist.

Gegenstand der Magisterarbeit ist daher die wissenschaftliche Aufarbeitung und Vertiefung des Verhältnisses traditioneller réunionesischer Musik zu kultureller Identität. Hauptaugenmerk der Analyse liegt dabei in der Untersuchung der Vollständigkeit des Ausdrucks kultureller Identität, der eventuellen Differenzen zur Realität und der Beantwortung der Frage, inwiefern traditionelle Musik über den reinen Ausdruck der kulturellen Identität hinausgeht. Zudem wird erörtert, wo und weshalb Unterschiede zwischen den beiden Genres Maloya und Séga auszumachen sind. Die Ergebnisse können als Erklärung dafür dienen, weshalb sich lediglich der Maloya in die Weltkulturerbe einreiht.

Der für die Arbeit ausgewählte Zeitraum 1981 bis 2009 wurde bewusst gewählt, da traditionelle réunionesische Musik bis 1981 im politischen Kontext stand und die Opposition Maloya-Séga beinhaltete. Erst seit der Dezentralisierung La Réunions präsentiert sich traditionelle réunionesische Musik als relative Einheit und bezieht sich vorrangig auf den kulturellen und identitären Bereich.

Leseprobe


Gliederung

1 Kulturelle Identität auf La Réunion

1.1 Begriff der kulturellen Identität

1.2 Historische Legitimierung kultureller Identitätszuschreibung

1.3 Grundlagen für die Herausbildung kultureller Identität

1.3.1 Métissage

1.3.2 Linguistische und kulturelle Kreolisierung

1.4 Identitäre Evolution der réunionesischen Gesellschaft

1.4.1 Multikulturalismus

1.4.2 Interkulturalismus

1.4.3 Transkulturalismus

1.5 Identitäre Problematik

1.5.1 Gelenkte und ungelenkte Identitätsbildung

1.5.2 Identitätskonflikte

2 Musik auf La Réunion

2.1 Traditionelle Musik als Ergebnis des Synkretismus

2.2 Etappen der Entstehung

2.2.1 Beginn der Kolonisierung im 17. Jahrhundert –Dominanz europäischer Musik–

2.2.2 18. bis Mitte 20. Jahrhundert –Musikalische Kreolisierung–

2.2.3 1946 bis 1981 –Séga vs. Maloya–

2.2.4 Ab 1981 –Angleichung und Modernisierung der Genres–

2.3 Konfliktsituation der gegenwärtigen Musiklandschaft

2.4 Bedeutung der Musik

2.5 Korrelation von Musik und kultureller Identität

3 Darstellung und Ableitung kultureller Identitätskonstrukte anhand ausgewählter Liedtexte der traditionellen réunionesischen Musik

3.1 Erinnerungsarbeit

3.1.1 Sklaverei und Sklavenhandel

3.1.2 Marronnage

3.1.3 Fèt Kaf

3.2 Verteidigung, Erhalt und Verbreitung des kulturellen Erbes und Bewältigung von sozialen Problemen

3.2.1 Ways of life

3.2.1.1 Kulturelle Praktiken

3.2.1.2 Sprache

3.2.2 Ways of living together

3.2.2.1 Stolz auf métissage

3.2.2.2 Gleichheit und Solidarität als oberste Maxime

3.2.2.3 Kampf gegen „francité“ als Lebensstil und Sensibilisierung für die Heimat

3.2.2.4 Rückbesinnung auf afrikanische Wurzeln und Aufwertung der Kaf

3.2.3 Ways of believing

3.2.3.1 Gleichberechtigung der Religionen

3.2.3.2 Sèrvis kabaré

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von traditioneller réunionesischer Musik zu kultureller Identität im Zeitraum von 1981 bis 2009. Das primäre Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Maloya und Séga als Ausdruck kultureller Identität fungieren und inwieweit sie diese identitätsstiftend beeinflussen, insbesondere vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheiten und der postkolonialen Prägung der Insel.

  • Kulturelle Identität und deren historische Kontexte auf La Réunion
  • Entwicklung und Bedeutung der Musikgenres Maloya und Séga
  • Musik als Instrument der Erinnerungsarbeit und Bewältigung sozialer Probleme
  • Die Rolle von Sprache, Religion und gesellschaftlichem Zusammenleben in Liedtexten

Auszug aus dem Buch

3.1.1 Sklaverei und Sklavenhandel

Traditionelle réunionesische Musik ist eng mit der Präsentation der Sklaverei verbunden. Soziale Realitäten während der Sklaverei sind ein konsequenter Bestandteil der Texte. Thematisiert werden vor allem die harte Arbeit auf den Plantagen und die leidenschaftliche und oft unberechtigte Folter und Gewalt der Kolonialherren gegenüber den Sklaven, welche zum einen als Strafe, andererseits der produktiven Arbeit dienen sollten:174

„Kan la koup kane larivé La période de la coupe des cannes est là I sava luzine gran matin […] Il faut aller à l’usine de bonne heure […] Tout la zourné mi koup kane […] Toute la journée je coupe des cannes […] Tap pa tro for komandèr Ne frappe pas trop fort commandeur Ti poul volé la pa moin ”.175 Ce n’est pas moi qui ai volé la poule.

„Sabouk komandér Le fouet du commandeur Si lo poi gro blan Sous le poids des gros Blancs Oui sa zot la gouté”.176 Oui ça ils ont subi.

Während in vielen Liedern das Wort Sklaverei oder Sklave direkt genannt wird, beschreiben einige Musiker durch den Bezug auf die Hautfarbe die unterschiedlichen Lebensumstände der Sklaven und deren dominanter Herren. Das Nichterscheinen der Begriffe Sklave und Sklaverei verstärkt dabei die Aussagekraft der Lieder.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Kulturelle Identität auf La Réunion: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen der kulturellen Identität und die spezifische, konfliktreiche historische Evolution der réunionesischen Gesellschaft.

2 Musik auf La Réunion: Hier erfolgt eine Analyse der musikalischen Entwicklung, unterteilt in historische Epochen, sowie die Untersuchung der Bedeutung und der sozio-kulturellen Korrelation der Genres Maloya und Séga.

3 Darstellung und Ableitung kultureller Identitätskonstrukte anhand ausgewählter Liedtexte der traditionellen réunionesischen Musik: Das Hauptkapitel nutzt Liedtextanalysen, um Erinnerungsarbeit sowie verschiedene gesellschaftliche Ebenen wie "ways of life" und "ways of believing" im Kontext der réunionesischen Identität abzubilden.

Schlüsselwörter

La Réunion, Kulturelle Identität, Maloya, Séga, Kreolisierung, Métissage, Sklaverei, Musiktradition, Liedtextanalyse, Postkolonialismus, Soziale Identität, Erinnerungsarbeit, Réunionnité, Identitätskonflikte, Musiklandschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Magisterarbeit untersucht das Verhältnis zwischen traditioneller Musik auf La Réunion und der kulturellen Identität der dortigen Bevölkerung im Zeitraum von 1981 bis 2009.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die historische Identitätsentwicklung, die musikalische Evolution durch Synkretismus und Kreolisierung, sowie die Verarbeitung von Sklaverei und sozialen Konflikten in Liedtexten.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die wissenschaftliche Aufarbeitung, inwiefern Maloya und Séga als Ausdruck kultureller Identität dienen und über welchen Stellenwert sie bei der Selbstbehauptung der Réunionesen verfügen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es werden historische und soziologische Ansätze zur Identitätstheorie mit einer tiefgehenden Analyse ausgewählter Liedtexte aus der traditionellen Musik kombiniert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden mittels Liedtexten kulturelle Identitätskonstrukte auf den drei Ebenen „ways of life“, „ways of living together“ und „ways of believing“ analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem La Réunion, kulturelle Identität, Maloya, Séga, Kreolisierung, Métissage und Erinnerungsarbeit.

Warum wurde der Zeitraum 1981 bis 2009 gewählt?

Dieser Zeitraum ist bedeutsam, da 1981 eine Zäsur markiert, ab der sich die Musik von einem rein politischen Kampffeld hin zu einer relativen Einheit und einer stärker kulturellen Identitätsstiftung entwickelte.

Welche Rolle spielt die UNESCO in der Untersuchung?

Die UNESCO-Entscheidung von 2009, den Maloya als Weltkulturerbe anzuerkennen, bestätigt die hohe Relevanz der Musikgattung für das kulturelle Erbe und die Identität der réunionesischen Gesellschaft.

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Traditionelle Musik auf La Réunion
Untertitel
Ausdruck kultureller Identität 1981-2009
Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,0
Autor
Ulrike Weiher (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
141
Katalognummer
V154533
ISBN (eBook)
9783640671427
ISBN (Buch)
9783640671113
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Traditionelle Musik Réunion Ausdruck Identität
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ulrike Weiher (Autor:in), 2009, Traditionelle Musik auf La Réunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154533
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