Ressourcenknappheit und nachhaltiges Wachstum

Makroökonomische Stabilität und Wachstum einer offenen Volkswirtschaft


Seminararbeit, 2010
27 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Grundlagen der Ressourcenökonomie
A. Klassifikation von Ressourcen
B. Reserven, Substitutionsprozesse und technologischer Fortschritt

III. Preisbildung auf Ressourcenmärkten – die Hotelling Regel
A. Annahmen des Hotellingschen Grundmodells
B. Optimierungskalkül des Ressourceneigners
C. Formale Herleitung des optimalen Ressourcenpreispfades
D. Kritikpunkte des Modells

IV. Nachhaltigkeit und langfristiges Wachstum
A. Ressourcen als Produktionsfaktor in der Wachstumstheorie
B. Das Modell von Stiglitz
1. Basismodell
2. Existenzbedingungen eines langfristig-gleichgewichtigen Wachstumspfads
3. Optimale Ressourcenextraktion bei gleichgewichtigem Wachstum
C. Rolle des technologischen Fortschritts
D. Bedeutung der Substitutionselastizität

V. Schlussfolgerungen

VI. Abbildungsverzeichnis

VII. Literaturverzeichnis.

I. Einleitung

Eine der zentralen Fragen, die Öffentlichkeit und Wissenschaft seit Beginn der 70er Jahre bewegt hat lautet: Wird die Menschheit am Mangel an Ressourcen zugrunde gehen? Die dieser Sorge zugrunde liegende Vorstellung kann wie folgt dargestellt werden: Der Menschheit steht ein vorgegebener Vorrat an natürlichen Ressourcen zur Verfügung. Dieser wird kontinuierlich verzehrt. In nicht allzu ferner Zukunft wird alles aufgebraucht sein, was einen Kollaps der globalen Wirtschaft zur Folge hat. Diese allgemeine Sorge wurde genährt durch die Erfahrung der Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Erdöl in den Krisen 1973 und 1979 sowie durch die äußerst pessimistischen Prognosen im Bericht von Dennis Meadows an den Club of Rome[1](Meadows 1972). In unterschiedlichen Szenarien wurde errechnet, dass die bedeutendsten Ressourcenvorräte mit der Jahrtausendwende aufgezehrt seien. Die angewandte wissenschaftliche Methodik wurde von der Wirtschaftswissenschaft bereits unmittelbar nach dem Erscheinen stark kritisiert. Hauptkritikpunkt war, dass die Szenarien keine marktlichen Reaktionen auf die vorhergesagten Verknappungsprozesse berücksichtigten. Nach Ansicht vieler Ökonomen ist der Markt ein außerordentlich leistungsfähiges Instrument zur Bewältigung von Knappheitsproblemen. Steigende Ressourcenpreise lösen Substitutionsprozesse aus und sind gleichzeitig Impulsgeber für eine Zunahme der Investitionstätigkeit und damit technologischen Fortschritt. Als Antwort auf diese langfristig negativen Prognosen entwickelten die Wachstumstheoretiker Solow und Stiglitz Anfang der 80er Jahre erweiterte Wachstumsmodelle, welche neben Kapital und Arbeit eine erschöpfliche Ressource als dritten Faktor in die Produktionsfunktion aufnahmen. Mit diesen Modellen konnte gezeigt werden, dass eine Volkswirtschaft, trotz der Erschöpfbarkeit dieses dritten Produktionsfaktors, einen langfristigen Wachstumspfad beschreiten kann. Der Kern dieser Arbeit thematisiert deshalb das im Artikel „Growth with Exhaustible Natural Resources: Efficient and Optimal Growth Paths“ (Stiglitz 1974) von Joseph E. Stiglitz vorgestellte Modell der neuen Wachstumstheorie. Insbesondere sollen die Existenzbedingungen für langfristiges Wachstum mit einer Analyse der Dynamik des Modells veranschaulicht werden und die Rolle von technologischem Fortschritt und der Substitutionselastizität erklärt werden. Im Ergebnis wird deutlich, dass die postulierten Schreckensszenarien eines globalen Kollapses unbegründet sind und mit dem nötigen Vertrauen in die Anpassungsfähigkeit der Märkte und deren Innovationskraft Knappheitsprobleme überwindbar sind. Die Arbeit ist folgendermaßen strukturiert: In Abschnitt II soll ein Einblick in die Grundlagen der Ressourcenökonomie gegeben werden. Dazu werden in II.A Ressourcen detailliert klassifiziert anhand ihrer zeitlichen Erneuerbarkeit und der Ausschließbarkeit von der Nutzung, welche Bedingung für die Marktfähigkeit ist und die Preisbildung über Märkte ermöglicht. Der sich aufgrund der Knappheit der Ressource ergebende Preis unterliegt Schwankungen. Der grundsätzlich beobachtete Zusammenhang zwischen Preis, Reserven der Ressource, den Substitutionsmöglichkeiten und dem technologischen Fortschritt wird in II.B erläutert. Abschnitt III behandelt das von Harold Hotelling entwickelte Grundmodell der Ressourcenökonomie zur Preisbildung auf Ressourcenmärkten. In Zusammenhang damit wird die Notwendigkeit einer Modifikation der Definition des gleichgewichtigen Preises auf Wettbewerbsmärkten erläutert. Bei erschöpflichen Ressourcen müssen den Grenzkosten (Abbaukosten) zeitliche Opportunitätskosten (Nutzungskosten) hinzugerechnet werden, was in der intertemporalen Verwendungskonkurrenz um die Nutzung der Ressource begründet liegt. Nach einer kurzen Aufzählung der Annahmen des Hotelling Modells wird das Optimierungskalkül der Ressourceneigner und dessen investitionstheoretisches Fundament erläutert. Hierbei wird gezeigt, wie die Indifferenz der Ressourceneigner zwischen Extraktion heute und Konservierung bzw. „im Boden belassen“ für die zukünftige Nutzung unter der Annahme perfekter Zukunftsmärkte zum optimalen Ressourcenpreispfad führt. Dieser besagt, dass die Wachstumsrate des Preises der Ressource dem Marktzins entsprechen muss. Der auch als Hotelling Regel bezeichnete Zusammenhang wird in Abschnitt III.C formal für infinitesimal kleine Perioden hergeleitet. Dabei wird der Maximierungsansatz als statische Lagrangefunktion und dynamische Hamiltonfunktion formuliert. Letztere wird über Methoden dynamischer Optimierung gelöst. Abschließend werden die maßgeblichen Kritikpunkte am Hotelling Modell in Abschnitt III.D zusammengefasst. Insbesondere der Einfluss der Marktmacht durch Kartelle, die Variabilität der Reserven und der technologische Fortschritt lassen eine Preisentwicklung nach der Hotelling Regel als fraglich erscheinen. Im darauffolgenden Abschnitt IV „Nachhaltigkeit und langfristiges Wachstum“ wird ein Einblick in die, im Zuge der Nachhaltigkeitsdebatte um erschöpfliche Ressourcen erweiterten, langfristigen neoklassischen Wachstumsmodelle gegeben. Hauptsächliche Fragestellung ist ob und unter welchen Bedingungen langfristiges „steady state“ Wachstum, auch unter Verwendung einer erschöpflichen Ressource als gesondertem Produktionsfaktor neben Kapital und Arbeit, möglich ist. In IV.A wird das Ressourcenproblem in abgewandelter Form als Portfolioproblem aus Perspektive der Gesellschaft veranschaulicht, welche sich zwischen zwei Möglichkeiten des Transfers von Konsum hin zu zukünftigen Generationen entscheiden muss. Dies ist zum Einen durch Weitervererbung der Ressource durch „im Boden belassen“ oder alternativ durch heutige Extraktion, Transformation in Sachkapital und dessen Weitervererbung möglich. Dieser Zusammenhang bildet das Fundament für das von Stiglitz entwickelte langfristige neoklassische Wachstumsmodell mit einer erschöpflichen Ressource als Produktionsfaktor. Abschnitt IV.B.1 beinhaltet das Basismodell mit einer Cobb-Douglas Produktionsfunktion, die Definition der Konsum-Spar Entscheidung und beweist auf formalem Weg das Vorhandensein der Hotelling Regel im Modell von Stiglitz. Im darauf folgenden Abschnitt wird die Dynamik des Modells analysiert. Die Berechnung von Differentialgleichungen, welche die Wachstumsraten der einzelnen Faktoren beschreiben, lässt eine Interpretation der zeitlichen Anpassungsprozesse in einem Phasendiagramm zu. Hierbei wird die Existenz eines langfristig gleichgewichtigen „steady state“ Wachstumspfads mit konstant positivem Konsumwachstum bewiesen und die Existenzbedingungen hierfür abgeleitet. Der Frage, ob eine sich auf diesem Wachstumspfad befindende Volkswirtschaft seine Ressourcen ebenfalls optimal extrahiert wird in Abschnitt IV.B.3 in einem weiteren Phasendiagramm nachgegangen. Die Optimalitätsbedingung einer zeitlich unveränderlichen Ressourcennutzungsquote wird dabei deutlich. Nachdem die Existenz eines langfristig gleichgewichtigen Wachstumspfad auch mit Verwendung einer erschöpflichen Ressource mit dem Modell von Stiglitz bewiesen wurde soll abschließend in den Abschnitten IV.C und IV.D die Rolle des technologischen Fortschritts und der Substitutionselastizität mit Bezug auf Wachstumsobergrenzen und die langfristige Stabilität verdeutlicht werden.

II. Grundlagen der Ressourcenökonomie

Der Kern der Ressourcen- und auch Umweltökonomie ist fundamental neoklassisch. Hier werden intertemporale Allokationsprobleme von Gütern unter den Wirtschaftssubjekten in Abhängigkeit von deren Präferenzen behandelt (Faucheux 2001). Dabei ist von Interesse, welchen Gesetzmäßigkeiten der Prozess der Ressourcenentnahme in Marktsystemen unterliegt und welche Grundsätze dabei aus wohlfahrtsökonomischer Perspektive beachtet werden sollten (Endres 2000). Allgemein bezeichnet der Begriff „Ressource“ die Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital, Boden und natürlich vorkommende Rohstoffe. Der Begriff „Natürliche Ressourcen“ oder „Naturkapital“ hingegen beschränkt sich auf Güter, die nicht vom Menschen produziert werden können. Allerdings darf dieser nicht auf aus der Natur entnommene Produktionsmittel eingegrenzt werden, da auch von der Natur gelieferte Kollektivgüter, wie die Ozonschicht oder Fische hinzugezählt werden. Folgend werden die natürlichen Ressourcen genauer klassifiziert und nach Ressourcensystemen differenziert.

A. Klassifikation von Ressourcen

Für die Analyse des von natürlichen Ressourcen ausgehenden intertemporalen Allokationsproblems ist es sinnvoll den negativen Effekt der Nutzung einer Einheit der Ressource heute, auf die Nutzungsmöglichkeiten in den Folgeperioden genauer zu beschreiben. Anhand ihrer zeitlichen Erneuerbarkeit lassen sie sich deshalb in reproduzierbare, regenerative und erschöpfbare Ressourcen unterteilen.

Bei regenerierbaren Ressourcen findet ein innerhalb menschlicher Entscheidungszeiträume relevantes Wachstum in Abhängigkeit vom Ressourcenbestand statt. Dieses Wachstum ist neben dem Gesamtbestand ressourcenspezifisch von vielen weiteren Determinanten abhängig, was die Lösung des intertemporalen Allokationsproblems ungleich verkompliziert. Rivalität besteht hier nur teilweise, vielmehr gilt es den, das Wachstum maximierenden, optimalen Bestand über die Regenerationsfunktion der Ressource zu bestimmen. Meist handelt es sich um lebende Ressourcen, wie Fische oder Wälder, allerdings werden auch unbelebte Stoffe, wie Erde, Wasser, Wind und erneuerbare Energie hinzugerechnet.

Für erschöpfliche Ressourcen, wie Erdöl oder Erdgas, ist die Erneuerbarkeit nicht innerhalb menschlich relevanter Planungszeiträume gegeben, weshalb in der Theorie von einem für alle Generationen festen Gesamtbestand gesprochen wird. Dieser exogen gegebene Gesamtbestand impliziert eine vollständige intertemporale Rivalität über die Nutzung der erschöpflichen Ressourcen zwischen Gegenwart und Zukunft.

Physisch lassen sich natürliche Ressourcen in Umweltressourcen, biologische Ressourcen, Energieressourcen und nicht energetische Ressourcen unterteilen, wie in Abbildung 1 dargestellt. Die Ausschließbarkeit des potenziellen Nutzers vom Konsum des Gutes ist ein weiteres Klassifikationskriterium. Nur bei einer klaren Durchsetzbarkeit von Eigentumsrechten kann die natürliche Ressource zu einem Preis auf Märkten gehandelt werden. Bei Umweltressourcen, wie der Ozonschicht oder der Wasserverschmutzung ist das nicht der Fall. Die damit verbundene Trittbrettfahrerproblematik, negative externe Effekte und Übernutzung der Umwelt ist Forschungsschwerpunkt der Umweltökonomie, was im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter vertieft werden soll.

Die Ressourcenökonomik hingegen beschäftigt sich hauptsächlich mit den optimalen Abbaupfaden erschöpfbarer und regenerierbarer Ressourcen, deren Eigentumsrechte eindeutig durchsetzbar sind, weshalb sie auch als marktfähig klassifiziert werden. Prominente Beispiele erschöpflicher Ressourcen sind traditionelle Energieressourcen, wie Erdöl, Kohle oder Erdgas und nicht energetische mineralische Rohstoffe, wie Gold, Silber oder Platin. Unter den regenerierbaren Ressourcen werden häufig die biologischen Ressourcen Fische, unter dem Gesichtspunkt der open-access Problematik, und Wälder, mit Bezug auf deren Biodiversität, thematisiert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Klassifikation nach Ressourcensystemen

Aufgrund ihrer zunehmenden Verknappung und den hohen Preisschwankungen in der Vergangenheit haben Energieressourcen viel Aufmerksamkeit in der Literatur erhalten. Sie lassen sich, wie Abbildung 2 zeigt, hinsichtlich ihrer Bereitstellung in der Natur und ihrer Nutzungsmöglichkeiten, in Strom- und Bestandsgrößen weitergehend klassifizieren. Die Erde erhält einen laufenden, für menschliche Planungszeiträume unendlich langen, Energiezufluss in Form von Sonnenenergie, einer Stromressource. Diese kann direkt über Photovoltaik oder indirekt über nachwachsende Rohstoffe in Form von Biomasse genutzt werden. Erdöl, Kohle und Erdgas sind als Bestandsressource zu klassifizieren und sind nicht rezyklierbar. Eine heute genutzte Einheit bleibt zwar energetisch erhalten, allerdings nur in Wärmeenergie, die ökonomisch in der Zukunft nicht mehr zur Nutzung zur Verfügung steht.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 – Klassifikation nach Art der Bereitstellung und Nutzungsmöglichkeit

Abschnitt B behandelt die grundsätzliche Problemstellung der Nutzung einer erschöpfbaren, nicht-rezyklierbaren Energie- und Bestandsressource und erläutert die Bedeutung des Reservebegriffs, der Substitution und des technischen Fortschritts.

[...]


[1]Der 1968 gegründete Club of Rome ist eine nichtkommerzielle Organisation, die einen globalen Gedankenaustausch zu verschiedenen internationalen politischen Fragen betreibt.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Ressourcenknappheit und nachhaltiges Wachstum
Untertitel
Makroökonomische Stabilität und Wachstum einer offenen Volkswirtschaft
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,5
Autor
Jahr
2010
Seiten
27
Katalognummer
V154537
ISBN (eBook)
9783640699629
ISBN (Buch)
9783640699537
Dateigröße
684 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ressourcenknappheit, Wachstum, Makroökonomische, Stabilität, Volkswirtschaft
Arbeit zitieren
Florian Höhme (Autor), 2010, Ressourcenknappheit und nachhaltiges Wachstum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154537

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Ressourcenknappheit und nachhaltiges Wachstum


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden