Zu den Funktionen der Suffixe im Spanischen


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

27 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 EINLEITUNG

2 SUFFIXE
2.1 Definition und Merkmale
2.2 Produktivität und Kombinationseinschränkungen

3 HOMOGENE SUFFIGIERUNG
3.1 Homogene Suffigierung mit Evaluativsuffixen (sufijos apreciativos)
3.1.1 Diminutive Suffixe
3.1.2 Augmentative Suffixe
3.1.3 Pejorative Suffixe
3.2 Homogenes Verfahren mit anderen Suffixen (sufijos no apreciativos)
3.2.1 Homogene Derivation mit Nominalsuffixen
3.2.2 Homogene Derivation mit Adjektivsuffixen
3.2.3 Homogene Derivation mit verbaler Basis

4 HETEROGENE SUFFIGIERUNG
4.1 Nominalisierung
4.1.1 Deverbale Substantivsuffixe
4.1.2 Deadjektivische Substantivsuffixe
4.2 Adjektivierung
4.2.1 Denominale Adjektivierung
4.2.2 Deverbale Adjektivsuffixe
4.3 Verbalisierung

5 FAZIT

6 LITERATURVERZEICHNIS:

1 EINLEITUNG

Andreas Wesch definiert die Wortbildung als „ ein Gefüge von sprachlichen Verfahren, die dazu dienen, neue Wortschatzeinheiten zu schaffen.“[1]

In der traditionellen Wortbildung wird zwischen Ableitung und Komposition unterschieden. Bei dem ersten Verfahren werden Wörter mit „morphematischen Elementen“[2] kombiniert und bei dem zweiten handelt es sich um die Zusammensetzung zweier selbstständige Wörter.[3]

Die Suffigierung wird in der Literatur zusammen mit der Präfigierung der Ableitung als Wortbildungsverfahren zugeordnet. Dabei handelt es sich bei der Suffigierung um Derivation neuer Wörter, die durch das Anfügen eines Suffixes an ein Basislexem erfolgt und sowohl formale als auch semantische Veränderung in dem Derivat hervorruft.[4]

In der vorliegenden Hausarbeit werden die Funktionen der Suffixe in der spanischen Wortbildung thematisiert. Für diesen Zweck werden diese in dem ersten Kapitel aus allgemeiner Sicht dargestellt und durch ihre charakteristische Merkmale, Produktivität und Kombinationseinschränkungen definiert. Des Weiteren werden die Funktionen der Suffixe in materieller Hinsicht grundsätzlich unter der Berücksichtigung zweier Aspekte untersucht: ihre Rolle in der homogenen und in der heterogenen Derivation. Aufgrund dessen werden im zweiten Kapitel diese Suffixe dargestellt, mit denen homogene Ableitung erfolgt und im dritten diejenigen, die in heterogener Derivation beteiligt sind. Außerdem werden sie innerhalb dieser Aufteilung für die weitere Untersuchung je nach Funktion und Wortart des Derivats klassifiziert, nämlich nach sufijos apreciativos und sufijos no apreciativos bei homogenem Verfahren und nach Substantiv- und Adjektivsuffixen bei heterogenem. Im letzten Kapitel wird der Prozess der Verbalisierung im Spanischen dargestellt.

Des Weiteren wird in dieser Arbeit versucht, den inhaltlichen Aspekt der Suffigierung und die daraus folgenden Funktionen der Suffixe auf der semantischen Ebene darzustellen, wobei die inhaltliche Analyse vor allem an der Wortbildungslehre von Coseriu orientiert ist.

2 SUFFIXE

2.1 Definition und Merkmale

Um die Suffixe zu definieren und ihre Rolle in der Wortableitung zu verdeutlichen, werden sie oft in der Forschung aus verschiedenen Aspekten betrachtet.

Im Allgemeinen werden die Suffixe hinsichtlich ihrer Beziehung zu dem Lexem, an das sie gebunden sind, definiert. Demzufolge ist ein Suffix nach Marchand „bound morpheme in a syntagm AB which occupies the position B“[5], wobei an dieser Stelle mehr als nur ein Suffix auftreten kann. Aufgrund ihrer Wortbildungsfunktion werden sie ebenso Derivationsmorpheme genannt, wodurch sie sich auch von den Flexionsmorphemen unterscheiden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass in dem AB Syntagma des abgeleiteten Wortes nach dem Suffix eine grammatische Endung angehängt werden kann.[6]

In der Literatur werden die Suffixe häufig näher charakterisiert, indem sie den Präfixen gegenübergestellt werden. So verfährt zum Beispiel José Alberto Miranda, indem er durch Vergleich zwischen den beiden die Suffixe als stets gebundene Morpheme definiert, die im Gegensatz zu den Präfixen niemals als selbstständige Einträge in das Wörterbuch aufgenommen werden. Anderseits betont er, dass Suffixe sowohl die Wortklasse als auch das Genus der neugebildeten Wörter verändern können, was den Präfixen nicht eigen ist.[7]

Aus einem anderen Standpunkt charakterisiert Wolfgang Rothe die Suffixe, indem er sie mit den Lexemen und Grammemen vergleicht und sozusagen in eine Zwischenstellung zu verorten versucht. Aufgrund dessen betrachtet er sie unter anderen Kriterien und kommt zu der Feststellung, dass die Suffixe ähnlich wie bei den Grammemen einer begrenzten Liste angehören und eine hohe Textfrequenz haben, aber im Unterschied zu denen zusammen mit dem Lexem aus anderen Sprachen entlehnt werden können. Des Weiteren sind die Suffixe in Bezug auf die außersprachliche Welt mit niedrigem Informationsgrad gekennzeichnet und dadurch nähern sie sich wiederum eher den Grammemen als den Lexemen. Sie liefern vielmehr Auskunft über die Klassenzugehörigkeit des Lexems, dies wiederum verweist auf ihre grammatische Funktion[8].

2.2 Produktivität und Kombinationseinschränkungen

Aufgrund der Fähigkeit der Suffixe, neue Wörter zu bilden, ist in der Literatur die Frage über ihre Produktivität sehr weit verbreitet.

Im Allgemeinen wird entweder aus synchronischer Sicht zwischen produktiven und unproduktiven Suffixen unterschieden oder es wird untersucht, in wieweit sie im heutigen Gebrauch noch „frei disponibel“[9] sind. So kann festgestellt werden, dass neben den aktiven und produktiven Suffixen auch solche mit beschränkter Disponibilität existieren.

Sicherlich kann die Produktivität der Suffixe auch aus diachronischem Aspekt untersucht werden, da solche, die aus heutiger Sicht als unproduktiv gelten, in einem bestimmten Zeitraum die Fähigkeit besaßen, neue Wörter zu bilden. Beispielsweise unterscheidet Wilhelm Meyer-Lübke aus historischer Sicht drei Gruppen von Suffixen: lebendige, erstarrte und untergegangene. Den lebendigen Suffixen, die er als diejenigen, die „ihre formelle und ihre funktionelle Selbstständigkeit beibehalten haben“[10] definiert, stehen die untergegangen Suffixe gegenüber, die aufgrund seltener Anwendung kaum vertreten sind. Die erstarrten Suffixe stellen seiner Meinung nach eine Zwischenstufe dar. Kennzeichnend für diese ist, dass sie immer noch über einen „suffixalen Charakter“[11] verfügen, aber ihre Wortbildungsfähigkeit verloren haben.[12]

Die Komplizität der Suffigierung als Wortbildungsverfahren kommt nicht nur durch die Frage über die Produktivität und die Disponibilität der Suffixe zum Ausdruck, sondern auch durch ihre Kombinationsmöglichkeiten. Hierbei ist hervorzuheben, dass sie nicht an jedes beliebige Basislexem angefügt werden können. Dies verweist auf eine eingeschränkte Kombinationsfähigkeit der Suffixe. Beispielsweise sind einige Suffixe nur mit Latinismen und Gräzismen kombinierbar, andere hingegen auch mit andren Basislexemen.[13]

3 HOMOGENE SUFFIGIERUNG

In materieller Hinsicht gibt es zwei unterschiedliche Ableitungsverfahren mit Suffixen, die auch für ihre Klassifizierung ausschlaggebend sind.

Bei dem ersten handelt es sich um die sogenannte homogene Suffigierung, bei der durch das Anfügen eines Suffixes an ein Basislexem keine Veränderung der Wortart des Derivats hervorgerufen wird.[14] Aufgrund dessen ist die grammatische Funktion der Suffixe die der Klassen-Indizes, dies bedeutet wiederum, dass sie mit der eines Artikels vergleichbar sind.[15]

Neben dem materiellen Aspekt bei homogener Ableitung mit Beibehaltung der Wortklasse des Basislexems müssen auch die semantischen Veränderungen in den neugebildeten Wörtern berücksichtigt werden. Dies ist der Ansatz der inhaltlichen Wortbildungslehre.

In inhaltlicher Hinsicht handelt es sich bei der homogenen Suffigierung im Sinne Coserius um eine Modifizierung der „sekundären Strukturen“, die aber keine Satzfunktion einschließt. Auf diese Weise wird durch das Anfügen eines Suffixes eine „Quantifizierung von Wörtern […] Wiederholung einer Bedeutung oder […] die Hinzufügung einer Richtung zu der primären Handlung“[16] erreicht.

So ist anhand eines Beispiels zu sehen, dass es durch die Suffigierung des Wortes casa → casita keine Veränderung der Wortklasse erfolgt, aber das Derivat casita eine Modifizierung von casa durch den Inhalt ist. In diesem Fall entspricht der dem Adjektiv pequeño und kommt zum Ausdruck durch das Suffix –ita.[17]

Anderseits ist zu beobachten, dass das Verhältnis zwischen dem Basislexem und dem Evaluativsuffix auf der inhaltlichen Ebene im Derivat casita mit der Reihenfolge Determinatum/Determinans dargestellt werden kann. Wenn man casita durch La casa es pequeña paraphrasiert, wird deutlich, dass die Elemente der materiellen Ebene die gleiche Abfolge mit diesen der inhaltlichen Ebene haben, da auch in der Paraphrase das Determinatum casa an erster Stelle steht. Das bedeutet, dass Form und Inhalt sich bei der Modifizierung entsprechen.[18] Nach dem bewusstseinseigenen Ansatz zur Wortbildungslehre von Hans-Martin Gauger handelt es sich bei der homogenen Suffigierung in inhaltlicher Hinsicht um eine Variation der Bedeutung des primären Wortes. So determinieren die Suffixe das Grundwort im Sinne eines Adjektivs, wodurch das abgeleitete oder auch variierende Wort in der inhaltlichen Nähe des Basiswortes bleibt. Demzufolge entspricht der Begriff von Variation dem Begriff von Modifizierung.[19]

Die Suffixe, die an diesen homogenen Verfahren teilnehmen, können in zwei große Gruppen aufgeteilt werden. Zu ersterer gehören die sogenannten Evaluativsuffixe (sufijos apreciativos) und zu der zweiten alle anderen Suffixe, die zwar nicht den oben genannten angehören, aber sowohl im homogenen, als auch im heterogenen Verfahren fungieren. In der spanischen Literatur werden sie als „sufijos no apreciativos“ bezeichnet.

Demzufolge handelt es sich hier um eine Gruppierung, die die Art der Suffigierung und die darauffolgende grammatische Funktion der Suffixe als Klassen-Indizes des Derivats berücksichtigt. Insgesamt ist zu bemerken, dass, entgegen der hier vorgenommenen Einteilung in der spanischen Literatur, die Suffixe oft in den zwei großen Gruppen der „sufijos apreciativos“ und „sufijos no apreciativos“ zusammengefasst werden, wobei die Art des Verfahrens, an dem sie teilnehmen, innerhalb der Gruppen behandelt wird.

3.1 Homogene Suffigierung mit Evaluativsuffixen (sufijos apreciativos)

In der Literatur werden im Allgemeinen die Evaluativsuffixe in drei Untergruppen unterteilt. Diese Suffixe werden in diminutive, augmentative und pejorative untergliedert. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass dies eine konventionelle Aufteilung darstellt und nicht immer zufriedenstellend ist.[20] Des Weiteren kann als Grund hierfür angeführt werden, dass aufgrund der Wechselbeziehungen zwischen den drei Untergruppen die Form und Funktion der Suffixe nicht immer eindeutig zugeordnet werden kann.

3.1.1 Diminutive Suffixe

Die diminutiven Suffixe haben insgesamt, worauf ihr Name bereits verweist, eine „verkleinernde“ Funktion oder wie bereits erwähnt, handelt es sich im Sinne Coserius um „Quantifizierung“[21]. Zugleich vermitteln sie aber auch die Gefühle des Sprechers, nämlich Zuneigung und Affektivität. Oft werden diminutive Suffixe auch in pejorativer Bedeutung verwendet.

Nach Lang erfolgt die Ableitung von Diminutiva in der spanischen Sprache durch die folgenden Suffixe: -ito, -illo, -ico, -ete, -ín, -uelo.[22]

Die meist verbreiteten Suffixe sind die ersten Beiden von der Liste der Diminutiva –ito und -illo, wobei Miranda auch –ico dazu zählt.[23] Sie zeichnen sich durch hohe Produktivität aus, zeigen eine geringe Tendenz zu pejorativem Gebrauch und in manchen Fällen können sie aufgrund dialektaler Divergenzen sogar austauschbar sein. Außerdem kombinieren sie sich mit denselben Basislexemen, nämlich Substantiven, Adjektiven, Adverbien und Gerundiven, aber auch mit Eigennamen oder Fremdwörtern:[24]

[...]


[1] Wesch, A. (2001), S. 82

[2] Coseriu, E. (1973), S.86

[3] Vgl. Ebda. S.86

[4] Vgl. Rothe, W. (1974), S.11

[5] Zitiert nach Pilleux, M. (1979), S.34

[6] Vgl. Pilleux, M. (1979), S.34-36

[7] Vgl. Miranda, J.A.(1994), S.55-57

[8] Vgl. Rothe, W. (1974), S. 14-18

[9] Ebda, S. 23

[10] Meyer-Lübke, W. (1966), S.7

[11] Ebda, S.6

[12] Vgl. Ebda, S. 5-8

[13] Vgl. Rothe, W. (1974), S.23-24

[14] Vgl. Coseriu, E. (1973), S. 88

[15] Vgl. Rothe, W. (1974), S. 24-25

[16] Alle Zitate Coseriu, E. (1973), S.86-87

[17] Vgl. Ebda, S.87

[18] Vgl. Ebda, S.89

[19] Vgl. Wesch, Andreas (2001), S.85-86

[20] Vgl. Lang, M. F. (1997), S.138

[21] Coseriu, E. (1973), S. 90

[22] Lang, M. F. (1997), S. 138

[23] Vgl. Miranda, J.A. (1994), S. 118

[24] Vgl. Lang, M. F. (1997), S. 140-142

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Zu den Funktionen der Suffixe im Spanischen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
Wortbildungslehre des Spanischen und des Portugiesischen
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V154540
ISBN (eBook)
9783640672387
ISBN (Buch)
9783640672110
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Funktionen, Suffixe, Spanischen
Arbeit zitieren
Valentina Slaveva (Autor), 2009, Zu den Funktionen der Suffixe im Spanischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154540

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