Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“


Seminararbeit, 2007

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der Kommandeuse bei Hermlin

3. Darstellung Judejahns in Koeppens “Der Tod in Rom“

4. Gemeinsamkeiten in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn

5. Unterschiede in der Darstellung von Hedwig Weber und Gottlieb Judejahn

5. Koeppen und Hermlin in der Zeitkritik

6. Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Die deutsche Nachkriegsliteratur hat zweierlei Gesichter: Die einen Autoren bemühen sich um die Verarbeitung der nationalsozialistischen Diktatur, die anderen um deren Verdrängung. Zwei bedeutende deutsche Nachkriegsliteraten entschieden sich für die Auseinandersetzung mit der Geschichte, statt den Weg der „inneren Immigration“ zu wählen. Im Rahmen dieser Hausarbeit sollen den Werken „Die Kommandeuse“ von Stephan Hermlin und „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen besondere Bedeutung zugemessen werden.

Der DDR- Autor Stephan Hermlin gehört zu den bedeutendsten Dichtern seiner Generation, dies beweist er auch in seiner scharf kritisierten Novelle1 „Die Kommandeuse“ (1954), welche vermutlich auf einer wahren Begebenheit beruht.2 Die wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilte Hedwig Weber wird im Rahmen der Aufstände des 17. Juni 1953 von Anhängern der NS- Diktatur nach sieben Monaten Haft aus dem Gefängnis Saalstedt befreit. Die ehemalige Lagerführerin des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück soll als „Opfer des kommunistischen Terrors“ auf einer Kundgebung sprechen. Voller Hoffnung propagiert sie immer noch nationalsozialistisches Gedankengut, woraufhin sie verhaftet wird. Nachdem zuerst angesetzten Strafmaß von 15 Jahren, wird sie nun unwiderruflich zum Tode verurteilt.3

„Der Tod in Rom“ hingegen erschien in einer Trilogie des BRD- Schriftstellers Wolfgang Koeppen, die mit „Tauben im Gras“ (1951) begann und sich in den Romanen „Das Treibhaus“ (1953) und „Der Tod in Rom“ (1954) fortsetzte.4 In einem Zitat von Gotthold Ephraim Lessing heißt es: „Einen elenden Dichter tadelt man nicht; mit einem mittelmäßigen verfährt man gelinde; gegen einen großen ist man unerbittlich.“5 Auch Koeppen muss sich dieser Wahrheit aussetzen und erfährt zur damaligen Zeit von der Öffentlichkeit in der Bundesrepublik eher Ablehnung als Zuspruch für seine Werke. Kommentare der deutschen Tagespresse, wie „Der Tod in Rom“ sei „eine Fuhre literarischen Mülls“6 werden daher als Grund für Koeppens Abwendung von der Nachkriegsliteratur hin zu Reiseberichten gemutmaßt.7

Zur Zeit des deutschen Wirtschaftswunders treffen der ehemalige SS- General Gottlieb Judejahn, seine Frau Eva, sein Sohn Adolf und die Familie seines Schwagers, die Pfaffraths, in Rom aufeinander. Koeppen lässt in seiner Geschichte ungleiche Einstellungen zum Nationalsozialismus aufeinanderprallen. Judejahns Sohn hat sich in die Religion geflüchtet, sein Neffe Siegfried Pfaffrath ist Tonsetzer und homosexuell. Gottlieb selbst ist jedoch immer noch tief von der Ideologie des dritten Reiches überzeugt und so gipfelt die Geschichte mit dem Mord an Ilse Kürenberg. Sie wird von Judejahn erschossen, weil sie vor ihrer Badewanne stehend in ihm alte Erinnerungen an die vielen nackten Frauen vor dem Leichengraben hervorruft.8

Im weiteren Verlauf werden nun die Darstellungen der beiden Hauptfiguren Gottlieb Judejahn und Hedwig Weber, die Anhänger des Nationalsozialismus sind, verglichen. Dazu sollen der Romananfang (Auszug Wolfgang Koeppen Gesammelte Werken 2: S. 393- 414) und die Novelle genauer untersucht werden. Darauffolgend sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Beschreibung von Tätern des 2. Weltkrieges aufgezeigt werden.

2 Darstellung der Kommandeuse bei Hermlin

Stephan Hermlins „Kommandeuse“ ist ein viel kritisierter Versuch sich mit den Geschehnissen des 2.Weltkriegs auseinander zu setzen. Hedwig Weber steht vollkommen hinter den Ideologien des Naziregimes, wie es aus einem Brief an ihren Vater hervorgeht, in dem sie schreibt „bis endgültig unsere Fahne weht“9. In der Vergangenheit war sie Lagerführerin des Konzentrationslagers Ravensbrück und noch immer fühlt sie sich in eben dieser Rolle verwurzelt. Sie bedauert ihre grausamen Taten zu keiner Zeit, im Gegenteil die Erinnerung an ihre Verbrechen machen sie glücklich und helfen ihr, die Hoffnung an die Wiederkehr des Nationalsozialismus nicht zu verlieren. So stellt sie sich gern vor „wie ihre Hand die unsichtbare Gerte pfeifen ließ [und] sie wünschte plötzlich, die Leute in den Häusern und Vorgärten vor sich zu haben, den Blick in ihre Gesichter zu zwängen wie auf dem Appellplatz von Ravensbrück.“10

Die Exposition der Erzählung spielt in ihrer Gefängniszelle, aus der sie von zwei weiteren Anhängern des Nationalsozialismus befreit wird. In diesem Moment „lief [in ihr] eine rasende Folge von Glaubenwollen und Nichtglaubenkönnen ab“11.

Hedwig Weber ist überzeugt, dass ihre Zukunft nun wieder der Nationalsozialismus sein wird. Der 2. Weltkrieg, sowie Hitlers Amtsperiode seien nur der Auftakt zu etwas Größerem gewesen, es „[sei] nur ein Vorspiel gewesen“12. Die Kommandeuse freut sich bald wieder ihre SS- Uniform tragen zu dürfen13 und so konnte sie sich auch ihre beiden Befreier „gut in Uniform vorstellen“14.

Sie ist in ihrem tiefsten Inneren davon überzeugt, dass die Konzentrationslager und das Leben unter Hitler sinnvoll gewesen seien. So glaubt sie, sie sei einer „vernünftigen nützlichen Arbeit [nachgegangen]: Ermittlungen, Verhöre, später Ravensbrück, das hatte alles seine Ordnung, seinen Sinn gehabt.“15 Die Besonderheit ist im Fall von Hedwig Weber, dass Hermlin einer Frau die Rolle einer eiskalten Mörderin zukommen lässt, da die Frau im National- sozialismus oft nur Ehefrau und Mutter war16, also nichts an sich hatte, was sich in seiner Hauptfigur wiederfinden ließe.

Sie bekommt den Auftrag als „Opfer des kommunistischen Terrors“17 auf einer Freiheitskundgebung zu sprechen. Sie erhält die Instruktion in ihrer Rede den Nationalsozialismus nicht zu drastisch zu propagieren. Kurz vor ihrer Ansprache träumt sie sich noch einmal nach Ravensbrück zurück. Doch sie scheint verunsichert und desorientiert, da „In ihrem Kopf ein Gewoge von Glockengeläut und Kommandos auf dem Appellplatz“ herrscht.

Als nun die Kundgebung beginnt, zeigt sie sich anfangs vorsichtig, sagt in ihren Gedanken aus: “Es war alles so leicht, als habe sie die ganze Zeit nichts anderes getan.“.18

[...]


1 vgl. Lennartz, S. 728

2 vgl. Dieckmann

3 vgl. Hermlin, S. 223- 236

4 vgl. Oehlenschläger, S. 15ff

5 vgl. k. A., www.aphorismen.de/

6 vgl. Bukowski, S. 129

7 vgl. Müller- Waldeck, S. 33

8 vgl. Koeppen, S. 393ff

9 vgl. Hermlin, S. 228

10 vgl. Hermlin, S. 229

11 vgl. Hermlin, S. 224

12 vgl. Hermlin, S, 231

13 vgl. Hermlin, S. 229

14 vgl. Hermlin, S. 230

15 vgl. Hermlin, S. 231

16 vgl. Schulte- Michels

17 vgl. Hermlin, S. 232

18 vgl. Hermlin, S. 232

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“
Hochschule
Universität Potsdam  (Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die neuere Literaturgeschichte: Nachkriegsliteratur
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V154565
ISBN (eBook)
9783668330313
ISBN (Buch)
9783668330320
Dateigröße
475 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vergleich, darstellung, kriegsverbrechern, nachkriegsliteratur, wolfgang, koeppen, stephan, hermlin, kommandeuse
Arbeit zitieren
Ina Brandenburg (Autor:in), 2007, Vergleich der Darstellung von Kriegsverbrechern in der Nachkriegsliteratur bei Wolfgang Koeppen „Der Tod in Rom“ und Stephan Hermlin „Die Kommandeuse“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154565

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