Der Shareholder-Value-Ansatz in der Weltwirtschaftskrise

Eine kritische Betrachtung


Studienarbeit, 2009
57 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Cashflow
2.1.1 Operativer und freier Cashflow
2.2.2 Net Operating Cashflow und gesamter Cashflow
2.2.3 Systematik
2.2 Rentabilität
2.2.1 Gesamtkapitalrentabilität
2.2.2 Umsatzrentabilität
2.2.3 Eigenkapitalrentabilität
2.2.4 Laverage-Effekt

3 Die Wirtschaftskrise
3.1 Ursachen
3.1.1 Kreditvergabe
3.1.2 Bankbilanzen
3.1.3 Realwirtschaftliche Ursachen
3.2 Auslöser
3.3 Folgen

4 Der Shareholder-Value-Ansatz
4.1 Begriff
4.2 Herkunft und Einordnung
4.3 Der Shareholder Value als Kennzahl
4.4 Der Shareholder Value als Konzept

5 Konsequenzen der Wirtschaftskrise und Verbindungen zum Shareholder-Value
5.1 Weltfinanzgipfel
5.2 Verbindungen zum Shareholder Value

6 Alternative Konzepte
6.1 Der Stakeholder-Value-Ansatz
6.2 Balanced Scorecard

7 Fazit

8 Ausblick

9 Literaturverzeichnis

10 Anlagen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Deutschland: Verbindlichkeiten gegenüber Nichtbanken Quelle: deutsche Bundesbank

Abbildung 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

US Liabilities of Commercial Banks Quelle: Federal Reserve

Abbildung 3

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

US Commercial Banks: Liabilities and Assets Quelle: Federal Reserve

Abbildung 4

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Strategische Führung Quelle: [Hah06], S. VI f.

Abbildung 5

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Markt-/ und Ressourcenorientiertes Wertsteigerungsmanagement Quelle: [Hah06], S. 67

Abbildung 6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Risiko-Rendite-Funktion Quelle: [Pra05], S. 11

Abbildung 7

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Ermittlung des Anteilseignerwertes (Shareholder Value) Quelle: [Pra05], S. 25

Abbildung 8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Herkunft und Verwendung des Cashflow Quelle: [Pra05], S. 20

Abbildung 9

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die BCG-Portfoliomatrix

Quelle: „The Experience Curve - Reviewed", BCG Perspective, 1973

1 Einleitung

17 Milliarden Euro - eine Zahl mit neun Nullen. Für den menschlichen Verstand ist solch eine Zahl kaum zu erfassen, geschweige denn vorstellbar.

Würde diese Summe in Fünf-Euro-Scheinen vorliegen und würde man nun diese Scheine hintereinander legen, so ergäbe sich eine Strecke von 40 Millionen und 800000 Metern. Umgerechnet sind das 408 000 Kilometer. Also könnte mit dieser Menge an Geldscheinen mehr als zehnmal die ganze Welt umspannt werden.1 Diese unvorstellbare Menge an Geld beziffert laut statistischem Bundesamt das deutsche Haushaltsdefizit im ersten Halbjahr des Jahres 2009.

Jedoch ist dies nur eine von vielen erschütternden Zahlen.

Der Haushalt des Bundes wies noch vor Jahresfrist einen Überschuss von über sieben Milliarden Euro aus. Es ergibt sich also eine Differenz aus mehr als 24 Milliarden Euro.

Die Rückgänge der Einnahmen allein etwa bei der Körperschaftssteuer belaufen sich auf ein Minus von 46 Prozent. Steuereinnahmen aus dem Ausland brachen um mehr als 26 Prozent ein.2

Noch im Jahre 2008 hatte die Bundesrepublik Deutschland das Haushaltsdefizit auf vergleichsweise nur 3,3 Milliarden Euro beziffert. Es ergibt sich - bereits zum Halbjahr - eine Steigerung der Unterdeckung um mehr als 500 Prozent.3

Die Abschreibungen, die der Bankensektor weltweit in den letzten Monaten vornehmen musste, belaufen sich mittlerweile auf mehr als 520 Milliarden Euro4 - anders gesprochen mehr als eine halbe Billion Euro.

Aktuelle Prognose sprechen von mehr als 1,5 Billionen Euro, die an Summe der Bankenabschreibungen in Folge der Finanzkrise bis Ende des Jahres 2010 weltweit anfallen werden.5

Dies stellt nun eine Zahl mit zwölf Nullen dar. Von Vorstellungskraft bei derartigen Summen auch nur zu sprechen, ist fast unmöglich.

Jedoch sind diese Zahlen nur allzu real und betreffen unser tägliches Leben.

Die Frage, welche sich im Angesicht solcher Daten aufdrängt ist folgende: Woher kommen diese Entwicklungen und was waren die Ursachen, beziehungsweise der Auslöser dafür?

Der Grund für die aktuelle Lage ist zweifelsohne die internationale Wirtschaftskrise - genauer gesagt eine Bankenkrise, welche zur Wirtschaftskrise wurde.

Doch im Zuge dessen kommen weitere Fragen auf, die dringend einer Antwort bedürfen:

Wie konnte es zu einer Krise solchen Ausmaßes kommen? Wie verlief die Krise?

Was sind die Folgen, die sie haben könnte oder die sie bereits nach sich gezogen hat?

Wie kann etwas Derartiges in Zukunft vermieden werden?

Besonders einem Teilaspekt soll im Laufe dieser Arbeit weiterreichende Beachtung geschenkt werden - dem Shareholder-Value-Ansatz zur Unternehmensführung.

In der aktuellen Wirtschaftslandschaft, verstärkt aber auch aus der Gesellschaft werden Rufe nach mehr Verantwortung von Managern und Unternehmern, sowie nach mehr Moral und Ethik in der Wirtschaft immer lauter.

Hinsichtlich dessen sollen erneut sich aufdrängende Fragen beantwortet werden: Was versteht man unter dem Shareholder-Value?

Welche Bedeutung hat er für das Wirtschaften? Gibt es alternative Konzepte?

Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem Ansatz und der Weltwirtschaftskrise? Um sowohl die oben genannten, als auch soeben aufgeführten Fragen zu beantworten, sollen in der Folge zunächst wichtige Begriffe als Grundlage für den weiteren Fortgang der Arbeit definiert werden.

Es schließt sich eine chronologische Darstellung des Krisenverlaufes an, in welchem ebenfalls die Ursachen, sowie der oder die Auslöser derselben genannt werden.

Auch Auswirkungen und aktuelle Tendenzen werden aufgezeigt.

Danach wird der Shareholder-Value genauer betrachtet. Dabei wird dieser sowohl als Kennzahl, als auch als Instrument zur Unternehmensführung ausführlich charakterisiert. Dies umfasst die Ursprünge ebenso wie die heutigen Ausprägungen des Konzeptes.

Im Folgenden soll nun der Zusammenhang des Shareholder-Value-Ansatzes zur Finanzkrise untersucht werden und dabei geklärt werden, ob er mit-/ oder gar hauptverantwortlich für das Zustandekommen und Wirken der Krise war.

Anschließend werden alternative Konzepte vorgestellt, wobei besonderes Augenmerk auf den Stakeholder-Value-Ansatz und die Balanced Scorecard gelegt wird.

Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Diskussion und einem Ausblick auf weiterhin interessante Themengebiete.

2 Begriffsklärung

Im Folgenden sollen nun bestimmte, in der Arbeit verwendete Fachwörter und Ausdrücke definiert werden, um eine Grundlage für die Ausarbeitungen zu schaffen. Es soll dadurch Missverständnissen vorgebeugt und die inhaltliche Korrektheit der Arbeit gewährleistet werden.

Aus Gründen des inhaltlichen Zusammenhangs werden zentrale Begriffe wie Shareholder-Value, Stakeholder-Value oder Finanzkrise im Verlaufe der Arbeit separat an gegebener Stelle erläutert.

Die nachstehenden Begriffsdefinitionen beschränken sich daher auf enger gefasste Fachtermini, deren Erläuterung jedoch unabdingbar für das Verständnis des Fortganges der Arbeit ist.

2.1 Cashflow

Der Cashflow ist Ausdruck der erfolgswirksamen Zahlungsüberschüsse bezogen auf die Differenz von Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb einer Periode.

Es handelt sich hierbei um eine finanzielle Stromgröße.

Grundlage für die Ermittlung des Cashflow sind Daten aus dem Jahresabschluss eines Unternehmens - genauer gesagt der Gewinn-/ und Verlustrechnung.

Letztlich können anhand dieses Wertes Aussagen über die Innenfinanzierungskraft von Unternehmen getroffen werden. Je höher der Cashflow, desto größer die Möglichkeit, beispielsweise Investitionen mit eigenen Mitteln zu finanzieren.

Es handelt sich um eine der meist genutzten und bedeutsamsten Kennzahlen eines Unternehmens und kann als durchaus repräsentativ angesehen werden, wenn es darum geht Unternehmensaktivitäten zu beurteilen.

Aufgrund des starken Bezuges auf Vergangenheitswerte jedoch, ist ihre Prognosewertigkeit gering.

Bedeutsam für diese Arbeit ist der diese betriebswirtschaftliche Größe vor allem bei der Berechnung der Shareholder Value, wobei der Wert dabei noch um gewisse Positionen korrigiert werden muss, was an gegebener Stelle eingehender erläutert wird.

Es können verschiede Arten von Cashflow unterschieden werden.6

2.1.1 Operativer und freier Cashflow

Der operative Cashflow beschreibt den bereits oben erwähnten Spielraum eines Unternehmens zur Finanzierung von Vorhaben aus eigenen Mitteln. Bei börsennotierten Betrieben kann dies beispielsweise auch eine Dividendenauszahlung sein.

Reduziert man nun diesen Wert um die notwendigerweise anfallenden Ersatz-/ und Erweiterungsinvestitionen, so erhält man den so genannten freien Cashflow. Dieser, reduziert um auflaufende Zinszahlungen, steht nun zur Ausschüttung der Dividende an die Anteilseigner oder für andere Vorhaben zur Verfügung.7

2.1.2 Net Operating Cashflow und gesamter Cashflow

Der Net Operating Cashflow stellt die Ein-/ und Auszahlungen aus den Aktivitäten gegenüber, die innerhalb der jeweiligen Periode in den Bereichen Produktion und Absatz zu verzeichnen waren. Der gesamte Cashflow dagegen schließt ebenfalls die Investitionen und Gewinnausschüttungen ein.8

2.1.3 Systematik

Abschließend und aus Gründen der Übersichtlichkeit werden die vorangehend beschriebenen Arten des Cashflow nun in eine logische Reihenfolge gebracht. Ausgangspunkt der Betrachtungen sind die Netto-Umsätze eines Unternehmens. Diese werden um Materialaufwand, Fertigungslöhne und betriebsnotwendiges Kapital reduziert. Nach Steuern erhält man den Net Operating Cashflow. (siehe Punkt 2.2.2)

Von diesem werden Fremdmittelrückzahlungen, Saldo aus geleisteten und erhaltenen Zinszahlungen, Investitionsaufwendungen abgezogen und um Verkaufserlöse aus dem Analagevermögen, sowie Rückzahlungen aus Ausleihen erhöht, woraus sich der Free Cashflow ergibt. (siehe Punkt 2.2.1)

Dieser wiederum, erhöht um den Betrag der Aufnahme langfristigen Fremdkapitals und den Ausgabewert eventuell neu emittierter Aktien und reduziert um Fremdmitteltilgung und Dividendenzahlungen, sowie den Rückkaufwert von Obligationen ergibt letztlich den gesamten Cashflow. (siehe Punkt 2.2.2)9 10 (siehe Abbildung 8)

2.2 Rentabilität

Unter Rentabilität versteht man generell das Verhältnis zwischen einer bestimmten Erfolgsgröße und dem damit in Verbindung stehenden aufgewendeten Kapitals.11 Sie gehört zu den am häufigsten verwendeten unternehmerischen Kennzahlen, was nicht zuletzt darin begründet liegt, dass sie sich aus der Bilanz ergibt und somit auf festen, nachvollziehbaren und verifizierbaren Daten beruht. Des Weiteren sind sie mit vergleichsweise geringem Aufwand zu ermitteln, was dazu führt, dass derartige Kennziffern allgemeine Akzeptanz erfahren.

Anwendung findet die Rentabilitäts-Kennzahl unter anderem in Kennzahlensystemen wie dem Du-Pont-System, welches den so genannten ROI - Return On Investment - betrachtet, welcher sich als Verhältnis von Gewinn zum investierten Kapital definiert.12

Bei der Berechnung können verschiedene Werte zum Ansatz gebracht werden, woraus sich verschiedene Arten von Rentabilität ableiten.

2.2.1 Gesamtkapitalrentabilität

Die Gesamtkapitalrentabilität drückt in der zahlungsorientierten Betrachtungsweise das Verhältnis der Überschüsse, welche sich aus der Differenz von Einzahlungen und Auszahlungen ergeben zum gesamten eingesetzten Kapital eines Unternehmens, beispielsweise für eine Investition, aus.

Unter bilanziellen Gesichtspunkten betrachtet, wird diese Kennzahl als Verhältnis von Erfolg pro Periode, welcher den Aufwand für Fremdkapitalzinsen berücksichtigt, und der Summe aus Eigen-/ und Fremdkapital eines Unternehmens definiert.

Unterschieden wird dabei zwischen Gesamtkapitalrentabilität vor und nach Steuern. Abweichungen können hierbei jedoch durch bilanzielle Spielräume bei der Gewinnermittlung entstehen.13

2.2.2 Umsatzrentabilität

Bei der Umsatzrentabilität werden Periodenerfolg und Netto-Periodenumsatz ins Verhältnis gesetzt.

Bilanziell kann auch hier zwischen einem Vor-/ und Nach-Steuer-Ergebnis unterschieden werden.14

2.2.3 Eigenkapitalrentabilität

Hierbei wird das Verhältnis von Erfolg je Periode zum eingesetzten Eigenkapital ermittelt.

Das Ergebnis drückt die interne Verzinsung des Eigenkapitals aus - gibt also an, wie viel Euro Gewinn, beziehungsweise Überschuss pro eingesetztem Euro an Eigenkapital entfallen.

Eine Betrachtung vor und nach Steuern kann auch hier durchgeführt werden.15

2.2.4 Laverage-Effekt

Der so genannte Laverage-Effekt beschreibt die Wirkung, die Fremdfinanzierung auf die Eigenkapitalrentabilität eines Unternehmens hat. Zudem stellt er einen Zusammenhang zwischen Eigen-/ und Gesamtkapitalrentabilität her.

Der Laverage-Effekt besagt, dass die Eigenkapitalrentabilität mit zusätzlicher Aufnahme von Fremdkapital steigt.

Bei teilweiser Bereitstellung fremder Mittel und gleichbleibendem Ertrag erhöht sich die Eigenkapitalrentabilität im Vergleich zur reinen Finanzierung aus Eigenmitteln. Diese Wirkung besteht jedoch nur so lange, wie der durch die Fremdfinanzierung steigende Fremdkaptalzins die Gesamtrentabilität des Unternehmens nicht übersteigt. Wird dieser Punkt überschritten, wird der Laverage-Effekt ins Negative gedreht.

Grundsätzlich kann die Verzinsung des Eigenkapitals also erhöht werden, indem der Verschuldungsgrad eines Unternehmens erhöht wird - also die externe Finanzmittelbeschaffung bis zu einem gewissen Punkt forciert wird.16 17

3 Die Wirtschaftskrise

Finanzkrise18, Bankenkrise19, Wirtschaftskrise20, Weltwirtschaftkrise21 - das momentan präsente Phänomen hat in den letzten Monaten verschiedene Bezeichnungen erhalten.

Die Begriffe Banken-/ und Finanzkrise sind aufgrund des Ausgangspunktes der Krise sicher nachvollziehbar gewählte Synonyme. Tatsächlich hatten die dramatischen Entwicklungen der letzten zwei Jahre in der Finanzwelt - genauer gesagt bei den Banken - ihren Ursprung. Jedoch verharrte die Krise nicht im Finanzsektor, sondern weitete sich auch auf die Realwirtschaft aus.

Vergleiche zur 1929/1930 auftretenden Weltwirtschaftskrise22 sind augenscheinlich.

Allerdings ist genau dieser Begriff im deutschen Sprachgebrauch sehr eng mit den Ereignissen von vor rund 80 Jahren verbunden. Eine bloße Übertragung auf die aktuellen Vorkommnisse erscheint demnach wenig brauchbar.

Letztlich ist wohl das Wort Wirtschaftskrise der unter momentanen Gesichtspunkten inhaltlich richtigste zu verwendende Begriff, da mittlerweile nicht mehr nur der Bankensektor involviert ist, sondern auch die reale Wirtschaft unter Einfluss der zumeist negativen Entwicklungen steht.

Tatsächlich falsch ist keine der genannten Bezeichnung und in einer gewissen Weise treffend ist im Grunde jede von ihnen, doch um Einheitlichkeit zu gewährleisten, soll im Folgenden Wirtschaftskrise das dauerhaft verwendete Wort sein.

3.1 Ursachen

Eingangs wurden bereits einige aussagekräftige Zahlen hinsichtlich der Auswirkungen der Wirtschaftskrise genannt. Doch man muss sich nun zunächst fragen, wo diese Entwicklung eigentlich ihren Ursprung hat und worin solch aberwitzig anmutenden Zahlen begründet liegen.

3.1.1 Kreditvergabe

Ihren Ursprung nahm die 2007 beginnende23 Wirtschaftskrise in den USA.

Das grundlegende Problem, welches bis zum Ausbruch der Krise noch nicht als Problem an sich wahrgenommen wurde, war die Art und Weise der Finanzierung in den Vereinigten Staaten. Anders als es hier in Deutschland üblich ist, muss für den Kauf eines Hauses in den USA kein Eigenkapitalanteil des Kaufpreises vorgelegt werden. Die Finanzierung ist also nahezu vollkommen mittels Kredit möglich.

Bonitätsprüfungen wie sie hierzulande üblich sind, gibt es in der Regel nicht.

Dies führte dazu, dass Unmengen von Krediten für Häuser vergeben wurden, die mit recht hoher Wahrscheinlichkeit nie würden zurück gezahlt werden können.24 Die Folge war ein Anstieg der Immobilienpreise durch die erhöhte Nachfrage und einer damit verbundenen Aufblähung der Immobilienwerte, denen jedoch kein Gegenwert entgegenstand. Die zu zahlenden Raten waren zunächst gering. Als die Preise jedoch fielen, konnten zeitgleich viele der Immobilienbesitzer ihre Kredite nicht mehr bedienen. Es entstand durch flächendeckende Zahlungsausfälle eben dieser Kredite die so genannte Subprimekrise25 - die Immobilienkrise in den USA.

Verschärft wurde diese Entwicklung des Weiteren durch die Politik der amerikanischen Notenbank, welche attraktive Kreditvergabemöglichkeiten begünstigte. Niedrige Zinsen, ebenfalls bedingt durch die Anlage der Exportüberschusserlöse etwa aus China oder Japan in amerikanischen Staatspapieren, sollten der Stimulation der Binnennachfrage in den USA dienen. Dies gelang - jedoch stand der entstehende Nachfrage-Boom auf wackligen Beinen. Unabhängig von Immobilien wurden auch eine hohe Zahl anderweitiger Konsumentenkredite vergeben, deren Wiedereinbringung nicht gesichert war. Die Hypothekenbanken waren sich dieser Tatsache auch tatsächlich bewusst und strebten nun danach, das eigene Risiko zu verringern und natürlich ebenfalls neue Quellen zur Vergabe weiterer Kredite zu erschließen. Allein die Fannie Mae und die Freddie Mac - die beiden größten amerikanischen Finanziers von Hypothekenkrediten - holten im Laufe der Zeit Geldwerte von 5,3 Billionen Dollar in ihre Bilanzen. Eine Summe, die nicht wieder einzubringen war. So wurden die Kredite in großer Zahl zunächst in so genannten Mortgage Backed Securities, einer Art Wertpapier mit Forderungsbesicherung, zusammengefasst und dann in entsprechenden Fonds, so genannten Collaterised Debt Obligations, gebündelt und verbrieft. Diese neu geschaffenen Produkte wurden nun verkauft. Der Kauf dieser Konstruktionen war nun wiederum attraktiv, da diese vergleichsweise hohe Renditen versprachen und außerdem nicht in Bankenbilanzen aufzutauchen hatten.

Ungeachtet der Risiken wurde hier dem Profit der Vorzug vor der Überlegung gegeben.

Daraus ergibt sich eine weitere Ursache für die Krise selbst, aber auch für deren globale Ausbreitung. Bislang bewegen sich die Betrachtungen nur innerhalb der USA. Von der Wirtschaftskrise betroffen ist aber die ganze Welt.

Hier kommt die Rolle der Ratingagenturen zum Tragen. Diese waren und sind dafür verantwortlich die Bonität und Güte von Finanzprodukten zu bewerten und somit für den Käufer ersichtlich zu machen, wie sicher und seriös der Kauf eben dieses Gutes tatsächlich ist. Problematisch wirkte sich jedoch hier aus, dass die amerikanischen Banken in Folge drohender Kreditausfälle dringend neues Kapital benötigten und dass besagte, von den Banken beauftragte Ratingagenturen oftmals sehr eng mit den Geldhäusern selbst in Zusammenarbeit standen. Dadurch wurde dem gemeinsamen Ziel - dem Erzielen möglichst hoher Margen - durch eine strikte Überbewertung der gebündelten Kredite Rechnung getragen.

Als Folgen ergab sich, dass die Käufer Produkte erwarben, deren Komplexität sie nicht überblickten und deren Risiko ihnen verschleiert blieb.

In einfachen Worten ausgedrückt, liehen Banken Leuten Geld, ohne zu prüfen, ob jene Leute dieses jemals zurückzahlen können. Als sich abzeichnete, dass dem nicht so sein würde, wälzte man die Risiken durch Weiterverkauf zu übertrieben guten Ratings auf Andere ab. Im Zuge der Globalisierung und die dadurch allgemein eng miteinander verwobenen Finanzmärkte und Volkswirtschaften war diese Abwälzung nicht an nationale Grenzen gebunden.

Als die Kredite schließlich ausfielen, erlitten weltweit alle Institute den Schaden, den dies mit sich brachte.26 27

3.1.2 Bankbilanzen

Die Betrachtung der Kreditvergabe-Praktiken allein wäre jedoch nur ein Teilaspekt des Grundproblems. Die größte Wirtschaftskrise seit 80 Jahren allein auf die Kauf-/ und Zahlungsmentalität eines, wenn auch nicht unbedeutenden Teiles der Welt zurückzuführen wäre nicht korrekt.

Vielmehr ergibt sich daraus ein weiterführendes Problem.

Zu diesem Zweck muss man sich die Bilanz einer Bank und insbesondere ihren Aufbau genauer ansehen.

Zunächst besteht eine Bankbilanz - wie die jedes Unternehmens auch - aus einer Aktiv-/ und einer Passivseite. Auf das für diese Betrachtung Wesentliche reduziert, finden sich in den Aktiva die Forderungen, also die vergebenen Kredite, und in den Passiva die Verbindlichkeiten, sprich die aufgenommenen Kredite einer Bank.

Unter Punkt 3.1.1 wurde nun die Krisenursache beleuchtet, die sich auf die Aktivseite der Bilanz konzentriert. Doch ein jeder Kaufmann und Betriebswirt lernt bereits im ersten Jahr seiner Ausbildung, dass Aktiva und Passiva stets miteinander zusammenhängen.

In den vergangenen knapp 60 Jahren ist das Passiv-Vermögen der Banken sowohl in Deutschland28 (siehe Abbildung 1), als auch in den USA29 (siehe Abbildung 2) kontinuierlich gestiegen. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies, dass es 37 Jahre seit der Währungsreform 1948 dauerte, bis das deutsche Bankenwesen die erste Billion in ihren Bilanzen verbuchen konnte. Nach weiteren 8 Jahren waren es bereits zwei. Die dritte Billion folgte nur 6 Jahre später.

In den USA waren, ausgehend von 1997, nach nur knapp drei Jahren die ersten fünf Billionen erreicht und nach 4 weiteren Jahren bereits 7 Billionen. Bis heute ist das Passiv-Vermögen der US-Banken auf 11 Billionen US-Dollar angewachsen.

Was aus diesen Zahlen erkennbar wird, ist die Tatsache, dass nicht nur die reinen Bilanzwerte beständig wachsen, sondern dass sich auch die Geschwindigkeit des Wachstums beständig erhöht.30

Anzumerken ist hierbei, dass dieses Anwachsen, neben steigenden Konzerngewinnen und Aktienvermögen, vorrangig auf konventionelle Spareinlagen und deren Verzinsung unter Berücksichtigung des Zinseszinseffektes31 zurückzuführen ist. In dessen Natur liegt es, dass sich das Wachstum zunächst langsam vollzieht, mit zunehmender Zeit jedoch immer schneller wird.

Nun ist der Umstand großer Passiv-Vermögen für eine Bank zunächst nichts Negatives. Im Gegenteil - es versetzt das Geldinstitut in die Lage viele Kredite vergeben zu können. Da dies Hauptgeschäftszweck einer Bank ist, entsteht hieraus auch der Gewinn.32 33 Und zwar sowohl für das Geldhaus selbst, als auch für dessen Anleger in Form von Zinsen. Folge ist, dass mit steigenden Passiva und gesteigerter Kreditvergabe wiederum mehr Zins-Profit erzielt werden kann.

Doch es gibt noch einen zweiten Effekt dieser Entwicklung. Wie oben bereits erwähnt, besteht ein Zusammenhang zwischen Aktiva und Passiva einer Bilanz. Dieser nimmt sich dergestalt aus, dass beide Bilanzsummen stets gleich sein müssen. Zu jedem Bilanzierungszeitpunkt gilt: Aktiva sind gleich Passiva.

Demzufolge muss auch eine Bank die erhaltenen Verbindlichkeiten und deren Wertsteigerung mit entsprechenden Gegenposten bedienen können. Dazu ist es notwendig die Aktivseite der Bilanz der Passivseite anzupassen34 (siehe Abbildung 3).

Ganz einfach ausgedrückt bedeutet das, dass die Kreditvergabe der Kreditaufnahme, unter Berücksichtigung deren Verzinsung, anzupassen ist. Zudem sind auch Aktien ein fester Bestandteil der Aktiva einer Bank - also sind im hier geschilderten Fall auch steigende Aktienkurse sehr vorteilhaft.

Vorrangig die Kreditvergabe ist also zu forcieren. Jedoch sprechen wir hier von Geldleihen für kleine und mittelständische Unternehmen, sowie Haushalte. Die großen Firmen und börsennotierten Unternehmen generieren neues Eigenkapital über Emission neuer Aktien.

Die Folge ist, dass die Bank praktisch um jeden Preis Kredite vergeben muss, um sich selbst am Leben zu erhalten. Gelingt ihr das nicht, so kann sie in Kürze die erhaltenen Spareinlagen, geschweige denn deren Wertsteigerung nicht mehr mit eigenen Mitteln abdecken.

Dass angesichts solchen Drucks die Kriterien für die Kreditvergabe sinken, ist augenscheinlich. Dass Bonität im Zuge dessen eine untergeordnete Rolle spielen wird, scheint ebenfalls absehbar.

Hier nun schließt sich der Kreis zu Punkt 3.1.1 - der hier beschriebene Effekt, gepaart mit der eingangs beschriebenen konsumorientierten Mentalität, ist im

Hinblick auf nachhaltiges Wirtschaften ein gefährlicher und riskanter Sachverhalt, der im Wesentlichen zur Entstehung der Wirtschaftskrise geführt hat.35 36

[...]


1 siehe Anlage 1

2 vgl. [For09], S. 1 f.

3 vgl. [For09-1], S. 1 f.

4 Vgl. [Wit09], S. 1

5 Vgl. [Foc09], S. 1

6 Vgl. [Win09], Stand: 24.10.2009

7 Vgl. [Pra05], S. 18 ff.

8 Vgl. [Win09], Stand: 24.10.2009

9 Vgl. [Win09], Stand: 24.10.2009

10 Siehe Abbildung 8

11 Vgl. [Win09-1], Stand: 01.11.2009

12 Vgl. [Pra05], S. 13 ff.

13 Vgl. [Win09-1], Stand: 01.11.2009

14 Vgl. [Win09-1], Stand: 01.11.2009

15 Vgl. ebenda

16 Vgl. ebenda

17 Vgl. [Pra05], S. 14

18 Vgl. [Gen09], Stand: 02.11.2009

19 Vgl. [Stu09], Stand: 02.11.2009

20 Vgl. [Bro09], Ausgabe Nr. 06

21 Vgl. [Ric09], Stand: 02.11.2009

22 Vgl. [Opi06], Ausgabe vom 31.07.2006

23 Vgl. [Tim09], Stand: 21.09.2009

24 Vgl. [Wit08], S. 2

25 Siehe [Tim09], Stand: 21.09.2009

26 Vgl. [Tim09], Stand: 21.09.2009

27 Vgl. [Wit08], S. 2 f.

28 Siehe Abbildung 1

29 Siehe Abbildung 2

30 Vgl. [Bun09], S. 3

31 Siehe Anlage 2

32 Vgl. [Tim09], Stand: 02.11.2009

33 Vgl. [Cze09], S. 1 ff.

34 Siehe Abbildung 3

35 Vgl. [Tim09], Stand: 02.11.2009

36 Vgl. [Cze09], S. 1 ff.

Ende der Leseprobe aus 57 Seiten

Details

Titel
Der Shareholder-Value-Ansatz in der Weltwirtschaftskrise
Untertitel
Eine kritische Betrachtung
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
1,5
Autor
Jahr
2009
Seiten
57
Katalognummer
V154571
ISBN (eBook)
9783640803422
ISBN (Buch)
9783640803842
Dateigröße
1447 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Shareholder-Value, Weltwirtschaftskrise, Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Shareholder
Arbeit zitieren
Maximilian Schlesier (Autor), 2009, Der Shareholder-Value-Ansatz in der Weltwirtschaftskrise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154571

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