Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges im politischen Kalkül und in militärischen Überlegungen bis zum Zweiten Weltkrieg


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
25 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die politischen und militärischen Lehren des Ersten Weltkrieges
2.1. Die Entwicklungen vor und während des Ersten Weltkrieges
2.1.1. Die Rüstungsanstrengungen bis zum Kriegsbeginn 1914
2.1.2. Technische und taktische Neuerungen im Verlauf des Krieges
2.1.3. Anpassung des Militärs an technischen und taktische Neuerungen
2.2. Kriegsende, Versailler Vertrag und seine Folgen

3. Die Nachkriegszeit im Deutschen Reich
3.1. Politik und Militär in der Weimarer Republik
3.1.1. Die Reichswehr
3.1.2. Reichswehr und Politik bis 1925
3.1.3. Reichswehr und Politik von 1925 bis 1933
3.2. Die Außenpolitik der Weimarer Republik
3.3. Aufbau der Wehrwirtschaft
3.4. Die Außen- und Militärpolitik der Nationalsozialisten
3.5. Die militärischen Planungen der deutschen Armee ab 1933

4. Frankreich in der Nachkriegszeit
4.1. Der Vertrag von Versailles und die Folgeregelungen aus der Sicht Frankreichs
4.2. Politische Überlegungen und Internationale Regime
4.3. Militärische Ausrichtung nach dem Ersten Weltkrieg
4.4. Defensivstrategie und Folgen im 2. Weltkrieg

5. Schluss

Quellen

Militärzeitschriften

Literatur

1. Einleitung

Die Entwicklung des modernen Kriegswesens hatte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entscheidend beschleunigt. Auslöser war die Konkurrenz der imperialistischen Kolonialmächte Europas, Amerikas und Ostasiens, die Industrialisierung, sowie der soziale und demographische Wandel in den betreffenden Gesellschaften. Die Rivalität förderte zum einem die Rüstungsanstrengungen der europäischen Mächte und führte dann auch zu einer stetigen Militarisierung der europäischen Gesellschaften. In Europa selbst waren mit dem deutsch- französischen Gegensatz und dem Unruheherd Balkan zwei Regionen vorhanden, die die Sprengkraft besaßen einen europäischen Krieg auszulösen. Diese Konstellation begünstigte die Ansicht der politischen und militärischen Führung in allen europäischen Staaten, dass der Konflikt früher oder später in einem Waffengang enden musste. Der Erste Weltkrieg von 1914 – 1918 hat eine große Zahl an nachhaltigen Veränderungen in Europa und in der Welt hervorgerufen. Besonders für die europäischen Kolonialmächte, die bis zum Ausbruch des Krieges große Teile der Erde dominierte, war der Weltkrieg ein Wendepunkt und der Beginn der Entkolonialisierung. Der Niedergang der Monarchien in Mittel- und Osteuropa ging nicht mit einem weiteren Aufstieg der Alliierten Frankreich und Großbritannien einher, sondern erschuf vielmehr in den USA eine neue, konkurrierende und wirtschaftlich überlegene Weltmacht. Gleichzeitig etablierte sich im ehemaligen Zarenreich mit dem Kommunismus eine neue politische Strömung, die bis zum Ende des 20. Jahrhunderts eine bedeutende Rolle in der internationalen Politik spielen sollte. Aber nicht nur politisch hatte es im Laufe des Weltkrieges große Umwälzungen gegeben, sondern vor allem im Bereich der Militärtechnik und bei der Anwendung neuer innovativer Taktiken und Strategien. Alle militärischen Führungspersonen mussten schon während des Krieges erkennen, dass militärische Planungen aus der Vorkriegszeit zum Teil unrealistisch und undurchführbar waren. Mit dem Ende des Krieges begannen nun die europäischen Mächte sehr schnell ihre Militärdoktrinen an die neuen Gegebenheiten des industrialisierten Massenkrieges anzupassen. Die vorliegende Arbeit soll nun genau dieses Thema genauer betrachten und dabei herausarbeiten welche Auswirkungen der Erste Weltkrieg auf die militärpolitischen Planungen im Deutschen Reich bis zum Zweiten Weltkrieg hatte. Zu Beginn der Arbeit sollen kurz die technischen und taktischen Neuerungen im Militärwesen in der Vorkriegszeit und während des Weltkrieges aufgezeigt werden. Anschließend werden intensiv die militärischen Konzepte und die zugehörigen politischen Rahmenbedingungen im Deutschen Reich bis 1939 diskutiert. Hierfür ist es notwendig besonders die Entwicklung der Reichswehr und deren Stellung innerhalb des Reiches zu betrachten. Um einen Vergleich zu ermöglichen wird dann im letzten Teil der Arbeit auch kurz die Entwicklung in Frankreich aufgezeigt und die Folgen im Zweiten Weltkrieg skizziert. Komplexität und Umfang der Arbeit sollen durch die Vernachlässigung der deutschen Innenpolitik verringert werden. Daher werden innenpolitische Themen nur aufgegriffen, wenn sie direkten Bezug auf politische und militärische Planungen der Zwischenkriegszeit nehmen.

2. Die politischen und militärischen Lehren des Ersten Weltkrieges

Die militärischen Konzeptionen der Kriegsgegner Frankreich und Deutschland waren vor und während des Krieges sehr unterschiedlich. Während die deutsche Armee durch Offensivoperationen den Kampf schnell für sich zu entscheiden suchte, war Frankreich daran interessiert die eigenen materiellen und personellen Ressourcen durch eine Verteidigungsstrategie zu schonen und zu erhalten[1]. Im absoluten Mobilisierungsfall, bei dem alle wehrfähigen Männer zu den Waffen gerufen worden wären, hätte für Frankreich in absoluten Zahlen eine starke Unterlegenheit bestanden. Daher hoffte Frankreich den Druck der deutschen Armee nur solang standhalten zu müssen, bis die russischen Truppen mobilisiert und das Kräfteverhältnis zugunsten Frankreichs und Russlands verschoben wäre. Das Deutsche Reich wandte im Westfeldzug nacheinander vier militärstrategische Ansätze an. Der erste war der Versuch der Umfassung der französischen Armee mit Hilfe des Schlieffenplans[2], der zweite Ansatz war der Plan die Demoralisierung und „Ausblutung“ der französischen Armee bei Verdun. Als auch diese Strategie scheiterte versuchte man den Nachschub der britischen Inseln durch den uneingeschränkten U- Boot Krieg abzuschneiden. Schließlich sollte dann, nach dem Kriegseintritt der USA 1917, durch eine letzte große Offensive im Frühjahr 1918 der Sieg errungen werden[3]. Am Ende des Weltkrieges war den beteiligten Armeeführern klar, das der Stellungskrieg des 1. Weltkrieges nicht erneut so zu führen war. Die enorme Verschwendung von Mensch und Material war durch kein noch so hohes Kriegsziel zu rechtfertigen. Daher begannen alle Armeen der Welt ihre strategischen Konzeptionen an die neuen Gegebenheiten anzupassen und so wieder eine mobile Kriegsführung zu ermöglichen.

2.1. Die Entwicklungen vor und während des Ersten Weltkrieges

Um die Lehren Frankreichs und Deutschlands aus dem Weltkrieg besser analysieren zu können ist es notwendig die militärischen Entwicklungen in den beiden Ländern und damit auch im Rest der Welt bis 1918 zu betrachten. Beide Länder haben nach Ende des Krieges zwei vollkommen unterschiedliche Wege im Bezug auf Rüstung und Taktik eingeschlagen. Die Wurzeln der unterschiedlichen Ansätze sollten also bereits im Vorfeld oder im Verlauf des Ersten Weltkrieges zu erkennen sein. Außerdem ist es wichtig die Friedensregelungen nach dem Ende des Krieges zu betrachten und deren Rückwirkung auf Militär und Politik zu analysieren.

2.1.1. Die Rüstungsanstrengungen bis zum Kriegsbeginn 1914

Schon vor Beginn des Krieges hat eine Vielzahl an Neuerungen das Feld für die blutigen Schlachten des Ersten Weltkrieges bereitet. War zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Stagnation der Waffentechnik eingetreten, änderte sich dies durch die Weiterentwicklung des alten Vorderladergewehrs zum Hinterlader und der Anpassung der Munition Mitte des Jahrhunderts. Besonders aber die Industrialisierung förderte die Rüstungsentwicklung und die Qualität und Quantität der produzierten Waffen[4]. Die Erfindung des Maschinengewehrs Ende des 19. Jahrhunderts und die Weiterentwicklung der Artillerie wurden bereits in Konflikten und Kriegen vor 1914 ausprobiert und der Einsatz der Waffen in neue Doktrinen miteinbezogen[5]. Die Effektivität der Waffen als Tötungswerkzeug wurde soweit erhöht, das die Soldaten zunehmend versuchten ihre Sicherheit durch den Bau von Befestigungsanlagen zu verbessern[6]. Im Weltkrieg zeigte sich dann, dass der zunehmende und komplexere Befestigungsbau die Verbesserung der Artillerie im Bezug auf Feuerrate und Kaliber nach sich zog. Die großen europäischen Mächte bereiteten sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts auf militärische Auseinandersetzungen in Europa vor. Während das Deutsche Reich und Großbritannien massiv in die Flottenrüstung investierten, begannen Frankreich und Russland infolge von militärischen Niederlagen[7] ihre Streitkräfte zu modernisieren. Auch die aufstrebenden Staaten auf dem Balkan bauten ihre Streitkräfte aus und zeigten in den Schlachten der Balkankriege bereits die absehbare Wirkung der neuen Art der Kriegsführung.

2.1.2. Technische und taktische Neuerungen im Verlauf des Krieges

Die wichtigste Waffengattung im Ersten Weltkrieg war auf allen europäischen Kriegsschauplätzen das Heer. Obwohl die europäischen Mächte über die größten Flotten der Welt verfügten, war deren strategischer Wert fast ausschließlich durch den Handelskrieg bestimmt. Schon im Vorfeld des Krieges hatte sich innerhalb der Heere ein struktureller Wandel vollzogen. Im gleichen Maße wie die Kavallerie an Bedeutung einbüßte, wurde die Artillerie in allen Armeen erneuert und ausgebaut. Diese Entwicklung verstärkte sich im Laufe des Krieges soweit, dass die Artillerie der dominierende Faktor auf den Schlachtfeldern wurde[8]. Die Infanterie wurde im Laufe des Krieges in immer spezialisierte Kampftruppen unterteilt. Fernmelde-, Pionier und Sturmtruppen erhielten gefechtsspezifische Ausbildungen und Bewaffnungen[9]. Mit der Fliegertruppe entstand im Laufe des Krieges eine neue Waffengattung, die sich vom Aufklärungsgerät zum aktiven Kampfmittel weiterentwickelte. Die Piloten dieser Flugzeuge, meist ehemalige Kavallerieoffiziere[10], wurden auch an der Heimatfront zu Helden stilisiert und sollten so die Kampfmoral in der Bevölkerung stärken. Auch im Seekrieg hielten neue Kampfmittel Einzug. Da die deutsche Hochseeflotte trotz immenser Rüstungsanstrengungen der britischen unterlegen war wurden zur Schwächung des Gegners auf deutscher Seite Kleinkampfmittel wie Minen und U- Boote verwendet. Sie hatten vor allem den Zweck das Kräftegleichgewicht zwischen der deutschen und britischen Marine auszugleichen und außerdem den Nachschub für die britischen Inseln zu stören. Diese Kampftaktik war eine Reaktion auf die Fernblockade des Deutschen Reiches durch die britische Flotte. Der uneingeschränkte U- Boot Krieg widersprach allerdings den Bestimmungen des Kriegsvölkerrechts und führte schließlich zum Kriegseintritt der USA. Die deutsche Marineleitung argumentierte allerdings mit der gleichzeitigen Blockade Deutschlands durch die britische Flotte.

„Der Einwand, daß eine Unterseeboots- Blockade den bisher gültigen Bestimmungen des Völkerrechts nicht entspräche, läßt sich ohne weiteres durch den Hinweis auf die völkerrechtlich auch nicht zulässige Sperrung der Nordsee durch die englische Admiralität entkräften. Gegen den Vorwurf, daß die Unterseeboots- Blockade besonders grausam sei, weil der Blockadebrecher in den meisten Fällen vernichtet würde, ist geltend zu machen, daß der Blockadebrecher sich bewusst in Gefahr begibt und daher auch die Folgen tragen muß“[11]

Dieser Brief an den Reichskanzler zeigte nun auch, dass die Befehlshaber der Streitkräfte bereit waren, alle zivilisierten und humanen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts außer Acht zu lassen und damit auch die Mentalität der Kriegsteilnehmer entscheidend veränderten. Schließlich muss man auch den zunehmenden Ausbau und die Zentralisierung der deutschen und französischen Wehrwirtschaft erwähnen. Das Deutsche Reich ging vor Kriegsbeginn 1914 von einem kurzen Krieg aus und war aus diesem Grund nicht daran interessiert die eigene Produktion komplett auf den Krieg umzustellen. Erst nachdem eine längere Kriegsdauer absehbar wurde und der Materialverbrauch im Stellungskrieg ungeahnte Dimensionen erreichte, begannen militärische und zivile Verwaltungsbehörden mit der zentralen Steuerung der kriegswirtschaftlichen Produktion. Ähnlich war die Entwicklung auch in Frankreich, nur das hier die Zufuhr von Rohstoffen und Kriegsgütern aus dem außereuropäischen Ausland nicht durch eine effiziente Blockade verhindert wurde. Die Kriegsproduktion führte zu einer Konzentration der Unternehmen und zum Aufbau zentraler Planungsstellen für Rohstoff- und Arbeitskräftebeschaffung. Die zunehmende Einbindung der Frontfernen Gebiete brachte so die schrittweise Totalisierung des Krieges[12]. Obwohl alle Kriegsparteien enorme militärische und wirtschaftliche Anstrengungen auf sich nahmen, blieb es bei einem frontalen und verlustreichen Abringen der Kräfte. Die Seite, die in der Lage war mehr militärisches Potential zu entwickeln, ging schließlich als Sieger aus dem Krieg hervor.

2.1.3. Anpassung des Militärs an technischen und taktische Neuerungen

Schon während des Krieges mussten die militärischen Befehlshaber ihre Taktik und Strategie immer an die des Gegners anpassen. Um diese Prozedur zu vereinfachen und zu beschleunigen wurden die operativen Entscheidungen zunehmend in das mittlere und untere Offizierskorps verlagert. Soldaten und Offiziere an der Front sollten schneller auf die Maßnahmen des Gegners reagieren können und in die Lage versetzt werden wichtige Entscheidungen eigenständig zu treffen. Diese Verlagerung wurde durch die unzureichende Ausstattung mit Fernmeldemitteln und einer beschleunigten Form der Kriegsführung nötig. Außerdem hatte sich der Standort der Befehlshaber verändert. Waren sie in früheren Kriegen kurz hinter der Front anzutreffen, mussten die Kommandeure nun aufgrund der gestiegenen Artilleriereichweite bisweilen mehrere Kilometer hinter der Front ihre Befehlsstände aufbauen[13]. Technische Neuerungen stellten sowohl große Herausforderungen an die Soldaten an der Front, als auch an die Wissenschaftler und Ingenieure in der Heimat. Forschung und Entwicklung in der Metallverarbeitung, Chemie und Medizin wurde sowohl durch staatliche Behörden, als auch durch private Unternehmen gefördert und forciert. Generell war durch technischen oder taktischen Fortschritt eine Seite kurzzeitig im Vorteil. Diesen Vorteil versuchte die andere Seite nun schnellstmöglich aufzuholen oder zu neutralisieren. Dieser Wettlauf aus quantitativer und qualitativer Rüstung war über kurz oder lang für alle kriegführenden Seiten sehr belastend und kostenintensiv. Schon am Ende des Krieges hatte sich die Wende in der künftigen Kriegsführung gezeigt. Die Motorisierung der Truppen und der Aufbau von taktischen und strategischen Luftstreitkräften waren für die Streitkräfte der Zukunft von enormer Bedeutung.

2.2. Kriegsende, Versailler Vertrag und seine Folgen

Mit dem Scheitern der Frühjahrsoffensive 1918 und den Offensiven der Alliierten im Sommer 1918 neigte sich die Kampfkraft der deutschen Truppen dem Ende entgegen. Die deutsche Führung wollte allerdings verhindern, dass gegnerische Streitkräfte ins Reich eindringen und war daher gewillt dem Waffenstillstand von Compiègne zuzustimmen. Die eigentlichen Friedensverhandlungen zogen sich bis zur Unterzeichnung des Vertrages am 28. 6. 1919 hin[14]. Bei den Verhandlungen für den Friedensvertrag wollte Frankreich faktisch die bedingungslose Kapitulation des Reiches erreichen. Allerdings konnten unter dem Einfluss der angelsächsischen Mächte die Mäßigung der französischen Friedensbedingungen erreicht werden. Dennoch war dieser Frieden für weite Teile der deutschen Politik und der Bevölkerung unannehmbar und konnte nur durch militärischen Druck von Seiten der Alliierten abgeschlossen werden[15].

„Immerhin kommt ein Vertrag zustande, der Deutschland wehrlos macht und halten soll, den die Deutschen als Diktat bezeichnen und dem keine deutsche Regierung, demokratisch legitimiert oder nicht, jemals innerlich zustimmen wird. Frankreichs Aufgabe ist damit klar vorgezeichnet. Man muss Versailles voll ausschöpfen. Darüber hinaus werden zahlreiche Politiker versuchen, das in Versailles verfehlte Ziel doch noch zu erreichen.“[16]

Die französische Angst vor dem deutschen Militarismus musste vor allem für die Deutsche Armee einschneidende Maßnahmen zur Folge haben. Frankreich sah, neben der Annexion der ehemaligen französischen Provinzen Elsass und Lothringen, auch die direkte Kontrolle des Rheinlandes vor. Um ungehindert das deutsche Rheinland besetzen zu können sollte Deutschland an seiner Westgrenze keine Befestigungen unterhalten und außerdem keine Truppen im Rheinland stationieren dürfen.

„ Alle befestigten Anlagen, Festungen und festen Plätze zu Lande, die auf deutschem Gebiete westlich einer Linie, in 50 km Abstand östlich des Rheins liegen, werden abgerüstet oder geschleift (…) Die Anlage jeder neuen Befestigung, gleichwohl welcher Art und Wichtigkeit ist in der im ersten Absatz dieses Artikels bezeichneten Zone verboten.“[17]

Der Friedensvertrag brachte auch für die deutsche Wirtschaft einschneidende Maßnahmen. Besonderes Augenmerk der Alliierten galt den deutschen Industriezentren im Ruhrgebiet und in Oberschlesien. Diese Gebiete sollten nachhaltig kontrollierbar sein und dem Einfluss der Rüstungswirtschaft entzogen werden. Die Schwächung der Schwer- und Rüstungsindustrie sollte die deutsche Wirtschaft nachhaltig behindern und so ein Angleichen des Wirtschaftspotentials Frankreichs ermöglichen[18]. Um die deutsche Armee dauerhaft zu schwächen, war den Alliierten besonders daran gelegen die Truppenzahl zu reduzieren und alle Offensivwaffen zu verbieten. Die künftige deutsche Armee sollte eine Höchstgrenze von 115000 Berufsoldaten haben (davon 15000 Mann für Marine), keine schweren Geschütze und Flugzeuge besitzen und ausschließlich für Grenzschutz und Polizeiaufgaben zu verwenden sein[19]. Die Bedingungen des Versailler Vertrages schränkten das Deutsche Reich damit sowohl wirtschaftlich, als auch militärisch, ein. Die Folgen des Vertrages waren sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft innerhalb des Reiches sehr negativ. Während allerdings die wirtschaftlichen Folgen innerhalb weniger Jahre behoben werden konnten, war das politische System der Weimarer Republik schon zu Beginn geschwächt und in der Bevölkerung dermaßen unbeliebt, dass die Deutschen nicht bereit waren das System zu schützen als die Nationalsozialisten begannen, dieses auszuhöhlen und schließlich zu zerstören.

[...]


[1] Frankreich war dem Deutschen Reich sowohl zahlenmäßig, als auch wirtschaftlich deutlich unterlegen (Bevölkerung 1914: Deutsches Reich 68 Mio Einwohner, Frankreich 40 Mio Einwohner). Neugebauer: Die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts – Der Erste Weltkrieg 1914 bis 1918, S. 30

[2] Die deutsche Heeresleitung ging davon aus, dass Russland für seine vollständige Mobilisierung mehrere Wochen oder auch Monate benötigen würde. Aus diesem Grund sollte Frankreich innerhalb weniger Wochen bezwungen werden, bevor Russland seine Truppen bis an die deutsche Grenze vorrücken lassen konnte; Röhl: Vorsätzlicher Krieg? Die Ziele der deutschen Politik im Juli 1914, S. 200 – 208

[3] Neugebauer: Die Urkatastrophe, S. 8

[4] Die Herstellung genormter Waffen und Munition, sowie die Arbeitsteilung beim Herstellungsprozess ermöglichten die zügige Ausrüstung von Massenheeren; Storz: Kriegsbild und Rüstung vor 1914, S. 25 - 27

[5] z. B. im Krieg der Briten gegen die Buren 1899 – 1902; Storz: Kriegsbild, S. 52 - 55

[6] Strachan: Der Erste Weltkrieg, S. 66

[7] Frankreich infolge der Niederlage im Deutsch- Französischen Krieg und Russland 30 Jahre später als Folge der Niederlage im Krieg gegen Japan 1904

[8] Strachan: Der Erste Weltkrieg, S. 207

[9] z. B. Funkfernsprecher, Flammenwerfer, Handgranaten und Minenwerfer

[10] Die Kavallerie hatte im Stellungskrieg keine Aufgabe mehr und wurde nur noch geringfügig an der Front gegen Russland eingesetzt

[11] Pohl: U- Bootkrieg. Bericht an den Reichskanzler, S, 385

[12] Diese Totalisierung der Kriegswirtschaft machte eine Rückkehr zur Vorkriegsproduktion immer schwieriger und führte darüber hinaus zu starken sozialen und gesellschaftlichen Umwälzungen; Schulz: Deutschland seit dem Ersten Weltkrieg 1918 - 1945, S. 12/ 13

[13] Die Verlagerung der operativen Befehlsgewalt von der militärischen Spitze zu den Kommandeuren kleinerer Einheiten erschwerte aber gleichzeitig die Steuerung überregionaler Offensiven. Die Kommandeure waren nur unzureichend in der Lage ihre Position im Gefecht gegenüber Nachbareinheiten abzugrenzen und mit den übrigen Truppenbefehlshabern effizient zu kommunizieren; Strachan: Der Erste Weltkrieg, S. 218/ 219

[14] Den Vertrag unterzeichneten aber weder der Kaiser noch die OHL, sondern die Koalition zwischen SPD und Zentrum die nach der Ausrufung der Republik am 9. November 1918 die Macht übernommen hatten. Dieses Makel haftete diesen Parteien an und führte zu einer Schwächung und Ablehnung des parlamentarischen Systems durch weite Teile der deutschen Bevölkerung; Hansen: Der Staat im Staate – Militärgeschichte der Weimarer Republik 1919 bis 1933, S. 94 – 98

[15] Förster: An der Schwelle zum Totalen Krieg, S. 19

[16] Uhle- Wettler: Höhe- und Wendepunkte deutscher Militärgeschichte, S. 175

[17] Der Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Alliierten und Assoziierten Mächten Teil V Abschnitt 1 Kap. 4 Artikel 180

[18] Schlemmer: Los von Berlin – Die Rheinstaatsbestrebungen nach dem Ersten Weltkrieg, S. 712 - 722

[19] Der Friedensvertrag zwischen Deutschland und den Alliierten und Assoziierten Mächten Teil V Abschnitt 1, 2 und 3

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges im politischen Kalkül und in militärischen Überlegungen bis zum Zweiten Weltkrieg
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg  (Institut für Geschichte)
Veranstaltung
Der „Große Krieg“ im europäischen Gedächtnis. 1919 – 2009
Note
3,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
25
Katalognummer
V154573
ISBN (eBook)
9783640672486
ISBN (Buch)
9783640672653
Dateigröße
625 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erfahrungen, Ersten, Weltkrieges, Kalkül, Zweiten, Weltkrieg
Arbeit zitieren
Harald Leutner (Autor), 2010, Die Erfahrungen des Ersten Weltkrieges im politischen Kalkül und in militärischen Überlegungen bis zum Zweiten Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154573

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