Absolventenverbleibsstudien - Anforderungen und ihre empirische Umsetzung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010

21 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Entwicklungen in der Absolventenforschung

3 Absolventenverbleibsstudien
3.1 Aufgaben und Funktionen von Absolventenstudien
3.2 Nutzer von Absolventenstudien
3.3 Erträge des Studiums messen
3.4 Einflüsse auf die Messgrößen
3.5 Grundlegende Probleme

4 Kompetenzen in Absolventenverbleibsstudien
4.1 Bedeutung von Kompetenzen in Absolventenverbleibsstudien
4.2 HIS Studie (Hochschul Informations System GmbH)
4.2.1 Modell und Design
4.2.2 Ausgewählte Ergebnisse

5 Diskussion

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Die Zusammenhänge zwischen Bildung und Beschäftigung werden in allen entwi- ckelten Gesellschaften ähnlich eingeschätzt. Wissen, Kompetenzen und Qualifikati- onen sind für die berufliche Arbeit und die sozio-ökonomische Entwicklung der Ge- sellschaft von enormer Bedeutung. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Hochschulen Qualifikationen vermitteln, die zukunftsfähig sind und ob es Berei- che gibt, in denen Absolventen von Hochschulen gering bis gar nicht qualifiziert werden. Dies ist besonders dann von Interesse, wenn man die Auffassung vertritt, dass berufliche Qualifikation das zentrale Ziel eines Studiums ist (Schomburg & Teichler, 2003, S. 27). In neuerer Zeit haben sich zur Evaluation von Qualität und Lehre des Studiums Absolventen(verbleibs)studien als ein geeignetes Mittel durch- gesetzt. Mit deren Gestaltung, deren Anforderungen und einem Beispiel zur empiri- schen Umsetzung, beschäftigt sich diese Arbeit. Dabei steht als Maß für die Qualität von Studium und Lehre die Messgröße „Berufserfolg" der Absolventen im Zentrum der Betrachtung. Quantitative Analysen über Abschlussquoten oder ähnliches wer- den nicht berücksichtigt.

Dass Absolventenstudien sich nicht immer auf die Qualität von Studium und Lehre konzentriert haben und dass die Absolventenforschung stets im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Erfordernissen und Problemen gesehen werden muss, soll der kurze Überblick über die Absolventenforschung der letzten Jahrzehnte zu Beginn der Arbeit zeigen. Um zu verstehen, was genau Absolventenstudien sind, was sie messen können, welche Probleme bei der Durchführung auftreten können und wer diese Studien nutzen kann, beschäftigt sich Kapitel 3 mit diesen allgemeinen The- men. Weiterhin wird dargestellt, in welchen Dimensionen der „Berufserfolg", als Maß für Qualität von Studium und Lehre, gemessen werden kann und welche Einflüsse dabei beachten werden sollten. Vor dem Hintergrund, dass die Anforderungen, die von Arbeitgeber an Hochschulabsolventen gestellt werden, immer weniger fachli- chen Inhalts sind und Arbeitnehmer immer häufiger Akademiker suchen, die sich durch allgemein berufsqualifizierende Kompetenzen, die auch Schlüsselqualifikatio- nen genannt werden, auf einem dynamischen und mobilen Arbeitsmarkt behaupten können, geht Kapitel 4 zunächst auf die Bedeutung dieser Kompetenzen ein. Die sich anschließende Studie soll nach den theoretischen Überlegungen zeigen, wie qualitative Absolventenstudien empirisch umgesetzt werden können. Sie wurde ausgewählt, da sie sich sowohl die Frage stellt, ob und in welchem Maße Universitä- ten überhaupt Schlüsselqualifikationen vermitteln und zugleich untersucht, wie diese Schlüsselqualifikationen in den Hochschulen selbst gefördert werden können. Somit gibt sie konkrete Handlungsorientierungen an, nach denen sich Hochschulen richten können, um die Qualität von Studium und Lehre zu erhöhen. Im abschließenden Kapitel soll noch einmal diskutiert werden ob es unbedingt notwendig und wün- schenswert ist, dass sich Hochschulen den Erfordernissen des Arbeitsmarktes an- passen und welche Gefahren damit verbunden sind.

2 Entwicklungen in der Absolventenforschung

Absolventenforschung in Deutschland existiert schon seit einigen Jahrzehnten. Je- doch hat sich im Verlauf der Zeit das Erkenntnisinteresse erheblich verändert. Zu Beginn wurden hauptsächlich quantitative Daten, wie die Quote der Arbeitslosen bei Akademiker oder ähnliche Dinge, erhoben. Inzwischen hat sich jedoch der Schwer- punkt auf Aspekte der Studienqualität verlagert (Leitner, 2009, S. 8). Zu dieser Ver- änderung kam es auf Grund des sich in den vergangenen Jahrzehnten gewandelten Verhältnisses von Hochschule und Beruf. Damit änderte sich auch die Ausrichtung der Absolventenstudien, da diese auch immer von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und Ereignissen geprägt sind (Janson & Teichler, 2007, S.7). In den 1960er Jahren, in denen die Bildungsexpansion in der Bundesrepublik Deutschland begann, wurden Hochschulabsolventen als ein Faktor für Innovation und Wachstum gesehen. Mit dem Ausbau der Hochschulen ging die Hoffnung ein- her, dass auf diese Weise die Chancengleichheit junger Menschen verbessert und damit auch gesellschaftlicher Ungleichheiten vermindert werden könnten. Die Bil- dungsökonomie stand im Mittelpunkt der Betrachtung und damit insbesondere quantitativ strukturelle Fragestellungen.

In den 1970er Jahren kam in der Öffentlichkeit immer mehr die Diskussion um die drohende Akademikerarbeitslosigkeit auf. Damit rückte der Verbleib der Studenten, der Übergang von der Hochschule in den Beruf sowie die Bedeutung verschiedener Qualifikationskomponenten mehr in den Vordergrund der Absolventenverbleibsstu- dien (Grühn & Hecht, 2007a, S. 4), da die Prozesse des Übergangs in die Berufstä- tigkeit komplizierter und weniger gradlinig wurden. Auch wurde vertikale Substitution ein sehr verbreitetes Phänomen. Absolventen wurden immer mehr auch in Positio- nen eingesetzt, die in nächster Nachbarschaft zu den klassischen Akademiker- bereichen standen. Damit stellte sich die Frage, ob dies ein nicht wünschenswerter „Verdrängungswettbewerb" oder eine potentielle nützliche Qualifikationsanhebung sei. Diese Diskussion beeinflusste die Absolventenstudien insoweit, als dass geprüft wurde, ob Hochschulabsolventen in ausbildungsadäquat oder inadäquaten Beschäf- tigungen eingesetzt waren und in welchem Maße sie die im Studium erworbenen Qualifikationen verwenden konnten. Zudem wurden mit der Reform des Hochschul- rahmengesetz von 1976 die Aufgaben der Hochschulen formal stärker auf die Be- rufsvorbereitung angepasst. Es gab eine Fülle von Versuchen die Substanz und die Struktur der Studienangebote sowie die Form der Lehr- Lernbeziehungen zu refor- mieren. Damit stand die Frage nach den Auswirkungen der Reformen im Mittelpunkt der Betrachtung (Teichler, 2000, S. 10). Mit diesen sollten insbesondere Praxisori- entierung und Interdisziplinarität gefördert werden. Außerdem entstanden erste Stu- dien darüber, wie sich Absolventen außerhalb des Wissenschaftssystems behaupte- ten. Eingebettet war dies in einen allgemeinen Wandel des Hochschulwesens. Hochschulen sollten nicht nur für die Wissenschaft sondern auch für andere Tätig- keitsfelder ausbilden (Leitner, 2009, S. 11).

In den 1980ern veränderte sich der Blickpunkt erneut. Der bis dahin geltende mak- roorganisatorische Ansatz, der die Gesamtzahl der Absolventen in adäquater Be- schäftigung oder die Auswirkungen einer höheren Praxisorientierung in einer be- stimmten Fachrichtung im Fokus hatte, wich einer stärkeren Fokussierung auf die einzelnen Hochschulen und rückte damit die Differenziertheit des Hochschulwesens in den Mittepunkt der Betrachtung. Es wurde untersucht, ob Absolventen einer be- stimmten Hochschule sich erfolgreicher am Arbeitsmarkt behaupten konnten als Absolventen des gleichen Faches einer anderen Hochschule. Es war weiterhin von Interesse, was einzelne Fachbereiche tun konnten, um die Chancen ihrer Absolven- ten am Arbeitsmarkt zu erhöhen (Teichler, 2000, S.10-11). Weiterhin wurden sozio- kommunikative Fähigkeiten, generelle kognitive Befähigungen und Problemlösestra- tegien im Berufsleben wichtiger, so dass Absolventenstudien Informationen über das Vorhandensein und die Entwicklung solcher Kompetenzen geben sollten. Diese Kompetenzen wurden als Schlüsselqualifikationen bezeichnet und gerieten immer mehr in den Fokus der Betrachtung (Janson & Teichler, S. 10-11). Es war demnach von Interesse, ob und wie stark Absolventen diese Kompetenzen durch Studienan- gebote oder externe Erfahrungen herausbilden konnten.

In den 1990er Jahre kristallisierte sich kein einheitliches Thema der Absolventen- studien heraus. Vielmehr wurden sie genutzt um zu prüfen, wie sich die Beziehung zwischen Hochschule und Berufssystem auf andere Kontexte, wie zum Beispiel das Wirtschaftswachstum oder den Bedarf an hoch qualifizierten Arbeitskräften, auswir- ken würde. Außerdem wurden Absolventenstudien als Evaluierungsinstrument zur Messung der Qualität von Studium und Lehre entdeckt (Grühn & Hecht, 2007a, S. 5). Dieser Trend hat sich bis heute fortgesetzt. Die Hochschulen müssen sich immer mehr den Anforderungen eines international konkurrenzfähigen Studiums sowie politischen Forderungen nach einem effizientem und effektiven Hochschulmanage- ment stellen. Zudem müssen sie sich auf die Entwicklungen einer globalen Wis- sensgesellschaft einstellen. Es entsteht ein zunehmender Wettbewerb der Hoch- schulen um knappe Ressourcen. Gleichzeitig steigt der politischer Wille zur exter- nen Effektivitätskontrolle (Janson & Teichler, 2007, S. 8). Hochschulen müssen vermehrt die Effizienz ihrer Programme belegen. Dabei spielen die zukünftigen An- forderungen, die auf die Studierenden im Berufsleben zukommen werden eine im- mer wichtigere Rolle. Hierbei wird der Output an Studierenden nach Qualität und Quantität sowie die Effizienz der Studiengänge zunehmend zum Maßstab des Er- folgs der Hochschulen. Von Absolventenstudien wird erwartete, dass sie hierzu ent- scheidende Informationen beisteuern können (Grühn & Hecht, 2007a, S. 4-6). Durch die Einführung von Studiengebühren werden vermehrt auch Informationsleistungen und Qualitätsforderungen von Studierenden an die Hochschulen gestellt. Absolven- tenstudien bekommen damit auch immer mehr einen Bewertungs- und Evaluations- charakter. An diese Ergebnisse kann dann die Zuteilung von Mitteln gebunden sein. Zudem werden sie als zentrale Informationsquelle und als Kontaktmittel im zentralen Hochschulmarketing beziehungsweise der Alumniarbeit gesehen (Janson & Teichler, 2007, S. 10). Nachdem ein Überblick über die Entwicklungen in der Absol- ventenforschung gegeben wurde, beschäftigt sich das folgende Kapitel konkreter mit den Absolventenstudien an sich.

3 Absolventenverbleibsstudien

3.1 Aufgaben und Funktionen von Absolventenstudien

Wir leben heute in einer globalisierten Wissensgesellschaft. Dies hat auch Auswir- kungen auf Form und Gestalt der Hochschulen. Diese entwickeln untereinander immer mehr Wettbewerbsstrukturen und verstehen sich immer mehr als „Zulieferer" für das Beschäftigungssystem. Um ihre Aufgaben erfüllen zu können, benötigen sie Informationen. Dabei steht, wie schon beschrieben wurde, die Qualitätssicherung von Studium und Lehre im Mittelpunkt der heutigen Betrachtung. Absolventen sollen auf die Anforderungen, die an Hochqualifizierte in unserem Beschäftigungssystem gestellt werden, vorbereitet werden. Hierzu müssen diese Anforderungen erkannt und handlungsorientiert umgesetzt werden. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass die Kompetenzen in das Studium integriert werden, die zur selbstgesteuerten verantwortlichen Gestaltung der Zukunft der Absolventen dienen und in der Arbeits- welt erforderlich sind (Briedis, 2007, S. 18). Um dies zu gewährleisten, ist gut doku- mentiertes Wissen unabdingbar. Die Informationen, die hierzu benötigt werden, lie- fern unter anderem Studenten- oder Absolventenverbleibsstudien. Diese können zum einen Aufschluss darüber geben, wie erfolgreich Studierende den Übergang ins Berufsleben gemeistert haben. Dabei soll nicht nur Wert darauf gelegt werden, wie erfolgreich dieser Einstieg gewesen ist, sondern auch darauf, wie verschiedene Studiengänge oder verschiedene Anteile des Studiums Einfluss auf den Einstieg in die berufliche Tätigkeiten nehmen (Metzner , 2009, S. 3-5). Diese Studien werden als Verbleibsuntersuchungen bezeichnet. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie meist quantitative Informationen darüber geben, wie viele der ehemaligen Studierenden, in welcher Zeit, in welche Art von Beschäftigungsverhältnis eingetreten sind, auf welchen Positionen sie arbeiten, was sie verdienen und ob sie mit ihrer Position, ihrem Einkommen oder ihren Aufstiegschancen zufrieden sind.

Eine andere Art der Studien versucht die Langzeitwirkungen der Studieninhalte zu ergründen. Sie wollen erklären, wie sich die Studieninhalte zu den Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt oder einzelnen Tätigkeitsfeldern verhalten. Hierbei spielt vor allem die Qualität der Hochschulausbildung eine wichtige Rolle. Es soll dabei geprüft werden, ob das Studium angemessen auf die beruflichen Anforderungen vorbereitet hat oder nicht und ob Studierende die erforderlichen Fach- und Methodenkenntnisse vermittelt bekommen haben, die die Grundlage des gewählten Berufs bilden (Becker-Richter, Hable, Rinke & Tegethoff, 2002, S. 46).

[...]

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Absolventenverbleibsstudien - Anforderungen und ihre empirische Umsetzung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Wirtschaftswissenschaften)
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
21
Katalognummer
V154579
ISBN (eBook)
9783640672981
ISBN (Buch)
9783640672813
Dateigröße
592 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Absolventenverbleibsstudien, Anforderungen, Umsetzung
Arbeit zitieren
Johannes Tiegel (Autor), 2010, Absolventenverbleibsstudien - Anforderungen und ihre empirische Umsetzung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154579

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Absolventenverbleibsstudien - Anforderungen und ihre empirische Umsetzung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden