Lob der Konsequenz

Pädagogische Perspektiven auf Bernhard Buebs "Lob der Disziplin"


Seminararbeit, 2009

17 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1 Bernhard Bueb und Schule Schloss Salem

2 Lob der Disziplin

3 Wo Bueb Recht hat

4 Kritik

5 Alternativen

6 Schlussfolgerungen

7 Literaturverzeichnis

Seit seiner Veröffentlichung hat Bernhard Buebs Buch „Lob der Disziplin – Eine Streitschrift“ mit rund 400.000 verkauften Exemplaren enorme wirtschaftliche Erfolge eingefahren.[1] Der Autor selbst steht den Medien Rede und Antwort, fordert uneingeschränkte Disziplin und einen härteren Erziehungsstil. Ausgerechnet die Bildzeitung brachte eine Reihe von Ausschnitten des Buches[2] und ernannte Bueb im Zuge dessen zu „Deutschlands strengste[m] Lehrer“[3]. Zugleich entbrannte jedoch auch eine hitzige, zum Teil öffentliche, zum Teil fachinterne Debatte um die Grundannahmen, Methoden und Ziele, denen sich Bueb verschrieben hat. Diese Arbeit wird herauszustellen, welcher Natur die angesprochenen Grundannahmen, Methoden und Zielvorstellungen Buebs sind und deren Stärken und Schwächen darzulegen. Ziel dieser Arbeit ist die Erörterung der Frage in welchen Teilen sich Bueb mit seinem „Lob der Disziplin“ auf wissenschaftlich sicherem Boden bewegt und wo es alternative Lösungsansätze gibt, die erfolgsversprechender sind. Da sich das problematische Verhalten, dem Bueb Herr zu werden sucht, in der Schule häufig in hyperkinetischen oder oppositionellen Verhaltensweisen manifestiert, welche typisch für von AD(H)S betroffene Kinder sind, wird diese Untersuchung zudem Möglichkeiten aufzeigen, dem „Problem AD(H)S“ auf pädagogischer, nicht-medikativer Ebene zu begegnen.

1 Bernhard Bueb und Schule Schloss Salem

Bernhard Bueb wurde 1938 geboren und absolvierte ein Studium der Philosophie sowie der katholischen Theologie. Er erwarb 1968 einen Doktortitel der Philosophie und arbeitete in den Folgejahren als Assistent in der Göttinger und der Bielefelder Universität.[4] Anfang der 1970er Jahre arbeitete Bueb als Lehrer und Erzieher in der Odenwaldschule, übernahm aber ab 1974 die Leitung des Eliteinternats Schloss Salem in der Nähe des Bodensees. Diese Position behielt er bis ins Jahr 2005.[5] 2006 veröffentlichte er seine Abhandlung „Lob der Disziplin – Eine Streitschrift“, die in Medien und Bevölkerung enorme Wellen schlug und Bueb zum Bestsellerautoren machte. Zwei Jahre später folgte seine zweite Veröffentlichung „Von der Pflicht zu führen“.[6]

Das Eliteinternat auf Schloss Salem wurde 1920 von Prinz Max von Baden und Kurt Hahn in Salem in der Nähe des Bodensees gegründet. Während der Nazizeit unterstand es der Leitung der SS und der Aufsicht der Inspektion deutscher Heimschulen. 1966 wurde in Salem der „Round Square“, eine internationale Vereinigung von Internaten, gegründet. Ab Anfang der 1970er Jahre stiegen die Schülerzahlen (u.a. durch Stipendien) stetig an. Im Jahr 2000 eröffnete Salem zudem sein International College.[7] „Persönlichkeiten bilden“, so erklärt die Onlinepräsenz der Schule, sei die „Mission“ der Schule[8]. Zu diesem Ziel greift sie auf ein enges Netz an Regeln, ein eigenes „Rechtssystem“[9] und harte Strafen zurück[10]. Diese beziehen sich auf Regelungen zur Nachtruhe, übermäßigen Alkoholkonsum bis hin zu Diebstahl[11]. Besonders der Einsatz täglicher Drogenscreenings anhand von Urinproben zur Sicherstellung der Drogenfreiheit der Schüler[12] und die damit einhergehende Diskussion um Einschränkungen der Freiheits- und Persönlichkeitsrechte der Schüler sind in der (Medien-)Öffentlichkeit bekannt geworden[13].

Salem hält noch heute an den traditionellen, 1930 formulierten sieben „Salemer Gesetze“ fest: „Gebt den Jugendlichen Gelegenheit, sich selbst zu entdecken“, „Sorgt dafür, daß Jugendliche Erfolg und Niederlage erleben“, „Schafft den Jugendlichen Gelegenheiten, sich über die gemeinsame Sache selbst zu vergessen“, „Schafft Zeiten des Schweigens - Schafft Raum für Sammlung“, „Übt die Vorstellungskraft, die Fähigkeit vorauszuschauen und zu planen“, „Nehmt Spiel und Sport ernst, aber laßt sie nicht beherrschend sein“ und „Befreit die Kinder der Reichen und Einflussreichen von dem lähmenden Bewußtsein ihrer Bevorzugung“[14].

2 Lob der Disziplin

Wie sowohl Buebs Biographie als auch der Titel seines Buches erwarten lassen, stellt der ehemalige Schulleiter in ihm seine Ansichten bezüglich des positiven Einflusses von Disziplin und Disziplinierung im Rahmen von Erziehung dar. Der „Bildungsnotstand in Deutschland [sei] die Folge eines Erziehungsnotstandes“[15], so Bueb. Dieser wiederum sei verursacht durch die Weigerung bzw. das Unvermögen der Eltern ihren Kindern gegenüber Regeln durchzusetzen.[16] Als ursächlich für das heutige Problem erkennt der Autor in letzter Konsequenz daher die freiheitlich-individualistischen Erziehungsideale der „‘68er“[17], die Bueb „Nicht-Erziehung“[18] nennt. Die Kinder litten darunter, so Bueb, dass Eltern sie sozusagen mit Liebe erdrückten anstatt ihnen klar und konsequent Grenzen aufzuzeigen.[19] Aufseiten der Kinder führe der Mangel an Disziplin und Verzichtsbereitschaft zu einem „Typus der Verwahrlosung“[20], der geprägt sei von egozentrierten Anspruchshaltungen und von der Außenwelt (Medien, Freundeskreis, etc.) noch verstärkt würde[21]. Bueb deutet an Stellen wie dieser immer wieder an, dass die Gesellschaft falschen Werten, Leit- und Vorbildern anhängt und thematisiert immer wieder die Gefahr von „Verführungen“[22] zu Alkohol, Zigaretten, Drogen, Konsum, Sexualität usw..[23] Disziplin in allen Lebensbereichen dagegen führe zu Selbstdisziplin und diese schließlich zu Freiheit, so Bueb[24]. Nur auf diese Wege könnten im Allgemeinen Begabungen ausreichend entfaltet und im Speziellen Eliten ausgebildet werden[25]. Eltern sollten ihren Kindern daher frühzeitig Disziplin, Verzicht, Arbeitsbereitschaft und Gehorsam beibringen[26]. Das setzen klarer Grenzen und die Androhung (und Wahrmachung) von Strafen bei Übertretungen sei die „absolute Macht“[27] der Eltern über ihre Kinder, die jedoch ihre Legitimation in der Liebe zum / zu den Kind/ern fände[28]. Aus durch Liebe legitimierter Macht entstehe Autorität, auf die „Kinder […] ein Recht“[29] hätten. Bueb verweist immer wieder darauf, dass Strafen als Teil der Erziehung unerlässlich sind um Kindern „physische Grenzen“[30] (durch Mehrarbeit oder Einschränkung der Bewegungsfreiheit etc.) zu setzen.[31] „Wer gerecht erziehen will, [müsse] bereit sein zu strafen.“[32] Strafen wirkten sich aber nur positiv aus, so der Autor, wenn sie a) sofort ausgesprochen und umgesetzt würden[33] und b) einen gewissen Härtegrad nicht unterschritten[34]. Bueb widerspricht sogar der landläufigen Meinung, dass Kinder Strafen generell ablehnend gegenüberstehen. Kinder, so führt er aus, „ fordern Strafen, weil das durch Unrecht gestörte Weltgefüge nur durch Sühne und Wiedergutmachung ins Lot gerät.“[35] Es wird deutlich, dass Bueb Strafe als permanent konstruktive Erziehungsmaßnahme als auch als konstitutives Moment von Erziehung selbst versteht.

[...]


[1] vgl. Verlag Neue Praxis 2010 – Literatur Rundschau

[2] vgl. Bild.de 2006 – Frei wird nur, wer Disziplin lernt!

[3] Bild.de – Deutschlands strengster Lehrer

[4] vgl. BildungsCent e.V. – Dr. Bernhard Bueb

[5] vgl. a.a.O.

[6] vgl. a.a.O

[7] vgl. Schule Schloss Salem e.V. – Ein Blick zurück

[8] Schule Schloss Salem e.V. – Wer wir sind

[9] vgl. Bueb, S.115ff.

[10] vgl. Schule Schloss Salem e.V. – Salem Leitfaden College

[11] vgl. a.a.O.

[12] vgl. a.a.O.; siehe auch: Bueb S. 74, 110

[13] vgl. z.B. Doerry, Thimm 2006 – Disziplin ist das Tor

[14] Schule Schloss Salem e.V. – Die sieben Salemer Gesetze

[15] Bueb, S.13

[16] vgl. Bueb, S. 28

[17] vgl. Bueb S.53f.

[18] Bueb S. 139

[19] Vg Bueb, S. 55, 60

[20] Bueb S. 64

[21] vgl. Bueb S. 64ff., 109f., 148f.

[22] Bueb S. 22

[23] vgl. Bueb 66, 43, 109

[24] vgl. Bueb S.88

[25] vgl. Bueb, S. 166ff.

[26] vgl. Bueb S. 40, 41f., 57f., 166

[27] Bueb S.47

[28] vgl. Bueb S. 48

[29] Bueb S. 55

[30] Bueb, S. 109, 122f.

[31] vgl. a.a.O.

[32] Bueb, S.114

[33] vgl. Bueb, S. 112

[34] vgl. Bueb S. 111

[35] Bueb, S. 123; eigene Kursivierung

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Lob der Konsequenz
Untertitel
Pädagogische Perspektiven auf Bernhard Buebs "Lob der Disziplin"
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig
Autor
Jahr
2009
Seiten
17
Katalognummer
V154664
ISBN (eBook)
9783640673636
ISBN (Buch)
9783640673490
Dateigröße
603 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konsequenz, Pädagogische, Perspektiven, Bernhard, Buebs, Disziplin
Arbeit zitieren
Julian Schürholz (Autor), 2009, Lob der Konsequenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154664

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