Kreationismus und Intelligent Design - Definition, Theorien, Kritik


Seminararbeit, 2009
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kreationismus und Intelligent Design – Ein Überblick

A. Welche Hintergrundinformationen sind relevant?

B. Was ist Kreationismus?
B.1 Welche Formen von Kreationismus existieren?
B.1.1 „Junge Erde“-Kreationismus
B.1.2 „Alte Erde“-Kreationismus
B.2 Was zeichnet den US-amerikanischen Kreationismus aus?
B.3 Was spricht gegen Kreationismus?

C. Was ist „Intelligent Design“?
C.1 Wie kritisiert die ID-Theorie Darwin?
C.2 Was spricht gegen Intelligent Design?

D. Welche Schlussfolgerungen ergeben sich daraus?

E. Quellen

Kreationismus und Intelligent Design – Ein Überblick

Entgegen dem in Europa zu beobachtenden Trend, ist religiöser Fundamentalismus, der sich auf das exakte „Wort Gottes“ beruft und dessen genaue Befolgung fordert, auf gesamtgesellschaftlicher Ebene gegenüber aufklärerischen Idealen nicht auf dem Rückzug. Im Gegenteil: in einigen Teilen der Welt erfährt er offensichtlich starken Zulauf. Besonders offensichtlich wird dieser „Schriftfundamentalismus“ bei der Frage nach der Entstehung der Welt und ihrem Urheber und der theistischen Kreationismusthese. Sie behauptet, dass Gott der Schöpfer der Welt ist und dass das „Wort Gottes“ den faktischen Hergang der Entstehung der Welt beschreibt. Dieser Fundamentalismus ist nicht religionsspezifisch und daher ein nicht lokal begrenztes Phänomen.

Diese Arbeit wird sich in diesem Bereich vorrangig mit der US-amerikanischen, christlichen Kreationismusbewegung befassen, die in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr gesellschaftlichen und politischen Einfluss erlangte. Dieser Umstand zwang die amerikanische Gesellschaft in eine langwierige (und noch immer nicht beendete) Debatte um ihre Wertebasis.

Eine zweite, von den Kreationisten prinzipiell unabhängige, in den USA einflussreiche Gruppierung, die in dieser Arbeit behandelt werden soll, sind die Anhänger der „Intelligent Design-“ oder „ID-Theorie“. Diese Theorie baut auf der gleichen philosophischen Basis auf wie der Kreationismus, i.e. dass die Welt, so wie sie jetzt existiert, geschaffen wurde. Die definierenden prinzipiellen Unterschiede sind dabei a) dass das Intelligent Design einen theoretischen (d.h. nichtreligiösen) Unterbau zu schaffen sucht, sowie b) die Vermeidung jedes expliziten Gottesbezugs. Auf diese Weise entgeht die ID-Theorie dem praktischen Problem der gesetzlich verankerten Trennung von Kirche und Staat.[1] Dies ist vor allem im Rahmen staatlicher Schulen von Bedeutung, da die ID-Theorie –einmal als wissenschaftliche Theorie anerkannt- ihren Weg in verbindliche Curricula finden könnte.[2]

Zu Beginn dieser Arbeit werden zur kulturwissenschaftlichen Orientierung einige grundlegende, für die Thematik relevante Eckdaten über die USA dargelegt. Anschließend werden sowohl Kreationismus als auch Intelligent Design näher betrachtet um sie anschließend jeweils auf ihre Konsistenz zu prüfen. Ziel dieser Arbeit ist die Beantwortung der Frage, ob die erwähnten Theorien wissenschaftlich korrekt sind. Genügen sie diesem Anspruch, spräche nichts gegen ihre Implementierung in verpflichtende Curricula. Genügen sie jedoch wissenschaftlichen Ansprüchen nicht, wäre die Gleichbehandlung von Evolutionstheorie und Intelligent Design bzw. Kreationismus weder aufrecht zu erhalten noch wünschenswert. Stellt sich die ID-Theorie und/oder Kreationismus nicht nur als unwissenschaftlich, sondern als religiös heraus, so wäre eine Lehre des jeweiligen Konstrukts –wie diese Arbeit aufzeigen wird- nicht einmal gesetzlich möglich.

A. Welche Hintergrundinformationen sind relevant?

Die USA sind ein tief religiöses Land. Dies zeigt sich zum Beispiel in Zahlen über die Religionszugehörigkeit. Die hier verwandten Statistiken wurden 1996, 2001 und 2002 erstellt und belegen eine durchgängige, starke christliche Orientierung der US-Bürger, die sich in der Zahl von 82% - 84% christlicher Einwohner ausdrückt. Lediglich jeweils rund 1% der Befragten gab an Juden, Muslime oder Angehörige einer anderen Religion zu sein. Der Anteil der Agnostiker und Atheisten an der US-Bevölkerung lag kaum höher. Circa 10% machten keine Angaben.[3]

Betrachtet man nur die Christen in den USA, bilden die Protestanten in allen drei Erhebungsjahren mit rund 53% die bei Weitem größte Konfession. Die Katholiken machten circa 23% der christlichen Bevölkerung aus, während der Prozentsatz der Orthodoxen, Mormonen und anderer christlichen Gruppen je zwischen einem und zwei Prozent lag.[4]

Wie tief fundamentalistische Züge von Religion im Leben und Denken des Einzelnen verwurzelt sind, zeigt eine Umfrage von ABC/Primepoll aus dem Jahre 2004, in der 1000 Amerikanern u.a. diese Fragen gestellt wurden:

a) Glauben Sie, dass Moses das Rote Meer teilte?
b) Glauben Sie wörtlich an die Geschichte der Arche Noah?
c) Glauben Sie wörtlich an die biblische Schöpfungsgeschichte?
d) Sehen Sie in biblischen Geschichten auf das Leben zu übertragende Weisheiten?
e) Glauben Sie, dass die heute lebenden Juden Schuld an Jesu Tod tragen?
f) Gehen Sie mindestens ein Mal pro Woche in die Kirche?

Die ersten drei Fragen wurden von über 60% aller Befragten bejaht; unter Evangelikalen Christen lag die Zustimmungsquote sogar bei circa 90%. Lediglich 30% sagten, dass sie aus der Bibel übertragbare Lebensweisheiten ziehen. 8% gaben an, sie seien überzeugt, dass heute lebende Juden schuldig seien am Tode Jesu.

Die Frage, ob sie mindestens ein Mal wöchentlich die Kirche besuchen, bejahten 38% aller Amerikaner. Differenziert man diese Gruppe weiter aus, so wird erkennbar, dass 60% der über 60-jährigen, 28% der 18- bis 30-jährigen, 50% aller Südstaatler und 47% aller Republikaner in diese Gruppe fallen.[5]

Diese Statistiken zur Verwurzelung religiösen Denkens sollen dem Verständnis um das Ausmaß der Debatte und die politische Potenz der jeweiligen Forderungen dienen. Von besonderer Bedeutung ist im Rahmen dieser Arbeit naturgemäß die Antwort auf die oben angesprochene Frage nach dem Glauben an die Schöpfungsgeschichte.

Wenden wir uns nun dem Kreationismus zu, der eben dieses Postulat aufstellt. Der folgende Abschnitt soll dessen Grundannahmen verdeutlichen, bevor eine genauere Spezifizierung einzelner Strömungen innerhalb des Kreationismus vorgenommen wird.

B. Was ist Kreationismus?

Das Wort Kreationismus stammt vom lateinischen creare (schaffen, erschaffen) ab. Die Grundannahme des Kreationismus ist, dass Gott die Welt entweder aus dem Nichts erschuf oder ein zuvor bestehendes Chaos in einem Schöpfungsakt ordnete und in die heute erkennbare Ordnung brachte.[6] Als solche ist diese Annahme nicht religionsspezifisch. Die Grundlage für alle Argumente bilden daher die jeweiligen heiligen Schriften der betreffenden Religion. Besonders stechen hier jedoch die abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum[7] und Islam[8] hervor. Der Buddhismus hingegen steht der Idee eines Schöpfergottes jedoch ablehnend gegenüber. Eine Generalisierung des Schöpfergottprinzips auf alle Religionen wäre daher unzulässig.

Diese Arbeit wird jedoch ausschließlich und exemplarisch den US-amerikanischen Kreationismus untersuchen.

Zu dessen gesellschaftlich-politischer Verortung lässt sich (selbstverständlich stark verallgemeinernd) sagen, dass seine Vertreter überwiegend dem konservativen bis rechten Flügel angehören. Ihre Gruppierung weist zum Beispiel große Schnittmengen mit den Republikanern auf, sodass das kreationistische Gedankengut relativ einfach seinen Weg in die Legislative fand. Zudem vertreten viele Kreationisten konsequenterweise Positionen der Anti-Abtreibungsbewegung „Pro Life“, deren radikaler Kern selbst vor Mord an Abtreibungsärzten nicht zurückschreckt.[9]

Es wäre jedoch zu oberflächlich, lediglich den einen Kreationismus darzustellen, da in ihm mehrere „Glaubensrichtungen“ zusammengefasst sind. Diese vorzustellen ist Absicht des nun folgenden Abschnitts.

[...]


[1] Hier sind vor allem die Constitution of the United States of America Artikel VI, Abs. 3 (vgl. Legal Information Institute) und die The Bill of Rights, 3. Verfassungszusatz (vgl. Congress of the United States 1791) zu nennen. Siehe auch: Urteile des US Supreme Courts zum Thema Intelligent Design als Lehrinhalt von 1963 und `64 (vgl. zusammenfassend Greenawalt, S. 19)

[3] vgl. Adherents.com 2005 – Largest Religious Groups [Statistik nicht durch Datenerhebung sondern durch Befragung erstellt. In den USA existiert keine derartige Meldepflicht.]

[4] vgl. a.a.O.

[5] vgl. ABC/Primepoll 2004 – Who Goes to Church

[6] vgl. Morris 2008, S.9, 14

[7] vgl. u.a. Gen. 5 & 11; Mat. 1

[8] vgl. u.a. Sure 59:24 - al-Haschr

[9] vgl. Matt Smith 2009 – Doctor who performed abortions shot

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Kreationismus und Intelligent Design - Definition, Theorien, Kritik
Hochschule
Technische Universität Carolo-Wilhelmina zu Braunschweig  (Seminar für Philosophie)
Veranstaltung
Gott
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V154666
ISBN (eBook)
9783640675357
ISBN (Buch)
9783640675227
Dateigröße
757 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kreationismus, Intelligent, Design, Definition, Theorien, Kritik
Arbeit zitieren
Julian Schürholz (Autor), 2009, Kreationismus und Intelligent Design - Definition, Theorien, Kritik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154666

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