Die Bilanzierung von Commodity-Sicherungsbeziehungen nach IFRS


Seminararbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung

2. Grundlagen von Commodity-Sicherungsbeziehungen

3. Vorschriften nach IAS 39 bei der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen
3.1. Anforderungen an das Sicherungsinstrument
3.2. Own Use Exemption
3.3. Anforderungen an das Grundgeschäft
3.4. Hedge Accounting Methoden
3.5. Effektivität einer Sicherungsbeziehung
3.6. Designation und Dokumentation

4. Praxisbeispiele zur Anwendung des hedge accounting nach IAS 39
4.1. Preisliche Absicherung von Rohstoffvorräten durch ein fair value hedge
4.2. Absicherung eines geplanten Rohstoffkaufs durch ein cash flow hedge

5. Kritische Würdigung

6. Thesenförmige Zusammenfassung

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung

In Zeiten immer knapper werdender Rohstoffe und der damit verbundenen hohen Volatilität auf commodity-Märkten, versuchen Unternehmen sich vor möglichen Preisrisiken abzusichern, indem sie Warentermingeschäfte eingehen. Die Absiche- rung erfolgt so, dass neben einer bestehenden oder antizipierten Position (Grundge- schäft) eine entgegengesetzte offene Position (Sicherungsinstrument bzw. -geschäft) eingegangen wird.[1] Durch die gegenläufigen Wertänderungen der jeweiligen Positio- nen sollen sich so cash flow-Änderungen bzw. Änderungen des fair value, die durch Marktpreisrisiken entstehen, annähernd ausgleichen.[2] Dieser wirtschaftlichen Per- spektive wird, bilanziell gesehen, durch die speziellen hedge accounting Regelungen in IAS 39 Rechnung getragen. Aufgrund des so genannten ÄPL[HG PRGHO approach³ sehen die allgemeinen Ansatz- und Bewertungsvorschriften grundsätzlich eine unter- schiedliche Bewertung für das Grund- und Sicherungsgeschäft vor, so dass es zu einer verzerrten Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage kommt.[3] In- konsistenzen entstehen, wenn Grundgeschäfte erfolgsneutral oder zu Anschaffungs- kosten (AK) bewertet werden oder als schwebende bzw. antizipierte Geschäfte bi- lanzunwirksam sind.[4] Die speziellen Bilanzierungsregelungen des IAS 39 für die Abbildung von Sicherungsbeziehungen führen dazu, dass die Bilanz der ökonomisch adäquaten Situation entspricht.

2. Grundlagen von Commodity-Sicherungsbeziehungen

Unter dem Begriff hedging wird im ökonomischen Sinne die Absicherung einer of- fenen Position durch eine gegenläufige Sicherungsposition verstanden. Hedge accounting dagegen ist die kompensatorische Erfassung gegenläufiger Wertentwick- lungen von Grund- und Sicherungsgeschäften in der Buchführung.[5] In der vorliegen- den Arbeit wird die Bilanzierung von commodity-Sicherungsbeziehungen nach IAS 39 betrachtet. Commodities sind homogene Güter, die börsenmäßig, aber auch außerbörslich (OTC), gehandelt werden.[6] Meist handelt es sich dabei um Rohstoffe (Öl, Kohle, Metalle usw.), aber auch Agrargüter (Kaffee, Kakao, Schweinebäuche, usw.) fallen unter die Definition von commodities. Durch das Eingehen von Termin- geschäften (commodity futures) lassen sich Marktpreisrisiken künftiger commodity Käufe und -verkäufe absichern.[7] Die Begriffe commodity und Rohstoffe i. S. v. IAS 2.6 werden in dieser Arbeit synonym verwendet.

3. Vorschriften nach IAS 39 bei der Bilanzierung von Sicherungsbeziehungen

3.1. Anforderungen an das Sicherungsinstrument

Grundsätzlich kommen gemäß IAS 39.72 nur derivative Finanzinstrumente als Si- cherungsinstrumente in Betracht.[8] Nach IAS 39.9 zeichnen sich derivative Finanzin- strumente dadurch aus, dass sie auf Änderungen des Wertes einer Risikovariablen reagieren, keine Anschaffungszahlung oder eine im Verhältnis zur möglichen Wert- entwicklung kleine Anfangsinvestition aufweisen und erst zu einem späteren Zeit- punkt beglichen werden. Nicht als Sicherungsinstrumente erlaubt sind nach IAS 39.AG94 geschriebene Optionen (außer zur Glattstellung einer erworbenen Option), nach IAS 39.AG96 derivative Finanzinstrumente, die mangels Bestimmbarkeit des beizulegenden Zeitwerts zu Anschaffungskosten bewertet werden und gemäß IAS 39.AG97 eigene Eigenkapitalinstrumente, da es sich dabei weder um finanzielle Vermögenswerte noch um finanzielle Verbindlichkeiten handelt.[9] Demzufolge erfül- len Verträge (beispielsweise Termingeschäfte über Rohstoffe), die den Kauf oder Verkauf von nicht-finanziellen Posten vorsehen, die Derivate-Definition nach IAS 39.9, stellen dennoch keine Finanzinstrumente gemäß IAS 32.AG.20 dar.[10] Als vor- läufiges Ergebnis kann festgehalten werden, dass in einem ersten Prüfungsschritt Verträge über den Kauf oder Verkauf nicht-finanzieller Posten die Bedingungen der Derivate-Definition nach IAS 39.9 erfüllen müssen, um in den Anwendungsbereich des IAS 39 zu gelangen.

3.2. Own Use Exemption

Ist ein Ausgleich bei Verträgen über den Kauf oder Verkauf von nicht-finanziellen Posten in bar bzw. in anderen Finanzinstrumenten oder durch einen Tausch von Fi- nanzinstrumenten möglich (allgemein DOV Änet settlement³ bzw. Nettoausgleich be- zeichnet), werden besagte Kontrakte wie Finanzinstrumente behandelt.[11] Damit fal- len auch schwebende Verträge über den Kauf oder Verkauf von nicht-finanziellen Posten in den Anwendungsbereich von IAS 39, wenn ein Änet settlement³ vorgese hen ist.[12] Allerdings wird dieser Ausnahmefall durch die sogenannte „own use exemption" wieder eingeschrankt. So schreibt IAS 39.5 vor, dass Verträge, die zum Zweck des tatsächlichen Empfangs oder der Lieferung von nicht-finanziellen Posten gemäß dem erwarteten Einkaufs-, Verkaufs- oder Nutzungsbedarf abgeschlossen wurden und weiter behalten werden, vom Anwendungsbereich des IAS 39 ausge- schlossen sind und damit nicht als Finanzderivate behandelt werden. Solche Verträge werden in der Literatur als „own use contracts" oder „normal purchase or sale contracts" bezeichnet.[13] Zu beachten ist, dass nicht für jeden ,own use contract" von vornherein die „own use exemption" einschlagig ist. So werden in IAS 39.6 vier Fäl- le aufgezählt, in denen von einem „net settlement" ausgegangen wird und der Ver- trag möglicherweise in den Anwendungsbereich von IAS 39 fällt:
1. Die Kontrahenten haben das Recht, den Vertrag durch Ausgleich in bar oder in anderen Finanzinstrumenten bzw. durch den Tausch von Finanzinstrumen- ten abzuwickeln.
2. Die Möglichkeit in Punkt 1 ist zwar nicht gegeben, jedoch erfüllt das Unter- nehmen ähnliche Verträge für gewöhnlich durch einen Nettoausgleich.
3. Für gewöhnlich (bei ähnlichen Verträgen) wird der Vertragsgegenstand vom Unternehmen angenommen und kurze Zeit später nach der Anlieferung wie- der veräußert, um Gewinne aus Preisschwankungen oder Händlermargen zu erzielen.
4. Der Vermögenswert, der Vertragsgegenstand ist, lässt sich jederzeit in Zah- lungsmittel umwandeln (bei commodities zulässig, wenn die Transportkosten vernachlässigbar sind[14] ).

Die Bezeichnung „ahnliche Vertrage" in Punkt 2 und 3 bezieht sich darauf, dass das Unternehmen in der Vergangenheit mit anderen Verträgen entsprechend verfahren ist. Wenn ein Unternehmen generell Waren, die aus einem Termingeschäft stammen, kurz nach der Lieferung wieder veräußert, handelt es sich beim Termingeschäft um ein derivatives Finanzinstrument, das nach IAS 39 bilanziert wird.[15] Die Bejahung der Punkte 1 und 4 führt zu einer weiteren Prüfung in Bezug auf geschriebene Optio- nen und eingebettete Derivate (hier nicht weiter behandelt), so dass entsprechende Verträge evtl. wie Derivate zu behandeln sind. Werden die Punkte 2 und 3 bejaht, sind die Verträge ohne weitere Prüfung sofort als Finanzinstrumente zu behandeln.[16]

3.3. Anforderungen an das Grundgeschäft

Als Grundgeschäfte gemäß IAS 39.78 sind Sachverhalte, deren gesicherte Risiken Erfolgswirkungen auf das Unternehmen haben können, zugelassen:[17]

1. bilanzierte Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten
2. bilanzunwirksame feste Verpflichtungen (firm commitments)
3. eine erwartete und mit hoher Wahrscheinlichkeit eintretende künftige Trans- aktion (highly probable forecast transactions)
4. Nettoinvestition in ausländische Geschäftsbetriebe (net investment in foreign operations).

IAS 39.78 lässt auch solche Grundgeschäfte zu, bei denen es sich um eine Gruppe (Portfolio) von mehreren Geschäften handelt, sofern sie ein vergleichbares Risiko- profil aufweisen. Nach IAS 39.76 i. V. m. IAS 39.AG110 lassen sich allgemeine Geschäftsrisiken (z.B. Veralterung von Waren oder Enteignung) nicht absichern, da kein identifizierbares und bestimmbares Risiko gegeben ist.[18] Nicht-finanzielle Pos- ten (z.B. Rohstoffe, Vorräte usw.) können gemäß IAS 39.82 entweder nur auf Wäh- rungsrisiken allein oder insgesamt in Bezug auf alle Risiken abgesichert werden. Der Grund dafür ist, dass eine Aufspaltung der fair value- oder cash flow-Änderung auf die einzelnen Risiken sehr schwierig ist.[19] Kuhn/Scharpf weisen im Zusammenhang mit Waren- und Rohstoffpreisrisiken darauf hin, dass die Bedingungen von gesicher- tem Geschäft und Sicherungsinstrument nicht immer übereinstimmen.[20] Beispiels- weise wird das Preisrisiko eines abzusichernden Grundgeschäfts (Kerosin-Kauf) durch ein Sicherungsinstrument (z.B. Rohöltermingeschäft) abgesichert. Bei diesem ÄFURVV KHGJH³[21] erfolgt die Absicherung des Grundgeschäfts durch ein Terminkon- trakt für eine ähnliche Ware. Solange die Sicherungsbeziehung nach IAS 39.88 eine hohe Wirksamkeit aufweist, sind unterschiedliche Bedingungen des Sicherungsin- struments und des Grundgeschäfts irrelevant. Neben dem Verbot der Designation derivativer Finanzinstrumente als Grundgeschäfte (IAS 39.IG F.2.1)

[...]


[1] Vgl. Kuhn/Scharpf (2006), Rz. 2000.

[2] Vgl. Wüstemann (2009), S. 169.

[3] Vgl. Coenenberg/ Haller/ Schultze (2009), S. 287.

[4] Vgl. Jamin/Krankowsky (2003), S. 503.

[5] Vgl. Löw (2005), S. 556; Freiberg (2007a) S. 56.

[6] Vgl. Steitz/Seethaler (2007), S. 397.

[7] Vgl. Lange/Löw (2004), S. 269.

[8] Vgl. Kuhn/Scharpf (2007), S. 358.

[9] Vgl. Schwarz (2006), S.222; Kuhn/Scharpf (2006), Rz. 2110.

[10] Vgl. Kuhn/Scharpf (2006), Rz. 301; Stauber (2009), S. 83.

[11] Vgl. IAS 32.8; IAS 32.AG20; IAS 39.5 und IAS 39.AG10.

[12] Vgl. Freiberg (2007b), S. 230.

[13] Vgl. Kuhn/Albrecht (2008), S. 123; Stauber (2009), S. 110f.

[14] Vgl. Freiberg (2007b), S. 230.

[15] Vgl. Kuhn/Albrecht (2008), S. 125.

[16] Vgl. Anhang Anlage 1: Prüfschema zur own use exemption.

[17] Vgl. IDW RS HFA 9 (2007), Rz. 312.

[18] Vgl. Schwarz (2006), S. 224.

[19] Vgl. IDW RS HFA 9 (2007), Rz. 315; IAS 39.82 und IAS 39.AG100.

[20] Vgl. Kuhn/Scharpf (2006), Rz. 2213.

[21] Vgl. Poitras (2002), S. 155.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Die Bilanzierung von Commodity-Sicherungsbeziehungen nach IFRS
Hochschule
Universität Hohenheim  (Rechnungswesen und Finanzierung)
Veranstaltung
Seminararbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V154673
ISBN (eBook)
9783640675371
ISBN (Buch)
9783640675616
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bilanzierung, Commodity-Sicherungsbeziehungen, IFRS
Arbeit zitieren
Lut Balci (Autor), 2009, Die Bilanzierung von Commodity-Sicherungsbeziehungen nach IFRS, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154673

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