Friedrich Nietzsche ist mit Sicherheit einer der umstrittensten Philosophen. Dies mag
zum einen an der Tatsache liegen, dass er – unverdienter Weise, wie ich meine, oft in
einem Atemzug mit dem Nationalsozialismus genannt wird, der sich gerne seiner
kraftvollen Worte bediente, wenn diese passend erschienen. Zum anderen liegt es
sicherlich aber auch an seiner Sprache – dem Schreibstil vieler seiner Schriften, die so
gar nicht in das Bild philosophischer Texte passen wollen. Nietzsches Schreibstil ist
innerhalb der Philosophie und sogar innerhalb der Literatur einmalig – ein Grund mehr
diesen einer genaueren Untersuchung zu unterziehen.
Nietzsche hat sich innerhalb seiner Schriften oft genug selbst zum Thema „Stil“
geäußert, weswegen auch auf seine eigenen Äußerungen eingegangen werden kann und
sogar muss, denn dies kann bei der Suche nach einer Beschreibung des Stils bei
Nietzsche nur dienlich sein. Hierbei ist jedoch Vorsicht angebracht – gerade bei
Nietzsche, denn nicht alles, was er sagte kann in gleicher Weise gewichtet werden.
Auch ist es fraglich, ob er immer auf das, was er äußerte, festgelegt werden kann und
muss.
Ausgehend von einer kritischen Betrachtung der Interpretation Martin Gaugers zu
Nietzsches „Lehre vom Stil“ soll anschließend untersucht werden, welcher Art
Nietzsches Stil in „Also sprach Zarathustra“ ist, und wie er ihn selbst beschrieb.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Nietzsches „Lehre vom Stil“
1.1 Entstehungsgeschichte
1.2 Gaugers Interpretation
2. Stil in „Also sprach Zarathustra“
2.1 Die „Lehre vom Stil“ als Maßstab?
2.2 Gleichnisse, Bilder und Sprechnähe
2.3 Stilistische Einordnung durch den Autor
Zusammenfassung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Schreibstil Friedrich Nietzsches, insbesondere im Hinblick auf seine „Lehre vom Stil“, und analysiert, wie sich diese stilistischen Prinzipien in seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ manifestieren oder von ihm selbst reflektiert werden.
- Analyse von Nietzsches selbst formulierten Maximen zur „Lehre vom Stil“.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Interpretation durch Hans-Martin Gauger.
- Untersuchung der stilistischen Besonderheiten in „Also sprach Zarathustra“ (z.B. Sprechnähe, Gleichnisse).
- Einordnung des Werkes durch Nietzsche selbst (halkyonischer Ton, Dithyrambus).
- Reflektion über die Beziehung zwischen Autor, Werk und der beabsichtigten Wirkung auf den Leser.
Auszug aus dem Buch
2.2 Gleichnisse, Bilder und Sprechnähe
„Also sprach Zarathustra“ ist Nietzsches sprachlich schönstes Werk – vielleicht sogar das sprachlich schönste philosophische Werk, das bis dato geschrieben wurde. Mit Sicherheit ist es Nietzsches bild- und sprachgewaltigstes Buch. Es weist viele stilistische Merkmale auf, die zum Teil für Nietzsches Schriften typisch sind, aber auch viele, die hier erstmals in dieser Deutlichkeit zu Tage treten.
Seinem historischen Vorbild folgend, lässt Nietzsche Zarathustra in prophetischer Form sprechen. Oft verkündet er dabei seine Lehren entweder, wie z.B. zu Beginn des Buches, zum Volk: Als Zarathustra in die nächste Stadt kam, die an den Wäldern liegt, fand er daselbst viel Volk versammelt auf dem Markte: denn es war verheissen worden, dass man einen Seiltänzer sehen solle. Und Zarathustra sprach also zum Volke: Ich lehre euch den Übermenschen. Der Mensch ist Etwas, das überwunden werden soll. Was habt ihr gethan, ihn zu überwinden?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Abschnitt führt in die Problematik von Nietzsches Schreibstil ein und erläutert die Zielsetzung, die Untersuchung der „Lehre vom Stil“ mit der Analyse von „Also sprach Zarathustra“ zu verknüpfen.
1. Nietzsches „Lehre vom Stil“: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Entstehungsgeschichte der Schrift „Zur Lehre vom Stil“ sowie der kritischen Aufarbeitung durch Hans-Martin Gauger.
1.1 Entstehungsgeschichte: Hier wird der biographische Kontext, insbesondere das Verhältnis zu Lou Salomé, als Hintergrund für die Entstehung der Schrift beleuchtet.
1.2 Gaugers Interpretation: Dieser Teil führt die zehn von Nietzsche aufgestellten Stilstile auf und gibt die Interpretation durch Hans-Martin Gauger wieder.
2. Stil in „Also sprach Zarathustra“: Hier beginnt die eigentliche Untersuchung des Stils im „Zarathustra“ und seine Einordnung als ein zusammenhängendes Werk.
2.1 Die „Lehre vom Stil“ als Maßstab?: Es wird diskutiert, ob und inwiefern Nietzsches „Lehre vom Stil“ als verbindlicher Maßstab für seine eigenen Werke herangezogen werden kann.
2.2 Gleichnisse, Bilder und Sprechnähe: Dieses Kapitel analysiert die stilistischen Mittel der Sprechnähe, die Verwendung von Bildern und Gleichnissen sowie die Besonderheiten der Dialogführung.
2.3 Stilistische Einordnung durch den Autor: Der Abschnitt befasst sich mit den von Nietzsche selbst verwendeten Begriffen wie „halkyonisch“ oder „Dithyrambus“ zur Beschreibung seines Werkes.
Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und hebt Nietzsches Individualstil sowie die Aufhebung der Grenze zwischen philosophischem Text und Fiktion hervor.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Also sprach Zarathustra, Lehre vom Stil, Schreibstil, Sprachphilosophie, Gauger, Sprechnähe, Gleichnisse, Dithyrambus, Halkyonisch, Individualstil, Philosophie, Literatur, Dionysos, Sprachgewalt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Nietzsches eigenen Stil, seine theoretischen Überlegungen dazu und wie er diese in seinem Hauptwerk „Also sprach Zarathustra“ praktisch umsetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die „Lehre vom Stil“, die stilistische Analyse von „Also sprach Zarathustra“ und Nietzsches Selbstreflexion zu seinem Schaffen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Nietzsches Stil als „Lehre“ zu verstehen und gleichzeitig zu prüfen, wie er diesen im „Zarathustra“ durch spezielle Ausdrucksmittel wie Sprechnähe und Bilder zur Anwendung bringt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine textanalytische Methode, basierend auf der kritischen Auseinandersetzung mit Nietzsches eigenen Schriften sowie einer Sekundärquelle (Gauger).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der „Lehre vom Stil“ inklusive Gaugers Interpretation sowie die detaillierte Analyse der Stilmittel im „Zarathustra“ und Nietzsches Selbstverständnis dazu.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Nietzsche, Zarathustra, Sprachstil, Lehre vom Stil, Sprechnähe und Dithyrambus charakterisiert.
Warum ist laut Autor Vorsicht bei der „Lehre vom Stil“ geboten?
Der Autor argumentiert, dass die Schrift unter spezifischen biographischen Bedingungen (Werben um Lou Salomé) entstand und Nietzsche zudem kein Systematiker war, der unumstößliche Wahrheiten aufstellte.
Wie definiert Nietzsche in diesem Kontext einen „guten“ Stil?
Für Nietzsche ist ein guter Stil primär ein Stil, der einen inneren „Zustand“ oder eine „Stimmung“ wirklich mitteilt und somit das Leben des Schreibenden überträgt.
Inwiefern nimmt „Also sprach Zarathustra“ eine Sonderstellung ein?
Das Werk hebt die klare Trennung zwischen philosophischen Texten (die auf Wahrheit zielen) und fiktionalen Prosatexten auf, indem es philosophische Thesen in eine fiktive, hochpoetische Form einbettet.
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- Tanja Stramiello (Author), 2003, Stilistische Verpflichtung? Nietzsches "Lehre vom Stil" und der Stil in "Also sprach Zarathustra", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/15467