Der Fall der Mauer als Groteske am Beispiel von Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir"


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Wendeliteratur und ihre Literaten
2.2 Thomas Brussigs Roman Helden wie wir
2.2.1 Das Groteske
2.2.2 Thomas Brussigs Roman Helden wie wir und der Gebrauch des Grotesken

3 Schluss

4 Literaturverzeichnis

Internet- Quellen

In meiner Arbeit verwende ich für eine bessere Lesbarkeit die männliche Form, gemeint sind jedoch die männliche sowie die weibliche Form.

1 Einleitung

„Immer schon ist die Geschichte der Nation die ihrer Texte und Kulturprodukte gewesen.”1

Am 09. November 1989 fiel die Mauer. Vor nunmehr zwanzig Jahren führte eine friedliche Revolution zur Wende, wodurch der Wiedervereinigung zweier jahrzehntelang getrennter deutscher Staaten der Weg bereitet wurde. Dieses Ereignis befreite die Bürger der ehemaligen DDR aus einem von Repressionen und Einschränkungen dominierten Staat. Es vollzog sich ein enormer Wandel im wirtschaftlichen, politischen, und kulturellen Bereich. Sie blickten einer für sie fremden Welt entgegen, in welcher die freie Marktwirtschaft, oder ein Leben ohne lokale Grenzen nur einen Abriss aller Veränderungen darstellten. Doch für viele DDR-Bürger bedeutete dieser Wandel ebenso ein Abschied von der Vergangenheit und den positiven Facetten ihres alten Systems, in welchem sie jahrzehntelang lebten. Ebenso erlebten die Bürger der alten Bundesländer die Umbruchsituation nach Abklingen der ersten Euphorie und Freude über wiedergewonnen Bekannte und Verwandte mit gemischten Gefühlen. Es wird offensichtlich, dass ein epochales Ereignis, wie der Fall der Mauer in den Menschen ein enormes Bedürfnis nach Mitteilung und Informationen auslöste. Die Literatur reagierte auf die Ereignisse und Bedürfnisse, und Autoren der ehemaligen DDR sowie der alten Bundesländer nahmen sich von der ersten Stunde nach der Wende der Thematik auf verschiedenste Weise an.

Im Zuge des 20jährigen Jubiläums zum Fall der Mauer widmete sich unser Seminar im Sommersemester 2009 dem Thema der Wende in Literatur und Film. Diesbezüglich sprach mich eine Sitzung im Besonderen an, welche sich dem Fall der Mauer auf ungewohnt amüsante Art zuwandte. Der Roman Helden wie wir von Thomas Brussig überzeugte mich in der Darstellung der zwei Vortragenden, wodurch mein Leseinteresse geweckt wurde. Ich fragte mich, ob und wie es dem Autor gelingen kann, in grotesker Weise über ein Ereignis zu schreiben, welches Millionen von Menschen immens emotional tangierte.

Dahingehend formuliere ich die Fragestellung, ob die Darstellung der Zustände bis zum Fall der Mauer in grotesker Manier tatsächlich sinnvoll und geeignet erscheint und darüber hinaus die Leser, wie Brussig beabsichtigt, zum Nachdenken und zur Aufarbeitung des Vergangenen bewegen kann.

Dieser Fragestellung wird sich die Hausarbeit im Folgenden unter Einbezug einer Vielzahl verschiedenster Lektüre und angesehener Wissenschaftler zuwenden. Zunächst wird sich unter 2.1 der Literatur der Wende bzw. den Wendeliteraten gewidmet, wobei verstärkt auf die junge Generation der Schriftsteller eingegangen werden soll. Insbesondere wird an dieser Stelle der Jungautor Thomas Brussig und sein Bestseller Helden wie wir näher beleuchtet (vgl. u.a. 2.2). Daraufhin folgt unter 2.2.1 ein Versuch, den komplexen Begriff der Groteske zu definieren, da dieser in Brussigs Werk ausgeprägte Anwendung findet. Es schließt eine Analyse des Romans unter dem Aspekt des Grotesken an (vgl. 2.2.2), wobei untersucht wird, welche Wirkung diesbezüglich beim Leser evoziert werden kann und welche Intention der Autor seinerseits hatte. Anschließend wird der Punkt 3 unter anderem in Erfahrung bringen, in welchem Umfang Brussig seinem angestrebten Ziel, mit seinem Roman der Aufarbeitung zu dienen, gerecht werden konnte, oder ob sich das Groteske als ungeeignet herausstellt.

2 Hauptteil

2.1 Wendeliteratur und ihre Literaten

Wie eingangs erwähnt, bestand nach dem Fall der Mauer ein beträchtliches Begehren der Bevölkerung in Ost und West danach, das Geschehene jener bewegten Tage und Monate nach dem 9. November, welches oftmals von Angst und vor allem Ungewissheit begleitet wurde, aufzuarbeiten. Ebenso galt es, sich der Bewältigung der vorangegangen Jahrzehnte zu widmen. Somit, oder gerade deshalb thematisieren in den folgenden Jahren Literaten beider ehemals getrennter Staaten die Wende. Hierfür wurde der Begriff “Wendeliteratur” prägend. Laut Hans-Georg Soldat ist anzumerken, dass jedoch signifikante Unterschiede zwischen der Wendeliteratur der Autoren des ehemaligen DDR-Gebiets und derer der Bundesrepublik Deutschland bestanden. Dies sei nach Soldat auf den jeweiligen Grad der Involviertheit sowie die verschiedenartigen Erfahrungen, welche beide Seiten machten, zurückzuführen. So diene die Wende jenen westlichen Autoren oftmals lediglich als Folie, ihre „Geschichte zu veredeln”2. Vor allem ostdeutschen Schriftstellern der frühen Jahre nach der Wende dienen ihre Werke unter anderem der Verarbeitung eigens erlebter Vergangenheit. Einerseits werden Erfahrungen des Verlustes thematisiert. So schreiben Autorinnen, wie Brigitte Burmeister, oder Daniela Dahn, in melancholischer Stimmung über Gefühle des Abschieds von Heimat und zuvor geltenden Zuständen.3 Hingegen zeugen andere Werke von Zorn und Wut über die jahrelange Unterdrückung und dienen wie bei Monika Maron der Abrechnung mit der DDR-Vergangenheit.4 In den folgenden Jahren verlagert sich durch tiefgreifende Ereignisse, wie der Möglichkeit, in Stasi-Akten Einsicht zu erlangen, der Schwerpunkt des Schreibens auf die Frage nach Schuld und Mitschuld. Die damit verbunden Gefühle werden durch die Künstler an die Leserschaft herangetragen, wodurch beide Seiten lernen können, mit der Situation umzugehen und Vergangenes zu verstehen, oder auch zu verzeihen.

Erst fünf Jahre nach der Wende vollzieht sich ein merklicher Wandel in der Literatur. Die zuvor meist bedrückende, angespannte Stimmung, welche vorrangig in Texten zur Wende und zur Verarbeitung dieser Gebrauch fand, weicht fortan einem humorvolleren Ton. Mit neuen Mitteln und auf witzige und satirische Weise stellt man sich nun der Vergangenheitsbewältigung und den Problemen der Gegenwart, welche aus der durchlebten Geschichte resultieren. Dieser Trend wird vor allem durch die Generation junger Schriftsteller, welche sich dem Wendetopos zuwenden, fortgesetzt. Hierzu zählen unter anderem Thomas Hettche, Bernd Schroeder, und Barbara Sichtermann.5

Es wurde ersichtlich, dass eine Vielzahl verschiedenster Genres und Themenspektren aufgegriffen wurde, um sich dem Prozess der Wende literarisch anzunehmen. Dennoch herrscht bis Mitte der 1990er Jahre eine gewisse Orientierungslosigkeit innerhalb der deutschen Bevölkerung und die schier endlose Suche nach dem Wenderoman schlechthin. Zwei Romane konnten bisher diesem Anspruch gerecht werden. 1994 erschien Günter Grass literarisches Werk Ein weites Feld, welchem 1995 Thomas Brussigs Roman Helden wie wir folgte. Letzterer konnte durch seine „breitenwirksame Umsetzung”6 bei allen Gesellschaftsschichten und generationsübergreifend Anklang finden. Im Besonderen jedoch verzeichnete er bei jüngeren Lesern Erfolge7, da seine Texte ohne Verbissenheit und Zorn verfasst wurden. In den folgenden Jahren schaffte es kein weiterer Roman, diesen Status zu erlangen.

2.2 Thomas Brussigs Roman Helden wie wir

Im Weiteren wird sich diese Arbeit einem der erfolgreichsten Wenderomane widmen. Thomas Brussigs Helden wie wir überzeugte eine breite Leserschaft durch seinen außergewöhnlich frischen und lockeren Stil. Der Autor beabsichtigte mittels eines für diesen Themenbereich zuvor weniger gebrauchten Stilmittels, des Grotesken, die enormen Missstände und die „sozialistische Perversion”8 des ehemaligen DDR-Systems aufzeigen. Darüber hinaus schuf er einen „grotesken Mythos”9 zum Fall der Mauer.

Dieser Darstellungsform der Ereignisse bis zum Tag der Wende wird sich im Weiteren zugewandt werden.

[...]


1 vgl. Stephan/Tacke, 2008. S. 8.

2 vgl. Schröter, 2003. S.18.

3 vgl. Platen, 2006. S.15f.

4 vgl. Wehdeking, 1995. S.36.

5 vgl. Wehdeking, 1995. S.14.

6 vgl. Schröter, 2003. S. 103.

7 vgl. Fischer/Roberts, 2007. S.265.

8 vgl. Reimann, 2008. S. 258.

9 ebd., S. 265.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Fall der Mauer als Groteske am Beispiel von Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir"
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
2,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V154690
ISBN (eBook)
9783640675401
ISBN (Buch)
9783640675630
Dateigröße
552 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fall, Mauer, Groteske, Beispiel, Thomas, Brussigs, Roman, Helden wie wir, Wendeliteratur
Arbeit zitieren
Babette Treptow (Autor), 2009, Der Fall der Mauer als Groteske am Beispiel von Thomas Brussigs Roman "Helden wie wir", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154690

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