Der Städtebau und dessen Leitbilder in der DDR


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
33 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leitbilder im Städtebau

3. Planung/ Bau in der SBZ bis 1949 - Eine Orientierungsphase

4. Wiederaufbau der Städte bis 1955
4.1 Gesellschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen
4.2 Leitbilder in der ersten Phase des Städtebaus in der DDR
4.2.1 Leitbild der nationalen Bautraditionen

5. Industrialisierung des Bauwesens
5.1 Auswirkungen auf Städtebau

6. Städtebau in den 60er Jahren
6.1 Städtebauliche Entwicklung und Herausbildung eines neuen Leitbilds
6.2 Fortführung Wiederaufbau und Umgestaltung der Stadtzentren
6.3 Die Architektur der Bildzeichen

7. Der komplexe Wohnungsbau
7.1 Der sozialistische Wohnkomplex
7.2 Gesellschaftliche Einrichtungen

8. Der Städtebau in den 70er Jahren
8.1 Das Wohnungsbauprogramm der SED

9. Stadterneuerung und innerstädtisches Bauen in 80er

10. Kennzeichen sozialistischer Städte als Ergebnis der städtebaulichen Entwicklung in der DDR 1949-1989

B. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Entstehung eines städtebaulichen Leitbildes

Abb. 2: Beispiel für Ziegelmauerwerkbauten aus Trümmermaterial

Abb. 3: Beispiele für städtebauliche Ensembles entlang einer Magistrale

Abb. 4: Hoyerswerda (Schrägluftbild)

Abb. 5: Variabilität in der Bebauungsstruktur von Großwohnsiedlungen 1955-1975

Abb. 6: Berlin, Karl-Marx-Allee – Beispiel eines sozialistischen Wohnkomplexes

Abb. 7: Schematischer Aufbau eines „sozialistischen Wohnkomplexes“

Abb. 8: Hierarchisierung der städtischen Zentren am Beispiel Leipzig

Abb. 9: Mittel der Kleinarchitektur zur Linderung der Monotonie in Wohngebieten

Abb. 10: Resultate des Wohnungsbauprogrammes der SED in den 1970er Jahren: Großwohnsiedlungen am Stadtrand

Abb. 11: Beispiele für innerstädtisches Bauen in den 1980er Jahren

Abb. 12: Bedeutung verschiedener Formen der Wohnungsproduktion von 1960 – 1898

Abb. 13: Großwohnsiedlungen in der DDR

1. Einleitung

Städte sind das Abbild gesellschaftlicher Verhältnisse und Prozesse. Deshalb ist es nicht ver-wunderlich, dass die Gestalt ostdeutscher Städte westdeutschen Städten in vielerlei Hinsicht nicht ähnelt, unterlagen beide Staaten über Jahrzehnte unterschiedlichen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen. Diese manifestierten sich in der städtebaulichen Gestalt, denn systembedingt kamen verschiedene Stadtentwicklungsprozesse zum Tragen. Diese wurden geleitet von städtebaulichen Leitbildern, die sich im Laufe der 40-jährigen Geschichte der DDR mehrmals veränderten und damit u.a. zu Verschiebungen in den städtebaulichen Schwerpunkten führten.

Der mit dem Sozialismus verbundene Zentralismus staatlicher Funktionen spiegelte sich auch im Städtebau wider. Er war nur den wirtschaftspolitischen Prämissen untergeordnet, da man sich uneingeschränkt den staatlichen Vorgaben verpflichtet hatte[1]. Die SED als oberstes Staatsorgan lenkte den Staatsaufbau inkl. des Städtebaus in zentralistischer Manier. Deren politische Entscheidungen auf den Parteitagen und Konferenzen hatten maßgeblichen Einfluss auf die Phasen der städtebaulichen Entwicklung, die sich auch durch unterschiedliche Leitbilder und Leitlinien auszeichneten.

Die bauliche Entwicklung der Stadt stand im Vordergrund, da „die Stadt der sozialistischen Gesellschaft – als kulturvollste und wirtschaftlichste Form der menschlichen Siedlungen“[2] galt. Das Ziel war die Entwicklung eines sozialistischen Stadttyps, der abhängig von den gesellschaftspolitischen Grundlagen des Sozialismus und dem Stand der Entwicklung der Produktivkräfte, so gestaltet werden sollte, dass die Stadtgestalt auch die Stärke und Macht des Sozialismus repräsentieren würde. Die SED verstand die Architektur in diesem politisch selbstdarstellerischen Sinne und wirkte dementsprechend auf den Städtebau ein.

Diese Prämissen konnten gut umgesetzt werden, da sich mit den Kriegszerstörungen und dem Wieder-aufbau die Chance bot, neue politische Ansichten auch städtebaulich umzusetzen. „Bis zum Ausgang des 2. Weltkriegs waren diese sozio- ökonomischen Bedingungen im gesamten Deutschland im Prinzip gleichartig. Mit der fortschreitenden Spaltung Deutschlands und der damit verbundenen Integration beider deutschen Staaten in unterschiedliche Gesellschaftssysteme ändern sich auch die Voraussetzungen für Raumordnung und Städtebau in Ost und West.“[3].

Die Ausprägungen des politisch beeinflussten Aufbaus sozialistischer Städte lassen sich drei verschiedenen Kategorien zuordnen. Es gab erstens Städte, die gemäß neuer Vorgaben überprägt worden sind, um einen neuen städtebaulichen Charakter zu erzeugen, es wurden zweitens ganze Städte neu gegründet und es kam drittens zu großmaßstäblichen Stadterweiterungen, unmittelbar neben bereits vorhandenen Städten.

Diese Arbeit soll die Entwicklung des Städtebaus in der DDR nachvollziehen und aufzeigen, welche Leitbilder für die Stadtgestalt verantwortlich sind. Dabei wird den politischen Entscheidungen und deren Einflüsse auf den Städtebau besondere Beachtung geschenkt, da diese die städtebaulichen Entwicklungen in der DDR überhaupt erst möglich gemacht haben.

2. Leitbilder im Städtebau

Die Diskussion städtebaulicher Leitbilder begann in den 1950er Jahren. Die Bedeutung, die der Leitbildbegriff im Nachkriegsjahrzehnt gewann, ist eng verknüpft mit dem starken und schnellen Städtewachstum dieser Zeit. Die Suche nach städtebaulichen Modellvorstellungen wurde zur raum- und städteplanerischen Hauptaufgabe. In einer Arbeit von Streich (1988) wird dieser Thematik auf den Grund gegangen. Der Leitbildbegriff wird aus philosophischer, theologischer, psychologischer, soziologischer und pädagogischer Sicht definiert. Demnach sind städtebauliche Leitbilder „dominierende und übergreifende, verdichtete und bildlich fassbare Zielkonzepte, die immer auf einem gewissen kollektiven Grundkonsens beruhen und mit utopischen, manchmal auch modischen Momenten durchsetzt sind“ (Streich, 1988, 133). Ihre Aufgabe ist es, städtebauliche Entwicklungen zu steuern und auf geltende, dominante Zielkonzepte auszurichten.

Diese Aufgabe zu erfüllen, bedingt die Existenz von Leitbildern, und zwar muss eine bestimmte, gewünschte Ordnung als Zielvorstellung formuliert und anerkannt werden. Diese dient dann als Vorbild und wird so gut es geht nachgeahmt. Der Ursprung solcher Leitvorstellungen hängt von konkreten regionalen und überregionalen Bindungen ab.

Dies ist insbesondere im Städtebau der DDR nachvollziehbar, denn – wie noch zu zeigen sein wird – die städtebaulichen Entwicklungen und deren Leitvorstellungen in der ehem. Sowjetunion haben Vorbildfunktion für die DDR. Nach deren Gründung haben sowjetische Planungs- und Baumethoden einen starken Einfluss, der sich bis weit in die 1960er Jahre hinein hält. Erst danach, in den 1970er/1980er Jahren sind städtebauliche Entwicklungen aufgetreten, die in der Form nicht zuvor auch in der Sowjetunion zu beobachten waren und somit den schwindenden Einfluss der Sowjetunion im Städtebau der DDR belegen.

Aber nicht jede städtebauliche Konzeption hat Leitbildcharakter, erst deren Dominanz über andere Konzeptionen kann als Indikator für eine Leitbildwirkung dienen. Laut Streich (1988, 133) ist diese Dominanz anhand der tatsächlichen Realisierung und der Bezugnahme in der Literatur quantifizierbar.

Die Entstehung eines Leitbildes kann in vier Phasen unterteilt werden[4]. Es beginnt mit einem Problem, beispielsweise Kritik an Struktur- und Gestaltungsmustern, das den Impuls zur Suche nach Lösungskonzepten auslöst. Ist dann ein Konsens über ein bestimmtes Konzept zur Lösung des Problems gefunden, kann dieses in einer nächsten Phase realisiert werden. Ein Leitbildwechsel, wie er mehrfach auch in der DDR vollzogen worden ist, äußert sich als Kreislaufprozess dieser soeben geschilderten Phasen der Leitbildentstehung und deren Verfall. Als Kreislauf, da das Verwerfen oder Überdenken eines noch bestehenden Leitbildes aufgrund von Konflikten, Anomalien oder Missständen durch technologische oder soziale Entwicklungen gleichzeitig auch die erste Phase eines möglichen künftigen Leitbildes darstellt (vgl. Abb. 1)[5].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Entstehung eines städtebaulichen Leitbildes;

Quelle: Streich, 1988, 76.

Probleme, die oft mit städtebaulichen Leitbildern verbunden sind, sind zum einen deren leerformelhafter Charakter, da theoretischen Vorgaben mitunter nicht klar definiert sind, und zum anderen besteht wegen der Nachahmung des Leitbildes die Gefahr zu großer Generalisierung.

3. Planung/ Bau in der SBZ bis 1949 - Eine Orientierungsphase

Bis zum Jahr 1949 ist im Städtebau der sowjetischen Besatzungszone keine städtebauliche Leitvorstellung erkennbar. Die Hauptaufgabe bestand in der Beseitigung der Kriegsschäden und Bereitstellung von nutzbaren Wohnungen. Die wenigen vorhandenen Baumaterialien und Fachkräfte ermöglichten anfangs nur eine notdürftige Instandsetzung nicht abbruchwürdiger Bausubstanz. Daraus ließ sich keine städtebauliche Leitkonzeption ableiten, vielmehr war die Nachkriegsphase von einem Anknüpfen an städtebauliche und architektonische Leitbilder der 1920er Jahre geprägt, wobei in zunehmendem Maße der Einfluss der Besatzungsmacht zu spüren war. Der Neubau von Wohnungen stand noch nicht zur Debatte, da die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen Wiederaufbau nicht gegeben waren. Sehr belastend wirkten sich die an die Sowjetunion zu zahlenden Reparations-leistungen aus.

Der Wohnungsbau wurde zugunsten des Wiederaufbaus der Industrie vernachlässigt, weshalb die knappen Baustoffe primär hierfür genutzt worden sind. Erst ab 1947 kam es zu ersten Neubauaktivitäten im Wohnungsbereich, die sich auf Berlin und einige andere Industriezentren konzentrierten. Es waren i.d.R. traditionelle Ziegelmauerwerkbauten aus Trümmermaterial, städte-baulich nicht sehr anspruchsvoll, mit kleinen Wohnungsgrundrissen und bescheidener Ausstattung (siehe Abb. 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiel für Ziegelmauerwerkbauten aus Trümmermaterial (Leipzig, Käthe-Kollwitz-Straße 93);

Quelle: Topfstedt, 1999, 456.

Trotz alledem musste die Trümmerbeseitigung fortgesetzt werden. Noch bis in die 1960er Jahre hinein war das Räumen von Trümmerflächen aktuell. Um die spätere Neuordnung beim Wiederaufbau der Städte ermöglichen zu können, wurden in stark zerstörten Städten wie Berlin, Karl- Marx- Stadt oder Neubrandenburg nach dem Prinzip Kahlschlag und Neubau von Wohnquartieren Freiflächen geschaffen, die später bebaut werden konnten[6].

Die Aktivitäten auf planerischer Ebene waren viel weiter fortgeschritten. Die Städtebauer konnten sich auf konzeptionelle Arbeiten konzentrieren, da keine größeren städtebaulichen Vorhaben realisiert worden sind. Im Übrigen war man sich einig, nicht den Ausgangszustand wiederherzustellen, sondern die Stadtstrukturen mit Hilfe entsprechender baulicher Maßnahmen funktionell zu verbessern. Kennzeichnend für diese Phase waren daher zahlreiche städtebauliche Wettbewerbe, die mögliche Lösungswege für den Wiederaufbau aufzeigten[7].

4. Der Wiederaufbau der Städte bis 1955

Der Zeitraum von der Gründung der DDR im Jahre 1949 bis 1955 ist eine der wesentlichsten Phasen des Städtebaus der DDR. Dass dieser Zeitraum auch als „Stalinisierungsphase“ bezeichnet wird, zeigt dass sich der Einfluss der Sowjetunion deutlich verstärkte und im Endeffekt in vielerlei Hinsicht, u.a. im Städtebau, zum alleinigen Vorbild avancierte. Es kam zur Herausbildung eines ersten städtebaulichen und architektonischen Leitbildes, den „ Nationalen Bautraditionen “. Zuvor wurden im Jahre 1950 zwei wichtige Rahmenbedingungen für den Entwicklungsprozess der Städte geschaffen. Die „ 16 Grundsätze des Städtebaus “ und das „ Aufbaugesetz “ waren entscheidende Voraussetzungen für die Herausbildung des sozialistischen Städtebaus in der DDR.

4.1 gesellschaftliche und gesetzliche Rahmenbedingungen

Eine erste wichtige Maßnahme war die Integration des Bauwesens in die Volkswirtschaftsplanung im Zweijahresplan 1949/50 als Ergebnis der Parteiplanung der SED 1948. Damit wurde die Bauindustrie Teil der staatlich gelenkten Planung und unterlag im Folgenden auch dem Zwang des Erreichens vor-gegebener Planzahlen. Damit war der Weg für den parteilichen Einfluss der SED auf das Bauwesen in seiner Gestalt und seinem Ausdruck frei. Lammert (1979, 14f.) beschreibt die Wirkung dieses Beschlusses so: „[…] die feste Einordnung des Städtebaus in die gesamte gesellschaftliche und volks-wirtschaftliche Planung ermöglichen es, die Errungenschaften des wissenschaftlich- technischen Fortschritts voll anzuwenden und unter Berücksichtigung der vorauszusehenden dynamischen sozialen, kulturellen, technischen und ökonomischen Veränderungen die Entwicklung der Städte und Dörfer langfristig zu planen.“

Mit der Gründung der DDR war noch nicht sofort der Startschuss für die Suche nach einem verbind-lichen städtebaulich-architektonischem Leitbild gegeben. Zuvor galt es die Machtstrukturen einzurichten und institutionell zu festigen. Gedanklich befasste man sich natürlich in den entsprechenden Kreisen schon mit dem neu zu schaffenden Antlitz der wieder aufzubauenden Städte. Jedoch war man sich nicht sicher, in welche Richtung sich das Stadtbild zu entwickeln hatte. Hier gab die Sowjetunion den entscheidenden Impuls. Im Jahre 1950 machte sich eine Delegation von Architekten und Funktionären auf den Weg nach Moskau, um dort „die jüngsten Erfahrungen der sowjetischen Bauleute beim Wiederaufbau ihrer kriegszerstörten Städte zu studieren“ und sich „die Erkenntnisse der sowjetischen Bauforschung und Architekturtheorie anzueignen und sie auf die Verhältnisse in der DDR umzusetzen“ (Bauakademie der DDR, 1989, 7f.). Anhand der Eindrücke auf dieser 6-wöchigen Reise, die quasi einer „Lektion“ (Düwel und Gutschow, 2001, 165) in sozialistischem Städtebau gleichkam, wurden die „16 Grundsätze des Städtebaus“ formuliert. Darin werden die städtebaulichen Planungen für Moskau als vorbildhaft für den sozialistischen Städtebau eingestuft. Sie gewannen schnell großen Einfluss in der praktischen und theoretischen Stadtplanung und wirkten auch darüber hinaus in anderen Bereichen stark mobilisierend, weil „sie in einer Phase der Trümmerbeseitigung der Stadt eine faszinierende Perspektive gaben“ (Lammert, 1979, 42).

Als weitere Voraussetzungen für den zukünftigen planmäßigen Aufbau der Städte der DDR wurde nur kurze Zeit nach dem Beschluss der „16 Grundsätze des Städtebaus“ das „Aufbaugesetz“ von der SED- Regierung verabschiedet. Hinzu kommt die Gründung der Deutschen Bauakademie (DBA) Ende 1951.

Durch das Aufbaugesetz wurde die Bodenordnung verändert, der private Grundstücksmarkt wurde ausgeschaltet und die Verfügungsgewalt über Grund und Boden ging über auf den Staat. Dadurch konnten problemlos solche Flächen enteignet werden, die der Staat für seine volkseigenen Bauvorhaben vorsah. Damit war der Weg für eine „sozialistische Umgestaltung der Stadtzentren“ geebnet (Wallert, 1974, 177). Mit der Grundsteinlegung zum Bau der Stalinallee im Februar 1952 wurde das Nationale Aufbauprogramm initiiert, welches sich zum wichtigsten Bauprojekt in der ersten Hälfte der 1950er Jahre entwickelte. Der Fokus lag anfangs verständlicherweise auf dem Wiederaufbau der Hauptstadt Berlin, aber im Jahre 1953 wurde das Programm auf weitere ausgewählte Städte ausgeweitet und avancierte somit zum entscheidenden Impulsgeber für den landesweiten Wiederaufbau. Insgesamt wurden 53 Städte zu Aufbaugebieten erklärt, wovon einige, z.B. Rostock, Dresden und Magdeburg, vorrangig zu behandeln waren. Hierfür eignete sich das neu geschaffene Aufbaugesetz hervorragend, denn der Wiederaufbau konzentrierte sich in den zerstörten Stadtzentren, in denen infolge der Grundstücksenteignungen große Bauareale zur Umgestaltung der Städte verfügbar gemacht worden sind. Um die in den „16 Grundsätzen des Städtebaus“ formulierten städtebaulichen Zielvorstellungen beim sozialistischen Neuaufbau der zentralen Bereiche der Aufbaustädte umsetzen zu können verfolgte man das Prinzip „Kahlschlag und Neubau“, dem neben abbruchwürdiger auch ein nicht unwesentlicher Teil noch erhaltenswürdiger, teilweise historisch wertvoller Bausubstanz zum Opfer fiel[8]. Der Erfolg des Aufbauprogramms hielt sich jedoch in Grenzen, denn in vielen Fällen wurde ohne entsprechende Aufbaupläne begonnen, nur 10 der 53 Aufbaustädte verfügten im Jahre 1955 über Generalbebauungspläne[9].

Die Deutsche Bauakademie war die ideologische und wissenschaftliche Leitinstitution des Bauwesens. Ihre Aufgabe bestand in der Konzeption städtebaulich- architektonischer Planungen, die in Realität umzusetzen waren und gleichzeitig den ideologischen Ansprüchen entsprachen. Sie spielte ferner bei der Erforschung kostensenkender Baumaßnahmen eine gewichtige Rolle. Das diese für den Städtebau sehr bedeutende Institution dem Zentralkomitee der SED unterstand, und somit alle wichtigen städtebaulichen Entscheidungen politisch beeinflusst worden sind, ist typisch für die institutionelle Gliederung des zentralistischen Staates.

[...]


[1] Vgl. Hohn, 1990, 605.

[2] Lammert, 1979, 14.

[3] Richter, 1974, 183.

[4] Siehe Streich, 1988, 74ff. .

[5] Ebenda, 84.

[6] Vgl. Richter, 183f. .

[7] U.a. in Dresden (1946) und Rostock (1947).

[8] Vgl. Heineberg, 2000, 224.

[9] Bauakademie der DDR, 1989, 13.

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Der Städtebau und dessen Leitbilder in der DDR
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Institut für Geowissenschaften)
Veranstaltung
Oberseminar Wirtschafts- und Sozialgeographie
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
33
Katalognummer
V154745
ISBN (eBook)
9783640674411
ISBN (Buch)
9783640674626
Dateigröße
1683 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sozialismus, DDR, Leitbild, Städtebau, Stadtzentrum
Arbeit zitieren
Dipl.-Geograph Daniel Sehnert (Autor), 2004, Der Städtebau und dessen Leitbilder in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154745

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