Das Verständnis des Glaubens bei Dietrich Bonhoeffer unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur


Bachelorarbeit, 2010

36 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzbiografie von Dietrich Bonhoeffer

3. Die Zeit von 1933- 1945
3.1 Die Stellung der Kirche im Dritten Reich
3.2 Christen und Kirche im Zwiespalt zwischen Anpassung und Widerstand
3.3 Kirche und Staat vor der Judenfrage

4. Glaube ist
4.1 Glaube ist Kirche
4.2 Glaube ist Christus
4.3 Glaube ist Nachfolge

5. Interpretation des Gedichts „Christen und Heiden“ im Kontext

6. Schluss

7. Literaturverzeichnis
7.1 Quellen
7.2 Hilfsmittel
7.3 Sekundärliteratur

8. Anhang
Anhang 1: Umfrage „Glaube und Dietrich Bonhoeffer“
Anhang 2: 25-Punkte-Programm der NSDAP
Anhang 3: Gedicht Christen und Heiden

1. Einleitung

Wer die Zeit von 1933 bis 1945 im kirchlichen Kontext betrachtet, wird immer wieder auf den Namen Dietrich Bonhoeffer stoßen. Dietrich Bonhoeffer ist für viele Christen ein Begriff und wird weltweit als Märtyrer verehrt.[1] Dies bestätigte sich ebenfalls in meiner unternommenen Umfrage zum Thema „Glaube und Dietrich Bonhoeffer“.[2] Bei dieser Umfrage gaben etwas über 70 % der Befragten im Alter von neun bis 86 Jahren an, den Namen Dietrich Bonhoeffer schon einmal gehört zu haben. In etwa genauso viele konnten sogar zusätzlich noch etwas über Dietrich Bonhoeffer aufschreiben. Dabei kam ganz deutlich zum Ausdruck, was mit diesem Mann in Zusammenhang gebracht wird. Am häufigsten wurde folgendes Bild mit ihm assoziiert: Er war Theologe zur Zeit des Nationalsozialismus, Widerstandskämpfer mit einem starken Glauben und wurde am Ende für seine Bemühungen verhaftet und umgebracht. Ob dieses Bild richtig ist, wird unter anderem in der vorliegenden Arbeit betrachtet. Aus Interesse an der Zeit des Nationalsozialismus entstand dieser Arbeit. Dieses Interesse scheint der geschichtlichen Greifbarkeit verdankt zu sein. Noch gibt es Zeitzeugen, mit denen man über diese Jahre reden kann. Während des Schreibens dieser Arbeit sprach ich mit einem Bekannten, der in dieser Zeit aufwuchs und auch in Kriegsgefangenschaft war. Er konnte mir viel erzählen, umso erstaunter war ich, als sich im Gespräch herausstellte, dass ihm Dietrich Bonhoeffer nur vom Namen her ein Begriff ist.

Auch in der Literatur findet man viel über Dietrich Bonhoeffer. Zu dem einen Gebiet mehr, zu dem anderen weniger. Vor allem Eberhard Bethge hat sich intensiv mit Dietrich Bonhoeffer beschäftigt. Doch nur wenige setzten Schwerpunkte in ihren Auseinandersetzungen mit Dietrich Bonhoeffer. Zu diesen Wenigen gehören Jürgen Henkys, welcher die Gefängnisgedichte interpretierte und Roland Biewald, der dem Adressaten seine Überlegungen zum besseren Verständnis Bonhoeffers näher bringt. Die Fragen, die mich bewegten wurden nirgends ausführlich thematisiert: Was verstand man in dieser Zeit eigentlich unter Glauben? War Glaube überhaupt möglich? Was war Glaube für Dietrich Bonhoeffer?

Ziel dieser Arbeit ist es, diese Fragen zu beleuchten und Antworten zu finden. Nachdem zu Beginn ein kurzer Überblick über das Leben Dietrich Bonhoeffers zu finden ist, wird zuerst einmal die Stellung der Kirche und Menschen der damaligen Zeit betrachtet. Anschließend an die Bedingungen der Zeit des Nationalsozialismus wird konkret auf Bonhoeffers Glaubensverständnis eingegangen. Eine Gedichtsinterpretation wird beispielhaft für Bonhoeffers Glaubens- und Lebensweg die gesammelten Erfahrungen der vorherigen Kapitel zum Abschluss bringen.

2. Kurzbiografie von Dietrich Bonhoeffer

Dietrich Bonhoeffer wurde zusammen mit seiner Zwillingsschwester Sabine am 4. Februar 1906 in Breslau geboren. Sein Vater war Karl Bonhoeffer, ein Neurologe und Professor für Psychiatrie, der mit Paula geb. von Hase verheiratet war. Dietrich Bonhoeffer wuchs mit sieben Geschwistern auf und hatte bis auf eine Blinddarmoperation eine behütete Kindheit. 1912 zog Familie Bonhoeffer nach Berlin, weil der Vater Dietrichs den Lehrstuhl für Psychiatrie und Neurologie in Berlin übernahm.[3]

„Berlin wurde und blieb für Bonhoeffer die bestimmende Stadt: das kaiserliche, das republikanische und das zögernd nationalsozialistisch gewordene Berlin; das liberale und das kirchliche, das konservative und das weltoffene Berlin |…|“[4]

Ab 1913 besuchte Dietrich das nahegelegene Friedrich-Werdersche-Gymnasium und wechselte bald auf das Grunewald-Gymnasium. Dietrich Bonhoeffer war ein begabtes Kind, welches mit zehn Jahren Mozartsonaten vorspielte und später eine Kantate über den Psalm 42 schrieb. Im Jahr 1923 bestand Bonhoeffer das Abitur und wollte seinen Kindheitswunsch, Theologe zu werden, erfüllen. Nach Familientradition studierte er die ersten beiden Semester in Tübingen. In Tübingen war Dietrich Mitglied der Jugendbewegung „Igel“, mit der er für zwei Wochen Soldat wurde, seine einzige militärische Erfahrung. Aufgrund der politischen Lage setzte Bonhoeffer, nach einem Zwischensemester in Rom, das Studium in Berlin fort. Bereits während seines Studiums begann er mit 19 Jahren seine Doktorarbeit und seinen praktischen Dienst. Mit 21 schloss Dietrich Bonhoeffer seine Dissertation ab.

„Gerade jetzt, als der akademische Weg offen stand, begann ihn der Weg zur Kanzel mehr zu reizen als der zum Katheder. Bonhoeffer entschied sich für die kirchliche Ausbildung.“[5]

Er absolvierte das anschließende Vikariatsjahr in Barcelona und die kirchliche Prüfung zur Ordination erfolgreich. Während Bonhoeffer noch auf seine Berechtigung zur Ordination warten musste, schob er ein Studienjahr in Amerika ein. Ab 1931 war Dietrich Bonhoeffer Privatdozent, Studentenpfarrer und Hilfsprediger. Fünf Jahr später durfte er das akademische Amt nicht mehr ausüben. Mit der Machtergreifung Hitlers 1933 befand sich Bonhoeffer in Konfrontation gegenüber dem Führer. Dietrich Bonhoeffer trat in den Kirchenkampf ein, zog sich aber zurück und beteiligte sich an der Gründung des Pfarrernotbundes. 1933 bis 1935 war er Gemeindepfarrer in London und wollte Abstand zu der politischen Situation in Deutschland gewinnen, was ihm aber nicht glückte. Ab 1935 arbeitet Dietrich in einem Predigerseminar der Bekennenden Kirche.[6] „|…| die beruflich und menschlich ausgefüllteste Zeit |…|“[7] 1936 besuchte Bonhoeffer mit Seminaristen Schweden. Zusammen mit Eberhard Bethge fuhr er im selben Jahr aus kirchenpolitischem Interesse zur ökumenischen Konferenz nach Chamby. Im Anschluss an die Konferenz verbrachte Dietrich Bonhoeffer ein paar Tage in Italien, um Abstand zu gewinnen. Während sich die politische Lage weiterhin verschlechterte, hatte die Bekennende Kirche 1938 ihren Tiefpunkt. Dietrich erhielt ein Aufenthaltsverbot für Berlin, um jegliche Kommunikation mit Bekannten zu unterbinden. 1939 war Bonhoeffer in England bei seiner emigrierten Zwillingsschwester zu Besuch und plante von dort einen „Urlaub“ nach Amerika. Als Dietrich Bonhoeffer in Amerika war, standen ihm alle Türen offen, wie nur wenigen. „Dann kam der 20. Juni 1939, der über Bonhoeffers Leben entschieden hat.“[8] Dietrich entschloss sich nach Deutschland zurück zu kehren. Im März 1940 nahm er seine Arbeit wieder auf, die jedoch kurze Zeit später unterbunden wurde. Bonhoeffer und Eberhard Bethge wurden durch den Bruderrat zu Visitatoren und „|…| reisten im Sommer durch ostpreußische Gemeinden.“[9] Dietrich Bonhoeffer arbeitete weiterhin am Widerstand der Kirchen mit und unternahm Reisen nach Schweden, Norwegen, Italien und in die Schweiz, aufgrund seiner Pass- und Visamöglichkeit. Im Januar 1943 verlobte sich Bonhoeffer mit Maria von Wedemeyer. Im selben Jahr, am 5. April 1943 wurde Dietrich verhaftet und ins Tegeler Gefängnis gebracht. Er erlebte eine schwierige Zeit und musste sich mit Qualen, mangelnder Hygiene, Prozessen und Leid beschäftigen. Am 8. Oktober 1944 wurde Bonhoeffer, aufgrund von Aktenfunden, in das Kellergefängnis der Prinz-Albrecht-Straße verlegt. Bonhoeffer sollte jedoch für weitere Verhöre aufgespart werden und wurde am 7. Februar 1945 in das KZ Buchenwald verlegt. Irrtümlicherweise wurde Dietrich Bonhoeffer dann nach Schönberg gebracht, jedoch bald von Abgesandten nach Flossenbürg geholt, wo er dann am 9. April 1945 erhängt wurde.

3. Die Zeit von 1933- 1945

3.1 Die Stellung der Kirche im Dritten Reich

Um die Stellung der Kirche im Dritten Reich zu betrachten, muss man noch etwas weiter in der Geschichte zurückblicken. Die Zeit des 1. Weltkrieges brachte viele Veränderungen mit sich. Viele Menschen starben, Landschaften und Wohnräume wurden zerstört und politische Systeme zerbrachen.

„Auf der einen Seite hatte sich mit dem Kommunismus und seinen Ablegern eine linksradikale Bewegung entwickelt, auf der anderen Seite erstarkte in vielen Ländern eine national-konservative Strömung, die vielerorts direkt in den Faschismus mündete.“[10]

Diese beiden Seiten unterschieden sich voneinander. Während der Kommunismus antireligiös war, schlug die national-konservative Strömung eine religiöse Richtung ein.[11] Viele Menschen stellten sich daher bewusst auf die Seite der national-konservativen Strömungen. Viele rechtsnationale Theologen gründeten 1927 eine Gemeinschaft, die sich „Deutsche Christen“ nannte und forderten die Abschaffung jeglicher jüdischer Einflüsse.[12] Dies war der Beginn der Meinungsverschiedenheit innerhalb der Kirche. Doch das war längst nicht der ausschlaggebende Punkt. Eine weitere wichtige Rolle hatte Hindenburg inne. Hindenburg, Chef der obersten Heeresleitung und zweiter Reichspräsident der Weimarer Republik, genoss viel Vertrauen vom deutschen Volk und Zuspruch für den 30. Januar 1933. Er hatte Hitler[13] berufen, um das deutsche Volk aus der Weimarer Republik zu führen. Dieser galt als von Hindenburg Auserwählter und gottgesandter Überwinder.[14] Doch mit der Machtergreifung Adolf Hitlers änderte sich alles. Adolf betonte in seinen Reden immer wieder das Christentum als Basis. Auch in den Wahlkampfreden (5.März 1933), welche eher einer Predigt glichen, betonte Hitler immer wieder das Christentum als Grundlage.[15] Doch das war alles nur Schein, denn „um die Kirchen von ihren Gläubigen zu trennen, mußte sich der Staat als der allerchristlichste gebärden.“[16] Hitler versuchte von Anfang an die Kirche nach seinem Bilde zu formen, was ihm aber nur zum Teil glückte.

„|…| (Das Jahr) 1933 brachte den Deutschen Christen einen großen Aufschwung. Sie feierten in Dankgottesdiensten die „durch Gottes Fügung“ erzielte politische Wende.“[17]

Daran ist zu erkennen, was für eine wichtige Stellung die Kirche bei der Bevölkerung einnahm. Jedoch konnte sich der größte Teil der Nation nicht entscheiden zu welcher Kirche sie denn wirklich gehören. Denn 1933 stand die Kirche vor einer großen Versuchung. Sie stand vor der Wahl, sich entweder unterzuordnen und so eine angesehene Stellung zu erlangen oder allein Stand zu halten. Durch dieses Ereignis kam es zu einem inneren Streit.[18] Die Deutschen Christen standen nun der Bekennenden Kirche gegenüber. Doch auch in der Bekennenden Kirche waren viele Christen, die den Nationalsozialismus bejahten.[19] Jeder einzelne von ihnen musste sich die Frage stellen: „An was oder wen glaube ich eigentlich?“ Der Staat griff immer mehr in die Kirche ein. Als die Deutschen Christen eine Einheit der Landeskirchen forderten, unterstütze und beeinflusste die NSDAP die Kirchenwahlen mit ihrem Propagandaapparat.[20] Bei dieser Gelegenheit wurde die evangelische Jugend in die Hitlerjugend überführt und noch mehr Einfluss vom Staat ausgeübt. Hitler war fasziniert von der Motivationskraft und Glaubensbereitschaft der Deutschen und wollte diese für sich nutzen.[21] Hierbei wird auch deutlich, dass die entscheidende Bedrohung nicht direkt vom Staat ausging, sondern aus der Kirche selbst. Kurze Zeit später verlor die Kirche noch mehr an Einfluss und Bedeutung.

„Am 24. Januar 1934 wurde Rosenberg - und erst das war ein Affront für die Kirchen- „mit der Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP“ beauftragt.“[22]

So wurden Kontrollen in der kirchlichen Jugendarbeit durchgeführt, Kruzifixe mussten abgenommen werden und zum Teil wurde sogar der Religionsunterricht verboten. Es wurde sogar darüber diskutiert, dem Führerbild Vorrecht vor dem Christuskreuz einzuräumen.[23]

„Man empfand dies nicht nur als Rückzug aus der Öffentlichkeit in ein innerkirchliches Refugium, sondern auch als Wiederentdeckung der eigentlichen Kraftquellen der Kirche und eines christlichen Lebens.“[24]

Das gesamte kirchliche Leben wurde kontrolliert, überwacht und geriet unter Druck. Oft wurden sogar kirchliche Einrichtungen in staatliche überführt. Hitler wollte die Trennung von Kirche und Staat immer mehr durchsetzen, bis zur schlussendlichen Verstaatlichung der Kirche. Im Jahr 1935 beauftragte Hitler Hans Kerrl, die staatliche Oberaufsicht der Kirche zu übernehmen. Doch dieser trat einen Versöhnungsversuch zwischen Kirchen und Nationalsozialismus an, was einen Rückschlag für Adolf Hitler darstellte.[25] Goebbels schrieb in seinem Tagebuch eindeutig dazu: „Kerrl will die Kirche konservieren, wir wollen sie liquidieren.“[26] An dieser Aussage wird deutlich, wie sehr Hitler daran gelegen war die Kirche aufzulösen. Hitler nutzte die Predigt später sogar um „Werbung“ für sein Denken weiterzugeben.

„So verstieg sich der Gauleiter Kube zu dem Mißbrauch eines Bibelwortes: „Adolf Hitler- gestern und heute- und derselbe auch in Ewigkeit.““[27]

Die Kontrolle und Überwachung der Kirchen wurde von Jahr zu Jahr schlimmer. Jedoch gelang es Christen, wie zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer, immer wieder echten Glauben zu leben. Wer auf Gott vertraute und Kirche in einer Welt voller Scheinheiligkeit lebte, kam dennoch gut in dieser Zeit zurecht. Trotz dass Hitler die Kirche nach seinem Bilde formen wollte und dies zum Teil bei den Deutschen Christen schon bewirkt hatte, trat er nie in direkte Konfrontation mit der Kirche. Auch wenn die Kirchen viele Einschränkungen und Vorgaben von den Nationalsozialisten auferlegt bekamen, war sie nichtsdestoweniger eine mächtige Größe im Dritten Reich. Sie hätte durchaus die Fähigkeit gehabt sich zu Wehr zu setzen. Nur leider gab es viel zu wenige, wie Dietrich Bonhoeffer, die für ihren Glauben lebten und für eine bessere Welt eintraten. Die meisten „Christen“ hatten Angst, kein Gottvertrauen und wurden zu stark vom Regime beeinflusst. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die Kirche durchaus ein Gegenpol zu den Nationalsozialisten hätte sein können. Doch weil nur wenige für eine wahre Kirche eintraten, wurde sie immer mehr in den Hintergrund gedrängt.

3.2 Christen und Kirche im Zwiespalt zwischen Anpassung und Widerstand

In der Zeit des Nationalsozialismus standen viele Christen vor einer unausweichlichen Frage: „Widerstand oder Anpassung?“ Der größte Teil der Christen merkte noch nicht einmal, dass etwas in die falsche Richtung zu laufen schien. Dementsprechend war es umso bemerkenswerter, wie sich einzelne Christen für eine bessere Welt einsetzten. Zu diesen gehörten u.a. Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller. Dietrich Bonhoeffer erkannte schon früh den Ernst der Lage.

„Als der Arierparagraph in der Kirche durchgeführt werden soll, entwirft er mit Martin Niemöller eine Erklärung, in der es heißt: „Wer einem solchen Bruch des Bekenntnisses seine Zustimmung gibt, schließt sich damit selbst aus der Gemeinschaft der Kirche aus.“[28]

Dies war einer der ersten und wenigen Versuche des Widerstands von Seiten der Kirche her. Viele Christen wussten in dieser Situation nicht weiter und entzogen sich aus den Angelegenheiten der Kirche, das heißt, sie versuchten sich anzupassen. Für viele war es auch schwer plötzlich an etwas Neuem festzuhalten und nicht auf ihren „traditionellen“ Glauben zu beharren. Denn schon seid Luthers Zeit wird streng an die Bibel erinnert, in welcher steht:

„Jedermann sei Untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott, wo aber Obrigkeit ist, die ist von Gott angeordnet (Röm 13,1).“[29]

Durch diese Verse dürfte es jedem Christen schwergefallen sein die richtige Einsicht zu gewinnen, zumal man meinte, dass Hitler, der von Gott gesandte Führer war. Weiterhin gab es auch keine Richtlinien in der Geschichte an denen sich die Christen im Kirchenkampf hätten orientieren können. Mit der Einführung des Arierparagraphen gründeten deutsche Theologen den sogenannten Pfarrernotbund. Sie stellten sich bewusst gegen die Deutschen Christen, welche jegliche jüdische Elemente aus der Kirche verbannen wollten. Der Pfarrernotbund blieb bis zum Ende des dritten Reiches bestehen. Mit dem Pfarrernotbund begann der aktive Kirchenkampf. Die Kirche musste mit vermehrten Einschränkungen und Verboten rechnen. Doch auch wenn die meisten diese Situation stillschweigend hinnahmen, setzten sich einige zu Wehr. 1934 kam es zur Gründung der Bekennenden Kirche, einer Gegenbewegung der Deutschen Christen.[30] Diese Bewegung wirkte aktiv am Kirchenkampf mit.

[...]


[1] Vgl. Fink, Heinrich/ Kaltenborn Carl-Jürgen/ Kraft, Dieter (Hg.): Dietrich Bonhoeffer- Gefährdetes Erbe in bedrohter Welt: Beiträge zur Auseinandersetzung um sein Werk. Berlin: Union Verlag, 1987, S.5.

[2] Siehe Anhang 1, S.31.

[3] Vgl. Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer: Theologe- Christ- Zeitgenosse. München: Chr. Kaiser Verlag, 1967, S.43.

[4] Bethge, Eberhard: Bonhoeffer. 22. Auflage. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2005, S. 16.

[5] Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer. Überarbeitete Neuausgabe. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2006, S.33.

[6] Vgl. Bethge, Eberhard: Bonhoeffer. 22. Auflage, S.58.

[7] Theologe- Christ- Zeitgenosse. München: Chr. Kaiser Verlag, 1967, S.481.

[8] Ebd., S.736.

[9] Bethge, Eberhard: Dietrich Bonhoeffer, S.88.

[10] Ortag, Peter: Christliche Kultur und Geschichte: Ein Überblick. Sonderausgabe. Brandenburg: Brandenburgische Universitätsdruckerei und Verlagsgesellschaft Potsdam mbh, 2008, S.132.

[11] Vgl. Christliche Kultur und Geschichte, S.132.

[12] Vgl. Ebd., S.136.

[13] Ebd.

[14] Vgl. Dozentenkollegium der Religionspädagogik Instituts Loccum (Hg.): Evangelische Kirche und Drittes Reich: Ein Arbeitsbuch für Lehrer der Sekundarstufen I und II. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1983, S.28-29.

[15] Vgl. Ebd., S.30.

[16] Heydemann, Günther/ Kettenacker, Lothar (Hg.): Kirchen in der Diktatur. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 1993, S.72.

[17] Röhm, Eberhard/ Thierfelder, Jörg: Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz. Vierte unveränderte Auflage. Stuttgart: Calwer Verlag, 1990, S.21.

[18] Vgl. Müller, Hanfried: Von der Kirche zur Welt: Ein Beitrag zu der Beziehung des Wortes Gottes auf die societas in Dietrich Bonhoeffers theologischer Entwicklung. 2. Auflage. Leipzig: Koehler & Amelang, 1966, S. 174-175.

[19] Vgl. Ebd., S.174-175.

[20] Vgl. Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz, S.21.

[21] Vgl. Kirchen in der Diktatur, S. 80.

[22] Siehe dazu vor allem Bollmann, Reinhard: Das Amt Rosenberg und seine Gegner: Studien zum Machtkampf im nationalsozialistischen Herrschaftssystem. Zweite um ein Nachwort ergänzte Auflage. München: Oldenbourg, 2006.

[23] Vgl. Geschichtsverein der Diözese (Hg.): Kirche im Nationalsozialismus. Sigmaringen: Jan Thorbecke Verlag, 1984, S.95.

[24] Evangelische Kirche zwischen Kreuz und Hakenkreuz, S.22.

[25] Vgl. Kirchen in der Diktatur, S.77-78.

[26] Goebbels, Joseph: Die Tagebücher: Teil 1: Aufzeichnungen 1924-1941. München: Saur, 1987, S.45.

[27] Walter, Conrad: Der Kampf um die Kanzeln: Erinnerungen und Dokumente aus der Hitlerzeit. Berlin: Alfred Töpelmann, 1957, S.9.

[28] Grunow, Richard (Hg.): Bonhoeffer Auswahl. München: Chr. Kaiser Verlag, 1964, S.30.

[29] Evangelische Kirche in Deutschland (Hg.): Die Bibel: Nach der Übersetzung Martin Luthers. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 1999, S.185.

[30] Vgl. Meier, Kurt: Kreuz und Hakenkreuz: Die evangelische Kirche im Dritten Reich. München: Deutscher Taschenbuch Verlag, 2001, S.62-63.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Das Verständnis des Glaubens bei Dietrich Bonhoeffer unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Evangelische Theologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
36
Katalognummer
V154777
ISBN (eBook)
9783668020894
ISBN (Buch)
9783668020900
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verständnis, glaubens, dietrich, bonhoeffer, bedingungen, diktatur
Arbeit zitieren
Madeleine Kunze (Autor), 2010, Das Verständnis des Glaubens bei Dietrich Bonhoeffer unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Diktatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154777

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