Das binäre Geschlechtermodell fundiert auf medizinischen bzw. biologischen Annahmen. Bestimmte biologische Merkmale gelten als weiblich, andere als männlich. Damit geht der Glaube einher, dass Geschlecht natürlich, eindeutig und unveränderbar sei. Die Existenz von intergeschlechtlichen Menschen zeigt allerdings, dass in der Realität die Zweiteilung der Geschlechter nicht immanent und absolut ist.
Diese Hausarbeit soll sich mit dem Konstrukt der Heteronormativität befassen. Es soll untersucht werden, wie diese aufrechterhalten wird und welche Auswirkungen sie haben kann. Dies soll am prägnanten Beispiel der Intergeschlechtlichkeit untersucht werden. Zunächst soll dafür Heteronormativität genauer erläutert werden. Anschließend wird die Reproduktion dieses Ordnungsprinzips betrachtet und welche Probleme es auswirft am konkreten Beispiel der Intergeschlechtlichkeit. Es soll eine spezifischere Definition erfolgen sowie eine Betrachtung der gesellschaftlichen Umgangsform. Anschließend soll die Bedeutung für die pädagogische Arbeit aufgezeigt werden. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung der Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Heteronormativität
2.1 Definition von Heteronormativität
2.2 Probleme, Folgen und Auswirkungen
3. Intergeschlechtlichkeit
3.1 Zum Begriff
3.2 Erläuterungen von Intergeschlechtlichkeit
3.3 Geschlecht als soziale Kategorie
3.4 Unbewusste Reproduktion: Zwang zu einem Geschlecht?
3.6 Medizinischer Umgang: Pathologisierung
3.7 Kritik am medizinischen Umgang
4. Relevanz für die pädagogische Arbeit
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das Konstrukt der Heteronormativität, ihre Mechanismen der Aufrechterhaltung sowie deren gesellschaftliche Auswirkungen. Am Beispiel von Intergeschlechtlichkeit wird analysiert, wie Geschlechternormen reproduziert werden, welche Probleme daraus resultieren und welche Bedeutung dies für das pädagogische Handeln hat.
- Mechanismen der Heteronormativität und Zweigeschlechtlichkeit
- Soziologische Einordnung von Geschlecht als Kategorie
- Medizinische Pathologisierung intergeschlechtlicher Körper
- Kritische Auseinandersetzung mit geschlechtszuweisenden Operationen
- Pädagogische Handlungsmöglichkeiten und Diskriminierungsabbau
Auszug aus dem Buch
3.6 Medizinischer Umgang: Pathologisierung
Wie bereits angesprochen, wird Intergeschlechtlichkeit in der Medizin als Intersexualität oder als sogenanntes disorders of sexual developement bezeichnet. Verschiedene körperliche Ausprägungen von Intergeschlechtlichkeit werden in der ICD-10 (International Classification of Diseases) aufgeführt (vgl. Hoenes/Januschke/Klöppel 2019, 23 ff.). Damit wird Intergeschlechtlichkeit als „Störung“, als „Abweichung“, pathologisiert. Die Medizin hat verschiedene Kriterien anhand derer Menschen einem Geschlecht zugeordnet werden. Die einzelnen Aspekte des Geschlechts, „die Gonaden, die Chromosomen, die Hormone, die Psyche und das Sozialverhalten, sind vergeschlechtlicht, zeigen sich also in der diskursiven Logik der Medizin als weiblich oder männlich“ (Zehnder 2010, 109). Die Merkmale dürfen laut medizinischer Norm nur auf bestimmte Weise kombiniert werden, sonst liegt eine Abweichung vor (vgl. o.o.A., 110). Liegt eine solche Abweichung vor, die als „Fehlbildung“ postuliert wird, ist die medizinische Logik dieser anzugleichen. Das Ziel ist „die ‚Harmonie‘ aller Elemente, also die Wiederherstellung der Kombinationslogik“ (o.o.A., 112).
Nach diesem Grundsatz werden/wurden intergeschlechtliche Kinder meist geschlechtszuweisenden Operationen unterzogen. Dabei wird das äußere Genital chirurgisch verändert, damit es dem normierten männlichen oder weiblichen Genital entspricht. Diese Eingriffe sind irreversibel (vgl. Woweries 2014, 250). Je nach Körper werden unterschiedliche Operationen durchgeführt. Hechler spricht davon, dass diese Kinder oft „kurz nach ihrer Geburt geschlechtlich normiert, operiert und damit genital verstümmelt und oft auch sterilisiert“ (2015, 61) werden. Dabei bestünde oftmals kein dringender medizinischer Behandlungsbedarf. In vielen Fällen führten geschlechtszuweisende Operationen wohl erst zu gesundheitlichen Problemen. So müssten z.B. Hormone nach der Entfernung der Gonaden künstlich zugeführt werden (vgl. Zehnder 2010, 135). Außerdem hätten viele intergeschlechtliche Personen „Probleme mit der sexuellen Sensibilität und Funktionstüchtigkeit“ (Zehnder 2010, 197) nach Genitaloperationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das binäre Geschlechtsmodell der Heteronormativität ein und benennt Intergeschlechtlichkeit als Beispiel für die Nicht-Immanenz dieser Zweiteilung.
2. Heteronormativität: Dieses Kapitel definiert Heteronormativität als Weltanschauung, die Zweigeschlechtlichkeit und Heterosexualität als natürliche Grundlage voraussetzt, und erläutert die damit verbundene Ausgrenzung.
3. Intergeschlechtlichkeit: Das Kapitel beleuchtet den Begriff der Intergeschlechtlichkeit, die soziale Konstruktion von Geschlecht sowie die problematische medizinische Pathologisierung und Kritik daran.
4. Relevanz für die pädagogische Arbeit: Es wird diskutiert, wie Pädagoginnen und Pädagogen durch ein geschlechtssensibles Bewusstsein Diskriminierung reduzieren und zur Enttabuisierung beitragen können.
5. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit des Selbstbestimmungsrechts sowie der kritischen Reflexion gesellschaftlicher Geschlechternormen.
Schlüsselwörter
Heteronormativität, Intergeschlechtlichkeit, Geschlechtsidentität, Pathologisierung, Zweigeschlechtlichkeit, soziale Kategorie, Diskriminierung, Pädagogik, Geschlechtszuweisung, Optimal Gender Policy, Stigma, Körperlichkeit, gesellschaftliche Normen, Selbstbestimmung, Identitätsentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Konstrukt der Heteronormativität als gesellschaftliches Ordnungsprinzip und wie dieses durch die Pathologisierung und Behandlung intergeschlechtlicher Personen aufrechterhalten wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder sind die Analyse des binären Geschlechtermodells, die soziologische Betrachtung von Geschlecht als Kategorie sowie die kritische Aufarbeitung medizinischer Praktiken bei intergeschlechtlichen Kindern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Heteronormativität funktioniert, welche Auswirkungen sie auf nicht-binäre Identitäten hat und welche Rolle die Pädagogik bei der Dekonstruktion dieser Normen spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung anhand einer Literaturanalyse, die soziologische Begriffe und Konzepte zur kritischen Reflexion gesellschaftlicher Verhältnisse nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Definition der Heteronormativität und eine detaillierte Untersuchung der Intergeschlechtlichkeit, inklusive der sozialen Reproduktion von Geschlechternormen und der Kritik an medizinischen Standardisierungsversuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wesentlichen Begriffe sind Heteronormativität, Intergeschlechtlichkeit, soziale Kategorie, Pathologisierung, diskriminierende Praxen und geschlechtssensible Pädagogik.
Warum wird der Begriff „Intersexualität“ in der Arbeit kritisch gesehen?
Die Arbeit lehnt den Begriff ab, da er historisch medizinisch konnotiert ist, eine Störung implizieren kann und oft mit Sexualität und Erotik assoziiert wird, was der sozialen Realität der Betroffenen nicht gerecht wird.
Welche Rolle spielt die „Optimal Gender Policy“?
Die „Optimal Gender Policy“ beschreibt das medizinische Vorgehen, intergeschlechtliche Kinder geschlechterkonform zu operieren, um sie in das binäre Modell einzupassen – eine Praxis, die die Arbeit als hochproblematisch und diskriminierend einstuft.
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- Emma Rose (Autor), 2021, Wie wird Heteronormativität reproduziert und welche Probleme zieht es mit sich?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1547782