Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Texte veröffentlichen, Rundum-Service genießen
Zur Shop-Startseite › Soziologie - Allgemeines und Theorierichtungen

Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in einer individualisierten Gesellschaft

Titel: Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in einer individualisierten Gesellschaft

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2008 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Denise Betsch (Autor:in)

Soziologie - Allgemeines und Theorierichtungen
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Nach Ende des zweiten Weltkrieges hat sich in Deutschland einiges verändert. Diese Phase war durch ein starkes Wirtschaftswachstum geprägt, welches neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze und dem Anstieg des Lebensstandards eine Aufwertung der Bildungsvoraussetzungen zur Folge hatte. Das sogenannte Upgrading äußerte sich in einer drastisch zunehmenden Bildungsbeteiligung, speziell im höheren Sekundar- und Tertiärbereich. Zudem nahmen immer mehr Frauen eine gute Bildung für sich in Anspruch. Heutzutage beeinflusst nichts die Stellung in der Gesellschaft so sehr wie der Bildungsabschluss .
Inwieweit sich diese Entwicklungen grundsätzlich auf die Sozialstruktur in Deutschland ausgewirkt haben, ist äußerst umstritten. Im Wesentlichen orientiert man sich an zwei Argumentationsrichtungen. Auf der einen Seite stehen die Vertreter des Individualisierungsansatzes. Ihrer Meinung nach hat ein Rückgang der sozialen Strukturierung stattgefunden, während individuelle Handlungsoptionen zunehmen. Ungleichheitskriterien wie das Bildungsniveau sind nicht mehr an eine bestimmte Position in der Gesellschaft geknüpft. Somit wird es schwieriger, sozialstrukturelle Größen zu erschließen.
Auf der anderen Seite stehen die Vertreter der Schließungsthese. Für sie existieren soziale Ungleichheiten auch in einer individualisierten Gesellschaft. Demnach ist Bildung nach wie vor ein entscheidender Faktor, wenn es um Einkommen oder Handlungsalternativen geht. Anstelle einer Auflösung von traditionellen Strukturen rechnen sie mit einer Schließung der Sozialstruktur, die von einer verstärkten sozialen Differenzierung begleitet wird.
In der nachfolgenden Arbeit sollen bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in Westdeutschland hinsichtlich dieser beiden Thesen untersucht werden. Dabei wird Heike Wirths empirische Analyse von Heiratsbeziehungen im Mittelpunkt stehen. Der erste Teil befasst sich mit sozialtheoretischen Modellen der Partnerwahl. Es werden drei verschiedene Sichtweisen dargelegt, welche auf die Beweggründe, einen bestimmten Partner zu wählen, eingehen. Der Hauptteil widmet sich den bildungsspezifischen Heiratsbeziehungen. Nach einer kurzen Erläuterung zu möglichen Auswirkungen der Bildungsexpansion werden drei Determinanten der Partnerwahl vorgestellt. Anschließend sollen Wirths Befunde Tendenzen zur bildungsspezifischen Partnerwahl aufzeigen. Im letzten Teil dreht es sich um aktuellere Daten zur Bildungshomogamie. Sie werden den Befunden von Wirth vergleichend gegenübergestellt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einführung

2 Sozialtheoretische Modelle der Partnerwahl

2.1 Der Ansatz der Familienökonomie nach Gary S. Becker

2.2 Partnerwahl aus austauschtheoretischer Perspektive

2.3 Individuelles Handeln in sozialen Strukturen

3 Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen

3.1 Mögliche Auswirkungen der Bildungsexpansion

3.2 Determinanten der Partnerwahl

3.2.1 Räumliche Nähe

3.2.2 Soziale Differenzierung

3.2.3 Geschlechtsspezifische Bildungsangleichung

3.3 Tendenzen der bildungsspezifischen Partnerwahl

3.4 Vergleich der Befunde zur Bildungshomogamie mit aktuelleren Daten

4 Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, inwieweit bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in Westdeutschland einem Wandel unterliegen, und prüft dabei die Gültigkeit des Individualisierungsansatzes gegenüber der Schließungsthese hinsichtlich der Partnerwahl.

  • Sozialtheoretische Erklärungsmodelle der Partnerwahl (Familienökonomie und Austauschtheorie)
  • Einfluss der Bildungsexpansion auf Heiratsmuster
  • Strukturelle Determinanten wie räumliche Nähe und soziale Differenzierung
  • Geschlechtsspezifische Dynamiken bei der Bildungsangleichung
  • Empirische Analyse und Vergleich historischer sowie aktueller Heiratsdaten

Auszug aus dem Buch

2.1 Der Ansatz der Familienökonomie nach Gary S. Becker

Der familienökonomische Ansatz versucht zu erklären, welche Randbedingungen dazu führen, dass Personen mit ähnlichen Eigenschaften (Homogamie) bzw. unähnlichen Eigenschaften (Heterogamie) Partnerschaften eingehen.

Nach Becker hängt die Entscheidung für einen Partner von zwei Kernprinzipien ab: Erstens unterstellt er, dass sich zukünftige Partner „[…] von einer Heirat ein höheres Nutzen-niveau […] als vom Alleineleben“ erhoffen. Zweitens geht er von einem Heiratsmarkt aus, auf dem um den bestmöglichen Partner konkurriert wird.

Zunächst sollen grundlegende Annahmen den Nutzen einer Ehe deutlich machen. Analog zum Marktgeschehen lassen sich Partnerschaften als Gemeinschaften bezeichnen, „[…] in denen bestimmte Güter besser produziert werden können als außerhalb dieser Gemeinschaft“. Zu solchen Gütern zählen beispielsweise Kinder, Ernährung und Fürsorge. Ihre Produktion ist von verschiedenen Faktoren abhängig: vom erwirtschafteten Einkommen, von den Zeitressourcen sowie vom Humankapital der einzelnen Haushaltsmitglieder. Ferner glaubt Becker, dass durch die Erwerbsarbeit weniger Zeit für die Haushaltsproduktion bleibt und umgekehrt. Zugleich braucht es Zeit und Geld, in Humankapital zu investieren.

Der Gewinn aus einer Ehe als Gemeinschaft beruht auf einer kostengünstigeren Produktion bestimmter Güter im Vergleich zum Single-Haushalt. Durch das Zusammenlegen der Ressourcen und die Teilung von Erwerbs- und Hausarbeit werden Spezialisierungsmöglichkeiten bedingt, „[…] die sich etwa in der Investition in spezifisches Humankapital widerspiegeln“. Das führt zu einer erhöhten Leistungsfähigkeit der Partner, entweder auf dem Arbeitsmarkt oder bei der Hausarbeit. Die Arbeitsteilung bewirkt ebenso Zeiteffizienz.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einführung: Die Einleitung skizziert den gesellschaftlichen Wandel in Deutschland nach 1945 und stellt die theoretischen Gegenpositionen der Individualisierungs- und Schließungsthese vor.

2 Sozialtheoretische Modelle der Partnerwahl: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen und austauschtheoretischen Grundlagen, die erklären, warum Menschen rationale Entscheidungen bei der Partnerwahl treffen.

3 Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen: Hier werden die Auswirkungen der Bildungsexpansion sowie die zentralen Faktoren der Partnerwahl analysiert und empirisch auf Basis verschiedener Kohorten untersucht.

4 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass eher eine Konstanz des Heiratsmarktes vorliegt als eine durchgehende Öffnung oder Schließung.

Schlüsselwörter

Partnerwahl, Bildungsexpansion, Bildungshomogamie, Heiratsmarkt, Familienökonomie, Austauschtheorie, Heiratsbeziehungen, Individualisierung, soziale Differenzierung, Bildungsangleichung, Humankapital, Sozialstruktur, Geschlechterrollen, Heiratsneigung, Kohortenanalyse

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss von Modernisierungsprozessen und Bildungsexpansion auf das Heiratsverhalten in Westdeutschland.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind sozialtheoretische Modelle der Partnerwahl, die Bedeutung von Bildung als Selektionsmerkmal und der sozioökonomische Wandel von Heiratsbeziehungen.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt, ob sich Heiratskreise durch Bildungsexpansion öffnen (Individualisierungsthese) oder ob sie sich aufgrund persistenter Bildungsunterschiede schließen (Schließungsthese).

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die empirische Daten (u.a. Mikrozensus und Familiensurvey) vergleichend analysiert.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert Determinanten der Partnerwahl wie räumliche Nähe, soziale Differenzierung und die geschlechtsspezifische Bildungsangleichung unter Berücksichtigung von Wirths empirischen Befunden.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den wichtigsten Begriffen zählen Partnerwahl, Bildungshomogamie, Heiratsmarkt, Familienökonomie und soziale Differenzierung.

Was besagt die „Schließungsthese“ in Bezug auf den Heiratsmarkt?

Sie postuliert, dass Bildung weiterhin ein entscheidender Faktor für soziale Ungleichheit bleibt und dazu führt, dass sich Menschen innerhalb ihrer eigenen Bildungsschicht verpartnern.

Warum spielt die räumliche Nähe eine Rolle für die Partnerwahl?

Räumliche Nähe, insbesondere durch das säulenförmige Bildungssystem, strukturiert Kontaktchancen vor, wodurch die Wahrscheinlichkeit steigt, Partner mit ähnlichem Bildungshintergrund zu treffen.

Wie hat sich die Rolle der Frau nach Ansicht der Autorin verändert?

Durch die Bildungsangleichung und den Wunsch nach finanzieller Unabhängigkeit haben Frauen ihre Erwartungen an Partnerschaften gewandelt, was sich auf ihr Heiratsverhalten auswirkt.

Was ist das Hauptergebnis bezüglich der Bildungshomogamie?

Die Arbeit stellt eine weitgehende Konstanz der Heiratsmuster fest, wobei sich Tendenzen zur Öffnung oder Schließung je nach Bildungsniveau der Gruppen unterscheiden können.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in einer individualisierten Gesellschaft
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Pierre Bourdieu - Soziologische Theorie als Grundlage pädagogischen Handelns
Note
2,0
Autor
Denise Betsch (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
20
Katalognummer
V154778
ISBN (eBook)
9783640675470
ISBN (Buch)
9783640675722
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen Gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Denise Betsch (Autor:in), 2008, Bildungsspezifische Heiratsbeziehungen in einer individualisierten Gesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154778
Blick ins Buch
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
  • Wenn Sie diese Meldung sehen, konnt das Bild nicht geladen und dargestellt werden.
Leseprobe aus  20  Seiten
Grin logo
  • Grin.com
  • Versand
  • Kontakt
  • Datenschutz
  • AGB
  • Impressum