Umweltkatastrophe Seveso 1976. Das Verschwinden der Giftmüllfässer.


Hausarbeit (Hauptseminar), 2010
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2. Das Unglück
2.1 Die Folgen des Unglücks
2.2 Die Ursachen des Unglücks

3 Das Verschwinden der Giftmüllfässer

4 Fazit

5 Quellenverzeichnis

6 Literaturverzeichnis

7 Internetquellen

1 Einleitung

Auf der Anlage der ehemaligen Chemiefabrik ICMESA steht heute ein Fußballstadion. Nichts erinnert dort mehr an die Umweltkatastrophe, die sich 34 Jahre zu vor ereignete. Nichts deutet mehr darauf hin, dass die Region einmal ein kontaminiertes Sperrgebiet gewesen ist und nichts gibt darüber Auskunft, dass am 10.09.198241 Giftmüllfässer aus der Anlage der ICMESA in Norditalien verschwanden und erst ein halbes Jahr später am 19.05.1983 im nordfranzösichen Ort Anguilcourt-le-Sart auf dem Hinterhof der örtlichen Fleischerei gefunden wurden.

Diese Fässer hatten nicht nur eine Strecke von ca. 900 Km zurückgelegt, sondern auch die Frage aufgeworfen, wie sie fast spurlos dorthin gelangen konnten.Da es sich beim Inhalt der Fässerum hochgiftiges Dioxin handelte (TCCD), welches beim Unfall am 10.07.1976 in der Anlage des Pharmakonzerns Hoffmann-La-Rocheim italienischen Medaentstand und normaler Weise ein solcher Transport nach strengen Statuten ablaufen muss, drängt sich die Vermutung auf, dass die Entsorgung verheimlicht werden sollte. Doch lassen sich hierfür Fakten finden?

Um die Umweltkatastrophe von Seveso umfassend beleuchten zu können,werde ich zunächst auf den Unfall im Chemiewerk, dessen Folgen und Ursachen eingehen, dann die Fässerproblematik analysieren, um im Fazit möglicherweise eine Antwort auf die Verheimlichungshypothese geben zu können. Die aktuelle Forschungssituation sieht so aus, dass der Pharmakonzern Hoffmann-La-Roche vermutlich vorhandene Analysen zu dem Unfall nicht veröffentlicht. Dadurch muss auf andere Quellen zurückgegriffen werde. Der ehemalige Generaldirektor Jörg Sambeth erhebt in seinem Buch „Zwischenfall in Seveso“ und in dem Dokumentarfilm „Gambit Neue Wahrheiten über Seveso“ schwere Anschuldigungen gegen die Verantwortlichen des Konzerns unter Vorlage von Verträgen und Analysen von damals. Ob diese jedoch wissenschaftlich fundiert sind bleibt ungewiss, da er zwar über wahrscheinlich belastendes Material verfügt, dieses jedoch nicht veröffentlichen darf. So wird vor allem im Internet über viele Thesen und Aussagen diskutiert. So lange jedoch der Konzern eine Veröffentlichung der Daten verbietet, bleiben genaue Aussagen aus und es kann nur vermutet werden. Das macht es schwierig, neue Erkenntnisse zu gewinnen.

2.Das Unglück

„Ich bin mit dem Fabrikdirektor über das Land gelaufen und es war absolut gespenstisch. Die Sonne stand hoch am Himmel und du wusstest um dich liegt Gift, das aber nicht gerochen hat, das keine Musik von sich gegeben hat, keinen Ton von sich gegeben hat. Und da liefen wir zwei darin herum. Es war absolut gespenstisch“[1].

Diese Aussage des ehemaligen technischen Direktors Jörg Sambeth trifft auf die damalige Situation nach dem Chemieunfall in Seveso genau zu. Die Menschen in den umliegenden Dörfern hatten keine Chance etwas von dem Gift zu ahnen, da es weder olfaktorisch, noch visuell festzustellen war. Die Einzigen, die von dem Gift in der Luft etwas wussten, waren diejenigen, die den Unfall lange Zeit verschwiegen und erst Tage später Evakuierungs-maßnahmen einleiteten.In der Zwischenzeit konnte sich das Gift schnell verbreiten und die Gegend um die Fabrik zerstören, sowie die in ihr lebenden Menschen vergiften. Doch wie kam es zu dem Zwischenfall?

An dem Wochenende des zehnten Julis 1976 stellen die Mitarbeiter der chemischen Fabrik ICMESA im italienischen Ort Meda den Reaktor der Anlage aus.Die Fabrik gehörte der Givaurdan-Gruppe an, welche wiederum ein Tochterunternehmen des Pharmakonzerns Hoffmann-La-Roche war. Dabei unterlief den Arbeitern jedoch ein großer Fehler. Sie fuhren auch den Teil der Anlage hinunter, der eine Überhitzung des Kessels verhindern sollte. Dieser Teil musste egal ob produziert wird oder nicht, immer in Betrieb bleiben[2]. Dadurch erhitzte sich der Kessel so sehr, dass ein Überdruck entstand, der dazu führte, dass ein Sicherheitsventil brach. Da es kein Auffangreservoir gab, emittierte das entstandene Dioxin in die Umwelt.

In den Behältern der Fabrik wurde sonst das eher harmlose Trichlorphenol(TCP) hergestellt. Da der Kessel jedoch zu heiß wurde, konnte die chemische Reaktion eingeleitet werden, die die Bildung des giftigenTetrachlordibenzodioxin (TCDD) bedingt. Im Vietnamkrieg setzten die Amerikaner das Entlaubungsmittel Agent Orange zur Reduzierung der Baumbestände ein, welches aus TCDD hergestellt wurde. Dieses führte bei den Vietnamesen zu Hautverätzungen, Krebs und vor allem Erbschäden[3].

Es handelte sich also um ein hochgefährliches Gift für die Menschen, die in den umliegenden Gemeinden Seveso, Cesano, Maderno, Desio und Madena wohnten. Die Schätzungen über die genaue Menge des ausgetretenen Giftes gehen weit auseinander. So macht der Pharmakonzern Hoffmann-La-Roche in einer Firmenpublikation keine genauen Angaben, sondern schreibt dass es sich lediglich um geringe Mengen von TCCD gehandelt hat[4]. Sabine Geiser beziffert in ihrem Dokumentarfilm „Gambit Neue Wahrheiten über Seveso“ die Menge auf 1 bis 3 Kilogramm[5]. Die genaue Menge zu benennen ist heute unmöglich, da damals keine genauen Analysen durchgeführt wurden. Wahrscheinlich ist jedoch, dass Hoffmann-La-Roche die Daten besitzt und nicht publiziert, damit die Auswirkungen bagatellisiert werden können, um einen größeren Imageschade des Konzerns zu vermeiden.

2.1 Die Folgen des Unglücks

Nachdem Unfall am 10.07.1976 verbreitete sich die Giftwolke schnell in der Region um die Fabrik und wirkte sich zunächst auf Tiere und Pflanzen in einem Umkreis von mindestens 10 Kilometern aus. In den nächsten Tagen verdorrten viele Pflanzen und es wurden 3300 Tierkadaver gefunden, die darauf zurückzuführen sind, dass die Tiere die vergifteten Pflanzen gefressen hatten[6].

Mitarbeiter der Firma gelang es nach dem Unfall die Temperatur des Kessels zu normalisieren und konnten somit eine weitere Ausbreitung verhindern. Doch es wurde sogar am Tag des Unfalls in der Fabrik weitergearbeitet. Erst ein Tag später informierte der zuständige Fabrikleiter den technischen Direktor der Firma Jörg Sambeth, dass es einen Unfall gegeben hat. Dieser veranlasst sofort in der Region Proben zu nehmen, die darüber Auskunft geben sollten, welche Stoffe ausgetreten sind. So konnte schon ein Tag nach dem Unfall analysiert werden, dass TCCD in die Umwelt ausgetreten war. Der Konzern weigerte sich jedoch genaue Aussagen zu geben.

In der Zwischenzeit wurden viele Menschen vor allem Kinder mit Hautverätzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Die ersten Symptome waren Hautreizungen, Husten, Brechreiz und Tränen der Augen.Der Öffentlichkeit wurde mitgeteilt, dass sie in den Häusern bleiben- und kein Gemüse mehr aus dem Garten verzehren sollten. Wobei es sich jedoch bei den Hautverletzungen handelte oder wer dafür verantwortlich war wurde verschwiegen.

[...]


[1] Giesiger, Sabine: Film Gambit, 2005.

[2] Vgl.:http://www.greenpeace.de/themen/chemie/nachrichten/artikel/seveso_eingebrannt_in_die_erinnerung

[3] Vgl.: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Vietnam/fabig.html

[4] Vgl.: Hoffmann-La-Roche: Roche – Von A bis Z im Dienste der Gesundheit, Basel 82007,S.155.

[5] Giesiger, Sabine: Film Gambit, 2005.

[6] Häckl, Christian: Unser Jahrhundert im Bild. Die großen Katastrophen und Unglücksfälle, Gütersloh 1997, S.55.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Umweltkatastrophe Seveso 1976. Das Verschwinden der Giftmüllfässer.
Hochschule
Universität Paderborn  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Umweltbelastung und Umweltkonflikt
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V154780
ISBN (eBook)
9783640683567
ISBN (Buch)
9783640683451
Dateigröße
487 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Umweltkatastrophe, Seveso, Verschwinden, Giftmüllfässer, TCCD, Gambit
Arbeit zitieren
Florian Kalk (Autor), 2010, Umweltkatastrophe Seveso 1976. Das Verschwinden der Giftmüllfässer. , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154780

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