Die Migration und Integration der Mexikaner in den USA

Soziokulturelle und politische Einflüsse der Chicanos auf die US-amerikanische Gesellschaft


Diplomarbeit, 2009
139 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1 Einleitung

2 Mexiko
2.1 Historischer Überblick
2.1.1 Kurze Vorgeschichte
2.1.2 Der Krieg Mexiko – USA (1846- 1848)
2.1.3 Die Mexikanische Revolution (1910- 1929)
2.1.4 Die Zeit nach der Revolution bis heute
2.2 Soziopolitische Situation
2.2.1 Die Grenze zwischen Mexiko und den USA
2.2.2 Das Bracero - Programm
2.2.3 La Maquiladora
2.2.4 Das NAFTA- Abkommen
2.3 Kulturelles Erbe
2.3.1 Begriffsbestimmung der nationalen Identität
2.3.2 Die Suche nach einer lateinamerikanischen Identität
2.3.3 Das Projekt Mexicanidad

3 Die Vereinigten Staaten von Amerika
3.1 Historischer Überblick
3.1.1 Die Gründungsgeschichte und der Unabhängigkeitskrieg (1607- 1783)
3.1.2 Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861- 1865)
3.1.3 Die Industrialisierung und das 20. Jahrhundert
3.1.4 Der Eintritt in das 21. Jahrhundert
3.2 Soziopolitische Lage
3.2.1 Die Einwanderungspolitik der USA
3.2.2 Die Migration am Beispiel der mexikanischen Einwanderung
3.2.3 Gründe der Migration
3.2.4 Innen- und außenpolitische Folgen der Migration
3.3 Kulturelles Erbe
3.3.1 Das kulturelle Erbe der Puritaner
3.3.2 Identitätssuche der Americanity
3.3.3 Melting Pot und Multikulturalismus

4 Die Mexikaner in den USA – Chicanos, Mexicanos, Americanos ?
4.1 Kulturelles Erbe
4.1.1 Problematik eines einheitlichen Terminus
4.1.2 Definition Hispanic/ Latino
4.1.3 Definition Mexican- American
4.1.4 Definition Chicano
4.1.5 Identitätssuche der Chicanos
4.1.6 Die Bedeutung von Sprache als Teil kultureller Identität
4.1.7 Die Kontaktsprache Spanglish
4.2 Soziale Situation
4.2.1 Sozioökonomische Situation
4.2.2 Kriminalität und Diskriminierung
4.2.3 Die Situation der illegalen Mexikaner
4.2.4 Der Integrationsprozess am Beispiel der Mischehe
4.2.5 Der Zugang zur Sozialhilfe und dem Gesundheitssystem
4.2.6 Soziale Beispielprojekte für legale und illegale Zuwanderer
4.3 Politische Situation
4.3.1 Die Bedeutung der mexikanischen Arbeiterkraft
4.3.2 Der Einfluss der Chicanos auf die Politik
4.3.3 Der Wahlkampf und die Einwanderungspolitik von Georg W. Bush und
Barack Obama im Vergleich
4.3.4 Der Kampf um die US- Staatsbürgerschaft

5 Methodologische Untersuchung zur Situation der Mexikaner in den USA
5.1 Methoden (Halbstrukturiertes Interview)
5.2 Auswertung
5.3 Zusammenfassung

6 Fazit
6.1 Die US-amerikanische und deutsche Integrationspolitik im Vergleich
6.2 Resumée

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Worterklärungen

Bibliographie

Anhang

Vorwort

Da ich lange Zeit in Lateinamerika gelebt habe, fühle ich bis heute eine tiefe Nähe und Liebe zu der hispanischen Sprache, Kultur und Geschichte. Insbesondere aber bin ich den Menschen dort sehr verbunden, die ich durch meine langjährigen Aufenthalte schätzen und lieben gelernt habe. Bis heute sind diese Bande nicht abgerissen und meine Leidenschaft und Interesse für den lateinamerikanischen Kontinent entfalten sich immer mehr. Daher fiel mir die Wahl meines Themas sehr leicht und ich bin überaus froh, auf meinen Bauch gehört zu haben. Selten hatte ich soviel Spaß und Lust an der Erarbeitung eines Themas, wie ich es die letzten drei Monate hatte. Das hat mir gezeigt, dass dies der richtige Weg ist, denn alles, was man im Leben tut, sollte man mit Leidenschaft und Vergnügen machen.

Mein ganzes Herzblut habe ich in diese Diplomarbeit gesteckt und betrachte sie gewiss nicht ohne Stolz. Doch all das hätte ich ohne die unendliche Geduld und Unterstützung meiner Familie uns Freunde nicht hinbekommen. Vor allem Barbara und Nina gilt mein Dank, die mir mit ihrem Rat und ihrer Kompetenz stets zur Seite standen. Auch die von mir befragten Mexikaner haben mir durch ihre Offenheit sehr geholfen und dieser Arbeit die persönliche Note verliehen. Diese Arbeit möchte ich allerdings einem ganz besonderen Menschen widmen, meinem Freund, der mich in all dieser Zeit aufgefangen hat, bedingungslos hinter mir stand und mir mit seiner unendlichen Liebe die nötige Kraft geschenkt hat.

Ich hoffe wirklich, dass ich mit dieser vorliegenden Arbeit genug Sensibilität und Empathie für das ausgearbeitete Sujet aufgebracht habe. Denn trotz allem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit, standen für mich immer die Menschen im Mittelpunkt. Hinter jedem einzelnen von ihnen steckt ein persönliches Schicksal, an das ich hiermit erinnern möchte.

Abschließend möchte ich ein Zitat von dem bekannten mexikanischen Schriftsteller und Dichter Octavio Paz anführen:

Bis heute weiß niemand, was die "menschliche Natur"

wirklich ist. Wir wissen es nicht, weil unsere "Natur"

untrennbar ist von der Kultur.

1 Einleitung

Der enorme Zuwachs an Mexikanern, die die Mehrheit der hispanischen Emigrantengruppe in den USA bilden, bringt immense politische, soziale und gesellschaftliche Heraus-forderungen für das Auswanderungsland Mexiko als auch für das Einwanderungsland USA mit sich. Voraussagen des Pew Hispanic Centers zufolge wird sich die Zahl der Hispanics bis zum Jahr 2050 sogar verdreifachen und somit 29 % der US-amerikanischen Bevölkerung ausmachen. Die nicht-hispanische Bevölkerung wird dann eine Minderheit von 47 % darstellen.[1] Angesichts dieser demographischen Zahlen sind die Auswirkungen beträchtlich. Schon jetzt zeichnet sich durch die unkontrollierte Süd-Nord-Migration eine Überlastung des sozialen Netzes, sinkendes Lohniveau sowie eine steigende Arbeitslosenrate unter den US-Amerikanern ab. Dies ist vor allem auf die illegal einwandernden Mexikaner zurückzuführen, die über die Hälfte der schätzungsweise 11,9 Millionen Illegalen in den USA ausmachen.[2]

Die häufigsten Gründe für die stetige Abwanderung aus ihrem Heimatland sind die ansteigende Armut, das große Lohngefälle und die schlechte berufliche Perspektive. Doch auch in den USA ist die Lage der Mexikaner oft nicht besser: verglichen mit allen anderen Migrantengruppen sind sie am häufigsten von Armut und Bildungsmangel betroffen. Auch kulturelle Isolierung und das Beharren auf der spanischen Muttersprache sind typische Charakteristika, die eine Integration in die US-amerikanische Gesellschaft erschweren. Kritiker wie Samuel P. Huntington sprechen da von einer `Bedrohung` der anglo-amerikanischen Kultur und zeichnen ein negatives Zukunftspanorama aufgrund des mangelnden Integrationsinteresses seitens der Mexikaner auf. Doch dies kann nicht einseitig betrachtet werden. Denn vor allem die wirtschaftliche Abhängigkeit Mexikos von den USA sowie das historisch bedingte Verwobensein beider Staaten erfordert, die komplexe Sachlage differenziert zu betrachten. Im Hinblick darauf, dass die Politik der Vereinigten Staaten von Amerika erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche und finanzielle Situation Mexikos hatte und hat, muss die mexikanische Migration gesondert von allen anderen Migrantengruppen betrachtet werden.

Genau dieses Spezifikum möchte ich in meiner Diplomarbeit analysieren.

Im ersten Kapitel steht das Auswanderungsland Mexiko im Fokus und wird hinsichtlich seiner Historie, sozio- politischen Lage und kulturellen Erbes eingehend untersucht. Schon hier wird die dichte Verflochtenheit mit den USA deutlich.

Das zweite Kapitel behandelt das Einwanderungsland der Vereinigten Staaten von Amerika, das ebenfalls bezüglich seiner geschichtliche Entwicklung, Politik und Kultur genauer betrachtet wird. Im besonderen Interesse steht die kulturelle Identitätssuche, die Amerika als multikulturelles Einwanderungsland bis heute prägt.

Das dritte Kapitel setzt sich eingehend mit der kulturellen Identitätssuche, der sozialen Lage und der politischen Situation der mexikanisch-amerikanischen Gruppe, auch Chicanos genannt, auseinander. Aus Sicht der Sozialarbeit interessant, sind vor allem die angehenden Integrationsprozesse, die in den letzten Jahrzehnten z. B. durch Mischehen zu verzeichnen sind sowie die von mir ausgesuchten Beispielprojekte, die sich für die Belange legaler und illegaler Mexikaner einsetzen. Auf gesellschaftlicher Ebene wird der politische Einfluss der Mexikaner, die zunehmende Bedeutung der mexikanischen Arbeiterkraft sowie der Vergleich Bush- Obama hinsichtlich ihrer Integrationspolitik beleuchtet.

Das letzte Kapitel dient der methodologischen Untersuchung. Da ich Kontakte zu Mexikanern in den USA herstellen konnte, befragte ich diese teils online, teils telefonisch zu ihren Erfahrungen hinsichtlich Migrationsgründen, Identitätssuche sowie der Integrationspolitik der USA. Die Auswertung der Befragung kann aufgrund der geringen Anzahl der Interviewten[3] nicht als repräsentative Untersuchung gelten, die Ergebnisse unterstreichen jedoch z. T. deutlich die von mir in der Arbeit ausgearbeiteten Hintergründe und Problematiken mexikanischer Immigranten in den USA.

Abschließend habe ich versucht, Lösungsansätze für die besondere Problematik zu finden. Hierbei stellt sich auch die Frage, ob und wie der Umgang der US-Amerikaner mit der Thematik der mexikanischen Migration als Vorbild für die deutsche Integrationspolitik fungieren kann.

2 Mexiko

2.1 Historischer Überblick

Das nachfolgende Kapitel setzt sich eingehend mit der mexikanischen Geschichte seit Ankunft der Spanier auf dem amerikanischen Kontinent auseinander. Die politischen Ereignisse angefangen vom Mexikanisch-Amerikanischen Krieg, der Mexikanischen Revolution bis hin zur gegenwärtigen Situation sind Ausdruck eines inneren mexikanischen Konflikts, der sich insbesondere in der Identitätssuche einer ganzen Nation manifestiert hat.

2.1.1 Kurze Vorgeschichte

Mit der Ankunft der ersten Spanier 1513 unter Führung von Ponce de León in Florida, begann eine beispiellose Kolonialisierung des heutigen lateinamerikanischen Kontinents. Mitte des 16. Jhs. gründeten die Spanier das Vizekönigreich Neu-Spanien (Nueva España) und verlagerten ihre zentrale Macht in das heutige Mexiko.[4] Ideologisch und staatsrechtlich vertrat Neu-Spanien die Interessen der Kolonisierungsmacht Spanien mit der übergreifenden Dominanz des Katholizismus als eine Staatsreligion für die eroberten Kreolen, Mestizen und Indios,von der sich Mexiko im Jahr 1821 durch einen Unabhängigkeitskrieg loslösen konnte. Dies bedeutete nicht nur eine staatliche, sondern auch eine territoriale Ablösung des Vizekönigreichs, da bei dessen Gründung, Mexiko, Guatemala, Venezuela, die Antillen (Santo Domingo, Kuba, Puerto Rico und Jamaica) sowie die Philippinischen Inseln noch zu seinen Gebieten zählten. Mexiko indes umfasste noch fast bis Mitte des 19.Jhs die heutigen US- Bundesstaaten Texas, Neu- Mexiko, Kalifornien, Nevada, Utah, Colorado, Wyoming und Teile von Arizona.[5] Texas wurde allerdings schon 1836 für unabhängig erklärt und neun Jahre später von den USA annektiert. Dies führte zu noch mehr politischen Spannungen zwischen den beiden Nachbarn und mündete nach zahlreichen Konflikten letztendlich im Mexikanischen- Amerikanischen Krieg von 1846-1848.[6] Eine der Ursachen, die ein bedeutender Faktor für die Auseinandersetzungen war, bestand in der vom US-amerikanischen Präsidenten James Monroe 1823 verkündeten Monroe- Doktrin, deren Inhalt u.a. die offenen Interessen nordamerikanischer Hegemonial- und Wirtschaftsinteressen in Südamerika darlegte. Mit Monroe zeichnete sich zum ersten Mal deutlich der ideologische Kurs ab, der bis heute das US-Verhältnis zu Mexiko bestimmt. Das Selbstbild der USA basierte demnach auf einer Vorbildfunktion und auf der Durchsetzung von Gleichheit, Rechtsgarantie und des Pluralismus der Nationengründung wie es auch 1824 in der ersten Verfassung der neuen Republik Mexikos vorgesehen war. Mit England zusammen versuchten die USA ihre wirtschaftlichen Interessen durchzusetzen, indem sie Mexiko zu dem Verkauf seiner nördlichen Provinzen zu überreden versuchte.[7] Durch die ständig wechselnden Regierungen in Mexiko und die starken inneren Konflikte, war das Land sehr gespalten.[8] Auch über den Verkauf der Territorien war man sich politisch nicht einig, es wurden Forderungen laut, die Gebiete Nord-Kalifornien, Texas und Neu-Mexiko abzutreten, da sie, nur spärliche besiedelt, landwirtschaftlich kaum etwas einbrachten und darüber hinaus aufgrund zahlreicher Indigenenaufstände als politisch gefährdet eingestuft werden mussten. Ferner wurde Texas, trotz politischer Zugehörigkeit Mexikos, seit Bestehen der Unabhängigkeit kontinuierlich von anglo- amerikanischen Protestanten besiedelt, so dass die dort lebenden Mexikaner eine Minderheit darstellten. 1836 rief Texas eine eigene Republik aus, die 1845 als US-amerikanischer Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika annektiert wurde.[9]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[10]

Abb. 1: Briefmarke Mexiko

2.1.2 Der Krieg Mexiko – USA (1846- 1848)

1846 kam es zum Krieg zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika und obwohl das mexikanische Militär dem US-amerikanischen zahlenmäßig überlegen war, gelang es der mexikanischen Regierung nicht, ihre Truppen im Norden des Landes ausreichend zu versorgen. Die Gebiete wurden durch US-Militär eingenommen und annektiert.[11] Dies überzeugte viele Liberale davon, dass

(...) die Konservativen mit ihren Einschätzungen der territorialen Ambitionen der USA Recht hatten. Die kulturelle Frage allerdings ließ sich nicht so leicht lösen. Wem konnten wir uns auf der Suche nach Ideen und Modellen zuwenden, wenn nicht den USA?[12]

1848 wurde der Vertrag von Guadalupe Hidalgo aufgesetzt, in dem Mexiko rechtlich die Staaten Kalifornien, Arizona, Neu-Mexiko, Kalifornien, Nevada, Utah, Colorado, Wyoming und Teile von Arizona an die Vereinigten Staaten von Amerika abtrat und jeden weiteren Anspruch auf Texas fallen ließ. Die Konditionen für die Annahme des Vertrags war der Rückzug der US-amerikanischen Truppen aus den besetzten Gebieten. Daraufhin zahlte die USA 15 Millionen Dollar als symbolische Summe für die gewonnen Territorien.

Die mehr als 125.000 MexikanerInnen, die in den eroberten Gebieten wohnten, befanden sich jetzt auf der anderen Seite der Grenze wieder. Der Vertrag von Guadalupe Hidalgo garantierte u.a. das Wahlrecht und den Grundbesitz der mexikanischen Bevölkerung zu schützen, doch laut amerikanischen Land-, Staats- und Bundesgerichten konnten diese Bestimmungen durch örtliche Gesetzte wieder geändert werden. Die Annektierung der nördlichen Gebiete Mexikos war sehr lukrativ für die USA, da sich dort ungefähr 75% aller natürlichen Ressourcen befanden.[13] So besaß beispielsweise Kalifornien Gold im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar. Für Mexiko bedeutete der Vertrag den Verlust von nahezu der Hälfte seines damaligen Staatsgebietes.[14]

Die Beziehungen zwischen den beiden Staaten blieben, obwohl diplomatische Kontakte bestanden, lange Zeit nach dem Krieg gespannt, unter der oligarchisch- autoritären Diktatur von Porfirio Díaz (1877- 1911), Porfiriat genannt, verschlechterten sie sich zunächst sogar, bis Díaz 1878 von den USA akzeptiert wurde.[15] Während der Zeit des Porfiriats zeichneten sich in Mexiko grundlegende staatliche und ökonomische Modernisierungs- und Industrialisierungsprozesse ab.[16] Der daraus resultierende Reichtum war sehr ungleich zwischen Arm und Reich verteilt. Zudem nahm der Einfluss der USA auf die mexikanische Wirtschaft durch die außengerichtete Wirtschaftspolitik Díaz´s immer mehr an Einfluss zu.

Diese und viele anderen Faktoren führten zu einer politisch-gesellschaftlichen Krise, welche die Mexikanische Revolution im Jahre 1910 einleitete.[17]

2.1.3 Die Mexikanische Revolution (1910- 1929)

Armes Mexiko, so weit weg von Gott
und so nahe an den USA

Porfirio Diaz, mexikanischer Diktator[18]

Die Mexikanische Revolution war Ausdruck und Antwort der mehrheitlichen Bevölkerung gegen die Regierung, das sie unter den politischen Auseinandersetzungen der Territorial- und Agrarreformen sowie den wirtschaftlichen Erschütterungen zu leiden hatte.[19]

Die Auswirkungen der Revolution sind bis heute in Mexiko nachhaltig spürbar und initiierten sowohl eine politische als auch gesellschaftliche Transformation.[20]

Auslöser war die sechste Wiederwahl Porfirio Dìaz`, die heftige Proteste in den verschiedensten Schichten der Bevölkerung auslöste. Die große wirtschaftliche Depression zwischen 1907 und 1911 wirkte sich durch hohe Arbeitslosigkeit, steigende Lebenshaltungskosten, sinkende Exportpreise und landwirtschaftliche Einschnitte auf die mexikanische Bevölkerung aus.[21] Die bestehende Regierung zeichnete sich in der Krise durch institutionelle Schwäche und ungenügende Autonomie aus, die steigende Oligarchisierung und Exklusivstellung von bestimmten Gesellschaftsschichten verschärften die wirtschaftlichen Gegensätze innerhalb der Bevölkerung.[22]

Die USA nutzte die Instabilität des Landes, um sich regelmäßig in die Geschäfte Mexikos einzumischen und sicherzustellen, dass ihre Interessen gesichert waren.

Bis Anfang des 20. Jhs. hatte sich die US-amerikanische Kontrolle auf 61% Ölfelder, 80 % der Eisenbahngesellschaften und 81% der Bergbauindustrie ausgeweitet. Das Zirkulieren des Kapitals aus dem Ausland führte zu einer massiven Substituierung der mexikanischen ArbeiterInnen. Im Jahre 1910 waren über 96 % der mexikanischen Familien ohne Land, die Handwerker wurden durch die Flut der Billigimportwaren zum großen Teil verdrängt.[23]

Das Zusammenspiel dieser Faktoren führte dazu, dass 1910 Francisco Madero offiziell die Mexikanische Revolution ausrief ließ. 1911 zwang Madero, gemeinsam mit den Sozialrevolutionären Pancho Villa und Emilio Zapata, den amtierenden Präsidenten durch einen Sieg zum Rücktritt. Díaz floh daraufhin ins Exil nach Frankreich.[24]

Villa leitete die Revolution im Norden des Landes und Zapata führte sie im Süden an.

Beide misstrauten Madero, der das Land bis 1913 regierte und schließlich von den Generälen Victoriano Huerta und Felix Díaz ermordet wurde. Die unter Huerta anfangs friedlich verlaufende zweite Phase der Revolution (1913/14) wurde durch erneutes Aufflammen der Auseinandersetzung zwischen den unterschiedlichen revolutionären Lagern angeführt von Emilio Zapata und Pancho Villa sowie dem demokratisch-maderistischen Governeur Venustiano Carranza unterbrochen. Durch den Druck der verschiedenen Revolutionstruppen dankte Huerta ab und floh ins Ausland.[25]

Die dritte Phase der Revolution (1915/16) wurde durch Bürgerkrieg geprägt: Die ideologischen Meinungsverschiedenheiten zwischen den Revolutionsführern endete im militärischen Zerwürfnis von Villa und Zapata auf der einen und Carranza auf der anderen Seite. Nach erbitterten Kämpfen der beiden revolutionären Lager gelangte Carranza 1915 mit Hilfe des Generals Álvaro Obregón an die Macht und wurde, wenn auch widerwillig, von den USA als rechtmäßiger mexikanischer Präsident anerkannt.[26] Emilio Zapata wurde am 10.April 1919 durch einen Hinterhalt von den Regierungstruppen ermordet. Carranza regierte bis 1920 bis

die Widersprüche im konstitutionalistischen Lager im größer und Alvaro Obregón seine Chance kommen (sah).Am 21. Mai 1920 gelang es den Truppen Obregón, Carranza und seine Begleiter in einen Hinterhalt zu locken und Carranza zu ermorden. Daraufhin wurde Adolfo de la Huerta zum provisorischen Präsidenten ernannt, und Obregón wurde am 5. September 1920 offiziell auf die Präsidentschaft für die Zeit 1920 bis 1924 vereidigt. (…) Pancho Villa, wurde am 20. Juli 1923 ermordet, obwohl er sich bereits drei Jahre zuvor aus dem politischen Leben zurückgezogen hatte.[27]

Die Mexikanische Revolution fand erst 1929 ihr offizielles Ende, doch waren die Nachwirkungen der jahrzehntelangen Auseinandersetzungen noch lange spürbar.

2.1.4 Die Zeit nach der Revolution bis heute

Nach der Revolution und dem Zweiten Weltkrieg folgte unter den Präsidenten Ávila Camacho (1940-1946) und später Miguel Alemán Valdés (1946-1952) eine Zeit großen wirtschaftlichen Aufschwungs, der mit einer erheblichen politischen und sozialen Stabilität einherging.[28] Die wirtschaftlich-politische Blütezeit wird allgemein als mexikanisches Wunder (milagro mexicano) betitelt, da das Wirtschaftswachstum zu jenen Zeiten 6 % pro Jahr betrug. Durch die Entdeckung ungeahnter Erdölvorkommen im mexikanischen Golf stieg Mexiko zur Erdölmacht auf und erlebte dadurch in den 80-iger Jahren einen regelrechten Wirtschaftsboom. Allerdings geriet das Land, trotz des gewonnen Reichtums, aufgrund falscher Finanz- und Wirtschaftspolitik in eine fatale Verschuldungsfalle, die abermals eine tiefe Wirtschaftskrise auslöste.

Die Auslandsschulden stiegen zwischen 1952-1958 um 500 % auf über eine halbe Milliarde Dollar und trieben Mexiko in eine noch engere wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA.[29] Allerdings wurde das Verhältnis der beiden Nachbarstaaten während der Präsidentschaft von Ávila Camacho aufgrund der weltpolitischen Situation von notwendiger Annäherung und Kooperation bestimmt, denn

(…) angesichts der militärischen Erfolge der Achsenmächte und der Bedrohung der nordamerikanischen und mexikanischen Pazifikküste durch Japan (…) zu einer verstärkten militärischen und vor allem wirtschaftlichen Kooperation zwischen beiden Ländern.[30]

Camacho schloß während seiner Regierungszeit das sog. Bracero- Programm (1942-1964) mit den USA ab, das mexikanischen SaisonarbeiterInnen die Möglichkeiten geben sollte, legal dort zu arbeiten.[31] Jedoch kam Mexiko innenpolitisch weiterhin nicht zur Ruhe und wurde durch gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen erschüttert. Zwar erfolgten auch unter den folgenden Präsidentschaften dringend notwendige Reformen: so wurde beispielsweise unter Ruiz Cortines (1952-58) das Frauenwahlrechtrecht eingeführt[32], im Sommer und Herbst 1968 jedoch kam es zu einer gewaltsamen und traumatischen Eskalation zwischen Studenten und der Regierung. Auslöser der Unruhen war die repressive Herrschaft des damals amtierenden Präsidenten Gustavo Díaz Ordaz (1964-1970) und die unverhältnismäßig harte Reaktion auf eine anfangs unbedeutende Studentendemonstration pro-kubanischer Gruppen im Juli 1968 der mexikanischen Regierung. Die Tumulte, die nach der gewaltsamen Niederschlagung der Demonstration entstanden, bewirkten eine starke Solidarisierung der Bevölkerung mit den Studenten, es kam zu Massendemonstrationen, bei denen mehr als 200 Tote und über Hunderte verwundeter Demonstranten gezählt wurden. Diese Ereignisse bedeuteten einen tiefen Vertrauensbruch zwischen der mexikanischen Bevölkerung und ihrer Regierung, die bis heute nur teilweise überwunden werden konnte.[33]

Weitere wichtige Ereignisse waren u.a.1982 die durch die Wirtschaftskrise ausgelöste Verstaatlichung der Banken und die langsame Demokratisierung des Landes unter Carlos Salinas de Gortari (1988-1994).[34] Durch den Beitritt Mexikos zum GATT (General Agreement on Tarifs and Trade) im Jahre 1986, wurde eine Öffnung des mexikanischen Marktes und eine Liberalisierung des Außenhandels bewirkt.[35] Wirtschaftlich nahm der Einfluss Nordamerikas immer mehr an Gewichtung zu, zum einen durch die noch immer bestehende Schuldenabhängigkeit, zum anderen durch die Entstehung der Montagebetriebe (maquiladoras),[36] die ihren Fokus auf den nordamerikanischen Markt ausgerichtet hatte.

1994 wurde Mexiko zusammen mit den USA und Kanada Mitglied der größten Freihandelszone der Welt und erstes Vollmitglied eines Schwellenlandes der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development).[37]

Im Jahr 2000 wurde Vicente Fox als neuer Präsident gewählt, musste jedoch mit anderen Parteien Koalitionen eingehen. Seine versprochene Reform bezüglich der Steuerreform und die semi- Privatisierung des Erdöls konnten nicht erfüllt werden. Nachfolger wurde 2006 der mit geringem Vorsprung gewählte Felipe Calderón.[38]

Der Amtsantritt der neuen Regierung Calderón erfolgte zwar nicht- wie früher häufig- im Zeichen volkswirtschaftlicher Instabilität, wohl aber einer politischen Herausforderung durch die Linke, welche Legitimität der neuen Regierung unübersehbar in Frage stellte.[39]

Nach wie vor existieren zahlreiche ökonomische und gesellschaftliche Probleme, die der Staat versucht in den Griff zu bekommen: hohe Arbeitslosigkeit und die dadurch erhöhte Abwanderung in den Norden, zunehmende Kriminalität und Korruption, Menschenrechts-verletzungen sowie die asymmetrische Einkommensverteilung.[40] Vor allem die Situation an der Grenze Mexiko- USA wird durch die zunehmende Emigration und den hohen Drogen- und Menschenschmuggel immer unkontrollierter. Die Probleme, die sich daraus ergeben, werden nachfolgend dargestellt.

2.2 Soziopolitische Situation

Die soziopolitische Situation Mexikos ist gespannt und äußerst problematisch. Die Grenze, die Mexiko und die USA seit dem Krieg von 1846-1848 trennt, bleibt bis heute ein politischer Brennpunkt für beide Länder. Die legale und illegale Migration, der erhöhte Drogenschmuggel in die USA und die damit verbundene Kriminalität sind gravierende Probleme, die beide Staaten belasten.

2.2.1 Die Grenze zwischen Mexiko und den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[41] Abb.2: Grenze USA- Mexiko

Die Grenze, die sich zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika entlang zieht, hat nicht nur territorialen, sondern auch symbolischen Charakter. Historisch gesehen exportierte bereits der Diktator Porfirio Díaz einen Teil seiner mexikanischen Arbeiterkraft in den Norden. Nicht unbeteiligt an der illegalen Migration und den niedrigen Löhne und schlechten Arbeitsbedingungen waren auch u.a. das 1942 abgeschlossene Bracero -Programm zwischen Mexiko und den USA, das nach Ablauf viele Mexikaner anzog, weiterhin illegal in den USA zu verweilen. Auch die maquiladora,, die als Auffangbecken für die von den USA rekrutierten und wiederkehrenden mexikanischen Gastarbeiter (braceros)[42] dienen sollte, führten dazu, die Arbeitslöhne niedrig zu halten.[43]

Die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens NAFTA (North American Free Trade Agreement) 1994 zog eine Überflutung des Landes von Billigware nach sich sowie eine Verdrängung der klein- und mittelständischen einheimischen Arbeiter.[44]

Die Grenze zwischen Mexiko und den USA dehnt sich über eine Länge von 3153 km aus und ist einer der längsten und auch gefährlichsten der Welt.[45] Das Grenzgebiet wird insgesamt von ca. 10.5 Millionen Menschen bewohnt, von denen 6,2 Millionen Menschen (59 %) auf US-amerikanischen und 4,2 Millionen Menschen (41 %) auf mexikanischem Territorium leben.[46] Jährlich kommen hunderte von Mexikanern ums Leben, bei dem Versuch, die Grenze zu überqueren. Schätzungen des mexikanischen Außenministeriums zufolge waren es im Jahre 2005 ungefähr 473 Menschen, die den Grenzübertritt nicht überlebten.[47]

Der maßgebliche Grund für die Süd-Nord-Migration ist die schlechte ökonomische Situation der Mexikaner in ihrem Heimatland und das große Lohngefälle in den beiden Wirtschaftsräumen: einem durchschnittliche Tagesverdienst von 60 US-Dollar in den USA stehen gerade mal 5 US- Dollar Lohn pro Tag in Mexiko gegenüber. Die Hälfte der mexikanischen Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze.[48] Viele der Armutsflüchtlinge versuchen illegal durch den Fluss Río Grande in die USA zu schwimmen und werden deshalb auch wetbacks[49] oder mojados gennant.[50] Bereits 1924 wurde zur Grenzsicherung die Border Patrol eingerichtet, die im Auftrag der Einwanderungs- und Einbürgerungsbehörde der USA (Immigration and Naturalization Service, INS) den illegalen Grenzübertritt verhindern soll.[51] Laut des Department of Homeland Security (DHS) sind die Obliegenheiten der Grenzpolizei folgende:

Its major objectives are to prevent entry into the United States of illegal aliens and foreign nationals suspected of terrorism and other criminal activity, interdict drug smugglers and other criminals, and compel those persons seeking admission to present themselves legally at ports of entry for inspection.[52]

2001 trat der Plan Sur in Kraft mit dem Zweck, die illegale Einwanderung der indocumentados[53] in die USA an der Grenze so früh wie möglich zu verhindern und illegale Grenzüberschreiter sofort zurückzuschicken. Hierbei handelt es sich jährlich um ca. 200.000 Menschen lateinamerikanischer Herkunft. Der Plan Sur wurde in Zusammenarbeit mit den USA entworfen, um die politischen Beziehungen der beiden Länder nicht zu beeinträchtigen. Er erschwert den Grenzübertritt erheblich und die ohnehin gefährliche Migration wird oft mit dem Tode bezahlt.[54] Da die lange Grenze trotz Border Patrol jedoch nur lückenhaft gesichert ist, bietet sie vor allem für den Drogenschmuggel die idealen Voraussetzungen.[55] Über 70 % bis 85 % des in den USA konsumierten Kokains stammt aus Mexiko und Kolumbien.[56]

Schätzungen der US-Regierung belegen, dass die Zahl der regelmäßigen und gelegentlichen Konsumenten im Jahre 2005 ca. 6,4 Millionen betrug.[57] Vor allem die Drogenkartelle der Grenzstädte Tijuana und Cuidad Juárez kämpfen einen erbitterten Drogenkrieg, der schon tausende Opfer forderte. 2006 wurden im Zuge der durch Drogen verursachten Gewalt mehr als 2.000 Todesfälle festgestellt. Als Maßnahme gegen den ansteigenden Drogenhandel und die illegale Migration wurden in den 80iger Jahren die Border Patrols massiv verstärkt und technisch aufgerüstet. Ebenso versuchte die mexikanische Regierung ihrerseits, ihre Drogenpolitik zu verschärfen, was jedoch nicht die erwünschten Ergebnisse erzielte.[58]

Obwohl das US- Budget für Grenzsicherung zwischen 1993 und 2004 auf 3,8 Milliarden US- Dollar erhöht wurde, nahm die klandestine Migration im gleichen Zeitraum zu. (…) Statdessen verschoben sich die Migrationsströme von den Städten (…) in ländlichere Gebiete (…).[59]

Auch der Drogenhandel stellt weiterhin ein Problem für beide Staaten dar. Da die Vereinigten Staaten von Amerika selbst größte Drogen- und Waffenabnehmer Mexikos sind und damit die bereits bestehenden Gewaltkonflikte verschärfen, ist ein baldiges Ende nicht in Sicht.

2.2.2 Das Bracero- Programm

Die Migration mexikanischer Saison- und Gastarbeiter in die Vereinigten Staaten von Amerika war seit der Grenzziehung im Jahre 1848 ungeregelt verlaufen, trotz der stetigen und zahlenmäßig hohen Abwanderung in den Norden. Schon beim Zensus 1930 wurden ungefähr 1,4 Millionen mexikanische Immigranten in den USA gezählt.[60]

Das Bracero - Programm diente 1942 bis 1964 dazu, als zwischenstaatliches Abkommen zwischen Mexiko und den Vereinigten Staaten von Amerika, die Arbeits- und Lebensbedingungen der in den USA lebenden mexikanischen Saisonarbeiter (braceros) vertraglich zu verbessern; was aber nur teilweise von Seiten Mexikos gelang.[61]

Die US- Regierung konnte durch das Programm 4,8 Millionen Mexikaner als befristete landwirtschaftliche Arbeitskräfte rekrutieren, die, z. B. nach erfolgtem Einsatz bei der Ernte wieder in ihr Heimatland zurückkehren mussten.

Das Programm war aus Sicht der USA eine Reaktion auf den Mangel an US-amerikanischen Arbeitskräften, die zunehmend begonnen hatten, sich gegen schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Löhne zur Wehr zu setzen, indem sie sich gewerkschaftlich organisierten. Daher waren willfährige und ‚billige’ Arbeitskräfte aus Mexiko sehr willkommen, die einerseits den Ausfall von einheimischen Arbeitskräften auffingen und gleichzeitig ein erhebliches politisches Druckmittel gegen diese darstellten. Der Vertrag verpflichtete die sog. “Gastarbeiter” zu einer konstanten Arbeit während der Erntezeit, aber auch zur sofortigen Rückkehr nach Ende der Ernte.[62] Durch die zeitliche Begrenzung ihres Aufenthaltes in den Vereinigten Staaten trug die US-Regierung wenig soziale Verantwortung gegenüber den braceros, offiziell stand diesen zwar der Zugang zu amerikanischen Gewerkschaften zu, um für ihre sozialen Belange zu kämpfen, allerdings wurden sie dort nicht wirklich ernst genommen. Zudem war es ihnen nicht erlaubt, ihren Arbeitsort eigenständig zu verlassen.

Ein wichtiges Mittel der US- Regierung, das die Rückkehr der braceros in ihre Heimatländer nach erfolgtem Arbeitseinsatz in die USA gewährleisten sollte, war das Verbot des Zuzugs ihrer Familien.[63]

Viele Mexikaner umgingen die offizielle Einwanderung und überschritten die Grenze ohne Papiere.[64] Die US- Regierung war sich der illegalen Einwanderung bewusst, denn durch das Bracero - Programm nahmen viele mittellose Mexikaner die USA als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wahr. Bereits zwischen 1947 und 1949 strömten 74.600 braceros Richtung Norden, um in der Landwirtschaft zu arbeiten. Im Jahre 1960 betrug der Anteil an braceros und ‚Papierlosen’ dreiviertel der gesamten Arbeiterschaft in Texas und Kalifornien.[65] Als das Programm 1964 endete, setzte sich die illegalisierte Arbeitsmigration auch danach weiter fort. Die Emigranten wurden meistens über den Río Grande über die Grenze geschmuggelt, um in den USA weiterhin Geld zu verdienen können.[66]

2.2.3 La Maquiladora

Die Montagebetriebe, die sich an der nördlichen Grenze Mexikos und in Mittelamerika befinden, nennt man maquiladora oder auch maquila.[67] In diesen Betrieben werden importierte Einzelteile oder halbfertige Ware zu Dreiviertel - oder Fertigware zusammengesetzt, um sie dann zu exportieren. Maquiladoras stehen in den zollfreien Produktionszonen, die besonders durch den NAFTA- Vertrag stark angewachsen sind.[68]

Ursprüngliches Ziel der maquiladoras war es, die mexikanische Wirtschaft anzukurbeln und eine Auffangmöglichkeit für die arbeitslosen BäuerInnen zu schaffen, die seit dem Ende des Bracero -Programms 1964 aus den Staaten zurückkehren mussten und keine Arbeit mehr fanden. Durch die zurückgekehrten braceros wurden gerade die Grenzstädte wie Tijuana/San Diego[69] oder Cuidad Juárez/El Paso zu beliebten Anlaufpunkte für die Heimgekehrten, da sie ein höheres Arbeitsangebot, eine räumliche Nähe zu ihren Arbeitsplätzen hatten und nah an der Grenze zu den USA lagen.[70] Für US- Unternehmen waren und sind die maquiladoras ein lukratives Geschäft, denn der Sektor ist mittlerweile zu einer der wichtigsten Geldquellen für US- Unternehmen geworden. 1977 wurden die in den Montagebetrieben angefertigten Waren im Wert von einer Milliarde Dollar in die USA zurückgesandt und 2005 Produkte im Wert von 113 Milliarden Dollar hergestellt- davon waren 90 % ausschließlich für den US- Markt bestimmt.[71] Nun stellt der mexikanische Maquiladora - Sektor - nach China- einer der beiden beliebtesten Standorte für Billiglohnarbeit weltweit. Für die Arbeiterkräfte, mittlerweile 1,2 Millionen Menschen, bedeutet diese Produktionsfertilität jedoch Negatives: Durch die marktorientierte Politik hat sich das Lohnniveau rapide gesenkt. Heutzutage liegen die Löhne nur knapp über dem Mindestlohn von vier Dollar pro Tag. Zusätzlich sind die Betriebe ungesunde Arbeitsplätze, an denen die ArbeiterInnen oft mit gefährlichen Chemikalien umgehen müssen- ohne notwendigen Schutz. Berufskrankheiten und Arbeitsunfälle sind somit an der Tagesordnung.

Frauen sind die überwiegend Leidtragenden der Maquiladora -Hysterie:

Durch die Niedriglöhne, sehen sich die Männer gezwungen gen Norden auszuwandern (legal oder illegal), um dort bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten zu finden.[72] Trotz alledem bieten die maquiladoras für die mexikanischen ArbeitnehmerInnen noch immer wirtschaftliche Vorteile, denn

(…) das Lohnniveau in den maquiladoras an der Nordgrenze lieg etwas 30% über dem des übrigens Mexikos, aber immer noch bei nur etwas einem Siebtel der US-Löhne. Der Tageslohn in der maquiladora entspricht also etwa dem US-amerikanischen

Stundenlohn.[73]

2.2.4 Das NAFTA- Abkommen

Am 01. Januar 1994 trat das Nordamerikanische Freihandelsabkommen NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko in Kraft.[74] Die Freihandelszone basierte auf dem Maquiladora -Programm mit dem Ziel des freien Verkehrs von Gütern, Kapital und Dienstleistungen.[75] Durch den NAFTA-Vertrag wurde der größte gemeinsame Markt der 3 Staaten etabliert, für den ungefähr 360 Millionen Menschen arbeiten und der ein zusätzliches Bruttosozialprodukt von 6.100 Milliarden Dollar erwirtschaftet.[76] NAFTA sollte Mexiko einen größeren Anreiz für Investoren aus dem Ausland darstellten durch den leichteren Zugang zum US-amerikanischen und kanadischen Markt. Die Aufhebung der Zölle für die Mitgliedsstaaten sollte die Exportwirtschaft stärken und neue Arbeitsplätze mit niedrigerem Lohnniveau geschaffen werden. Außerdem kann Mexiko seine Produkte auf dem Offenen Markt anbieten.[77] Dies alles schien anfangs sehr vielversprechend, doch schon 1992 wurde der Artikel 27 der mexikanischen Verfassung aufgehoben, der die mexikanischen BäuerInnen vor dem ungleichen Wettbewerb mit größeren US- Landwirtschaften schützte.

Zudem wurde durch NAFTA sichergestellt, dass der Staat Mexiko weder in die Geschäfte ausländischer Unternehmen eingreifen durfte, noch einen Technologietransfer verlangen konnte, der die Unternehmen dazu zwingen könnte, ihre Technologien an lokale Unternehmen zu verkaufen. Ebenso wenig enthielt das Abkommen bindende Arbeitsschutzbestimmungen und Löhne, das Recht auf gewerkschaftliche Vertretung oder Kündigungsschutz. Parallel zu der Gewinnmaximierung der Unternehmen, führte dies insgesamt zu einer Lohnreduzierung in allen drei Mitgliedsstaaten (USA, Kanada und Mexiko). Für Mexiko bedeutete das allerdings den größten Verlust. Innerhalb nur eines Jahres (von 1993 bis 1994) gaben schätzungsweise 40 % der mexikanischen Textilien-hersteller ihre Geschäfte zwangsweise auf, da US- Einzelhandelsgeschäfte begannen, preiswertere Ware aus Asien in Mexiko zu verkaufen. Nach Schätzungen der mexikanischen Regierung zufolge, wurden seit der Verabschiedung des Freihandelsabkommens ungefähr eine Millionen Stellen allein in Mexiko abgebaut.[78]

Durch NAFTA hat sich Mexiko wirtschaftlich fast vollständig von den USA abhängig gemacht. Die USA ist somit für 88 % der mexikanischen Exporte zuständig, die ungefähr

25 % des Bruttosozialproduktes (BIP) des Landes ausmachen. Insbesondere profitiert die US-Landwirtschaft aber von den offenen Märkten des südlichen Nachbarn. Laut dem US- Landwirtschaftsministeriums beliefen sich die Exporte nach Mexiko im Jahre 2003 auf etwa 7,9 Millionen Dollar, somit steht Mexiko an dritter Stelle der wichtigsten Agrarexporteure für die Vereinigten Staaten von Amerika.[79]

Während Mexiko also einerseits zu einem wichtigen Handelspartner für die USA geworden ist, hat es andererseits dafür die die Schwächung der eigenen Wirtschaft sowie Sozialabbau im eigenen Land in Form von Arbeitslosigkeit in Kauf genommen. Doch auch in Kanada und den USA wurden viele Stellen abgebaut.

Profitiert haben im Endeffekt die Unternehmen, die die Hälfte ihrer Arbeitsplätze in den Süden verlagerte und im Jahre 1997 eine Gewinnmaximierung von über 300 % verzeichnen konnten.

2.3 Kulturelles Erbe

Im nächsten Kapitel analysiere ich die Identitätssuche, die das kolonialisierte Lateinamerika nach der Ablösung der spanischen Kolonialmacht verstärkt beschäftigte. Hierzu habe ich mich erst einmal auf die Begrifflichkeit der nationalen Identität fokussiert und deren Wichtigkeit herausgearbeitet. Durch die spanische Eroberung gab es in allen Ländern Lateinamerikas eine Identitätskrise, von der sich auch Mexiko nicht lossprechen konnte. Das Projekt einer mexikanischen Identitätssuche durch junge Intellektuelle nach der Mexikanischen Revolution wird ausführlich im darauf folgenden Abschnitt behandelt.

2.3.1 Begriffsbestimmung der nationalen Identität

Charakteristische Merkmal der

nationalen Identität ist die Verbundenheit

mit einem politischen Territorium, das als

Vaterland verstanden wird.

Otto Dann, deutscher Schriftsteller[80]

Identitäten sind wichtig, um individuelle und kollektive Zugehörigkeit definieren zu können. Als Teil der philosophischen Wissenschaft bedeutet das: Identität als Betonung des Gemeinsamen ergänzt sich mit der Alterität, dem Unterscheidenden. Nur im bewussten Vergleich mit dem Anderen- alter- kann ich meine Identität wahrnehmen und konstituieren. Demzufolge ist die Identitätsschaffung ein Prozess in ständiger Dynamik der Ein- und Ausgrenzung.[81] Identität findet daher immer im Vergleich mit anderen statt, um sich selbst oder die zugehörige Gruppe/Nation aufzuwerten. Bei der individuellen Identität vollzieht sich der Vergleich auf der personaler Ebene, der zu einer individuellen Selbstbewertung führt. Daraufhin wird ein positives Selbstkonzept gebildet, das die eigene Identität bestimmt. Bei der kollektiven Identität läuft dieser Prozess nach einem analogen Schema ab, nur im Vergleich mit einer ganzen Gruppe. Die zugehörige Gruppe oder Nation wird im Vergleich zu anderen Gruppen oder Nationen bewertet, worauf sich ein positives nationales Selbstbild ergibt, welches zu einer kollektiven Identität führt.[82]

Die nationale Identität hat die Funktion, den Bürgern, die in dem zugehörigen Staat leben, einen politisch-kulturell-territorrialen Rahmen zu geben, der Sicherheit und Halt gibt. Der Staat ist das Zentrum, mit dem man sich als Individuum und Mitglied von Gruppen, Organisationen und Institutionen identifizieren kann.[83] Besonders wichtig zur Bildung einer nationalen Identität sind das historische Gedächtnis und die damit verbundenen Rekonstruktion der Geschichte.[84]

Die Identität einer Nation, die Summe eines gemeinsames Erbes (…), gemeinsamer Sitten und Gebräuche (…), entwickelt sich wie die Identität eines Individuums im Laufe der Zeit. Sie ist keine starre Größe, im Gegenteil: Sie ist ein Prozess, ständige Bewegung, kontinuierliche Entfaltung. Doch die Identität überlebt den Wandel; und die verdankt sie dem historischen Gedächtnis und dem, was man einem Menschen eigenen Bedürfnis nach Kontinuität nennen könnte.[85]

Die Differenz und Abgrenzung zum Anderen braucht nationale Identität, um sich zu bestätigen. Das Andere, das Fremde, das sich in Form von anderen Personen oder Nationen manifestiert, kann zugleich aber auch eine Gefahr für die Intakthaltung darstellen. Dem Fremden wird infolgedessen eine negative Konnotation zugeschrieben, die Risiken und Gefahren birgt. Die andere Nation kann somit als mögliche Bedrohung für die kulturelle und gesellschaftliche Kontinuität der eigenen Nation angesehen werden, gegen die es sich gilt, zu verteidigen.[86] Mexiko nahm diese Haltung während der conquista gegenüber den Kolonialisten ein, während es nach der Unabhängigkeit von Nueva España die Vereinigten Staaten sind, gegen die sie sich bis heute schützen und die nationale Identität verteidigen.

2.3.2 Die Suche nach einer lateinamerikanischen Identität

Die Frage nach einer hispano- amerikanischen Identität beschäftigt seit dem 19. Jh. den ganzen lateinamerikanischen Kontinent. Die spanische conquista und die Konsequenzen der Besetzung führten zu der Zerrüttung eines einheitlichen Selbstverständnisses und hinterließen einen klassenübergreifenden Identitätsdiskurs auf dem ganzen Kontinent. Durch die forcierte Missionierung im16. Jh. vermischten sich christlich- religiöse Elemente mit indianischen Traditionen, die bis heute in der lateinamerikanischen Identität tief miteinander verflochten sind.[87] Gerade die Vermischung und Vielfalt dieser Elemente zeichnet den Reichtum, aber auch die Komplexität dieser Identität aus, da das Fremde als Maßstab für das Eigene galt und noch gilt.[88] Laut Vittoria Borsó, besteht die Schwierigkeit darin

das gemeinsame Merkmal (…) mit dem Fremden (…)

von Eroberern, Kolonisatoren und Missionaren, das Ereignis

überhaupt als Begegnung mit einer fremden Kultur zu begreifen,

deren Fremdheit zerstört wird, sobald sie verstanden werden soll.[89]

Die Sinnsuche nach einem integeren, nationalen Selbstbild und einem daraus resultierendem Bewusstsein hat vor allem die Mexikaner beschäftigt. Im 19 Jh. fand daher eine Orientierung am europäischen Modell statt, die später auf den nationalen und traditionellen Reichtum konzentriert war:

Der Wunsch nach Anpassung an das moderne Europa (…); Integration in die Universalgeschichte durch den Modernismus; schließlich der scheinbare Bruch

in der Geschichte der Abhängigkeit zu Europa durch die Entdeckung der Anomalie

als Wertekategorie in der Avantgarde und der Negation tradierter Werte bei der

mexikanischen Revolution (…)[90]

postulierten einen politisch- philosophischen Diskurs, der in der Suche nach einer Mexicanidad[91] mündete.

Laut Octavio Paz, mexikanischer Dichter und Schriftsteller, ist mit der conquista auch die Einheit des mexikanischen Seins zugrunde gegangen und in Personifizierung von Malinche zum Anderssein (otredad) mutiert. Malinche, auch Malintzin Tenepal oder Malinalli genannt, (vermutlich 1501–1530) war Angehörige eines Atzekenstammes und verhalf durch ihr diplomatisches und sprachliches Geschick dem spanischen Eroberer Hernán Cortés (1485–1547) Mexiko zu erobern. Sie wurde Cortés` Geliebte und gebar ihm einen Sohn, der sie jedoch verstieß. In Mexiko gilt Malinche daher als Symbol der Verräterin oder der Geschändeteten (chingada). Die chingada war sowohl eine historische als auch eine fleischliche Schändigung der Indianderfrauen, was ihr bis heute nicht von den Mexikanern verziehen wird.[92] Das Sprichwort hijo de la chingada (Sohn der geschändeten Mutter) drückt diesen subtilen Minderwertigkeitskomplex aus, dem der Mexikaner bis heute zugrunde liegt, so Paz. Durch die Ablehnung der Malinche und damit auch der Mutterschaft, stößt der Mexikaner auch einen Teil seiner eigenen Identität ab. Anders ausgedrückt führt die Negation des Anderen (otredad) auch zur Auslöschung des eigenen Selbst.[93]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten [94]

Abb. 3: Malinche , Hernan Cortés und Moctezuma

Bis heute ist die Suche nach einer mexikanischen Identität nicht abgeschlossen. Der Anfang nach der Suche einer einheitlichen Mexicanidad fand allerdings erst nach der Mexikanischen Revolution ihren Höhepunkt.

2.3.3 Das Projekt Mexicanidad

Mit der Loslösung vom Vizekönigreich Neu-Spanien, begann auch der Bruch mit den Traditionen und Riten der neuspanischen Gesellschaft. Die liberalen Kräfte in Mexiko machten sich für eine absolute Abnabelung der Kolonialmacht Spanien stark, während die konservativen Kräfte im Land dagegen strebten. Die Frage nach dem Ursprung der eigentlichen mexikanischen Identität schien durch die Vermischung der Völker schwierig zu beantworten sein. Der Fokus lag nun mehr auf der mestizischen Bevölkerung und Kultur, die als wichtiger Bestandteil des Identitätsdiskurses wahrgenommen wurde.

Während der Diktatur unter Porfirio Díaz kam es allerdings zu einer ideologischen, aber auch wirtschaftlichen Hinwendung zu den USA und einem Versuch der Modernisierung nach westlicher Idee. Diese Ausrichtung stieß jedoch, gerade bei den Konservativen, auf Missgunst.[95] Nach dem Sturz von Díaz und der darauf folgenden Mexikanischen Revolution kam es zu einer nationalen Identitätskrise, die mit einem einheitlichen Identitätsprojekt

überwunden werden sollte. Durch den damaligen Kultur- und Bildungsminister José Vasconcelos und anderen jungen Intellektuellen wie Alfonso Reyes, Pedro Henríquez Urena und Antonio Caso entstand das Projekt Mexicanidad, das, orientiert an der europäischen Moderne, das Land mexikanisieren sollte.[96] Vor allem die europa- orientierte, kulturelle Elite hatte das Ansinnen

(…) gegen die Bedrohung durch die USA, gegen die regionale und ethnische

Zersplitterung des Landes, aber auch aus Furcht vor den Folgen der Migration

zwischen beiden Ländern (…)[97]

eine national übergreifende und volkstümliche Kultur entgegen zu halten.Dieses Anliegen erwies sich, gerade nach der Revolution, also Herausforderung, da die drei wichtigsten ethnische Gruppen zusammengebracht werden sollten: die Kreolen, die Mestizen und die Indios[98], die den Grossteil der Bevölkerung ausmachen und oft nicht einmal Spanisch sprachen. Nach Octavio Paz waren jedoch gerade

(…) die Kreolen in ihrer Abgrenzung zu Europa und die Mestizen in ihrer

Übernahme indianischer und europäischer Traditionen (…) in diesem

Sinne die Vorläufer der Mexikanität (…)[99]

Das Nationalprojekt sollte durch eine Definition von nationalen Volkssymbolen, Riten und traditionellen Mustern erfolgreich realisiert werden und das Bild eines authentischen Mexikos zeichnen. Vasconcelos gründete dafür ein Ministerium für öffentliche Erziehung und Bildung und führte Alphabetisierungskampagnen durch. Darüber hinaus trommelte er unzählige Künstler und Literaten zusammen, die sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart traditionelle Symbole suchen sollten, die die wahre Mexicanidad definieren sollten.[100] Gemäß Juan José Bremer blieb Mexiko eine plurale Gesellschaft, deren Nationalismus sich weder in Überlegenheit noch in einem Expansionsdrang auslud, sondern einen Akt der Selbstverteidigung und ein Schritt nach Innen darstellte. Mexiko entdeckte sich dadurch selbst und löste sich von dem Modell der Nachahmung.[101]

Heute steht das Land vor der einzigartigen Herausforderung, sein kulturelles Erbe und die dadurch entstandenen Vielfalt mit der Modernität zu vereinen, um einen neuen Teil in der mexikanischen Identität hinzuzufügen.

3 Die Vereinigten Staaten von Amerika

3.1 Historischer Überblick

Dieses Kapitel widmet sich der historischen, komplexen Vergangenheit der USA, die mit der Ankunft der ersten Siedler aus England beginnt. Durch den Unabhängigkeitskrieg als Loslösung von der englischen Krone, der Amerikanische Bürgerkrieg und die politische Entwicklung, haben die USA aufgrund ihres besonderen Sondermachtsanspruch zu einer politischen Größe werden lassen, die sie bis heute kennzeichnet.

3.1.1 Die Gründungsgeschichte und der Unabhängigkeitskrieg (1607- 1783)

(…) Wir halten folgende Wahrheiten für selbstverständlich:

dass alle Menschen gleich geschaffen sind; dass sie von ihrem

Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind;

dass dazu Leben, Freiheit und das Streben nach Glück gehören (…)

Thomas Jefferson, 3. US-amerikanischer Präsident[102]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[103]

Abb. 4.: Weltkarte aus dem 17. Jh.

Die ersten Einwanderer, die im heutigen Florida landeten, waren 1513 die Spanier mit ihrem Anführer Ponce de Léon, der im Auftrag der spanischen Krone unterwegs war. Jahre später wurden unter dem Kapitän Cabeza de Vaca weitere Teile des heutigen New Mexiko, Texas und Arizona entdeckt.[104] Im Jahre 1607 kamen die ersten englischen Siedler in Virginia an und gründeten zu Ehren des Königs James I. von England die gleichnamige Kolonie Jamestown. Die zweite entsandte Gruppe der Pilgerväter (pilgrim fathers) stieg 1620 von der Mayflower von Bord und gründete die Siedlung Plymoth Plantation in Massachusetts.[105] Die pilgrim fathers waren eine kleine Gruppe religiöser Puritaner, Angehörige

(…) einer extremen Fraktion der anglikanischen Kirche mit politischen

umstürzlerischen Ideen, die im Mutterland verfolgt wurde und deshalb

nach Holland floh, dann vom König einen Freibrief (royal charter) erhielt,

sich in der Neuen Welt niederzulassen.[106]

Über 150 Jahre hielten die englischen Kolonisten der britischen Krone die Treue bis es wegen verschiedener Faktoren zum Bruch kam. Zu unüberbrückbaren Differenzen kam es u.a. wegen der neu eingeführten Finanzpolitik Britaniens und den immer höher werdenden Steuern (Sugar Act, Stamp Act, Townshend Act oder Coercive Act) gegen die sich Kolonien sträubten. Sie beriefen sich auf den berühmten Ausspruch no taxation without representation. Am 04. Juni 1776 wurde die Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien vom Kontinental Kongress verabschiedet und offiziell durch den Friedensvertrag Treaty of Paris anerkannt.[107] Die 13 Staaten, die bis dato zwar unabhängig, aber noch keine Vereinte Nation waren, taten sich 1781 zu einem Staatenbund zusammen. Der Krieg zwischen den ehemaligen britischen Kolonien und der englischen Krone dauerte noch bis 1783 und wurde erst mit dem Friedensvertrag von Versaille, in dem die Unabhängigkeit der USA durch England anerkannt wurde, beendet.[108] Der vorläufige Entwurf der US- Verfassung wurde nach einigen Unstimmigkeiten 1787 in Philadelphia vorgelegt, aber erst endgültig am 21. Juni 1788 ratifiziert.[109] 1791 wurden der Verfassung eine Reihe von Grundrechten (Bill of Rights) hinzugefügt.[110] Der erste Präsident unter der neuen Konstitution, auch als Supreme Law bekannt, wurde 1789 General George Washington, der sämtliche Stimmen des Wählerkreises erhielt.[111] Nach Washington folgte John Adams (1797-1801) und der dritte Präsident wurde der Republikaner Thomas Jefferson (1801-1809).[112] In den nächsten Jahrzehnten erlebte die USA durch die Louisana Purchase und den Mexikanischen-Amerikanisch Krieg (1846-1848) eine immense territoriale Expansion, die in der Manifest Destiny[113] ihren Ausdruck fand. Währendessen spitze sich die Sklavenproblematik und der damit verbundenen Nord-Süd-Konflikt immer weiter zu. Hauptstreitpunkt war, dass, bedingt durch das föderalistische System, jeder Bundesstaat selbst über die Haltung von Sklaven entscheiden konnte. Es kam zum Zwiespalt zwischen den Staaten, die, wie der industrialisierte Norden die Sklaverei verboten, und den Südstaaten, die durch den hohen Exportanteil von Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr wirtschaftlich auf die Sklaven angewiesen waren.[114]

Der Republikaner Abraham Lincoln gewann 1860 die Präsidentschaftswahlen gegen den Demokraten Stephen Douglas. Seine politische Haltung, vor allem seine entschiedene Ablehnung der Sklavenhaltung gegenüber, verstärkten die politischen Unruhen.[115] Diese mündeten schließlich im Austritt der elf Staaten (South Carolina, Mississippi, Florida, Alabama, Georgia, Louisiana, Texas, Virginia, Arkansas, Tennessee, and North Carolina) und in der Gründung der Konföderierten Staaten von Amerika.[116] Dies läutete den Anfang des Amerikanischen Bürgerkriegs ein, der bis heute als eines der prägendsten Ereignisse in der US-amerikanischen Geschichte beschrieben wird.[117]

[...]


[1] Übersetzt von der Verfasserin aus http://pewhispanic.org/files/reports/85.pdf, 07.05.2009.

[2] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S. 176 f.

[3] Insgesamt wurden sieben Mexikanerinnen und Mexikaner von mir telefonisch und online zu dem Thema Migration und Integration der Mexikaner in den USA befragt.

[4] Vgl. Wiecha, 2006, S.139.

[5] Vgl. Wiecha, 2006, S.139

[6] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.111

[7] Vgl. ebd. S.111

[8] Vgl. ebd. S.111

[9] Vgl. Wiecha, 2006, S.140

[10] http://www.uqp.de/stamps/maps/images/mexico434.jpg, 26.05.2009.

[11] Vgl. Wiecha, 2006, S.145

[12] Zit. n. Fuentes 2003, S.280 in Wiecha, 2006, S.145

[13] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.116 f.

[14] Vgl. Heideking, 2003, S. 151

[15] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 221 ff.

[16] Vgl. ebd., S. 221 ff.

[17].Vgl. ebd., S. 235

[18] http://www.mexiko-lindo.de/article61.html, 12.05.2009

[19] Vgl. Wiecha, 2006, S.147

[20] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 243

[21] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 249

[22] Vgl. ebd., S. 244

[23] Vgl. Chacón/Davis, 2007, S.118 f.

[24] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 251 f.

[25] Vgl. http://ger.anarchopedia.org/Mexikanische_Revolution, 01.04.2009

[26] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 270

[27] Zit. Nach http://ger.anarchopedia.org/Mexikanische_Revolution, 01.04.2009, 22:34h

[28] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 303

[29] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.123

[30] Zit. Bernecker et al., 2007, S. 304

[31] Näheres zum Bracero-Programm unter 2.2.3.

[32] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 312

[33] Vgl. ebd., S. 316 f.

[34] Vgl . http://www.mexiko-lexikon.de/mexiko/index.php?title=Geschichte, 03.04.2009

[35] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 346

[36] Ausführlichere Informationen zu den maquiladoras unter 2.2.2.

[37] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 356

[38] Vgl. ebd., S. 362 f.

[39] Zit.n. Bernecker et al., 2007, S. 364

[40] Vgl. ebd., S. 364

[41] http://www.htlsaalfelden.at/Migration/4b/8_Mexiko_USA.pdf, 04.05.2009

[42] Das Wort “ Bracero” wird von dem spanischen Wort “ brazo” - zu deutsch “ Arm” abgeleitet und ist auf die mexikanischen Arbeitskräfte bezogen

[43] Vgl. Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 375 f.

[44] Vgl. Briesemeister/ Zimmermann, 1992 , S. 375 f.

[45] Vgl. Bandau et al., 2009 S. 7

[46] Übersetzt von der Verfasserin aus Velázquez García, 2008, S.39

[47] Vgl. http://www.akweb.de/ak_s/ak506/14.htm, 16.04.2009, 21:55

[48] Vgl. Schindler, 2008, S. 21

[49] Das Wort wetback bedeutet „nasser Rücken“ und bezieht sich vorwiegend auf die Mexikaner, die versuchen, illegale durch den Fluss zu schwimmen. Wetback kam in den 60iger Jahren durch die Operation Wetback auf. Zwischen 1944 und 1954 stieg die Nummer der wetbacks um 6 000 % an. Übersetzt von der Verfasserin aus http://kpearson.faculty.tcnj.edu/Dictionary/wetback.htm, 16.05.2009

[50] Übersetzt von der Verfasserin aus http://kpearson.faculty.tcnj.edu/Dictionary/wetback.htm, 16.05.2009

[51] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S. 151

[52] Zit. n. http://www.dhs.gov/xlibrary/assets/statistics/publications/enforcement_ar_07.pdf, 16.05.2009

[53] Wörtlich: Undokumentierten, also Illegalen

[54] Vgl. www.oeku-buero.de/index.php/info-blatt-72/articles/warum-die-migration-ein-teufelskreis-ist.html?pdf=250, 16.05.2009

[55] Vgl. http://www.bpb.de/themen/IBZGI4,0,Drogenhandel_in_Mexiko.html(Dorgenhandel%20), 16.05.2009

[56] Vgl. Schindler, 2008, S. 22

[57] Vgl. http://www.bpb.de/themen/IBZGI4,0,Drogenhandel_in_Mexiko.html(Dorgenhandel%20), 16.05.2009

[58] Vgl. ebd. 16.05.2009

[59] Zit.n. Bandau et al., 2009 S. 7

[60] Vgl. Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 376

[61] Vgl. Bernecker et al., 2007, S. 318 f.

[62] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.157 f.

[63] Vgl. Chacón/ Davis, 2007. S.162

[64] Laut einer Studie 1951 waren ungefähr 60 Prozent der Erntekräfte in diesem Jahr ohne Papier

aus ebd., S.165

[65] Politisch stand ein ideologischer Kurswechsel in Mexiko statt, der dazu führen sollte, die Landwirtschaft in Mexiko zu kapitalisieren und eine Orientierung zu einer Exportökonomie zu verstärken. Gleichzeitig begannen die USA, den mexikanischen Markt zu durchdringen und eine Integration zu befürworten und dadurch die mexikanische Politik zu verstärken. Der herrschenden und einflussreichen Klasse in Mexiko wurde somit gezeigt, dass es durchaus lukrativ war, sich ökonomisch unter die Vereinigten Staaten zu stellen aus Laut einer Studie 1951 waren ungefähr 60 Prozent der Erntekräfte in diesem Jahr ohne Papier

aus ebd., S.165

[66] Vgl. Bernecker et al., 2007, S.319

[67] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.162

[68] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.128

[69] Tijuana ist die schnellst wachsende Stadt der Welt u.a. bedingt durch den enormen Zuwachs der Binnenmigranten aus Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 382

[70] Vgl. Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 378

[71] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S. 130

[72] Vgl. ebd., S.133

[73] Zit. n. Briesemeister/ Zimmermann, 1992 S. 380

[74] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.135

[75] Vgl. www.oeku-buero.de/index.php/info-blatt-72/articles/warum-die-migration-ein-teufelskreis-ist.html?pdf=250, 26.05.2009

[76] Vgl. http://www.ciepac.org/archivo/analysis/mxeuroalem.htm, 26.05.2009

[77] Vgl. http://www.chkorte.de/mexiko/loesung.htm, 24.05.2009

[78] Vgl. Chacón/ Davis, 2007, S.135

[79] Vgl. ebd., S. 136

[80] http://www.uni-hamburg.de/fachbereiche-einrichtungen/fb16/absozpsy/nationale_identitaet.pdf, 11.04.2009

[81] Vgl. www.ds.uzh.ch/lehrstuhlduerscheid/docs/semarb/buechi-identitaet-04.pdf, 11.04.2009

[82] Vgl. http://www.uni-hamburg.de/fachbereiche-einrichtungen/fb16/absozpsy/nationale_identitaet.pdf., 11.04.2009

[83] Vgl. http://www.dfjw.org/paed/texte2/intkom/intkom5b.html, 09.04.2009

[84] Vgl. Borsò, 1994, S. 45 ff.

[85] Zit. n. Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 708

[86] Übersetzt von der Verfasserin ausVelázquez García, 2008, S. 43

[87] Vgl. Wiecha, 2006, S. 140

[88] Vgl. Borsò, 1994, S. 22

[89] Zit. n. ebd., S. 44

[90] Zit. n. ebd., S.44

[91] Mexicandidad bedeutet die mexikanische Identität. Mehr zum Identitätsdiskurs der Mexicanidad unter 2.3.2.

[92] Vgl. Paz, 1998, S.89

[93] Vgl. Borsò, 1994, S.189 ff

[94] http://elcuentodeunavida.files.wordpress.com/2008/05/cortesmalinchemoctezuma_cuadro.jpg, 12.04.2009

[95] Vgl. Wiecha, 2006, S. 146

[96] Vgl. http://www.atypon-link.com/AV/doi/pdf/10.1524/behe.2008.0006, 26.05.2009

[97] Zit. n. ebd, 26.05.2009

[98] Die Kreolen sind die weißen, von den Spaniern direkt abstammende Mexikaner. Unter Mestizen versteht man die Mischung der spanischen Nachfahren und den Indios. Als Indios bezeichnet man im Generellen die in Lateinamerikaner wohnende indigene Bevölkerung, die schon vor der spanischen Eroberung in Lateinamerika lebte.

[99] Zit. n. Paz 1984, S.66/7, 69 aus Wiecha, 2006, S. 141

[100] Vgl. http://www.atypon-link.com/AV/doi/pdf/10.1524/behe.2008.0006, 26.05.2009

[101] Vgl. Briesemeister/ Zimmermann, 1992, S. 702 ff.

[102] http://usa.usembassy.de/etexts/gov/unabhaengigkeit.pdf, 26.05.2009

[103] http://www.planet-wissen.de/pw/showdocumentFE85E3816685050FE0340003BA5E0905.html, 27.05.2009

[104] Übersetzt von der Verfasserin aus http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/USA1500.htm, 17.04.2009

[105] Vgl. Wiecha, 2006, S. 215

[106] Zit. n. ebd., S. 215 f.

[107] Vgl. http://usa.usembassy.de/geschichte-revolution.htm, 13.04.2009

[108] Vgl. http://www.wissen.de/wde/generator/wissen/ressorts/geschichte/index,page=1262886.html,

13.04. 2009

[109] Übersetzt von der Verfasserin aus Boyer/ Clark Jr. et al., 2002 S. 128

[110] Vgl. http://www.chr.mergler.bnv-bamberg.de/initiativkreis/us-staatssystem.htm, 14.04.2009

[111] Vgl. Sautter, 2006, S. 104

[112] Vgl. ebd., S. 116

[113] Die Manifest Destiny bildete sich in den USA im 19 Jh als Ausdruck göttlicher Bestimmung und diente als Rechtfertigung territorialer und ideologischer Expansion. Bis heute ist dieses Manifest Grundlage der US- amerikanischen Ideologie. Wie John L. Sullivan, der Begründer des Manifest Destiny 1839 in einer Zeitung schrieb: “The American people having derived their origin from many other nations, and the Declaration of National Independence being entirely based on the great principle of human equality, these facts demonstrate at once our disconnected position as regards any other nation(…) On the contrary, our national birth was the beginning of a new history, the formation and progress of an untried political system, which separates us from the past and connects us with the future only; and so far as regards the entire development of the natural rights of man, in moral, political, and national life, we may confidently assume that our country is destined to be the great nation of futurity . (…)America is destined for better deeds. It is our unparalleled glory that we have no reminiscences of battle fields, but in defence of humanity, of the oppressed of all nations, of the rights of conscience, the rights of personal enfranchisement.(…) “zit. n http://www.civics-online.org/library/formatted/texts/manifest_destiny.html, 14.04.2009

[114] Vgl. http://usa.usembassy.de/geschichte-civilwar.htm, 14.04.2009

[115] Vgl. Heideking, 2003, S. 163

[116] Vgl. http://usa.usembassy.de/geschichte-civilwar.htm, 14.04.2009

[117] Vgl. Heideking, 2003, S. 165 f.

Ende der Leseprobe aus 139 Seiten

Details

Titel
Die Migration und Integration der Mexikaner in den USA
Untertitel
Soziokulturelle und politische Einflüsse der Chicanos auf die US-amerikanische Gesellschaft
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Autor
Jahr
2009
Seiten
139
Katalognummer
V154792
ISBN (eBook)
9783640675852
ISBN (Buch)
9783640865956
Dateigröße
1538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Migration, Integration, Mexikaner, Soziokulturelle, Einflüsse, Chicanos, US-amerikanische, Gesellschaft
Arbeit zitieren
Jamila Vidas (Autor), 2009, Die Migration und Integration der Mexikaner in den USA, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154792

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