1883 veröffentlichte Jean-Paul Verlaine (1844-1896) in der Gedichtsammlung Jadis et Naguère das Programmgedicht L’Art poétique, das in weiten Kreisen als ein Manifest symbolistischer Lyrik betrachtet wird. In dieser Hausarbeit möchte ich dieses Werk auf seine poetologischen Inhalte untersuchen und dabei der Frage nachgehen, wie konsequent diese umgesetzt werden. Nach einer einführenden Definition des Begriffes „poetologisches Gedicht“ möchte ich eine Kontextplatzierung des Gedichtes vornehmen, um einen plastischen Einblick in die Epoche der Décadents und Symbolistes und nicht zuletzt in die poetologische Betätigung Jean-Paul Verlaines zu erhalten. In der darauffolgenden eingehenden Analyse der Art poétique werde ich die einzelnen poetologischen Aspekte herausstellen und abschließend die von Verlaine geforderte Musikalität der Sprache auf ihre Umsetzung betrachten.
Inhaltsverzeichnis
1. Das poetologische Gedicht
2. Von den Parnassiens zu Symbolisme und Décadisme
3. L’Art poétique
3.1 Untersuchung der semantischen und pragmatischen Ebene
3.2 Form
3.3 De la théorie avant toute chose?
4. Fazit
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht Jean-Paul Verlaines Gedicht „Art poétique“ hinsichtlich seiner poetologischen Inhalte und der Konsequenz ihrer Umsetzung innerhalb des Werkes. Dabei wird das Gedicht in den Kontext der Epochen Symbolisme und Décadisme gestellt, um zu analysieren, inwiefern Verlaines Forderungen an die Lyrik in seinem eigenen Text realisiert wurden.
- Analyse des Begriffs „poetologisches Gedicht“
- Historische Kontextualisierung zwischen Parnassiens, Symbolisme und Décadisme
- Untersuchung der semantischen und pragmatischen Sprachebenen
- Analyse der formalen Struktur und des Rhythmus
- Kritische Reflexion über das Spannungsfeld zwischen Theorie und Praxis im Gedicht
Auszug aus dem Buch
3.1 Untersuchung der semantischen und pragmatischen Ebene
L’Art poétique präsentiert sich als Synthese einer künstlerischen Erfahrung: Es werden Forderungen aufgestellt, die die moderne Lyrik betreffen. Die Isotopie von Kunst und Musik, sowie das poetische Wort treten in den Mittelpunkt.
Die Forderung a priori ist die Musikalität poetischer Sprache (1 „De la musique avant toute chose“). Inhaltlich sei das Unbestimmte, Unschickliche zu bevorzugen (2-3 „...préfère l’Impair). Daraus folgt eine entsprechend bedachte Wortwahl, die zwischen dem Bestimmten und Ungefähren oszilliert (5-8 „Il faut aussi... Choisir tes mots sans quelque méprise... »). Dieses wird zum Beispiel veranschaulicht durch Stilfiguren wie Synästhesien (7 „la chanson grise“), Paradoxa (8 „l’Indécis au Précis se joint“), anaphorisch aufgeführte Beispiele und charakteristisch bildhafte Tropen (9-11 „C’est...C’est...un ciel d’automne attiédi...“) sowie durch Oxymora (12, „Le bleu fouillis des claires ètoiles!“). Verlaine bedient sich hier einer höchst bildhaften, rhetorischen Sprache, was die folgenden Forderungen relativiert: Nur die Schattierung, nicht die Farbe (13-16 „...voulons la Nuance encor ») sei im Prozess des Dichtens zu verwenden, was er mit einer emphatischen Exklamation (15 „Oh!“) rhetorisch unterstreicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das poetologische Gedicht: Dieses Kapitel definiert den Begriff des poetologischen Gedichts als Form künstlerischer Selbstreflexion und ordnet dessen Bedeutung für die moderne Dichtung ein.
2. Von den Parnassiens zu Symbolisme und Décadisme: Hier wird der literaturhistorische Wandel von den Parnassiens hin zur Ästhetik der Décadents und Symbolisten beleuchtet, insbesondere deren Ablehnung starrer Formen.
3. L’Art poétique: Das Kapitel widmet sich der zentralen Analyse von Verlaines Werk und zerlegt es in seine semantische, pragmatische und formale Struktur.
3.1 Untersuchung der semantischen und pragmatischen Ebene: Diese Sektion untersucht die rhetorischen Mittel und inhaltlichen Forderungen Verlaines, wie die Musikalität der Sprache und die Abkehr von traditioneller Rhetorik.
3.2 Form: Die Untersuchung konzentriert sich auf die Makro- und Mikrostruktur des Gedichts, einschließlich Reimschema, Metrik und Rhythmus.
3.3 De la théorie avant toute chose?: Dieses Kapitel diskutiert das Verhältnis von Verlaines Theorieansprüchen zu den Einflüssen klassischer Theoretiker wie Horaz und hinterfragt den präskriptiven Charakter des Gedichts.
4. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass das Gedicht zwar Forderungen aufstellt, diese jedoch durch die eigene künstlerische Umsetzung ironisiert und die Diskrepanz zwischen Programm und Werk beleuchtet.
Schlüsselwörter
Jean-Paul Verlaine, Art poétique, Symbolismus, Décadisme, Poetologie, Musikalität, Parnassiens, Dichtungstheorie, Reim, Metrik, Literaturwissenschaft, Lyrik, Selbstreflexion, Ästhetik, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Jean-Paul Verlaines Gedicht „Art poétique“ und untersucht, inwieweit das Werk seine eigenen poetologischen Forderungen – etwa nach Musikalität und dem Verzicht auf rhetorische Konventionen – in der Praxis erfüllt.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung zum Parnassismus, die Besonderheiten symbolistischer Lyrik, das Verhältnis von Theorie und dichterischer Praxis sowie die formale Analyse des Gedichts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, das „Art poétique“ als Programmgedicht zu identifizieren und die Diskrepanz zwischen den postulierten ästhetischen Regeln und der tatsächlichen Gestaltung des Gedichtes herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die poetologische Begriffsdefinitionen, eine historische Kontextualisierung und eine detaillierte textanalytische Untersuchung (semantisch, pragmatisch, formal) kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Epochenmerkmale von Symbolismus und Décadisme erläutert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der semantischen Ebenen, der formalen Struktur und einem Vergleich mit klassischen Dichtungstheorien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Symbolismus, Musikalität, poetologische Lyrik, Décadisme, formale Ästhetik und die kritische Distanz zwischen Dichter und lyrischem Ich charakterisiert.
Wie bewertet der Autor das Verhältnis von Verlaine zu den Parnassiens?
Der Autor zeigt auf, dass Verlaines Lyrik sich explizit von den Idealen der Parnassiens (wie „Impassibilité“ und skulpturaler Form) abwendet und stattdessen das Vage, das Unbestimmte und die Musikalität in den Fokus rückt.
Was ist das Ergebnis der Analyse zur „Musikalität“ im Gedicht?
Das Fazit zeigt, dass das Gedicht die geforderte Musikalität zwar thematisiert und propagiert, in der konkreten Ausführung jedoch als hochgradig kodiertes und rhetorisch konstruiertes Kunstwerk erscheint, was zu einem bewussten Widerspruch zwischen Anspruch und Ausführung führt.
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- Bastian Wiesemann (Author), 2006, Jean-Paul Verlaines "Art poétique", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154809