Brecht vs. Enzensberger - Vergleich zwischen Brechts „Radiotheorie“ und Enzensbergers „Baukasten einer Theorie der Medien“


Studienarbeit, 2009

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Brecht
Brechts theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Radio
Entwicklung des Mediums Radio bis 1933
Brechts Rundfunk als Kommunikationsapparat - Rede über die Funktion des
Rundfunks
Daseinsberechtigung
Inhalte
Vom Distributionsapparat zum Kommunikationsapparat
Folgenlosigkeit

Enzensberger
Seine Zeit
Baukasten zu einer Theorie der Medien

Fazit und Kritik

Literaturverzeichnis

Einleitung

„Vor der Einführung des Fernsehens war das Radio der Rundfunk schlechthin.“ (Häusermann 1998, S. 1) Das Neue war nicht, dass es nun möglich war, Informationen ohne Kabel zu übertragen, sondern dass die kugelförmig ausgesendeten Wellen von jedem empfangen werden konnten, der ein passendes Empfangsgerät besaß. Bertolt Brecht und Hans Magnus Enzensberger haben beide gefordert, aus den Distributionsapparaten Kommunikationsapparate zu machen, mit denen es möglich wäre, den Produzenten gleichzeitig zum Rezipienten zu machen und den wenigen Produzenten von Medieninhalten ihr Monopol streitig zu machen. Beide wollten, dass jeder die Möglichkeit hat, in das Sendegeschehen einzugreifen und seine eigene Meinung kundzutun.

Enzensberger bezieht sich in seinem Baukasten zu einer Theorie der Medien auf Brechts Radiotheorie - einer Sammlung auf Aufsätzen zum Thema Rundfunk. In dieser Arbeit soll herausgefunden werden, inwieweit Enzensberger von Brechts Arbeit1 beeinflusst wurde und was die Unterschiede in den Forderungen beider sind. Abschließend soll erläutert werden, in welcher Weise sich die Forderungen der beiden Autoren bewahrheitet haben. Zu diesem Zweck sollen hier die Autoren kurz vorgestellt und ein zusammenfassender Blick auf deren Arbeiten geworfen werden. Um das Gesagte besser einordnen zu können, wird ein kleiner Abriss zur Entstehungsgeschichte des Radios und zur Weiterentwicklung der Medien gegeben. Am Ende sollen beide Arbeiten verglichen und kritisiert werden.

Brecht

Bertolt Brecht ist einer der bedeutendsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Er wurde am 10. Februar 1898 in Augsburg geboren. Direkt nach seinem Notabitur, 1917, begann er an der Universität München ein Studium in Medizin, Literatur und Naturwissenschaften. Dieses Studium verfolgte er aber nie ernsthaft, da er sich in erster Linie literarisch betätigen wollte. Seit 1913 schrieb er Gedichte, Kritiken und eigene Stücke. 1918 wurde sein erstes Drama Baal in München uraufgeführt. 1924 siedelte Brecht nach Berlin um. Die Lektüre der Schriften von Marx und seinen zeitgenössischen Interpreten weckte 1926 sein Interesse am Kommunismus. Auf Grundlage dessen entstanden erste gesellschaftskritische Stücke (bspw. Dreigroschenoper ). Darüber hinaus entwickelte er die Theorie des epischen Theaters 2 und erste sogenannte Lehrstücke (bspw. Der Jasager ) kommen zur Aufführung. Zwischen 1927 und 1932 verfasste Brecht seine theoretischen Auseinandersetzungen über den Umgang mit dem Medium Radio. 1933 flüchteten Brecht , seine Familie und Freunde über Prag, Wien und die Schweiz nach Dänemark. 1941 Übersiedlung in die USA. Direkt nach der Uraufführung von Galileo Galilei wurde Brecht vor das Komitee für unamerikanische Tätigkeit in Washington geladen. Darauf hin verließen die 'Brechts' die USA.3 Seit 1949 lebte er wieder in Ost-Berlin. Im selben Jahr gründete Brecht mit seiner Frau Helene Weigel das Berliner Ensemble . 1951 erhielt Brecht den Nationalpreis der DDR . Am 14. August 1956 starb Brecht in Berlin an den Folgen eines Herzinfarktes.

Brechts theoretische Auseinandersetzung mit dem Medium Radio

Brecht hatte schon früh die „enormen Kommunikationsmöglichkeiten“ (Krabiel 1993, S. 27) des Radios erkannt. Zwischen 1927 und 1932 verfasste er mehrere Aufsätze zu diesem Thema. 1927 Radio - Eine vorsintflutliche Erfindung? und Vorschläge für den Intendanten des Rundfunks , 1930 Ü ber Verwertungen und Erläuterungen zum „ Ozeanflug “ und 1932 Rundfunk als Kommunikationsapparat .

In seiner ersten Abhandlung, Radio - Eine vorsintflutliche Erfindung? , beschwerte sich Brecht darüber, dass das Radio dieser Zeit „nichts zu sagen hatte“ (Brecht 1967, S. 121). Er fragte sich sogar, ob das Radio eine „unausdenkbar alte Einrichtung“ sei und das Wissen um diese „durch die Sintflut in Vergessenheit geraten war“ (vgl. ebd., S. 119). Das Radio war in seinen Augen unnütz, da es nichts Neues brachte und nur das imitierte, was ohnehin schon vorhanden war4. In Vorschläge für den Intendanten des Rundfunks forderte er, dass die Intendanten endlich aufhören, nur zu reproduzieren und sich stattdessen die „aktuellen Ereignisse produktiv“ (Brecht 1967, S. 121) zu machen. Radio sollte sich an die Öffentlichkeit wenden und ein eigenes vielfältiges Programmangebot, bestehend aus Gesprächen, Diskussionen, Vorträgen und dazugehörigen Disputationen, erzeugen. Außerdem forderte er, dass sich Radioarbeit für die Mitarbeiter auch finanziell lohnen sollte. Dazu ist es aber auch nötig, mehr öffentliche Kostentransparenz zu ermöglichen, um den Bürgern klarzumachen, warum sie Geld für den Empfang eines solchen Mediums ausgeben sollten. Denn erst wenn man weiß, wozu man etwas braucht, kann man sich entscheiden ob und wie man es nutzt (vgl. dazu auch Über Verwertungen; Brecht 1967, S. 123f.). Brecht wollte die Hörer für das Radio sensibilisieren. Er versuchte, durch seine Lehrstücke den Hörer aktiv in das Geschehen im Radio einzubinden. In seinen Erläuterungen zum 'Ozeanflug' erklärte er, wie er sich das aktive Radiohören vorstellte. Er wollte, dass die Hörer selbst zu Produzenten werden. Dazu müssen die Hörer aber verstehen, wie Radio gemacht wird und wie sie die Inhalte der Radioprogramme aktiv mitbestimmen können. Er war davon überzeugt, dass die zunehmende Spezialisierung Einzelner zu einem Ausschluss der Mehrheit in der Programmgestaltung führt. Durch seine Lehrstücke werden die Hörer zu einem Teil der im Radio gespielten Stücke. Indem die Hörer vorgefertigte Texte an ihnen vorgegeben Stellen sprechen, sollen sie lernen, die Rolle des Hörers zu verlassen und selbst zum Produzenten werden. Er wollte „eine Art Aufstand des Hörers, seine Aktivisierung [sic] und seine Wiedereinsetzung als Produzent“ (Brecht 1967, S. 126) hervorrufen. Es stellt sich in diesem Zusammenhang aber die Frage, ob denn „ein derartiges Karaoke-Modell“(Leschke 2006, S. 250) überhaupt zu einem Rollentausch animiert. In seinem Hauptwerk seiner radiotheoretischen Abhandlung Rundfunk als Kommunikationsapparat von 1932 forderte er sogar eine Erweiterung des Radios vom Distributionsapparat zu einem Kommunikationsapparat. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll auf diesen Aufsatz noch genauer eingegangen werden.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass Brecht zunächst eher enttäuscht war über die ungenutzten Möglichkeiten, die das neue Radio mit sich bringt. Er erwartete eine Demokratisierung des Radios. Das Radioprogramm sollte die Hörer an dem politischen Geschehen teilhaben lassen und sich mit aktuellen Themen auseinander setzen. Desweiteren sollte das Radio eine Alternative zum bürgerlichen Theater darstellen.

Im Verlauf seines Schaffens wurde Brecht konsequenter. Geprägt von marxistischen Einflüssen forderte er die Aktivierung des Hörers. Dieser soll sich aktiv in die Programmgestaltung einschalten und seine Rolle als isolierter Hörer verlassen und selbst zum aktiven Produzenten werden.

Um seine theoretischen Ansätze zu verdeutlichen, entwickelte er das Baden-Badener Radioexperiment (1929, vgl. Brecht 1967, S. 126) und ließ Elemente des epischen Theaters (vgl. Brecht 1967, S. 132) in seine Arbeiten einfließen.

Um die Gedankengänge Brechts aber besser zu verstehen, ist es nötig, sich auch mit dem radiogeschichtlichen Kontext zu befassen. Deshalb folgt hier nun ein kurzer Abriss der Entwicklung des Mediums Radio.

[...]


1 Hier hauptsächlich Brechts Essay von 1932 Rundfunk als Kommunikationsapparat .

2 „Nicht dramatische Konflikte, sondern theatralische Vermittlung gesellschaftlicher Vorgänge durch erzählende Mittel standen im Vordergrund.“ (Schöttker 2002, S. 37)

3 vgl. dazu www.dhm.de/lemo/html/biografien/BrechtBertolt/

4 „Jene Leute, die das Radio schätzen, tun es deshalb, weil sie in ihm eine Sache sehen, für die 'etwas' erfunden werden kann. Sie würden recht behalten in dem Augenblick, wo 'etwas' erfunden würde, um dessentwillen [sic] man das Radio, wäre es nicht schon da, erfinden müsste.“ (Brecht 1967, S. 120)

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Brecht vs. Enzensberger - Vergleich zwischen Brechts „Radiotheorie“ und Enzensbergers „Baukasten einer Theorie der Medien“
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Dept. Medien- und Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Medientheorie
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
20
Katalognummer
V154834
ISBN (eBook)
9783640683604
ISBN (Buch)
9783640683475
Dateigröße
650 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Brecht, Enzensberger, Vergleich, Brechts, Enzensbergers, Theorie, Medien“
Arbeit zitieren
Friederike John (Autor:in), 2009, Brecht vs. Enzensberger - Vergleich zwischen Brechts „Radiotheorie“ und Enzensbergers „Baukasten einer Theorie der Medien“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154834

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Brecht vs. Enzensberger - Vergleich zwischen Brechts „Radiotheorie“ und  Enzensbergers „Baukasten einer Theorie der Medien“



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden