Diese Arbeit befasst sich mit der sexuellen Gewalt im frühneuzeitlichen Frankreich und analysiert diese anhand dem französischen Gesellen Jacques-Louis Ménétras. Die Auseinandersetzung mit der Stellung der Frau im frühzeitlichem Frankreich soll als Grundlage für die Leitfrage dienen und folgende Frage aufwerfen: Inwieweit spiegeln die Begegnungen Jacques-Louis Ménétras während seiner ersten "Tour de France" von 1757 bis 1763 den Umgang mit Frauen im frühzeitlichem Frankreich ab?
Um dieser Frage nachzugehen, wird zunächst auf Grundlage der vorhandenen Forschungsliteratur ein historischer Kontext erarbeitet, in dem die gesellschaftliche Stellung der Frau im frühneuzeitlichen Europa unter besonderer Berücksichtigung Frankreichs analysiert wird. Unter anderem sollen hier die Beziehungen zwischen Männern und Frauen auf familiärer und allgemeiner gesellschaftlicher Ebene herausgearbeitet werden. Eine weitere Perspektive, die an dieser Stelle herausgearbeitet werden soll, ist der rechtliche Rahmen, unter den Frauen zu dieser Zeit fallen. Aus diesen fachlichen Erkenntnissen sollen dann Bezüge zur Autobiographie entwickelt werden.
Zu diesem Zweck wird zunächst eine kurze äußere und innere Quellenkritik durchgeführt. Anschließend werden einige konkrete Fallbeispiele aus der Autobiographie vorgestellt, die Ménétras Verhältnis zu Frauen, wie es auch in Adells Beitrag von 20067 thematisiert wird, veranschaulichen, wobei sich diese Hausarbeit aus Platzgründen spezifischer mit Ménétras erste „Tour de France“ von 1757 bis 1763 befassen wird.
An dieser Stelle wird ein besonderes Augenmerk auf Ménétras Wortwahl und die Art und Weise, wie er darüber berichtet, gelegt. Anhand dieser Fallbeispiele wird im folgenden Unterkapitel seine generelle Haltung gegenüber Frauen untersucht und dabei spezifisch auf die Rolle der Sexualität eingegangen. In der Schlussfolgerung werden die Forschungsinhalte mit den Ergebnissen der Quellenarbeit synthetisiert und zusammenfassend dargestellt, um eine fundierte Stellungnahme zur Leitfrage abgeben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die gesellschaftliche Stellung der Frau im frühneuzeitlichen Frankreich
3. Jacques-Louis Ménétras Begegnungen mit Frauen auf seiner ersten „Tour de France“
3.1. Quellenkritik: Journal de ma vie
3.2. Fallbeispiele aus seinem Journal de ma vie
3.3. Die Rolle der Sexualität
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verhältnis des Glasers Jacques-Louis Ménétra zum weiblichen Geschlecht während seiner ersten „Tour de France“ (1757–1763) und analysiert, inwieweit sein Handeln den damaligen gesellschaftlichen Normen in Frankreich entsprach.
- Analyse der sozialen Stellung der Frau im frühneuzeitlichen Frankreich.
- Quellenkritische Untersuchung von Ménétras Autobiographie "Journal de ma vie".
- Dokumentation und Interpretation spezifischer Fallbeispiele zwischenmenschlicher Kontakte.
- Untersuchung der Rolle von Sexualität, maskulinem Machtanspruch und Gewalt in Ménétras Reiseberichten.
- Vergleichende Einordnung der Ergebnisse in den historischen Forschungskontext.
Auszug aus dem Buch
3.2. Fallbeispiele aus seinem Journal de ma vie
Während seiner ersten „Tour de France“ begegnete Ménétra zahlreiche Frauen, die z.B. in Kirchen, Klöstern und Gasthäusern arbeiteten. In den folgenden Abschnitten werden Fallbeispiele vorgestellt, die sein eher problematisches Verhältnis veranschaulichen, und im Nachhinein auch im Unterkapitel zur Sexualität von Nutzen sein werden.
Die erste Begegnung, die hier vertieft werden soll, geschieht bereits recht am Anfang seiner Reise, als er auf seinem Weg nach Langeais eine Bäuerin auf einer Kutsche trifft. Während der Unterhaltung zwischen beiden, lädt die verheiratete Frau Ménétra zu sich, um mit ihr einige Tage zu verbringen, solange ihr Mann weg ist. Der Geselle darf währenddessen als Hausherr agieren. Er akzeptiert dies und es wird deutlich, dass eine sexuelle Anspannung vorhanden ist. Dabei handelt es sich für die Frau um eine gefährliche Angelegenheit, da es sich hierbei um ein Angebot für außerehelichen Verkehr handelt, auf den eine Frau nicht eingehen darf. Die Bäuerin nimmt sich jedoch diese Freiheit und begründet dies mit dem Fakt, dass wohl auch ihr Mann in Paris andere Frauen treffen würde und auch sie andere Mann treffen darf.
Eine zweite markante Begegnung geschieht auf seinem Weg nach Angers, eine kurze und dennoch wichtige Szene. In einem Wald trifft Ménétra zwei Hirten, die gerade sexuelle Beziehungen hatten. Der Hirte lief weg und ihm hinterher lief Ménétras Kollege. Ménétra selbst bleibt jedoch bei der Hirtin und hat sexuellen Verkehr mit ihr. Er selbst definiert dies als ein „Amüsement“. Bei dieser Szene handelt es sich jedoch um einen forcierten Akt. Ménétra meint nämlich, dass dies alles aus „moitié bonne volonté le reste de force“ passiert ist. Auffällig ist ebenfalls, dass der Quellenverfasser diese beiden ersten Begegnungen jeweils als eine „aventure“ bezeichnet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Autobiographie von Jacques-Louis Ménétra und Definition der Forschungsfrage bezüglich seines Verhältnisses zu Frauen im frühneuzeitlichen Frankreich.
2. Die gesellschaftliche Stellung der Frau im frühneuzeitlichen Frankreich: Historische Einordnung des rechtlichen und sozialen Rahmens, innerhalb dessen Frauen und ihre Sexualität während der Frühen Neuzeit agierten.
3. Jacques-Louis Ménétras Begegnungen mit Frauen auf seiner ersten „Tour de France“: Detaillierte Untersuchung des Quellentextes anhand von Methodik, biografischen Kontexten und spezifischen Begegnungen.
3.1. Quellenkritik: Journal de ma vie: Analyse der äußeren und inneren Beschaffenheit der Quelle sowie Reflexion über die Absichten des Autors.
3.2. Fallbeispiele aus seinem Journal de ma vie: Darstellung konkreter Begegnungen aus Ménétras Reiseberichten, die sein Verhalten gegenüber Frauen illustrieren.
3.3. Die Rolle der Sexualität: Theoretische Auseinandersetzung mit Ménétras Begrifflichkeiten und seiner Interpretation weiblicher Sexualität unter Aspekten der Entmenschlichung und Dominanz.
4. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse, welche bestätigt, dass Ménétras Verhalten oft patriarchale Machtansprüche widerspiegelt und die Grenzen des damals Erlaubten überschritt.
Schlüsselwörter
Jacques-Louis Ménétra, Frühe Neuzeit, Frankreich, Tour de France, Frauenbild, Autobiographie, Gender Studies, Sexualität, Patriarchat, Sozialgeschichte, Quellenkritik, Maskulinität, Gewalt, Zünfte, Journal de ma vie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die soziale Beziehung des französischen Glasers Jacques-Louis Ménétra zu Frauen während seiner Wanderschaft im 18. Jahrhundert.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen das frühneuzeitliche Frauenbild, der Einfluss patriarchaler Strukturen sowie die dokumentierte sexualisierte Gewalt in autobiographischen Reiseberichten.
Was ist die zentrale Forschungsfrage?
Die Untersuchung geht der Frage nach, inwieweit Ménétras Begegnungen auf seiner „Tour de France“ den tatsächlichen Umgang mit Frauen im frühneuzeitlichen Frankreich widerspiegeln.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine quellenkritische Analyse auf Basis historischer Forschungsliteratur durchgeführt, um das Manuskript „Journal de ma vie“ auszuwerten.
Was deckt der Hauptteil ab?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Kontextualisierung, eine Quellenkritik sowie eine fallbasierte Untersuchung spezifischer Begegnungen und Begrifflichkeiten zur Sexualität.
Was zeichnet die Arbeit aus?
Sie verknüpft eine Einzelauswertung einer Autobiographie mit breiteren geschichtswissenschaftlichen Diskursen zu Gender, Macht und gesellschaftlicher Ordnung.
Wie bewertet der Autor Ménétras sprachliche Verwendung?
Der Autor identifiziert eine deutliche Entmenschlichung durch Begriffe wie „Jagdwild“ oder „conquête“, die auf ein respektloses, patriarchales Weltbild hindeuten.
Existierten für Ménétra rechtliche Konsequenzen?
Obwohl er Grenzen überschritt und Gewalt anwendete, deuten die Ausführungen darauf hin, dass Übergriffe selbst durch Dritte selten strafrechtlich verfolgt wurden.
- Arbeit zitieren
- Luis Durães Oliveira (Autor:in), 2024, Sexuelle Gewalt im frühneuzeitlichen Frankreich. Das Beispiel des französischen Gesellen Jacques-Louis Ménétra, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1548485