Dyskalkulie - Definition, Symptome und Möglichkeiten pädagogischer Interventionen


Hausarbeit, 2009
26 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Begriffsklärung
2.1.1 Dyskalkulie
2.1.2 Ätiologie
2.1.3 Pathogenese
2.2 Ergebnisse der Literatur
2.2.1 Historische Hintergründe
2.2.2 Dyskalkulie als Teilleistungsschwäche
2.2.3 Ätiologie und Pathogenese
2.2.4 Symptome der Krankheit und ihre Beschreibung
2.2.5 Diagnostik und Möglichkeiten pädagogischer Interventionen

3 Schluss

Quellenverzeichnis

1 Einleitung

In den vergangenen Jahren wird bei Grundschulkindern immer öfter die als ein Phänomen gesehene Dyskalkulie wahrgenommen. Mathematische Kenntnisse sind für die Persönlichkeitsentwicklung unerlässlich um die Schullaufbahn erfolgreich zu absolvieren. Mathematisches Verständnis für die Rechenoperationen und Grundrechenarten sowie deren praktische Anwendbarkeit im alltäglichen Leben sind dabei unentbehrlich. Erst seit den 80er Jahren wird dieser Problematik mehr wissenschaftliches Interesse beigemessen. Die steigende Sensibilität dieses Problems erfordert ein näheres Eingehen auf die Ätiologie und Pathogenese, um frühzeitig Schwierigkeiten zu diagnostizieren und daraus angemessene Interventionsmaßnahmen zu entwickeln.

2 Hauptteil

Nach der Klärung der zentralen Begriffe soll die neuere Literatur zum Krankheitsbild der Dyskalkulie bezüglich der Entstehung und des klinischen Krankheitsbildes bearbeitet und deren Relevanz für Diagnostik und Möglichkeiten pädagogischer Interventionen untersucht werden.

2.1 Begriffsklärung

Die in der Einleitung vorkommenden Begriffe sollen hier an zentraler Stelle geklärt werden. Später auftretende Begriffe werden im Kontext beschrieben.

In der Literatur fand der Terminus der Dyskalkulie zunächst wenig Beachtung, was auf bislang weniger fundierte Untersuchungen zurückzuführen ist. Aufgrund der geringen Abgrenzbarkeit und den schwer zu erkennenden Alleinstellungsmerkmalen erweist sich eine diagnostische Erfassung sowie die Differentialdiagnose als eher schwierig. Eine Fülle von begrifflichen Auslegungen lässt eine einheitliche Definition kaum zu.

2.1.1 Dyskalkulie

Eine genaue wissenschaftliche Begriffsbeschreibung für das Phänomen Dyskalkulie ist augenblicklich nicht existent, deshalb werden wir uns auf einige in der Literatur beschriebene Begriffserklärungen beschränken.

Aufzeichnungen der Universität Bielefeld (Dyskalkulie, Uni-Bielefeld 2008) weisen darauf hin, dass Dyskalkulie als Synonym für Rechenschwäche oder auch Rechenstörung verwendet wird und bedeutet, dass Probleme bei den grundlegenden Rechenfertigkeiten auftreten.

Das Kapitel F81 in der von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebenen Internationalen Klassifikation von Krankheiten und Entwicklungsstörungen (ICD-10) thematisiert umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten, bei denen die normalen Muster des Erwerbs von Fertigkeiten gestört sind. Konkret wird unter Punkt F81.2 von Rechenschwäche als einer Störung gesprochen, welche eine Minderung der Fertigkeiten im mathematischen Bereich beinhaltet, die nicht nur auf unpassende Beschulung oder Intelligenzminderung zurückgeführt werden kann.

Wikipedia (Dyskalkulie) bezeichnet Dyskalkulie als eine Entwicklungsverzögerung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen mit Einschränkungen im Bereich des mathematischen Denkens.

In einer weit gefassten Definition von Radatz und Lorenz (1993, 16) liegt eine Rechenschwäche bei allen Schülern vor, welche zum normalen Unterricht zusätzlich Förderung bedürfen.

Schilling und Prochinig (2000, 15) wiederum gehen in Anlehnung an Wolfensberger davon aus dass ein normal intelligentes Kind, welches über einen längeren Zeitraum Defizite im Rechnen zeigt, eine Rechenschwäche vermuten lassen kann. Rechenschwäche selbst ist ein Abstraktum und birgt viele verschiedene Rechenschwächen.

In einer Definition von Ortner und Ortner (1995, 264) wird eine spezifische oder auch abgesonderte Rechenschwäche als Dyskalkulie bezeichnet.

In den folgendenden Ausführungen werden die Begriffe Dyskalkulie, Rechenschwäche und Rechenstörung synonym verwendet.

2.1.2 Ätiologie

Bei Meyer (Ätiologie) wird Ätiologie als die Lehre von den Krankheitsursachen beschrieben.

Nach dem DocCheck Flexikon (Ätiologie) und Wikipedia (Ätiologie) beschäftigt sich Ätiologie mit den Krankheitsursachen und ihren auslösenden Faktoren.

2.1.3 Pathogenese

Im DocCheck Flexikon (Pathogenese) wird unter Pathogenese die Entstehung einer psychischen oder physischen Erkrankung oder der Verlauf eines krankhaften Prozesses bis zu einer Erkrankung beschrieben.

Bei der Eingabe des Suchbegriffs „Pathogenese“ definiert Brockhaus den Terminus als die Gesamtheit der Faktoren, die an der Entstehung und Entwicklung einer Krankheit beteiligt sind (Pathogenese, Brockhaus so auch in Meyers Lexikon online).

2.2 Ergebnisse der Literatur

Schon eine oberflächliche Sichtung der Literatur zeigt differente wissenschaftliche Standpunkte und spiegelt so die Kontroverse dieser Thematik wider.

Bislang fand die Dyskalkulie bei weitem weniger Beachtung als die Lese-Rechtschreibschwäche, was nicht allein auf mangelnde Untersuchungen, sondern auch auf die schwierige diagnostische Erfassung zurückgeführt werden kann.

2.2.1 Historische Hintergründe

Der Terminus der Dyskalkulie setzt sich aus Teilen der griechischen und der lateinischen Sprache zusammen und kann als Schwierigkeiten mit Rechensteinchen übersetzt werden (Schwarz 1999, 18f).

In der Geschichte gehen die Untersuchungen zur Dyskalkulie laut Lorenz (2003, 13) zurück zu den alten Ägyptern, welche aber ihre Untersuchungen aufgrund des damaligen Schulsystems hauptsächlich an Erwachsenen durchführten. Im 19. Jahrhundert gingen Untersuchungen zur Dyskalkulie meist mit denen zur Legasthenie einher. Bislang wurden mehr als fünfzig unterschiedliche Formen von Dyskalkulie entdeckt.

2.2.2 Dyskalkulie als Teilleistungsschwäche

Schon die Überschrift dieses Absatzes kann als Widerspruch gesehen werden. Schulz (1995, 29) schreibt dies den beiden Ebenen zu, auf denen der Begriff der Teilleistungsschwäche Anwendung findet. So werden nach Schulz auf pädagogisch-didaktischer Ebene Mängel in einzelnen Sektionen des Gesamtspektrums schulischer Leistungen beschrieben, wie zum Beispiel Rechnen. Auf psychologischer Ebene dagegen werden mit Teilleistungsschwäche Benennungen gestörter Elementarprozesse im Gehirn erklärt, welche auf den vielschichtigen Aufgaben innerhalb schulischer Leistungen basieren.

Diese unterschiedlichen Ebenen ermöglichen nun verschiedene Interpretationen. Viele Autoren, beispielsweise Schulz (1995, 29), bezeichnen Dyskalkulie oft als Teilleistungsschwäche bei durchschnittlicher Intelligenz. Andere reden von Teilleistungsschwächen als Auslöser der Dyskalkulie.

Auf Grund der Komplexität der kognitiven Leistung im mathematischen Bereich wird der Begriff der Teilleistungsschwäche als gestörte Teilfunktionen auf Gehirnebene definiert. Zu den Typen der minimalen cerebralen Dysfunktion gehören bei Berger nach Schulz (1995, 29) Wahrnehmungs- und Motorikstörungen sowie die Störung der Integrationsprozesse in beiden Disziplinen.

Forschungsergebnissen zufolge existieren laut Schulz’ (1995, 28) Ausführungen mit unterschiedlichen, teilweise gegensätzlichen Positionen in Bezug auf Isolation und Spezifität der Intelligenzminderung. Dabei geht die Autorin auf Literatur von Grissemann, Ortner u. a. ein, welche bei Dyskalkulie von einer ausschließlichen Rechenschwäche bei einer ansonsten geringstenfalls durchschnittlichen Klugheit sprechen. Über die Anzahl der bei den Untersuchungen aufgetretenen Fälle herrscht insofern Uneinigkeit, als dass nach Schulz (1995, 28) unter anderen auch bei Grissemann und Weber eine vergleichsweise hohe Anzahl von Schülern mit gutem Intellekt eine Rechenschwäche zeigte, während es zum Beispiel bei Feller und von Aster im Vergleich weniger waren.

International wird nach Schilling und Proching (2000, 16), die auf Untersuchungen von 1975 bis 1980 zurückgreifen, der Anteil an rechenschwachen Kindern auf sechs Prozent geschätzt.

2.2.3 Ätiologie und Pathogenese

Nach Schulz (1995, 28) wurde der Ursachenforschung der Vorrang vor einer einheitlichen wissenschaftlichen Definitionsfindung gegeben. Aber auch dieses Gebiet erweist sich als sehr komplex.

In ihren Ausführungen verweisen Schilling und Prochinig (2000, 16ff) an Wolfensberger und Aepli, welche die Dyskalkulie im Wesentlichen in zwei Kategorien bezüglich der Ursachen teilen, die primäre oder neurogene Dyskalkulie und die sekundäre oder psychische Dyskalkulie. Während bei der primären Dyskalkulie genetische Faktoren oder perinatale Schädigungen die Ursachen der Hirnleistungsschwächen bilden, sind es bei der sekundären Form seelische Störungen, bei denen jedoch keine funktionellen Schädigungen des Gehirns vorliegen.

Bei perinatalen Ursachen handelt es sich um Risikofaktoren, die während der letzten Schwangerschaftswochen, bei der Geburt oder in den ersten Wochen nach der Geburt beim Kind klinisch werden können. Biologischen Gesetzmäßigkeiten zufolge sind Zellsysteme, die sich in der Entwicklung befinden, enorm gefährdet. Bei der Geburt sind diese Entwicklungsprozesse noch im Gange. Lokaler Sauerstoffmangel in umschriebenen Hirnrindenarealen stört laut den Ausführungen der Autoren die aktive Nervenzellorganisation. Dies kann später Auswirkungen haben und je nach Ort des Mangels stellen sich spezifische Funktionsstörungen ein, so Schilling und Prochinig (2000, 16ff)

[...]

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Dyskalkulie - Definition, Symptome und Möglichkeiten pädagogischer Interventionen
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Veranstaltung
Modul: Kindliche Bildungsprozesse und Diagnostik
Note
1,0
Autoren
Jahr
2009
Seiten
26
Katalognummer
V154866
ISBN (eBook)
9783640678891
ISBN (Buch)
9783640679621
Dateigröße
422 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dyskalkulie, Rechenschwäche bei Kindern - Ätiologolie - Symptome - Intervention
Arbeit zitieren
Andrea Koppe (Autor)Sylvia Rau (Autor), 2009, Dyskalkulie - Definition, Symptome und Möglichkeiten pädagogischer Interventionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154866

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