Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum - Ausarbeitung zum 20-wöchigen Praxissemester


Hausarbeit, 2008
21 Seiten, Note: 1,2

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Vorwort

2. Arbeitsplatzanalyse
2.1 Trägerdarstellung
2.2 Strukturdaten und soziale Infrastruktur im ländlichen Raum

3. Gesetzliche Grundlagen

4. Rahmenbedingungen
4.1 Aufgaben und Ziele
4.2 Projektarbeit
4.3 Angebote
4.4 Evaluation

5. Klientenkreis
5.1 Analyse der Kinder und Jugendlichen
5.2 Soziale Unterschiede in zwei Ortschaften (A) und (B)

6. Kinder- und Jugendeinrichtung
6.1 Jugendtreff

7. Aufgaben/Ziele der Praxisstelle
7.1 Ziel
7.2 Arbeitsweise und sozialpädagogische Angebote
7.2.1 Clubrat
7.2.2 Offene Türbereich
7.2.3 Arbeit in Projekten
7.2.4 Einzelfallhilfe
7.2.5 Methodischer Ansatz

8. Eigener Tätigkeitsbereich als Praktikantin
8.1 Eigenreflektion

9. Exkurs Projekt: Kinderbildungstage
9.1 Zielstellung
9.2 Zielgruppe
9.3 Durchführung
9.4 Reflektion

1.Vorwort

In der Publikation “LandJugend(t)räume“1 sind wissenschaftliche und praktische Erkenntnis über die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum sehr eindrücklich zusammengefasst. Das Vorwort habe ich zum Anlass genom- men, einige Auszüge darzustellen, die ich in meiner praktischen Arbeit ebenfalls festgestellt habe.

Die offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum ist etwas ganz anderes als in der Stadt. So ist die Infrastruktur im ländlichen Raum selten optimal. Die Arbeitsplätze sind rar, die Jugend zieht es in die Städte. Andererseits gehört der starke gesellschaftliche Zusammenhalt zu den besonderen Stärken ländlicher Gegenden. Die Anonymität städtischen Nebeneinanderherlebens ist hier kein Problem. Man kennt sich untereinander und spricht miteinander. Das gibt emotionalen und sozialen Rückhalt und bestärkt die Menschen, Verantwor- tung zu übernehmen. Das Angebot an Ausbildungsplätzen ist im ländlichen Raum sehr begrenzt und häufig ist es nicht möglich, den persönlichen Wunschberuf zu erlernen.

Die wichtigste Form einer organisierten Freizeitbeschäftigung sind für Kinder und Jugendliche Vereine und Sportliche Aktivitäten. Vereine und Verbände haben im Alltag der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen einen sehr hohen Stellen- wert. Sie tragen ein hohes Maß zur Integration ins Dorf bei und liefern wesentli- che Bausteine zur Entwicklung einer lokalen Identität. Die jugendkulturelle Praxis orientiert sich einer historischen Brauchtumspflege, wodurch die traditionellen geschlechtsbezogene Rollenbilder von Männlichkeit und Weiblichkeit verfestigt sind. Dagegen bringen Mädchen und junge Frauen auf Grund einer starken Bildungs- und Berufsorientierung das Geschlechtergefüge in ländlichen Regionen durch ihre Abwanderung in ein Ungleichgewicht.

2. Arbeitsplatzanalyse

2.1 Trägerdarstellung

„Der Träger ist ein anerkannter Spitzenverband der freien Wohlfahrtspflege. Er nimmt die Interessen derjenigen wahr, die der Hilfe und Unterstützung bedürfen um soziale Benachteiligung, Not und menschenunwürdige Situationen zu beseitigen sowie auf die Verbesserung der individuellen, familiären und sozialen Lebensbedingungen hinzuwirken.“2

Ein Tätigkeitsfeld seiner satzungsgemäßen Aufgabe stellt die offene Kinder- und Jugendarbeit dar. Entsprechend den Grundsätzen des Trägers stehen die Einrichtungen jedem Besucher unabhängig von der Nationalität, politischen Anschauung, Religion oder Mitgliedschaft im Roten Kreuz offen. Mit den vielfältigen Angeboten in den Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit trägt dieser einen wichtigen Teil zur Lebensbewältigung junger Menschen bei.

2.2 Strukturdaten und soziale Infrastruktur im ländlichen Raum

Die Gemeinde wurde am 01.April 2001 aus vielen kleineren Ortschaften und Dörfern gegründet. Mit Wirkung ab 01. April 2001 besteht die Gemeinde nun rechtskräftig als erste Einheitsgemeinde in Sachsen-Anhalt. Die ehemals selbstän- digen Gemeinden sind heute Ortschaften innerhalb der Gemeinde. Die Gemeinde erstreckt sich über eine Gesamtfläche von 10.361 ha. In der Einheitsgemeinde gibt es insgesamt 10.075 Einwohner (Stand 2003)3. Aktuell leben dort 2578 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 - 25 Jahren, davon sind 1679 Kinder und Jugend- liche im Alter von 12 bis 25 Jahren. In der Einheitsgemeinde befinden sich 3 Grundschulen, 2 Sekundarschulen, 7 Kindertagesstätten und 3 Angebote für den Hort4.

3. Gesetzliche Grundlagen

§ 1 des Achten Sozialgesetzbuches besagt, dass „jeder junge Mensch ... ein Recht auf Förderung seiner Entwicklung und auf Erziehung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit“5 hat. Die Jugendhilfe soll zur Verwirklichung dieses Rechts beitragen. Sie soll „...junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu vermeiden oder abzubauen“6.

Zu den Schwerpunkten der Jugendarbeit gehören7 :

- außerschulische Jugendbildung mit allgemeiner, politischer, sozialer, ge- sundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Bildung,
- Jugendarbeit in Sport, Spiel und Geselligkeit,
- arbeitswelt-, schul- und familienbezogene Jugendarbeit,
- internationale Jugendarbeit,
- Kinder- und Jugenderholung,

„Im Sinne des SGB VIII (§§ 11 - 14) wird ein breites, kreatives Tätigkeitsspektrum zur sinnvollen Freizeitgestaltung für Kinder und Jugendliche in den Einrichtungen angeboten. Alle Betreuungs- und Förderangebote gehen von den Interessen und Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen aus und werden auf ihre aktuelle Situation und ihrer Eltern abgestimmt. Partizipation der Jugendlichen soll zu gesellschaftlicher Ruhe und sozialem Interesse anregen.“8

„Über die beschriebenen §§ 11 - 14 des SGB VIII hinausgehend, gibt es fach- übergreifende Bestimmungen im Sozialgesetzbuch und Bürgerlichen Gesetzbuch, welche mit Jugendlichen in besonderen Problemlagen herzuleiten sind. Zusätzlich wird in der oft geschlossenen Kinder- und Jugendarbeit nach dem geltenden Ju- gendschutzgesetz (JuSchG) und dem Jugendmedienschutz-Staatsvertrag (JMStV) der Länder gehandelt.

4. Rahmenbedingungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Ein- heitsgemeinde

Der Auftrag besteht in der Betreuung von Kindern und Jugendlichen und der Or- ganisation einer sinnvollen Freizeitbeschäftigung in den einzelnen Ortschaften der Einheitsgemeinde. In Zusammenarbeit mit der Einheitsgemeinde und dem Träger der offenen Kinder und Jugendarbeit wurde ein neues Projekt organisiert, der den Aufbau eines Kinder- und Jugendzentrums beinhaltete, mit dem Ziel eine Anzie- hungskraft auf Kinder und Jugendliche der Region und Umgebung zu sein.

4.1 Aufgaben und Ziele

Die Hauptaufgaben in der Einheitsgemeinde liegen in der Entwicklung und Orga- nisation nachhaltiger Angebote für Jugendliche, die Gelegenheiten bieten die Freizeit sinnvoll zu gestalten. Die angestrebten Angebote reichen von Arbeitsge- meinschaften, Projekten und Workshops bis hin zu ständigen Angeboten (wie z.B. Nutzung der Sporthalle, Darts, Billard). Die persönliche Beratung und Betreuung der Zielgruppen bei auftretenden Problemen in Schule, Elternhaus oder im Freun- deskreis sowie die Umsetzung von Konfliktlösungsstrategien stehen dabei im Vordergrund. Im Rahmen von neuen Medien, Computer und Internet, soll ein weiteres wichtiges Arbeitsgebiet der offenen Kinder- und Jugendarbeit angeboten werden. Dadurch sollen möglichst viele Kinder und Jugendliche aus den unter- schiedlichsten Gruppen und sozialen Schichten erreicht werden.

4.2 Projektarbeit

Zu den alltäglichen Angeboten kommen einzelne Projektarbeiten hinzu. Folgende Projekte sind in der Einheitsgemeinde angestrebt:

- Ausbau des Kinder- und Jugendzentrums im ländlichen Raum
- Clubrat
- Projekte zum Thema: Ökologie
- unterstützende Hilfen zur Berufsfindung, Ausbildungsplatz- und Arbeits- stellensuche
- Projekte im Bereich der Schulsozialarbeit
- Bildungs-Projekte zur Förderung der Kreativität
- Geschlechtsspezifisches Projekt für Mädchen

4.3 Angebote

Mit Kultur- und Freizeitangeboten, Natur- und Umweltangeboten sowie Präventions- und Bildungsangeboten wird eine Partizipation der Kinder und Jugendlichen gewährleistet und eigenverantwortliches Handeln gefördert. Dabei werden Angebote aus den Bereichen

- Kulturelle und interkulturelle Jugendarbeit,
- Freizeitorientierung,
- Außerschulische Kinder- und Jugendbildung,
- Erzieherischer Kinder- und Jugendschutz,
- und Jugendsozialarbeit unterbreitet.

4.4 Evaluation

Ziel einer Evaluation ist es, die Qualität der offenen Kinder- und Jugendarbeit in der Einheitsgemeinde zu überprüfen und zu verbessern. „Dazu werden Statistiken erhoben und Kontrollen durchgeführt. Die Besucherzahlen werden von den Mitarbeitern der Einrichtungen täglich dokumentiert 9 “ Die Koordinatorin für Kinder- und Jugendarbeit erstellt zum Jahresende eine grafische Darstellung für jeweilige Einrichtung. Die Statistik ist Teil der Qualitätssicherung.

Neben der Auswertung der Statistiken werden seit 2007 Kontrollen in den Ein- richtungen durchgeführt. Der Erfassungsbogen stellt Fragen zur Einrichtung, zum Personal und zur inhaltlichen Arbeit. Der Fragebogen wird mit der Geschäftsleitung, der Koordinatorin für Kinder- und Jugendarbeit und dem/der Einrichtungsleiter/in durchgeführt. In einem zweiten und dritten Teil werden die Mitarbeiter und Besucher der Einrichtung befragt. Anschließend erfolgt eine Besichtigung der örtlichen Gegebenheiten besucht. Mit der Auswertung wird eine Empfehlung zur Verbesserung gegeben. Die Qualitätssicherung bietet den Mitarbeitern sowie der Geschäftsleitung eine Reflektion der geleisteten Arbeit.

5. Klientenkreis

Die Einrichtungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit stehen allen Kindern und Jugendlichen aus der Umgebung offen, die an einer aktiven Freizeitgestaltung interessiert sind. Diese steht jedem Besucher offen, unabhängig von Religion oder Geschlecht. Angesprochen werden alle Kinder, Jugendliche und junge Erwachse- ne zwischen 6 und 27 Jahren. Entsprechend der Altersgruppen stehen ihnen viel- fältige Angebote zur Verfügung. Die Kinder zwischen 9 und 13 Jahren greifen vermehrt Angebote aus dem Bereich der außerschulischen Kinder- und Jugend- bildung, erzieherischem Kinder- und Jugendschutz und der Kinder- und Jugend- freizeit auf, während die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren und die Gruppe der jungen Erwachsenen Angebote aus der Jugendkulturarbeit, Jugendsozialarbeit und Jugendfreizeit wahrnehmen.

Um auf unterschiedliche Bedürfnisse von Mädchen und Jungen einzugehen, wer- den situationsbezogen geschlechtsspezifische Veranstaltungen angeboten. Die Einrichtungen haben sich zum Ziel gesetzt, eine möglichst langfristige Zugehö- rigkeit der Jugendlichen in den Einrichtungen anzustreben. Je länger die Kinder und Jugendlichen die Einrichtungen aufsuchen, umso mehr Verantwortung wird von den Besuchern übernommen, da sie sich zugehörig fühlen. Das Zugehörig- keitsgefühl ist besonders bei der Wahl des Clubrates von Bedeutung.

[...]


1 LandJugend(t)räume, Herausforderungen und Perspektiven für die Jugendarbeit im ländlichen Raum, Hrsg.: Bund der Deutschen Landjugend Bundesarbeitsgemeinschaft Evangelische Jugend im Ländlichen Raum, Katholische Landjugendbewegung Deutschlands, 1. Auflage 2007 Berlin

2 Konzeption der offenen Kinder und Jugendarbeit in der Einheitsgemeinde, Stand 2007, Seite 3ff

3 Broschüre Einheitsgemeinde , Ordnungsamt, Stand: 2003

4 Broschüre Einheitsgemeinde , Ordnungsamt, Stand: 2003

5 § 1, Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) - Achtes Buch (VIII) - Kinder- und Jugendhilfe

6 § 1, Abs. 3, Satz 1 SGB VIII

7 § 11, Abs. 3 SGB VIII

8 Konzeption der offenen Kinder und Jugendarbeit, Stand 2007, Seite 4f

9 Konzeption der offenen Kinder und Jugendarbeit, Stand 2007, Seite 7

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum - Ausarbeitung zum 20-wöchigen Praxissemester
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Stendal
Veranstaltung
Sozialwesen
Note
1,2
Autor
Jahr
2008
Seiten
21
Katalognummer
V154885
ISBN (eBook)
9783640684960
ISBN (Buch)
9783640684823
Dateigröße
430 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Offene, Arbeit, Kindern, Jugendliche, Raum, Ausarbeitung, Praxissemester
Arbeit zitieren
Annett Lohmann (Autor), 2008, Offene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im ländlichen Raum - Ausarbeitung zum 20-wöchigen Praxissemester, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154885

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