Regierungsinitiativen für eine inklusive Informationsgesellschaft. Internationale Best Practices zur Überbrückung der digitalen Kluft


Diplomarbeit, 2009
163 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Die alternde Gesellschaft – Eine Herausforderung für das E-Government?
1.1 Relevanz des Untersuchungsfeldes
1.2 Forschungsziel und Methodik
1.3 Vorgehensweise und Abgrenzung

2 Konzeptionelle Grundlagen
2.1 Die öffentliche Verwaltung im Wandel
2.1.1 Die klassische öffentliche Verwaltung
2.1.2 Verwaltungsmodernisierung im Zeitverlauf
2.2 E-Government als Instrument in der öffentlichen Verwaltung
2.2.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung
2.2.2 Leitbilder und Ziele von E-Government
2.2.3 Anwendungsfelder
2.2.4 Barrieren und Grenzen des E-Government-Ansatzes
2.3 Der demografische Wandel
2.3.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung
2.3.2 Historische Entwicklung
2.3.3 Herausforderungen und Folgen des demografischen Wandels
2.3.4 Auswirkung auf das E-Government
2.4 Digitale Kluft und E-Inclusion
2.4.1 Digitale Kluft als ein Problem des E-Government
2.4.2 E-Inclusion und die Zielgruppen des E-Inclusion

3 Forschungsmethode und Vorgehen
3.1 Überblick
3.2 Identifikationsphase
3.2.1 Identifikation der Städte
3.2.2 Identifikation der Projekte
3.3 Analysephase
3.3.1 Analyse des Landes
3.3.2 Analyse der Städte
3.3.3 Analyse der Projekte

4 Ergebnisse der Studie
4.1 Spanien
4.1.1 Analyse des Landes
4.1.2 Identifizierte Städte
4.1.3 Analyse der Projekte auf Landesebene
4.1.4 Analyse der Projekte auf Stadtebene
4.1.5 Vorstellung ausgewählter Projekte
4.2 Brasilien
4.2.1 Analyse des Landes
4.2.2 Identifizierte Städte
4.2.3 Analyse der Projekte auf Landesebene
4.2.4 Analyse der Projekte auf Stadtebene
4.2.5 Vorstellung ausgewählter Projekte
4.3 Chile
4.3.1 Analyse des Landes
4.3.2 Identifizierte Städte
4.3.3 Analyse der Projekte auf Landesebene
4.3.4 Analyse der Projekte auf Stadtebene
4.3.5 Vorstellung ausgewählter Projekte
4.4 Übersicht der Ergebnisse der Studie
4.5 Evaluation der Forschungsmethode

5 Analyse der Projekte
5.1 Spanien
5.1.1 Momentane Lage des E-Government
5.1.2 Momentane Lage der digitalen Kluft und E-Inclusion
5.1.3 Trends und Entwicklung
5.2 Brasilien
5.2.1 Momentane Lage des E-Government
5.2.2 Momentane Lage der digitalen Kluft und E-Inclusion
5.2.3 Trends und Entwicklung
5.3 Chile
5.3.1 Momentane Lage des E-Government
5.3.2 Momentane Lage der digitalen Kluft und E-Inclusion
5.3.3 Trends und Entwicklung
5.4 Vergleich der Länder
5.5 Analyse der Zusammenhänge zwischen Projekten und Kennzahlen der Städte

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

“Information technology, and the ability to use it and adapt it, is the critical factor in generation and accessing wealth, power, and knowledge in our time.“

Manuel Castells (spanischer Soziologe)

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1.1: Länder mit dem größten Anteil an Ü65. Vergleich 2005 und 2050

Abb. 2.1: Das Zieldreieck von E-Government

Abb. 2.2: Anwendungsfelder von E-Government

Abb. 2.3: Barrieren des E-Government in Deutschland

Abb. 2.4: Durchschnittliche Kinderzahl je 100 Frauen in Deutschland (1890-2004)

Abb. 2.5: Differenz zwischen Gestorbenen und Geborenen

Abb. 3.1: Schematische Darstellung der Forschungsmethode

Abb. 3.2: Berechnung des HDI

Abb. 4.1: Entwicklung der älteren Gesellschaft in Spanien 1900-2060

Abb. 4.2: Webseite Evoluciona en Red

Abb. 4.3: Webseite Tutambien.es

Abb. 4.4: Altersstruktur in Brasilien für die Jahre 1980 und 2050

Abb. 4.5: Webseite Rede de Projetos

Abb. 4.6: Funktionsweise des Projekts Computadoras para Inclusão

Abb. 4.7: Entwicklung der älteren Gesellschaft in Chile 1950-2050

Abb. 4.8: Portal Ligas Mayores

Abb. 5.1: Entwicklung des Etats für IuK-Technologien in Bezug auf das Haushalts-Etat

Abb. 5.2: Entwicklung der Nutzung von IuK-Technologien bei den Ü651

Abb. 5.3: Übersicht an Festnetzanschlüsse pro 100 Einwohner in Brasilien

Abb. 5.4: Nutzung von Computern und Internet in Brasilien

Abb. 5.5: Onliner-Anteile der einzelnen Altersklassen in Bezug auf die soziale Herkunft in Chile

Abb. 6.1: Taxonomie der digitalen Kluft

Tabellenverzeichnis

Tab. 2.1: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1950-2050

Tab. 3.1: Tabellenvorlage für die identifizierten Städte

Tab. 3.2: Suchbegriffe für den spanischsprachigen Raum

Tab. 3.3: Suchbegriffe für den portugiesischsprachigen Raum

Tab. 3.4: Suchbegriffe für den deutschsprachigen Raum

Tab. 3.5: Tabellenvorlage zur Landesanalyse

Tab. 3.6: Tabellenvorlage zur Stadtanalyse

Tab. 3.7: Tabellenvorlage zur Projektanalyse

Tab. 4.1: Kennzahlen für Spanien

Tab. 4.2: Übersicht über die untersuchten Städte Spaniens

Tab. 4.3: Die 20 bevölkerungsreichsten Städte Spaniens

Tab. 4.4: Die 20 Städte Spaniens mit dem höchsten Anteil an Ü65

Tab. 4.5: Die 20 Städte Spaniens mit den niedrigsten Schulden pro Kopf

Tab. 4.6: Projekte in Spanien: Teleasistencia Domiciliaria

Tab. 4.7: Projekte in Spanien: ANTAMYCAVI

Tab. 4.8: Projekte in Spanien: Portal Mayores

Tab. 4.9: Projekte in Spanien: Mas de 55

Tab. 4.10: Projekte in Spanien: Mayores con Iniciativa

Tab. 4.11: Projekte in Spanien: Conecta Joven

Tab. 4.12: Projekte in Spanien: Cibervoluntario.es

Tab. 4.13: Projekte in Spanien: Portal: Tercera Edad

Tab. 4.14: Kennzahlen für Barcelona

Tab. 4.15: Projekte in Barcelona: Webseite Personas Mayores

Tab. 4.16: Projekte in Barcelona: Senioren Center

Tab. 4.17: Kennzahlen für Córdoba

Tab. 4.18: Projekte in Córdoba: Webseite für Senioren

Tab. 4.19: Projekte in Córdoba: Webseite Mayores Arte

Tab. 4.20: Projekte in Córdoba: Informática para mayores

Tab. 4.21: Kennzahlen für Coruña

Tab. 4.22: Projekte in Coruña: Web Accesible

Tab. 4.23: Kennzahlen für Elche

Tab. 4.24: Projekte in Elche: AVANTIC

Tab. 4.25: Kennzahlen für Las Rozas

Tab. 4.26: Projekte in Las Rozas: Taller de Infomática para Mayores

Tab. 4.27: Kennzahlen für Madrid

Tab. 4.28: Projekte in Madrid: Webseite 65 y+ - Para una vida +Activa +Plena

Tab. 4.29: Projekte in Madrid: Senioren Center

Tab. 4.30: Projekte in Madrid: Webseite La voz de la experiencia

Tab. 4.31: Projekte in Madrid: Alfabetización Digital

Tab. 4.32: Kennzahlen für Murcia

Tab. 4.33: Projekte in Murcia: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.34: Kennzahlen für Torrox

Tab. 4.35: Projekte in Torrox: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.36: Kennzahlen für Valdés

Tab. 4.37: Projekte in Váldes: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.38: Kennzahlen für Valencia

Tab. 4.39: Projekte in Valencia: Senioren Center

Tab. 4.40: Kennzahlen für Vigo

Tab. 4.41: Projekte in Vigo: Webseite für Senioren

Tab. 4.42: Projekte in Vigo: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.43: Kennzahlen für Zaragoza

Tab. 4.44: Projekte in Zaragoza: Webseite für Senioren

Tab. 4.45: Projekte in Zaragoza: Mayores en la Red 58

Tab. 4.46: Projekte in Zaragoza: Cibervoluntari@s 59

Tab. 4.47: Projekte in Spanien: Evoluciona en Red 60

Tab. 4.48: Projekte in Spanien: Tutambien.es 62

Tab. 4.49: Kennzahlen für Brasilien65

Tab. 4.50: Übersicht über die untersuchten Städte Brasiliens69

Tab. 4.51: Die 20 bevölkerungsreichsten Städte Brasiliens69

Tab. 4.52: Die 20 Städte Brasiliens mit dem höchsten Anteil an Ü6570

Tab. 4.53: Die 20 Städte Brasiliens mit dem höchsten BIP pro Kopf71

Tab. 4.54: Die 20 Städte mit dem höchsten HDI Brasiliens71

Tab. 4.55: Projekte in Brasilien: ARede 71

Tab. 4.56: Projekte in Brasilien: ABC da Informática 72

Tab. 4.57: Projekte in Brasilien: Inclusão Digital 72

Tab. 4.58: Projekte in Brasilien: Observatorio Nacional de Inclusão Digital 73

Tab. 4.59: Projekte in Brasilien: SERPRO de Inclusão Digital 73

Tab. 4.60 : Projekte in Brasilien: Portal Idoso Empreendedor 74

Tab. 4.61: Projekte in Brasilien: Computadoras para todos 74

Tab. 4.62: Projekte in Brasilien: Centro de Inclusão Digital 75

Tab. 4.63: Projekte in Brasilien: Inter Bit IBIT 75

Tab. 4.64: Projekte in Brasilien: OldNet 75

Tab. 4.65: Projekte in Brasilien: Centros de convivencia para Terceira Idade 76

Tab. 4.66: Projekte in Brasilien: Terceira Idade Online 76

Tab. 4.67: Projekte in Brasilien: Projeto de Inclusão Digital e Social

Tab. 4.68: Projekte in Brasilien: CPqD

Tab. 4.69: Projekte in Brasilien: Portal 3a Edade

Tab. 4.70: Projekte in Brasilien: Desenvolvendo Jogos para a Terciera Idade

Tab. 4.71: Kennzahlen für Alto Araguaia

Tab. 4.72: Projekte in Alto Araguaia: Inclusão Digital na Terceria Idade

Tab. 4.73: Kennzahlen für Belém

Tab. 4.74: Projekte in Belém: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.75: Kennzahlen für Belo Horizonte

Tab. 4.76: Projekte in Belo Horizonte: Internet Sênior

Tab. 4.77: Kennzahlen für Bento Gonçalves

Tab. 4.78: Projekte in Bento Gonçalves: Inclusão Digital Marista

Tab. 4.79: Kennzahlen für Blumenau

Tab. 4.80: Projekte in Blumenau: Programa Pró-Idoso

Tab. 4.81: Kennzahlen für Carlos Barbosa

Tab. 4.82: Projekte in Carlos Barbosa: Inclusão Digital – „Olhando o Futuro“

Tab. 4.83: Kennzahlen für Goiânia

Tab. 4.84: Projekte in Goiânia: Associção dos Idosos do Brasil

Tab. 4.85: Kennzahlen für Joinville

Tab. 4.86: Projekte in Joinville: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.87: Kennzahlen für Jundiaí

Tab. 4.88: Projekte in Jundiaí: Acessa Jundiaí

Tab. 4.89: Projekte in Jundiaí: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.90: Kennzahlen für Manaus

Tab. 4.91: Projekte in Manaus: Centro de Convivencia do Idoso

Tab. 4.92: Kennzahlen für Niterói

Tab. 4.93: Projekte in Niterói: Projeto de Inclusão Digital

Tab. 4.94: Projekte in Niterói: Telecentro

Tab. 4.95: Kennzahlen für Paulínia

Tab. 4.96: Projekte in Paulinia: Centro de Informática da Terceira Idade

Tab. 4.97: Kennzahlen für Porto Alegre

Tab. 4.98: Projekte in Porto Alegre: Telecentros

Tab. 4.99: Kennzahlen für Rio de Janeiro

Tab. 4.100: Projekte in Rio de Janeiro: Inclusion Digital do Idoso

Tab. 4.101: Projekte in Rio de Janeiro: Universidade Abierta da Terceira Idade

Tab. 4.102: Kennzahlen für Santos

Tab. 4.103: Projekte in Santos: Rede do Futuro

Tab. 4.104: Kennzahlen für São Gonçalo

Tab. 4.105: Projekte in São Gonçalo: Informática para a Teceira Idade

Tab. 4.106: Kennzahlen für São Paulo

Tab. 4.107: Projekte in São Paulo: Terceira Idade Livre

Tab. 4.108: Projekte in São Paulo: Programa Acessa São Paulo de Inclusão digital

Tab. 4.109: Kennzahlen für Vinhedo

Tab. 4.110: Projekte in Vinhedo: Grupo Bem Viver

Tab. 4.111: Projekte in Brasilien: Rede de Projetos

Tab. 4.112: Projekte in Brasilien: Computadoras para Inclusão

Tab. 4.113: Kennzahlen für Chile

Tab. 4.114: Überblick über die untersuchten Städte Chiles

Tab. 4.115: Die 20 bevölkerungsreichsten Städte Chiles

Tab. 4.116: Die 20 Städte Chiles mit dem höchsten Anteil an Ü

Tab. 4.117: Die 20 Städte Chiles mit dem höchsten verfügbaren Mittel pro Kopf

Tab. 4.118: Die 20 Städte mit dem höchsten HDI Chiles

Tab. 4.119: Projekte in Chile: Universidad para la Tercera Edad

Tab. 4.120: Projekte in Chile: Servicio Nacional del Adulto Mayor (SENAMA)

Tab. 4.121: Projekte in Chile: EducaRed

Tab. 4.122: Projekte in Chile: Reciclaje de Computadoras

Tab. 4.123: Kennzahlen für Antofagasta

Tab. 4.124: Projekte in Antofagasta: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.125: Kennzahlen für Cartagena

Tab. 4.126: Projekte in Cartagena: Computerkure für Senioren

Tab. 4.127: Kennzahlen für Cauquenes

Tab. 4.128: Projekte in Cauquenes: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.129: Kennzahlen für La Florida

Tab. 4.130: Projekte in La Florida: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.131: Kennzahlen für La Serena

Tab. 4.132: Projekte in La Serena: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.133: Kennzahlen für Las Condes

Tab. 4.134: Projekte in Las Condes: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.135: Projekte in Las Condes: Adultos Mayores

Tab. 4.136: Kennzahlen für Providencia

Tab. 4.137: Projekte in Providencia: Adulto Mayor

Tab. 4.138: Projekte in Providencia: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.139: Kennzahlen für Pudahuel

Tab. 4.140: Projekte in Pudahuel: Infocentro para Ancianos

Tab. 4.141: Kennzahlen für Puerto Montt

Tab. 4.142: Projekte in Puerto Montt: Extensión Technológica

Tab. 4.143: Projekte in Puerto Montt: Programa Nacional de Alfabetización Digital

Tab. 4.144: Kennzahlen für Rancagua

Tab. 4.145: Projekte in Rancagua: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.146: Kennzahlen für Viña del Mar

Tab. 4.147: Projekte in Viña del Mar: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.148: Kennzahlen für Vitacura

Tab. 4.149: Projekte in Vitacura: Computerkurse für Senioren

Tab. 4.150: Projekte in Vitacura: Vita Mayor

Tab. 4.151: Projekte in Chile: Portal Ligas Mayores

Tab. 4.152: Übersicht der Projekte

Tab. 4.153: Übersicht der Merkmale der Projekte

Tab. 5.1: Überblick der Online-Dienstleistungen der Städte

Tab. 5.2: Zusammenhänge zwischen Projekten und Kennzahlen der Städte

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Die alternde Gesellschaft – Eine Herausforderung für das E-Government?

1.1 Relevanz des Untersuchungsfeldes

„In Deutschland sinkt seit Jahrzehnten die Zahl der Kinder, die Bevölkerung wird immer älter und durch Zuwanderung immer vielfältiger, Familienstrukturen und Lebensläufe wandeln sich, viele Städte und Regionen schrumpfen. Der demographische Wandel wird unsere Gesellschaft und unser Miteinander verändern [1] .“

Bundespräsident Horst Köhler

Die Zusammensetzung der Bevölkerung wird sich in den kommenden Jahren durch den demografischen Wandel bedeutsam verändern. Bereits jetzt wohnen in Deutschland mehr über 65 Jährige (Ü65) als unter 20 Jährige (U20).[2] Der Schwerpunkt innerhalb der Gesellschaft hinsichtlich des Lebensalters wird sich immer weiter jenseits der 50 Jahre verschieben. Das demografische Phänomen der Alterung der Gesellschaft beschränkt sich nicht nur auf Deutschland und andere Industrienationen, sondern es gilt auch für viele Länder auf der ganzen Welt (siehe Abb. 1.1). Betroffen sind sowohl Staaten aus der Ersten Welt, als auch ärmere Länder der Dritten Welt. Unterschiede gibt es in der Geschwindigkeit des Alterungsprozesses. Aus der Alterung der Gesellschaft resultieren enorme Konsequenzen. Dabei werden insbesondere die öffentlichen Verwaltungen durch die Alterung der Gesellschaft vor neuen Aufgaben gestellt.

Zusammen mit dem Phänomen des demografischen Wandels befindet sich die Welt in einem technologischen Wandel. Die Entwicklung der Informations- und Kommunikationstechnologien (IuK-Technologien) in den letzen 30 Jahren war enorm und hat mittlerweile einen zentralen Stellenwert in unserer Gesellschaft. Für Castells wird das Netz „sehr bald praktisch alle Aspekte unseres Lebens bestimmen, von der Politik über unsere sozialen Aktivitäten bis zum Einkaufen.“[3] Die neuen IuK-Technologien machen sich auch in der öffentlichen Verwaltung in Form von Electronic Government (E-Government) bemerkbar. E-Government ermöglicht Verwaltungsleistungen bequem vom heimischen Computer aus in Anspruch nehmen zu können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Ministerio de Sanidad y Politica Social (2009), S. 48.

Abb.1.1: Länder mit dem größten Anteil an Ü65. Vergleich 2005 und 2050

Als problematisch wird die Tatsache gesehen, dass sich nicht alle Bürger an der neuen Informationsgesellschaft beteiligen und davon profitieren. Befürchtet wird eine Spaltung der Gesellschaft aufgrund des ungleichen Zugangs und der differenziellen Nutzung von modernen IuK-Technologien, insbesondere des Internets. Diese soziale Ausgrenzung wird als „digitale Kluft“ bezeichnet. Dies impliziert, dass die Ungleichheiten innerhalb der Gesellschaft im Bezug auf erfolgreiches Handeln in allen Lebensbereichen, in der Freizeit, in der politischen Kommunikation und auf dem beruflichen Karriereweg zunehmen werden.[4]

Vom Phänomen der digitalen Kluft sind Senioren besonders betroffen, da sie anders als die jüngeren Generationen nicht mit der Welt der IuK-Technologien aufgewachsen sind. Viele der Senioren hatten nicht die Möglichkeit den Umgang mit den IuK-Technologien in der Schule oder während der Arbeit zu erlernen. Angesichts des demografischen Wandels und der Tatsache, dass der Teil der Bevölkerung, der über 65 Jahre alt ist, bald die größten Bevölkerungsgruppe sein wird, ist die öffentliche Verwaltung verpflichtet, die Ü65 in die Informationsgesellschaft zu integrieren.

Angesichts der Tatsache, dass sich unter den Ü65 eine hohe Anzahl an „Offliner“ befindet, ist die öffentliche Verwaltung in der Pflicht, die notwendigen Maßnahmen durchzuführen, um eine erfolgreiche Umsetzung des E-Government-Ansatzes zu ermöglichen. Ferner soll damit eine soziale Ausgrenzung der Ü65 verhindert werden.

1.2 Forschungsziel und Methodik

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit werden drei Länder, und zwar Spanien, Brasilien und Chile, auf Regierungsinitiativen für eine inklusive Informationsgesellschaft untersucht. Relevant für die Arbeit sind vor allem die Initiativen, die ausschließlich für Senioren entwickelt und durchgeführt werden. Ziel der Arbeit ist vier zentrale Fragestellungen zu beantworten:

- Wie ist die momentane Lage des demografischen Wandelns in untersuchten Ländern?
- Wie ist die momentane Lage des E-Government in untersuchten Ländern?
- Wie ist die momentane Lage der digitalen Kluft in untersuchten Ländern?
- Wie ist die momentane Lage des E-Inclusion in untersuchten Ländern?
- Hat die Einwohnerzahl, die finanzielle Lage, der Anteil an Ü65 und der HDI Wert der jeweiligen Stadt einen Einfluss auf die Anzahl an Projekten? Besteht da ein Zusammenhang?

Die Forschungsmethode, die auf den drei Ländern angewendet wird, um die Forschungsfragen beantworten zu können, wurde im Rahmen des Vertiefungsmoduls E-Government des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement im Sommersemester 2009 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entwickelt. Die Forschungsmethode wurde lediglich aufgrund der sprachlichen Unterschiede in den untersuchenden Ländern entsprechend angepasst.

1.3 Vorgehensweise und Abgrenzung

Die digitale Kluft bezieht sich auf viele Bevölkerungsgruppen innerhalb der Gesellschaft. Becker u. a. haben in der Studie „E-Inclusion – Digitale Integration durch E-Government“ sieben Inklusionszielgruppen identifiziert.[5] In der vorliegender Arbeit wird der Fokus auf die Inklusionszielgruppe der Senioren gerichtet. Mit Senioren werden hierbei alle Personen gemeint, die über 65 Jahre alt sind. Obwohl die digitale Kluft alle neuen IuK-Technologien umschließt, stehen jedoch in dieser Arbeit im Mittelpunkt der Betrachtung nur zwei neue Medien; Computer und Internet.

Die Arbeit ist in sechs Kapitel aufgeteilt. Nach der Einleitung folgt eine konzeptionelle Grundlage der Thematik. Sie besteht ihrerseits aus vier Bereichen: Öffentliche Verwaltung, E-Government, der demografische Wandel und die digitale Kluft inklusive der E-Inclusion. Die angewandte Forschungsmethode und das genaue Vorgehen werden im Kapitel 3 ausführlich besprochen. Die Ergebnisse der Studie werden im Kapitel 4 dargestellt, wobei jedes der Länder erst mal detailliert beschrieben wird. Hierbei werden Faktoren wie z.B. Internetnutzung und Bevölkerungsstruktur beschrieben, die Einflüsse auf die E-Inclusion-Maßnahmen eines Landes haben können. Die Ergebnisse der Studie werden anschließen analysiert. In dieser Analyse wird auf die zentralen Fragestellungen der Arbeit eingegangen. Im letzten Kapitel der Arbeit werden die wesentlichen Ergebnisse der Studie zusammengefast, gefolgt von einem Ausblick, wie es hinsichtlich der digitalen Kluft und E-Inclusion in den untersuchten Ländern weiter gehen könnte.

2 Konzeptionelle Grundlagen

In diesem Kapitel werden die Grundlagen besprochen, auf denen die vorliegende Arbeit aufbaut. Es sind insgesamt vier Forschungsgebiete, die in die Problematik der inklusiven Informationsgesellschaft im Bereich des E-Government mit einfließen.

Die öffentliche Verwaltung an sich, der E-Government-Ansatz als Teil der IuK-Technologien, der demografische Wandel und die daraus entstehende Problematik der digitalen Kluft sind die Schwerpunkte der folgenden Betrachtung. Die in diesem Kapitel beschriebenen Darstellungen der Kernforschungsgebiete beziehen sich auf Deutschland. Der Bezug zu den in dieser Arbeit analysierten Ländern wird in den Kapiteln 4 und 5 näher betrachtet.

2.1 Die öffentliche Verwaltung im Wandel

Zu groß, zu schwerfällig, zu kostspielig - die öffentliche Verwaltung steht seit Jahren in der Kritik.[6] Sie ist gezeichnet durch eine Reihe von Verwaltungsproblemen, die sich sowohl durch mangelnde Effizienz und Effektivität als auch ungenügende Transparenz und Kundenorientierung ausdrücken.[7] So stehen die öffentlichen Verwaltungen zum jetzigen Zeitpunkt vor großen Herausforderungen. Es gilt nicht nur die kritischen Verwaltungsprobleme zu bekämpfen, sondern auch den wachsenden Anforderungen und Erwartungen der Bürger und der Wirtschaft bei ständig schrumpfenden Ressourcen gerecht zu werden.[8]

Die Rahmenbedingungen, in denen die öffentliche Verwaltung agiert, werden sich im Laufe der Jahre weiter verändern. Es ist abzusehen, dass die öffentliche Verwaltung durch die Folgen der alternden Gesellschaft stark betroffen sein wird. So werden auf einer Seite die Kosten im Bereich des Renten- und Gesundheitssystems steigen, und auf der anderen Seite die Einnahmen in Form von Steuern sinken, da der Anteil der arbeitenden Bevölkerung aufgrund des demografischen Wandels kleiner wird.[9]

Die aufgeführten Gründe zwingen die öffentlichen Verwaltungen zu einem Wandel. Es müssen neue Ansätze gesucht werden, die die neuen Anforderungen der Bürger und Unternehmer, die einen Gegenwert für ihre Steuern und Gebühren erwarten, befriedigen.[10] Die IuK-Technologien, vor allem die Nutzung von Internet und Intranet, bringen neue Anwendungsmöglichkeiten, die dazu beitragen können die Krise zu überwinden.

2.1.1 Die klassische öffentliche Verwaltung

Nach Reichard ist eine öffentliche Verwaltung eine Leistungseinheit, „die nach Maßgaben staatlicher Zielvorgaben überwiegend kollektiven Fremdbedarf deckt, indem sie öffentlichen Leistungen herstellt und überwiegend unentgeltlich absetzt“.[11] Anders als in der Privatwirtschaft sind öffentliche Verwaltungen keinem Wettbewerbsdruck ausgesetzt und müssen auch keinen Gewinn erwirtschaften. Somit werden die klassischen Verwaltungseinheiten prinzipiell nicht nach den erwerbswirtschaftlichen Kriterien der Privatwirtschaft geführt.[12]

Gekennzeichnet wird die öffentliche Verwaltung durch eine horizontale, sowie eine vertikale Gewaltenteilung. Die horizontale Gewaltenteilung bezieht sich auf den gesamten öffentlichen Sektor. Gegenstand der vertikalen Gewaltenteilung ist die administrative Gliederung. Im Falle der Bundesrepublik Deutschland lässt sie sich in drei Ebenen untergliedern. Hierzu gehören die Ebenen des Bundes, der Länder und die der Kommunen.[13]

Ursprünglich ist die öffentliche Verwaltung durch eine bürokratisch und vor allem angebotsorientierte Steuerung der Verfahren gezeichnet, die sich einerseits an den Interessen der Verwaltung und andererseits an den Interessen der Bürger und Unternehmen orientieren. Charakteristisch für die öffentliche Verwaltung ist eine explizit geregelte Arbeitsteilung, die auf Spezialisierung beruht. Das Vorgehen bei der Erfüllung der verschiedenen Aufgaben ist genau definiert und kombiniert mit einem Regelwerk, das Rechte und Pflichten der Mitglieder vorschreibt.[14] So ist laut Banner das System der öffentlichen Verwaltung streng hierarchisch aufgebaut (Über- und Unterordnung von Dienstposten), die Kompetenzen sind präzise verteilt und die Erfüllung der Aufgaben beruht auf eine hochgradige Spezialisierung.[15] Die deutsche Verwaltung ist trotz seiner Komplexität eine bürokratische Organisation im Sinne der Bürokratietheorie von Max Weber. Sie entspricht demnach betriebswirtschaftlich einer sachorientierten, nach Funktionen gegliederten Stab-Linienorganisation mit strengen Hierarchien.[16]

Die öffentliche Verwaltung ist geprägt durch das Fehlen behördenübergreifender und bürgerorientierter Leitungsangebote, was zur einer Aufgabenzersplitterung und einer unkoordinierten Aufgabenerfüllung mit Blockaderzirkeln und Handlungsinkonsistenz führt. Die Zerstückelung von Zuständigkeiten hat immer noch zur Folge, dass die Bürger zum Teil gezwungen sind, die Koordination zwischen den Verwaltungseinheiten selbst vorzunehmen.[17] Lange Dienstwege, komplizierte und aufwendige Verfahrensschritte, Unübersichtlichkeiten und Redundanzen in den Abläufen sind die Konsequenzen.[18]

2.1.2 Verwaltungsmodernisierung im Zeitverlauf

Die öffentliche Verwaltung ist kein statisches Gebilde mit fest zugewiesenen Strukturen und Aufgaben. Sie befindet sich in einem kontinuierlichen Prozess des Wandels und reagiert auf Veränderung der Rahmenbedingungen auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene.[19] Somit wird mit Verwaltungsmodernisierung eine laufende Ausrichtung des staatlichadministrativen Systems an Veränderungen der Umweltbedingungen bezeichnet, die sich aus sozialen, politischen, wirtschaftlichen, technischen und ökologischen Entwicklungen ergeben.[20]

Zwischen den 60er und 90er Jahren wurden in Deutschland mehrere Verwaltungsreformen durchgeführt. Ende der 60er Jahre kam es zur Gebietsreform. Ziel war es aus vielen kleinen Verwaltungsebenen wenige große zu machen.[21] Anfang der 80er Jahre wurde die Verwaltung durch eine starke Ökonomisierung geprägt. Die Ökonomisierung der öffentlichen Verwaltung beeinflusste stärker als je zuvor die Funktionsweise des Staates und die Aufgabenabgrenzung zwischen dem privaten und öffentlichen Sektor.[22]

Die staatliche Finanzkrise Anfang der 90er Jahre führte zu einer neuen Reformbewegung. Durch eine stärkere betriebswirtschaftliche Orientierung der öffentlichen Verwaltung sollten die vorhandenen Management-Defizite ausgeglichen, und die Prozessabläufe effizienter gestaltet werden. Diese Rahmenbedingungen führten zur Entwicklung des New Public Managements (NPM).[23] Das NPM Konzept folgt dem Leitbild eines privatwirtschaftlichen Dienstleistungsunternehmens. Ziel war es die öffentliche Verwaltung durch den Einsatz von privatwirtschaftlichen Managementinstrumenten zu effektiven, effizienten, und kundenorientierten „Dienstleistungsunternehmen Verwaltung“ umzugestalten. NPM baut auf Prinzipien des schlanken Managements aus der Privatwirtschaft auf, dessen Merkmale Dezentralisierung, Entflechtung, flache Hierarchien und die Optimierung von Produktionsprozessen sind.[24]

NPM entstand in den angelsächsischen Ländern Großbritannien, USA, Australien und Neuseeland und griff dann zunächst auf die skandinavischen Staaten und die Niederlande über. Recht spät erreichte die Reformwelle Deutschland und zwar als Neue Steuerungsmodell (NSM).[25]

Das Neue Steuerungsmodell bezeichnet die deutsche Version von NPM, die von der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsvereinfachung (KGSt) ins Leben gerufen wurde. Kernanliegen des neuen Steuerungsmodells ist die Umwandlung einer traditionellen Behörde zu einem kundenorientierten und bürgernahen Dienstleistungsunternehmen. Gekennzeichnet ist das NSM durch Kundenorientierung, Outputorientierung, Dezentralisierung und Wettbewerb.[26]

2.2 E-Government als Instrument in der öffentlichen Verwaltung

Das Konzept des „Electronic Government“ stellt langfristig betrachtet ein Gegenmodell zur klassischen Bürokratietheorie Max Webers dar, die die papiergebundene Aktenführung und das Büro als räumliches organisatorisches Kernmerkmal der klassischen öffentlichen Verwaltung sieht.[27]

Die Beziehung zwischen den Entwicklungen von E-Government und Verwaltungsreformen lassen sich nicht eindeutig klären. Während einerseits von zwei komplementären Entwicklungen ausgegangen wird, steht auf der anderen Seite der Gedanke von zwei zueinander neutral isolierten Entwicklungen. Jedoch betont Hach, dass, aufgrund der bisherigen Organisationsstrukturen und Arbeitsabläufe, das E-Government durch das NPM eher negativ beeinträchtig wird.[28] Umgekehrt wird das E-Government auch als Umsetzungsinstrument des NPM Gedankens, oder als elektronische Variante des NPM angesehen. Vorwiegend wird E-Government zum Nachfolger von NPM ausgerufen.[29] Laut Tuletz setzt E-Government die Linie der Verwaltungsmodernisierung fort, die das NPM einleitete, und präsentiert sich somit als Nachfolger des NPM.[30] E-Government setzt dort fort, wo NPM und NSM nicht weiter kamen, wie z. B. bei der Öffnung und Transparenz der Verwaltung für den Bürger. Während die NSM eine formale Änderung des Innenbetriebes verfolgten, öffnet E-Government die Geschäftsprozesse, schafft eine Beteiligung von außen und führt zwangsläufig zu einem tief greifenden Paradigmenwechsel innerhalb der öffentlichen Verwaltung.[31]

2.2.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung

Der Ursprung des Begriffs E-Government[32] ist zu Beginn der 90er Jahre mit dem Information-Superhigway-Programm aus der damaligen Clinton-Regierung festzusetzen. Kernidee der Initiative war es, die mit dem Internet gegebenen Chancen über die Wirtschaft hinaus auch für die öffentliche Verwaltung nutzbar zu machen.[33]

Für eine Definition des Begriffs E-Government haben sich trotz zunehmend wachsender Betrachtung dieses Gebietes in Wissenschaft und Praxis bislang keine einheitlichen Kriterien herausgebildet. Anstelle einer allgemeinen anerkannten Definition gibt es eine Vielzahl von Definitionsvorschlägen, aus denen sich die wesentlichen Kriterien ableiten lassen.[34] Die Definitionsansätze reichen von einer Vereinfachung der Verwaltungsprozesse und deren „Webfizierung“ bis hin zur Demokratisierung durch das Internet.[35]

Die im deutschen Sprachraum häufig benutzte Speyerer Definition stellt die Prozess-Sicht in den Vordergrund.[36] Einen anderen Ansatz findet die Definition der Gesellschaft für Informatik. Sie legt jeweils drei Einsatzfelder (Willensbildung, Entscheidung und Leistungserstellung) sowie drei Anwendungsbereiche (Politik, Staat und Verwaltung) fest, in denen eine intensive Nutzung von IuK-Technologien erfolgen kann.[37] Schedler und Proller hingegen stellen die Interaktionssicht zwischen dem Staat und den Bürgern, privaten Unternehmungen, Kunden und öffentlichen Institutionen in den Vordergrund.[38]

Die Schwierigkeiten, E-Government als Begriff zu definieren, werden im ersten in deutscher Sprache verfügbaren Sammelband mit dem Titel eGovernment deutlich. Gleich mehrere Beiträge bieten eine Definition an. Unter anderem wird hier auch eine Unterscheidung zwischen eGovernment und eGovernance gemacht. Unter eGovernment werden im Schwerpunkt moderne Online-Anwendungen in der öffentlichen Verwaltung verstanden, während sich eGovernance auf die Sicherstellung der dafür erforderlichen Rahmenbedingungen bezieht.[39]

Alle Definitionen unterscheiden sich hinsichtlich der Reichweite, Inhalte und technischen Komponenten. Die Kernaussage ist jedoch in jeder Definition gleich: Durch die Nutzung der neuen IuK-Technologien für das politisch-administrative System sollen Vorteile geschaffen werden. Es handelt sich dabei im Wesentlichen um die Unterstützung von Entscheidungs-, Leistungserstellungs- und Leistungsaustauschprozessen innerhalb des Wertschöpfungsprozesses durch das E-Government.[40]

Unter Einbezug der verschiedenen Definitionsansätze mit den unterschiedlichen Wirkungsdimensionen soll im Rahmen der vorliegenden Arbeit folgender Definitionsansatz als Grundlage für die Verwendung des Begriffs E-Government gebraucht werden:

„Unter E-Government wird die Gesamtheit der aufeinander abstimmten Verfahrensweisen verstanden, die durch den systembildenden und systemsteuernden Einsatz von IuK-Technik eine integrierte, organisationsübergreifende Interaktion ohne Medienbrüche ermöglicht. Im Fokus steht eine grundlegende Neugestaltung von Strukturen, Prozessen und Verfahren der Leistungserstellung einerseits und der Kommunikations- und Austauschprozesse mit dem Verwaltungsumfeld andererseits.“ [41]

„Dabei fällt insbesondere der Schnittstelle zu den Kommunikationspartnern über WWW bzw. Internet-Dienste sowie zwischen den Systemen eine wesentliche Bedeutung zu. Es soll ein verbesserter Zugang zu öffentlichen Informationen und Leistungen geschaffen oder deren Wirkung, Effizienz oder Qualität verbessert werden.“ [42]

Zu bedenken ist die Tatsache, dass die Technikentwicklung und -verwendung in den öffentlichen Verwaltungen wahrlich keine Neuheit ist. Schon in den 60er und 70er Jahren wurden zahlreiche informationstechnische Verfahren in den Verwaltungen eingesetzt.[43] Hinter E-Government verbirgt sich aber viel mehr als einfache EDV-Programme für die öffentliche Verwaltung.[44] Der nächste Abschnitt verdeutlicht, wo der Unterschied zwischen der bisherigen elektronischen Datenverarbeitung (EDV) in der öffentlichen Verwaltung und E-Government liegt.

Die Technisierungsstrategien der öffentlichen Verwaltung vor E-Government waren eindeutig binnenorientiert.[45] Die Nutzung von IuK-Technologien war für den internen Gebrauch zur Unterstützung administrativer Prozesse in der Verwaltung bestimmt. Klassische Anwendungsfelder stellten dabei Einwohner-, Finanz-, Personal-, Kfz-Wesen, Arbeitsverwaltung, Steuerberechnung und Sozialversicherung dar.[46] Der Einsatz von IuK-Technologien war durch Insellösungen, Medienbrüche und Doppelentwicklungen gekennzeichnet. Nach dem Prinzip „Organisation vor Technik“ erfolgte der Gebrauch von IuK-Technologien als administratives Hilfsmittel in traditionellen Organisationstrukturen.[47] Im Unterschied zum traditionellen Einsatz von IuK-Technologien richtet sich das E-Government nicht nur binnenorientiert auf die Unterstützung der Produktivsysteme zur Herstellung von Produkten und Dienstleistungen, sondern vielmehr auf die zahlreichen Umfeldprozesse sowie auf Hilfs- und Managementprozessen aus dem Bereich des Leistungsaustauschs. Somit steht bei E-Government die Reorganisation und elektronische Integration der gesamten Wertschöpfungskette im Vordergrund.[48] E-Government verfolgt eine effektivere Arbeit innerhalb der öffentlichen Verwaltung und eine Öffnung hin zur Gesellschaft.[49]

„E-Government kann deshalb nicht auf den Einsatz der IuK-Technik reduziert werden, sondern ist als technisches und organisatorisches Gestaltungsinstrument für Staat und Verwaltung zu sehen.“[50][51]

2.2.2 Leitbilder und Ziele von E-Government

Als übergeordnetes Ziel lässt sich der Satz des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder zitieren: „Die Daten sollen laufen – nicht die Bürger.“[52] Mit anderen Wortern bietet das E-Government die Möglichkeit unsere Verwaltung von Grund auf einfacher, schneller, effizienter, wirksamer und damit bürgerfreundlicher zu gestalten.[53] In diesem Abschnitt werden, auf den bereits vorgestellten Definitionen und Begriffsklärungen aufbauend, die Ziele von E-Government erläutert.

Das Leitbild von E-Government kann in der Vision einer reibungslosen sicheren Kommunikations- und Informationsinfrastruktur für eine verwaltungsebenen- und organisationsübergreifende wechselseitige Beziehung zwischen Kunden (Bürger, Wirtschaft, Non-Profit Unternehmen), Politik und Verwaltung gesehen werden. Aus dieser Vision resultieren völlig neue Prozess- und Verwaltungsstrukturen.[54] So wird mit dem Einsatz von E-Government die Modernisierung des politisch-administrativen Systems verfolgt.[55] Anhand des E-Government können viele „internetfähige Dienstleistungen“ identifiziert und online zugänglich gemacht werden. Dennoch handelt es sich im größeren Maß um die Ausschöpfung des Reformpotenzials, das den IuK-Technologien aufgrund ihrer systembildenden und systemsteuernden Funktion innenhaben.[56]

Die Ziele von E-Government sind definiert durch die Ausschöpfung der direkten und indirekten Nutzenpotenziale für Bürger, Wirtschaft sowie Politik und Verwaltung. Mit direktem Nutzen sind die unmittelbaren Verbesserungen der Leistungserstellungsprozesse sowie der Austauschbeziehungen zwischen Verwaltung und ihrem jeweiligen Umfeld gemeint. Dagegen sind mit indirektem Nutzen komplementäre Zusatznutzen gemeint, die sich aus erhöhter Effizienz, Flexibilität und Bürgerorientierung generieren lassen.[57]

Mehlich unterscheidet hierzu noch zwischen Hauptzielen aus Bürgersicht, aus Verwaltungssicht und aus politischer Sicht. Aus Bürgersicht steht ein komfortablerer Zugang zur Verwaltung im Vordergrund, aus Verwaltungssicht stehen im Fokus Effizienzsteigerung und Serviceverbesserung nach außen und innen und für die Politik sind Vereinfachung, Informationsverbesserung und Verbesserung der Prozessqualität bei der Parlaments-, Partei- und Gremienarbeit wichtig.[58]

Van Haldenweg konkretisiert die Ziele in „das Zieldreieck von E-Government“, das in Abb. 2.1 zu sehen ist. Angesichts der momentanen schwierigen finanziellen Lage ist in den öffentlichen Verwaltungen zu erwarten, dass das E-Government in der näheren Zukunft als Instrument zur Senkung administrativer Kosten in den Fokus geraten wird.[59]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Von Haldenwang (2002), S. 10.

Abb.2.1: Das Zieldreieck von E-Government

2.2.3 Anwendungsfelder

Die Anwendungsfelder des E-Government verteilen sich über verschiedene Interaktionsstufen (Information, Kommunikation und Transaktion), wie Abb. 2.2 darstellt.[60]

Die Bereitstellung von Informationen (E-Information) bildet die erste der Interaktionsstufen. Dazu gehören „Bürgerinformationssysteme für die Bevölkerung, Touristinformationssysteme zur Förderung des Fremdenverkehrs, Wirtschaftsinformationssysteme im Rahmen der Wirtschaftsförderung […] und sonstige Wissensdatenbanken.“[61] Die zweite Interaktionsstufe ist die Kommunikation (E-Communication), die eine Interaktion zwischen den Akteuren impliziert. Unter dieser Art der Kommunikation sind die „einfachen Lösungen wie Internet Relay Chat (IRC), E-Mail, webbasierte Diskussionsforen und Chatrooms bis hin zu komplexen Anwendungen auf Audio und Videobasis“[62] zu verstehen. Die letzte Interaktionsstufe stellt die Transaktion da, innerhalb derer das E-Government staatliche Leistungen medienbruchfrei anbieten kann. Dieses Merkmal ist besonders für die Wirtschaft von hohem Interesse, denn generell kommt sie viel häufiger in Kontakt mit der Verwaltung als die Bürger.[63] Zu den möglichen Anwendungsbereichen dieser Stufen gehören: elektronische Bescheide, elektronische Marktplätze, Web-Antrag und E-Procurement.[64]

Zu berücksichtigen sind E-Workflow und E-Democracy, die sich über alle Interaktionsstufen verteilt wieder finden.[65]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Von Lucke, Reinermann (2000), S. 3.

Abb.2.2: Anwendungsfelder von E-Government

Neben den Interaktionsstufen ist es außerdem wichtig die Interaktionsbeziehungen zu betrachten, in denen die Interaktionsstufen eingehen. Die Anwendungsfelder Information, Kommunikation und Transaktion unterscheiden sich hinsichtlich der Beziehungen, die sie eingehen. Analog zu der Begriffsdefinition aus dem E-Commerce lässt sich beim E-Government eine Unterteilung der Beziehung der beteiligten Kommunikationspartner nach dem G2Y-Schema durchführen.[66] Entsprechend der beteiligten Zielgruppen kann unterschieden werden zwischen:

- Government to Consumer (G2C)
- Government to Business (G2B)
- Government to Government (G2G)[67]

Unter G2C wird die Gesamtheit der Beziehungen zwischen öffentlicher Verwaltung und dem einzelnen Bürger verstanden. Dementsprechend betrifft B2B die Verwaltungsbeziehungen zu privaten Unternehmern und G2G seinerseits die internen Verwaltungsprozesse bzw. die geschäftliche Verbindungen von Verwaltungen untereinander.[68] Diese Interaktionsbeziehungen sind auch als die drei Säulen des E-Government bekannt.[69]

Die Differenzierung der entsprechenden Interaktionsbeziehungen ist sinnvoll, da für die jeweiligen Anwendungsfelder sehr unterschiedliche Anforderungen im Bezug auf die Gestaltung wie auch auf die technischen wie rechtlichen Restriktionen gestellt werden.[70]

2.2.4 Barrieren und Grenzen des E-Government-Ansatzes

Es wäre vom Vorteil, wenn sich die vorgestellten E-Government-Ansätze und die dafür notwendigen E-Government-Systeme ohne nennenswerte Probleme oder Hindernisse realisieren ließen.[71] Aktuell stößt das E-Government in verschiedenen Bereichen an seine Grenzen und bremst somit die Entwicklung.[72] Im Folgenden werden Barrieren dargestellt, die die Ausbreitung von E-Government hemmen. Zu ihnen zählen rechtliche Rahmenbedingungen, Technologie, kulturelle und strukturelle Anpassungsprobleme, sowie Schwierigkeiten beim Management, der Organisation und der Finanzierung entsprechender Projekte. Zusammenfassend treten dabei Probleme sowohl auf Seiten der Verwaltung als auch auf Seiten der Nutzer auf.[73] Die Abb. 2.3 zeigt die Hauptbarrieren des E-Government in Deutschland nach Von Lucke. Hierbei stellen die blauen Ovalen die Barrieren seitens der Verwaltung und die orangenen Barrieren seitens der Nutzer dar. Die Barriere „technische Ausstattung“ gilt für beide Beteiligten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. von Lucke (2003), S. 173.

Abb.2.3: Barrieren des E-Government in Deutschland

Auf Seiten der Verwaltung stellen die notwendigen Rahmenbedingungen für die Implementierung und Nutzung von E-Government oft schwerwiegende Barrieren dar. Wie erwähnt gehören hierzu wirtschaftliche, organisatorische, personelle und rechtliche Rahmenbedingungen sowie die technische Ausstattung.[74] Aus diesen Bereichen lassen sich folgende Barrieren ableiten:

- „begrenzte und oftmals sehr schmale Ressourcen“
- „Defizite im Personalbereich (Befähigungen und Motivationen)“
- „Probleme beim professionellen Marketing“
- „Restriktionen und Probleme der bisherigen und über Jahre und Jahrzehnte gewachsene Verwaltungskultur.“[75]

Eine erhebliche Barriere sind die Umstellung der Verwaltungsprozesse und die finanzielle Leistungsfähigkeit der Behörden. Die Größe, Organisation und Komplexität der öffentlichen Verwaltung ist für den Wandel, der mit E-Government zwangsläufig verbunden ist, eine große Hürde.[76] Aufgrund der oft schlechten finanziellen Lage der öffentlichen Verwaltungen werden in den meisten Fällen nur in einem geringen Umfang entsprechendes Know-How sowie finanzielle Mittel für den Einsatz von Hardware und Software zur Verfügung gestellt.[77] Das Paradoxe hierbei ist, dass durch den Einsatz von E-Government mittel- bis langfristig erhebliche Einsparungen erreicht werden können. Zu berücksichtigen ist auch die Tatsache, dass erst mal hohe Investitionsausgaben für Beratung, Installation und Marketing durchgeführt werden müssen.[78]

Eine weitere bedenkliche Hürde ist die rechtsverbindliche Kommunikation, die zwischen den Bürgern und der Verwaltung zustande kommen muss, um die vielen Verwaltungsprozesse durchführen zu können. Der Fakt, dass in vielen Dienstleistungen der Verwaltung eine eigenhändige Unterschrift verlangt wird, ist bisher ein der größten Hindernisse bei der flächendeckenden Verbreitung rechtswirksamer elektronischer Online-Erklärungen.[79] Das Konzept der elektronischen Signatur bietet eine Möglichkeit, eine solche rechtssichere Kommunikation über das Internet zu gewährleisten. E-Government setzt für viele Verwaltungsprozesse daher implizit die Nutzung von elektronischen Signaturen voraus.[80]

Seitens der Nutzer sind die notwendigen technischen Ausstattungen und die technischen Fähigkeiten oft nicht vorhanden.[81] Die Anzahl der Onliner in Deutschland ist konstant steigend. Dieser Tatsache stehen aber im Jahr 2009 immer noch 30,1% Offliner gegenüber.[82] Vor allem in bestimmten Teilen der Bevölkerung (Menschen mit Migrationshintergrund, Menschen mit Behinderung, sozioökonomisch und geografisch benachteiligte Menschen, alte Menschen) ist der Anteil der Offliner wesentlich höher.[83] Der Offliner-Anteil liegt zum Beispiel bei Menschen zwischen 60 und 69 Jahren bei 45,7% und bei Menschen über 70 sogar bei 77,4%.[84] Diese Spaltung der Bevölkerung in zwei Gruppen wird als „Digital Divide“[85] oder „Digitale Kluft“ bezeichnet.[86] Dennoch stellt eine große Hürde für das E-Government nicht nur die Thematik der digitalen Kluft dar, sondern auch Faktoren wie Sicherheitsbedenken und mentale Bedenken der Bürger können die tatsächliche Nutzung des E-Government nachteilig beeinflussen. Aufgrund der risikoscheuen Grundeinstellung vieler Bürger tendiert die Mehrheit dazu, lieber bestehende und vertraute Strukturen zu benutzen, als sich auf neue Möglichkeiten zu konzentrieren.[87]

2.3 Der demografische Wandel

In dem 20. Jahrhundert ist die Weltbevölkerung schneller gewachsen als jemals zuvor. Anders als in den Entwicklungsländern haben die Industrieländer allerdings mit einer Bevölkerungsstagnation bzw. -rückgang zu kämpfen.[88] Früher übertraf die Geburtenrate bei weitem die Sterberate, was zu einer Zunahme der Einwohnerzahl führte. Dies hat sich im Laufe der Jahre geändert: Die Sterberate hat die Geburtenrate überschritten. Die niedrige Geburtenrate und die weiter ansteigende Lebenserwartung führen zu einem Rückgang der Bevölkerung und zu einer fortschreitenden Alterung der Gesellschaft in Europa.[89] „Die Bevölkerung altert, wenn immer weniger junge Menschen nachrücken.“[90] Der demografische Wandel, der für den Rückgang und Alterung einer Bevölkerung verantwortlich ist, wird die Zusammensetzung der Bevölkerung, vor allem in den westlichen Industriegesellschaften, in den kommenden Jahren tiefgreifend verändern.[91] In Deutschland werden beispielsweise im Jahr 2050 voraussichtlich 33% der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Verglichen mit dem Anteil der Ü65 im Jahr 1950 (9,7%) bedeutet dies einen Zuwachs um 23,3%.[92] Diese Veränderungen ergeben sich aus dem Zusammenspiel von Fertilität (Geburtenverhalten), Mortalität (Sterblichkeit) sowie klein- und großräumige Migration (Wanderungsverhalten).[93]

Im Folgenden wird darauf eingegangen, wie sich aus den oben genannten Faktoren die demografische Alterung ergibt. Es werden sowohl die Herausforderungen, die aus dem demografischen Wandel hervorgehen, als auch die Auswirkung des Wandels auf das E-Government detaillierter erklärt.

2.3.1 Begriffsdefinition und Abgrenzung

Das Wort „Demografie“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wörtlich „Volk beschreiben“.[94] Die Demografie beschreibt und analysiert mit Hilfe von Zahlen und Kennziffern die Größe, Verteilung, Struktur und Veränderung von Populationen.[95] Der Begriff der demografischen Alterung bezieht sich auf den langfristigen Wandel von einer jungen zu einer alten Altersstruktur. Eine Bevölkerung, die einen derartigen Wandel der Altersstruktur durchmacht, kann als „alternde Gesellschaft“ gesehen werden.[96] Der Alterungsprozess einer Bevölkerung resultiert aus den Veränderungen von Fertilität, Mortalität und Migration; vor allem aber ist der Rückgang der Geburtenrate für die demografische Alterung verantwortlich.[97] Entscheidend ist, dass sich die Geburtenrate über einen längeren Zeitraum unterhalb des Bestandserhaltungsniveaus bewegt.[98]

Quantitativ betrachtet wird die Bevölkerung durch zwei Faktoren bestimmt - die Fertilität und die Mortalität. Bei Betrachtung einer bestimmten Bevölkerung spielt auch noch der Faktor der Migration, je nach Land, eine mehr oder weniger bedeutende Rolle. Der Zusammenhang von diesen Faktoren wird in Form der demografischen Grundgleichung festgehalten:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wobei: P t = Bevölkerung zum Zeitpunkt t

P t+n = Bevölkerung zum Zeitpunkt t + n

B t,t+n = Zahl der Geburten zwischen t und t + n

D t,t+n = Zahl der Geburten zwischen t und t + n

I t,t+n = Zuwanderung zwischen t und t + n

E t,t+n = Abwanderung zwischen t und t + n[99]

Fertilität bezeichnet hierbei die allgemeine Fruchtbarkeitsrate, auch als zusammengefasste Geburtenziffer bekannt. Die Fruchtbarkeitsrate wird aufgrund ihrer Initialen auf Englisch (total fertility level) als TFR bezeichnet. Die Fruchtbarkeitsrate wird auf folgende Weise berechnet: die Zahl aller Lebendgeborenen wird durch die mittlere Zahl aller Frauen im gebärfähigen Alter auf einer Zeit- und Raumeinheit bezogen dividiert und mit dem Faktor 1000 multipliziert.[100]

2.3.2 Historische Entwicklung

Wie in Kapitel 2.3.1 dargestellt, ist die Größe einer Bevölkerung vor allem von zwei Faktoren abhängig, Fertilität und Mortalität. Im Verlauf dieses Kapitels wird die Entwicklung dieser Faktoren in den letzten 100 Jahren, vor allem in Deutschland, dargestellt.

Der Rückgang der Geburtenraten ist kein Phänomen der letzten 30 bis 40 Jahre. Bereits um die Jahrhundertwende (1900) hatten die neuen Generationen weniger Kinder als ihre Eltern.[101] Abb. 2.4 zeigt die Entwicklung der letzten 100 Jahre in Deutschland. Hier ist deutlich zu sehen, dass das Bestandserhaltungsniveau, mit Ausnahme des „Babybooms“ in den Jahren zwischen 1955 und 1970, seit Ende des Ersten Weltkrieges nicht mehr erreicht wird. Das Geburtenniveau in Deutschland hat sich seit den 70 Jahren bei 1,4 Kindern pro Frau bzw. 1,4 TFR auf einem konstant niedrigen Stand gehalten und ist somit weit unterhalb des Niveaus von 2,1 TFR, welches notwendig wäre, um die vorherige Generation zahlenmäßig zu ersetzen.[102] Seit mehr als 30 Jahren sind nur ca. zwei Drittel der Kinder geboren, die zur Erhaltung der Bevölkerung notwendig wären. Anders ausgedrückt, schrumpft jede Generation um einen Drittel im Vergleich zu ihrer Elterngeneration.[103] Gegenwärtig liegt die Geburtenrate in Deutschland bei 1,4 TFR, immer noch unter dem Bestandserhaltungsniveau.[104] Für den Geburtenrückgang werden sozio-ökonomische Faktoren sowie gesellschaftliche Entwicklungen als bedeutsam angesehen. Diese wirken weiterhin in der Zukunft, so dass sich die prognostizierte Geburtenrate auch in den kommenden Jahren bei 1,4 Kindern pro Frau halten wird.[105] Im Zusammenhang mit dem Geburtenrückgang wird auch das Phänomen der Kinderlosigkeit thematisiert, die in Deutschland immer weitere Verbreitung findet. Gesprochen wird von einer neuen Welle der Kinderlosigkeit, die nicht von Krisen wie Kriege, Epidemien oder Hungersnöten geprägt wird, sondern auf einer überwiegend freiwilligen und individuellen Entscheidung beruht. Zwischen 20 bis 30% aller Frauen, die in den 60er Jahren in Westdeutschland geboren wurden, werden keine eigenen Kinder haben.[106]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Walla, Eggen, Lipinski (2006), S.35.

Abb.2.4: Durchschnittliche Kinderzahl je 100 Frauen in Deutschland (1890-2004)

Der zweite essentielle Faktor der demografischen Entwicklung ist die Mortalität. Wichtig für die Größe bzw. Entwicklung einer Bevölkerung ist, wie demografische Grundgleichung darstellt, hauptsächlich die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen eines Jahrgangs. In der Abb. 2.5 wird die Differenz aus Geburten und Sterbefällen dargestellt. Es ist deutlich zu sehen, dass die Differenz seit dem Jahr 1980 negativ ist, d.h., dass Deutschland sich seit ca. 30 Jahren in einem Schrumpfungsprozess befindet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (2009), S. 54.

Abb.2.5: Differenz zwischen Gestorbenen und Geborenen

Angetrieben durch die sinkende Geburtenrate und unterstützt durch den Anstieg der Lebenserwartung hat sich die Altersstruktur der Bevölkerung im Laufe der letzten 60 Jahren deutlich verändert, wie aus Tab. 2.1 zu entnehmen ist. Die Lebenserwartung in Deutschland ist seit dem 19. Jahrhundert kontinuierlich gestiegen. Konnte ein männlicher Neugeborene im Jahre 1901 durchschnittlich auf 44,82 jahrelanges Leben blicken, sind es im Jahr 2005 mittlerweile 76,89 Jahre und somit über 30 Jahre mehr.[107] Zu bedenken ist aber, dass die demografische Alterung vornehmlich durch den Rückgang der Geburtenraten und weniger durch Anstieg der Lebenserwartung bestimmt ist.[108] Waren in den 50er Jahren noch 30% der Bevölkerung unter 20 Jahren alt und 10% älter als 65 Jahre, wird es wahrscheinlich 100 Jahre später fast genau das Gegenteil sein. Wobei die Bevölkerung von einem Höchststand von 82,3 Mio. Menschen wieder auf einen Stand wie vor 100 Jahren zurück schrumpfen wird. In der Tab. 2.1 ist ebenso zu sehen, dass die Bevölkerung Deutschlands trotzt der Geburtenrückgänge wuchs. Dies liegt neben der gestiegenen Lebenserwartung an der ausgleichenden Wirkung der Zuwanderung nach Deutschland.[109]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt (2009), S. 42 und S. 61.

Tab.2.1: Bevölkerungsentwicklung in Deutschland 1950-2050

2.3.3 Herausforderungen und Folgen des demografischen Wandels

Wie bereits im letzten Kapitel beschrieben, ist die Lebenserwartung in den vergangenen Jahrzenten kontinuierlich gestiegen und wird auch in der Zukunft weiter steigen. Zusammen mit dem Rückgang der Geburtenrate führt uns diese Konstellation zu einer „alternden Gesellschaft“. Wie aus Tab. 2.1 zu entnehmen ist, werden im Jahr 2030 bereits 29% der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein. Dieser Anteil wird im Laufe der Jahre weiter zunehmen. Die demografische Entwicklung bzw. der demografische Wandel stellt auch die öffentlichen Verwaltungen vor neuen Aufgaben und Herausforderungen. Die Verwaltungsdienstleistungen müssen den Bedürfnissen der älteren Menschen angepasst werden, die möglicherweise mit einer eingeschränkten Mobilität zu kämpfen haben. Dazu kommt, dass öffentliche Verwaltungen in immer dünner bewohnten Gebieten die Wege finden müssen, ihre Verwaltungsdienstleistungen für den Steuerzahler wirtschaftlich zu erbringen.[110]

Die demografische Alterung wirkt sich auf alle Bereiche der öffentlichen Verwaltung bzw. des Staats aus. Betroffen sind das Bildungswesen, der Verkehrssektor, sowie das Gesundheits- und Pflegesystem.[111] Aus globaler Sicht bedeutet der demografische Wandel eine enorme wirtschaftliche Belastung für den Staat und die private Wirtschaft. Besonders das Gesundheits- und Sozialsystem leidet unter dem demografischen Wandel.[112] Die gesetzliche Rentenversicherung wird stark von der demografischen Alterung betroffen sein; Befürchtungen vor einem weiter wachsenden Beitragssatzanstieg bei gleichzeitig sinkenden Rentenleistungen sind stark und stellen die bisherige Akzeptanz des „Generationsvertrages“ in Frage.[113] Zwischen den Jahren 2015-2020 wird laut Langhoff eine Erhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters auf 70 Jahren wahrscheinlich, um die Finanzierung des Rentensystems zu gewährleisten.[114]

Der demografische Wandel übt ebenfalls einen starken Einfluss auf die private Wirtschaft aus. Zwischen den Jahren 2000 und 2040 ist mit einem Verlust von 40% des Erwerbspersonenpotentials zu rechnen. Dabei wird der Anteil der über 60-jährigen Erwerbspersonen um 250% bis 350% steigen.[115] Diese Prognose hat enorme finanzielle Folgen: Denn die Einnahmen des Staates werden bis zu 80% aus Steuern generiert, andere Quellen wie Gebühren oder Gewinne aus Finanzgeschäften spielen eine untergeordnete Rolle. Von dem demografischen Wandel sind personenbezogene Steuern besonders getroffen, vor allem wenn sie direkt am Arbeitseinkommen orientiert sind.[116]

2.3.4 Auswirkung auf das E-Government

Das E-Government zusammen mit den technologischen Entwicklungen wird die Beziehung zwischen den öffentlichen Verwaltungen und den Bürgen tiefgreifend verändern. Das Informations- und Serviceangebot für die Bürger kann seitens der öffentlichen Verwaltung durch die Nutzung des Internets erheblich verbessert werden.[117] Das E-Government bietet große Potenziale sowohl für die öffentliche Verwaltung als auch für den Bürger. Die Bürger, die die Vorteile des E-Government genießen sollen, bestehen zu 20% (2007) aus Menschen, die über 65 Jahre alt sind.[118] Wie im Unterkapitel 2.3.3 dargestellt wurde, wird sich der Anteil der Ü65 in Laufe der Jahre drastisch erhöhen. Problematisch ist, dass nach aktuellen Angaben des Forschungsunternehmens TNS nur 48,5% der zwischen 60 und 69-jährigen und nur 19% der über 70-jährigen das Internet nutzen.[119] Die Gründe hierfür sind vielfältig. Im Wesentlichen können aber folgende Gründe genannt werden: technische Fähigkeiten, allgemeine (negative) Einstellung zu IuK-Technologien, physischer Zugang (Erschwinglichkeit), keine seniorengerechte Angebote und Bewusstsein der Vorteile und Möglichkeiten von IuK-Technologien.[120]

Für die erfolgreiche Umsetzung des E-Government ist die öffentliche Verwaltung in der Pflicht, die notwendigen Maßnahmen durchzuführen, so dass die oben genannten Barriere dieser überwiegenden Gruppe unserer Gesellschaft zu überwinden. Die Bedürfnisse der älteren Personen müssen in der Planung und Umsetzung von E-Government Strategien berücksichtig werden. Eine notwendige Maßnahme ist zum Beispiel die Gestaltung von seniorengerechten E-Government-Angeboten.[121]

Aufgrund der hohen Anzahl an Offlinern unter der Ü65 und angesichts der Tatsache, dass die öffentliche Verwaltung verpflichtet ist, allen Bürgen alle Angebote zur Verfügung zu stellen, wird das E-Government die traditionellen Ämter nicht ersetzen können. Je mehr die öffentliche Verwaltung auf die Nutzung bzw. Angebot von Diensten über das E-Government setzt, desto größer ist die Verantwortung die Zugangangs- und Nutzungsbarrieren abzubauen.[122]

2.4 Digitale Kluft und E-Inclusion

Der Anteil der Onliner in der gesamten Bevölkerung Deutschlands ist hoch und liegt momentan bei 70%. Gleichzeitig bedeutet dies auch, dass 30% also 24,6 Mio. Bürger das Internet nicht nutzen.[123] In anderen Teilen der Gesellschaft ist der Anteil an Offliner sogar wesentlich höher, wie am Beispiel der Ü65 gezeigt wurde. Der ältere Teil der Gesellschaft ist aber nicht die einzige Bevölkerungsgruppe, die durch einen hohen Anteil an Offlinern gekennzeichnet ist. Insgesamt werden fünf Gruppen identifiziert.[124] Die Spaltung der Gesellschaft in Onliner und Offliner bzw. in Internetnutzer und nicht Internetnutzer ist als digitale Kluft bekannt. International wird dieses Phänomen als „Digital Divide“ bezeichnet.[125]

In folgendem Kapitel wird die genauere Definition des Begriffs digitale Kluft und dessen Bedeutung für das E-Government dargestellt. In diesem Zusammenfang werden auch die einzelnen Bevölkerungsgruppen, die von diesem Phänomen betroffen sind, identifiziert und die Bedeutung von E-Inclusion dargestellt.

2.4.1 Digitale Kluft als ein Problem des E-Government

Vergleichbar mit dem Begriff des E-Government, gibt es auch für den Begriff digitale Kluft keine einheitliche Definition in der Fachliteratur. Nicht einmal die Reichweite des Phänomens ist einheitlich. Digitale Kluft wird meistens im Zusammenhang mit dem Internet erwähnt, obwohl digitale Kluft im weiteren Sinne alle Formen der IuK-Technologien umschließt.[126] Das Phänomen der Ungleichheiten bezüglich des Zugangs und der Nutzung von IuK-Technologien wurde bereits in den 70er Jahren thematisiert. Der Begriff der digitalen Kluft gewann am Ende der 90er Jahre in den Vereinigten Staaten von Amerika an Bedeutung.[127]

Es wurden zahlreiche Ansätze und Modelle ausgearbeitet, um das Phänomen der digitalen Kluft zu definieren und zu erklären.[128] Grundsätzlich basieren die Definitionen auf den zentralen Komponenten der digitalen Kluft „Zugang“ und „Nutzung“. Somit lassen sich drei Kategorien von Definitionen ableiten: Definitionen, die nur den Zugangsaspekt betrachten; Definitionen, die nur den Nutzungsaspekt betrachten; und Definitionen, die beide Aspekte in Betracht ziehen.[129] Eine einseitige Sichtweite des Phänomens ist kritisch zu betrachten, da die Nutzung des Internets ohne Zugang nicht möglich ist. Außerdem kann die Nutzung des Internets allein durch den Zugang nicht impliziert werden.[130] Ein binäres Verständnismodell der digitalen Kluft unter Betrachtung einer Kernkomponente ist nicht aussagekräftig und rudimentär.[131] Wichtig ist auch eine Differenzierung der zentralen Komponenten „Zugang“ und „Nutzung“ zu betrachten. DiMaggio u. a. unterscheidet drei verschiedene Ebenen vom Zugang: die Möglichkeit, das Internet an irgendeinem Ort zu nutzen; die Nutzung eines Internetzugangs vom zu Hause; und die Nutzung eines Internetzugangs vom zu Hause mit einer schnellen Breitbandverbindung. Es wurde festgestellt, dass die Art des Zugangs bestimmte Auswirkungen auf die Art der Nutzung hat.[132] Die binäre Unterscheidung von Onliner und Offliner zieht zum Beispiel nicht in Betracht, dass es auch zwischen den Nutzern bzw. in der Nutzung erhebliche Unterschiede geben kann.[133] Becker u. a. unterscheiden im Hinblick auf E-Government fünf Stufen der Partizipation an der Informationsgesellschaft. Zu diesen Stufen gehören Nutzung des Internets allgemein, Nutzung des Internets für online-shopping, Nutzung des Internets, um Informationen von Verwaltungswebseiten zu erhalten; Nutzung des Internets, um online Transaktionen innerhalb der Verwaltung zu realisieren.[134] Die letzte Stufe ist das nicht-Nutzen des Internets.

In der vorliegenden Arbeit soll die digitale Kluft als folgendes Phänomen verstanden werden:

„[…] an emerging polarization phenomenon in society, creating a gap between those who have access to and use the potentialities of the information and communication technologies for their own achievements, and those who are not in a position to access or use these potentialities.” [135]

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass es sich bei der digitalen Kluft um ein mehrdimensionales Phänomen handelt, das nicht nur eine Kluft darstellt. Vielmehr beschreibt es verschiedene gesellschaftliche Segmentierungen (je nach vergleichenden Gruppen und je nach angelegter Definition von „Zugang“ und „Nutzen“), die sich entlang der zentralen Komponenten abzeichnen.[136]

2.4.2 E-Inclusion und die Zielgruppen des E-Inclusion

IuK-Technologien, einschließlich des Internets, spielen heutzutage eine Schlüsselrolle in unserem Alltag, im Arbeitsleben, im Bildungsbereich, bei den öffentlichen Diensten und zu Hause. Speziell in der öffentlichen Verwaltung sind IuK-Technologien zur Umsetzung von E-Government von hoher Bedeutung. Doch wie in dem letzten Kapitel dargestellt ist, nehmen in Deutschland 30% der Bevölkerung an dieser technischen Entwicklung nicht teil. Dabei ist dieser Anteil in bestimmten Bevölkerungsgruppen erschreckend groß. E-Inclusion bedeutet „digitale Integration“ und soll den diversen Gefahren einer „digitalen Ausgrenzung“ zuvorkommen, die aufgrund fehlender digitaler Kompetenz oder mangelndem Zugang zu den nötigen IuK-Technologien entstehen können.[137]

Hinter der Idee des E-Inclusion steckt vor allem der Gedanke jede Information, unabhängig vom verwendeten Medium, so zu gestalten, dass sie für alle zugänglich ist. Es soll damit Chancengleichheit gewährleistet werden. E-Inclusion verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele:

- Menschen mit Einschränkungen sollen nicht aus dem IT-Bereich ausgeschlossen werden.
- Bei Bevölkerungsgruppen, die kaum neue Technologien im Medienbereich nutzen, soll das Interesse geweckt, für die nötige Infrastruktur gesorgt und im Bedarfsfall spezielle Schnittstellen geschaffen werden.[138]

Die Studie „E-Inclusion – Digitale Integration durch E-Government“ von Becker u. a. in Anlehnung an die Ergebnisse der Ministerkonferenz in Riga am 11. Juni 2006 identifiziert folgende fünf Zielgruppen des E-Inclusion:

- ethnisch/kulturell Benachteiligte (Cultural E-Inclusion)
- physiologisch/mental Benachteiligte (E-Accessibility)
- sozio-ökonomisch Benachteiligte (E-Competences und E-Skills)
- demografisch Benachteiligte (E-Aging und E-Gender)
- geografisch Benachteiligte (Geographical Digital Divide)[139]

Die Gruppen sind nicht als disjunkte Mengen zu betrachten. Die Gruppen können sich unter Umständen schneiden, so dass eine Person einer oder mehreren Gruppen angehören kann.[140]

3 Forschungsmethode und Vorgehen

Wie bereits in der Einleitung dargestellt, ist das Hauptziel der vorliegenden Arbeit die E-Inclusion-Maßnahmen für ältere Menschen zu identifizieren und zu analysieren. Um das Ziel zu erreichen, wurde die Forschungsmethode angewendet, die im Rahmen des Vertiefungsmoduls E-Government des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik und Informationsmanagement im Sommersemester 2009 in der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster entwickelt wurde.[141] Diese Methode wurde aufgrund der sprachlichen Unterschiede zu den untersuchenden Ländern entsprechend angepasst.

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels wird das Vorgehen bei der Untersuchung der einzelnen Länder genau vorgestellt.

3.1 Überblick

Die Forschungsmethode zur Identifikation und Analyse von E-Inclusion-Maßnahmen für ältere Menschen in Bezug auf E-Government gliedert sich in zwei Phasen, die Identifikationsphase und die Analysephase. Abgesehen von den beiden Phasen besteht die Methode aus den drei Kernelementen: Länder, Städte und die Projekte. Die Beziehungen (Zusammenhänge) zwischen den Phasen und den Elementen untereinander werden in Abb. 3.1 dargestellt.

In erster Linie werden das Land bzw. die Länder ausgesucht, in denen die Methode durchgeführt werden soll. Wie in der Einleitung erläutert wurde, sind die untersuchen Länder der vorliegenden Arbeit Brasilien, Chile und Spanien. In zweiter Instanz werden die Städte ausgesucht, in denen nach Projekten geforscht wird. Die Städte werden anhand bestimmter Kriterien ausgesucht, die im weiteren Verlauf der Arbeit (Unterkapitel 3.2.1) erläutert werden. Die Projekte müssen nicht unbedingt in einer bestimmten Beziehung zu ausgewählten Städten stehen. Es kann sich mit dem gleichen Erfolg um nationale Projekte handeln. Neben der reinen Identifikationsphase werden das Land, die Städte und die Projekte auf spezielle Kriterien analysiert, auf die im Weiteren näher eingegangen wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Beckmann u. a. (2009).

Abb.3.1: Schematische Darstellung der Forschungsmethode

3.2 Identifikationsphase

3.2.1 Identifikation der Städte

Alle Städte eines Landes zu analysieren wäre sehr aufwändig und würde keinen nennenswerten Beitrag mit sich bringen. Die Wahrscheinlichkeit Projekte, außerhalb der gefilterten Städte zu finden, ist sehr gering. Grund hierfür sind die eingesetzten materiellen und nicht materiellen Kriterien. Gesucht wurden nach:

- die 20 bevölkerungsreichsten Städte
- die 20 Städte mit dem höchsten Anteil an Bewohner über 65 Jahren
- die 20 Städte mit dem höchsten Human Development Index (HDI)
- die 20 finanziell stärksten Städte.

Um die finanzielle Lage nachzuvollziehen, ist eine finanzielle Kennzahl je Stadt zu ermitteln. Da die Datenlage in den untersuchten Ländern unterschiedlich ist, mussten hierzu verschiedene Kennzahlen herangezogen werden, die jedoch alle aussagekräftigen Informationen über die finanzielle Lage einer Stadt geben konnten. Benützt wurden der Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Bewohner (Kopf) für Brasilien, Schulden pro Bewohner in Spanien und die verfügbaren Mittel pro Bewohner in Chile.

Der HDI wurde als Ergänzung zur finanziellen Kennzahl in die Forschungsmethode integriert, um den Lebensstandard einer Stadt abzubilden. Der HDI ist ein Instrument zur Messung von Entwicklung bzw. Entwicklungsstand eines Landes, der aber anders als der BIP nicht in erster Linie ökonomisch definiert wird, sondern mehr den menschlichen Aspekt im Vordergrund hat.[142] Der HDI umfasst also finanzielle und nicht finanzielle Kennzahlen, womit er den Entwicklungsstand eines Landes oder Stadt besser abbilden kann. Gebildet wird der HDI aus drei Dimensionen (siehe Abb. 3.2): Lebenserwartung, Bildungstand und verfügbare Ressourcen für einen ausreichenden Lebensstandard. Die drei Dimensionen werden selbst durch Kennzahlen definiert und zu entsprechenden Indices verdichtet. Im Fall des Bildungstands wird eine Kombination aus Alphabetisierung der Erwachsenen und der durchschnittlichen Anzahl der Schuljahre mit einer Gewichtung von 2:1 zu dem Bildungsgrad Index verdichtet. Aus den drei Indices wird der HDI berechnet, dabei fließen alle Indices mit gleicher Gewichtung in die Rechnung mit ein.[143]

Zusammengefasst ergibt der HDI für jedes Land einen Wert zwischen 0 und 1, wobei 0 eine Mangelsituation eines Landes bei der menschlichen Entwicklung darstellt. Das Human Development Report verwendet ein Systemen von drei Kategorein als Orientierungshilfen, um die Interpretation der Ergebnisse zu erleichtern, nämlich Länder mit einem hohen (>800), mittleren (0,500 – 0,799) und niedrigen (<0,500) Niveau der menschlichen Entwicklung.[144]

Der HDI-Wert konnte in Chile und Brasilien auf Stadtebene ermittelt werden, jedoch nicht in Spanien. In Spanien wird eine Statistik des HDI-Werts nur für Provinzen und autonome Gemeinschaften geführt, so dass auf die Filterung anhand des HDI-Werts in Spanien verzichten werden musste.[145]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. Vereinte Nationen (2007), S. 355.

Abb.3.2: Berechnung des HDI

Als allgemeine Suchkriterien für alle vorher erläuterten Kriterien gilt, dass nur die Städte ausgesucht werden, deren Einwohnerzahl die Grenze von 10.000 übersteigt. Die Tab. 3.1 dient als Vorlage für die systematische Erfassung der identifizierten Städte.

[...]


[1] Köhler (2009).

[2] Vgl. Statistisches Bundesamt (2006), S. 24.

[3] Castells (2002), S. 235.

[4] Vgl. Arnhold (2003), S. 9.

[5] Vgl. Becker u. a. (2008), S. 13.

[6] Vgl. Tuletz (2007), S. 5.

[7] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 1.

[8] Vgl. Stember (2005), S. 9.

[9] Vgl. Europäische Kommission (2006), S. 20ff.

[10] Vgl. Herwig (2001), S. 1.

[11] Reichard (1987), S. 16.

[12] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 4.

[13] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 4.

[14] Vgl. von Lucke (2003), S. 25.

[15] Vgl. Banner (1994), S. 350ff.

[16] Vgl. Hach (2007), S. 28.

[17] Vgl. von Lucke (2008), S. 26.

[18] Vgl. Daum (2002), S. 49.

[19] Vgl. Thome (2003), S. 4.

[20] Vgl. von Lucke (2008), S. 30.

[21] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 6.

[22] Vgl. Löffler (2003), S. 13.

[23] Vgl. Tuletz (2007), S. 12.

[24] Vgl. Schwiering (2005), S. 29f.

[25] Vgl. Tuletz (2007), S. 12.

[26] Vgl. Mehlich (2002), S.15f.

[27] Vgl. Mehlich (2002), S. 6.

[28] Vgl. Hach (2007), S. 29.

[29] Vgl. Schwiering (2005), S.45.

[30] Vgl. Tuletz (2007), S. 35.

[31] Vgl. Landsberg (2002), S. 100

[32] Anzutreffen sind auch abgekürzte Begriffsformen wie eGovernment oder eGov.

[33] Vgl. Van Deel (2007), S. 14.

[34] Vgl. Träger (2005), S. 15.

[35] Vgl. Tuletz (2007), S. 37.

[36] Vgl. von Lucke, Reinermann (2000), S. 1.

[37] Vgl. Gesellschaft für Informatik (2000), S. 3.

[38] Vgl. Schedler, Proeller (2009), S. 253.

[39] Vgl. Hagen (2001), S. 25.

[40] Vgl. Schwiering (2005), S. 50f.

[41] Schwiering (2005), S. 58.

[42] Hach (2007), S. 31.

[43] Vgl. Beck, Pundt, Stember, Strack (2007), S. 12.

[44] Vgl. Von Lucke, Reinermann (2000), S. 3.

[45] Vgl. Tuletz (2007), S. 38.

[46] Vgl. Mehlich (2002), S. 9.

[47] Vgl. Schwiering (2005), S. 55.

[48] Vgl. Schwiering (2005), S. 56.

[49] Vgl. Tuletz (2007), S. 39.

[50] Schuppan (2001), S. 4.

[51] Mit Leitbildern sind allgemein formulierte strategische Ziele gemeint, die der Orientierung dienen.

[52] Schröder (2001).

[53] Vgl. Hill (2002), S. 24.

[54] Vgl. Quandel, Tschichholz (2002), S. 6.

[55] Vgl. Schwiering (2005), S. 55.

[56] Vgl. Wind (2003), S. 15.

[57] Vgl. Schwiering (2005), S. 59.

[58] Vgl. Mehlich (2002), S. 12ff.

[59] Vgl. Wind (2003), S. 15.

[60] Vgl. Von Lucke, Reinermann (2000), S. 3.

[61] Von Lucke, Reinermann (2000), S. 3.

[62] Von Lucke, Reinermann (2000), S. 3.

[63] Vgl. Von Haldenwang (2002), S. IV.

[64] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 38.

[65] Vgl. Von Lucke, Reinermann (2000), S. 5.

[66] Vgl. Träger (2005), S.15.

[67] Vgl. Van Deel (2007), 19.

[68] Vgl. Meier (2009), S. 5.

[69] Vgl. Tuletz (2007), S. 19.

[70] Vgl. Mehlich (2002), S. 63f.

[71] Vgl. von Lucke (2003), S. 173.

[72] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 45.

[73] Vgl. Stember (2005), S. 27f.

[74] Vgl. Passade, Labusch (2005), S. 25.

[75] Stember (2005), S. 27.

[76] Vgl. von Lucke (2003), S. 186f.

[77] Vgl. Holznagel, Werthmann (2002), S. 73.

[78] Vgl. von Lucke (2003), S. 181.

[79] Vgl. Mehlich (2002), S. 194.

[80] Vgl. Kunstein (2005), 43.

[81] Vgl. Becker u. a. (2008b), S. 17.

[82] Vgl. TNS Infratest GmbH (2009), S. 11.

[83] Vgl. Becker u. a. (2008b), S. 12f.

[84] Vgl. TNS Infratest GmbH (2009), S. 14.

[85] Die Thematik der digitalen Kluft wird im Kapitel 2.4 ausführlich thematisiert.

[86] Vgl. Arnhold (2003), S. 9.

[87] Vgl. von Lucke (2003), S. 184f.

[88] Vgl. Schimany (2003), S. 13.

[89] Vgl. Happe (2010), S. 9.

[90] Vaupel, Kitowski, (2008), S. 42.

[91] Vgl. Adam (2009), S. 6.

[92] Vgl. Statistisches Bundesamt (2009), S. 42 und 61.

[93] Vgl. Kaufmann (2005), S. 44.

[94] Vgl. Micheel (2005), S. 44.

[95] Vgl. Schimany (2003), S. 15.

[96] Vgl. Schimany (2003), S. 16.

[97] Vgl. Langhoff (2009), S. 8f.

[98] Vgl. Adam (2009), S. 7.

[99] Bähr (2004), S. 151.

[100] Vgl. Dickmann (2005), S.16.

[101] Vgl. Walla, Eggen, Lipinski (2006), S. 35.

[102] Vgl. Vaupel, Kitowski, (2008), S. 43.

[103] Vgl. Kröhnert, Medicus, Klingholz (2007), S. 20.

[104] Vgl. Langhoff (2009), S. 8.

[105] Vgl. Adam (2009), S. 24.

[106] Vgl. Micheel (2005), S. 45.

[107] Vgl. Statistisches Bundesamt (2009), S. 58.

[108] Vgl. Langhoff (2009), S. 9.

[109] Vgl. Fasshauer (2005), S.70.

[110] Vgl. Becker u. a. (2008a), S. 1.

[111] Vgl. Adam (2009), S. 70.

[112] Vgl. Walla, Eggen, Lipinski (2006), S. 147ff.

[113] Vgl. Schimany (2003), S. 391.

[114] Vgl. Langhoff (2009), S. 30.

[115] Vgl. Lanhoff (2009), S. 28.

[116] Vgl. Brügelmann (2005), S. 229f.

[117] Vgl. Hill (2000), S. 6.

[118] Vgl. Statistisches Bundesamt (2009), S. 42.

[119] Vgl. TNS Infratest GmbH (2009), S. 14.

[120] Vgl. Zwiefka (2007). S. 66.

[121] Vgl. Becker u. a (2008b), S. 7.

[122] Vgl. Kraner (2004), S. 110.

[123] Vgl. Statistisches Bundesamt (2009), S. 34 und TNS Infratest GmbH (2009), S. 10.

[124] Vgl. Becker u.a. (2008b), S. 13.

[125] Vgl. Schäfer, Lojewski (2007), S. 102f.

[126] Vgl. van Dijk (2009), S. 288.

[127] Vgl. Zillien (2009), S. 82f.

[128] Vgl. Zilien (2009), S.92.

[129] Vgl. Arnhold (2003), S. 16f.

[130] Vgl. Zwiefka (2007), S. 68.

[131] Vgl. Zillien (2009), S. 94.

[132] Vgl. DiMaggio (2004), S. 11f.

[133] Vgl. Zillien (2009), S. 93.

[134] Vgl. Becker u.a. (2008c), S. 3.

[135] O. V. (2004), S. 11.

[136] Vgl. Arnold (2003), S.18.

[137] Vgl. o. V. (2006a), S. 1.

[138] Vgl. Europäische Kommission (2005), S. 2ff.

[139] Vgl. Becker u. a. (2008), S. 13.

[140] Vgl. Becker u. a. (2008), S. 19f.

[141] Vgl. Beckmann u. a. (2009).

[142] Vgl. Klingebiel (1992), S. 4.

[143] Vgl. Vereinte Nationen (2007), S. 355.

[144] Vgl. Klingebiel (1992), S. 11.

[145] Auskunft erteilt durch Instituto Nacional de Estadística.

Ende der Leseprobe aus 163 Seiten

Details

Titel
Regierungsinitiativen für eine inklusive Informationsgesellschaft. Internationale Best Practices zur Überbrückung der digitalen Kluft
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Wirtschaftsinformatik)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
163
Katalognummer
V154891
ISBN (eBook)
9783668795853
ISBN (Buch)
9783668795860
Sprache
Deutsch
Schlagworte
regierungsinitiativen, informationsgesellschaft, internationale, best, practices, überbrückung, kluft
Arbeit zitieren
Marco Castillo (Autor), 2009, Regierungsinitiativen für eine inklusive Informationsgesellschaft. Internationale Best Practices zur Überbrückung der digitalen Kluft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154891

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