Psychologische Reaktanz

Der „Romeo- und Julia-Effekt“ in der griechischen Mythologie


Hausarbeit (Hauptseminar), 2008

24 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Psychologie und Mythologie
2.1. Definition von Mythologie
2.2. Psychologische Themen beruhend auf der griechischen Mythologie

3. Shakespeares Romeo und Julia

4. Theorie
4.1. Definition von Reaktanz
4.2. Stärke der Reaktanz
4.3. Manifestation von Reaktanz
4.4. Der „Romeo- und Julia-Effekt“

5. Antike Mythologische Themen
5.1. Pyramus und Thisbe
5.1.1. Ovids Metamorphosen
5.1.2. Effekt - Bezug
5.2. Psyche und Amor
5.2.1. Apuleius Lucius Metamorphosen
5.2.2. Effekt - Bezug

6. Diskussion

7. Literaturverzeichnis

Zusammenfassung:

Ereignisse und Situationen die wir nicht kontrollieren können, erfordern oft psychologische Reaktanz. Damit ist ein motivationaler Zustand gemeint, mit dem wir versuchen, die verlorengegangene Freiheit wieder herzustellen.

Durch die Einschränkung der Freiheit entsteht ein Zustand der Reaktanz, in welchem eine Person die nunmehr verbotenen Tätigkeiten weiterhin ausführen möchte.

Dabei hängt die Stärke der Reaktanz von mehreren Faktoren ab. Sie ähnelt dem kindlichen Trotzverhalten und findet sich im Alltag häufig wieder.

Verbotene Dinge erscheinen interessant. Darunter fallen auch Liebesbeziehungen zwischen zwei Menschen, deren Liebe unterbunden wird. Werden der Liebe von außen Hindernisse auferlegt, so bindet es die Liebenden stärker aneinander. Dieser Effekt ist nach William Shakespeares wohl berühmtestem literarischem Liebespaar benannt: der „Romeo und Julia - Effekt“. Doch dieser Effekt ist schon in früheren Werken verarbeitet worden.

Bereits in der mythischen Welt des Altertums lassen sich verbotene Liebesbeziehungen, wie die von Romeo und Julia finden. Dabei weist vor allem die griechische Mythologie interessante, charakteristische Merkmale auf. Die griechischen Götter ähneln den Menschen in Gestalt und Charakter. Ihre Geschichten sollten ein göttliches Abbild des menschlichen Verhaltens zeigen.

In der Psychologie sind deshalb viele Theorien zu finden, die eine Vielzahl struktureller Gemeinsamkeiten mit mythischen Erzählungen aufweisen und damit interessant für unser Verständnis der Lehren der Antike sein können.

Die Psychologie der Antike ist die Verarbeitung der mythologischen Themen. Reaktantes Verhalten wurde hier bereits thematisiert.

Der folgende Text beschäftigt sich mit zwei Mythen der Antike, in denen reaktantes Verhalten, im Sinne des „Romeo und Julia - Effekt“, zum tragenden Element wird.

Schlüsselwörter:

Reaktantes Verhalten - „Romeo und Julia - Effekt“ - griechische Mythologie - Verbotene Beziehung - Freiheit

1. Einleitung

Das Grundverständnis von Reaktanz beruht darauf, dass eine Person in ihrem Verhalten eingeschränkt wird, sodass ihre erlebte Freiheit sich verringert oder gar aufgehoben wird. Der Begriff wurde 1966 von dem Psychologen Jack W. Brehm eingeführt und kann im Alltag in unterschiedlichen Formen gefunden werden. Grundsätzlich besagt seine Theorie, dass Verbotenes plötzlich interessant wird. Dies kann auch geschehen, wenn man zwischenmenschliche Beziehungen verbietet.

Im Folgenden wird nun genauer betrachtet, wie und warum es zu einer Intensivierung der Gefühle in einer Liebesbeziehung kommen kann, wenn diese Beziehung verboten wird. Dieses Auftreten von reaktantem Verhalten ist unter dem Begriff „Romeo und Julia - Effekt“ bekannt.

Interessanterweise liefert der Zustand des Verliebtseins, der durch äußere Einflüsse unterdrückt wird, in allen Epochen Stoff für Erzählungen und Legenden, welche die Zeit überdauerten. Dazu zählen Werke wie die Ilias und die Odyssee Homers oder auch Märchen der Gebrüder Grimm. Ebenfalls wurde vieles in der modernen Literatur wieder aufgegriffen.

Die Geschichte von Pyramus und Thisbe (entstanden ca. 1 - 3 n. Chr.) in den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid, ähnelt Shakespeares Romeo und Julia von 1594/96. In den 50er Jahren des 19ten Jahrhunderts lieferte diese Geschichte den Stoff für das Musical „West - Side Story“. Die Beziehung zwischen Amor und Psyche die in Apuleius Metamorphosen geschildert wird, findet sich in vielen bildlichen Darstellungen verarbeitet. Denn so alt und manchmal auch fremd die Geschichten erscheinen mögen, trifft man sie auch heute noch an, zum Beispiel in Filmen, Büchern und in Zeitschriften.

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Kann die griechische Mythologie Beispiele für den Umgang mit der Reaktanz, die durch eine unterdrückte Liebe ausgelöst wird, geben? „Wir gegen den Rest der Welt“ ist nichts Neues. Wieso hat verbotene Liebe einen solchen Reiz? Aus Mythen und Märchen kann man generell eine Menge über die Liebe lernen. Hier spiegeln sich Grundmuster wieder, die so auch heute noch bestehen. So findet sich auch in vielen Geschichten der „Romeo und Julia Effekt“. In dieser Arbeit soll das Verhalten und Erleben der verliebten und liebenden Menschen herausgestellt werden und die Reaktionen ihrer Umgebung darauf.

Ziel dieser Arbeit ist es zu zeigen, wie im antiken Griechenland mit diesem Phänomen umgegangen wurde, wie es in der Mythologie verarbeitet wurde, in einem der größten Werke Shakespeares wieder auftauchte und sich heute das reaktante Verhalten in Bereichen wie Werbe- und Marktpsychologie, Kaufverhalten und der Kindererziehung als nutzbarer psychologischer Effekt wiederfindet.

2. Psychologie und Mythologie

Bevor die Theorie der psychologischen Reaktanz genauer betrachtet wird, soll kurz eine Einführung in die Mythologie, die Besonderheit der griechischen Mythen, sowie der Zusammenhang zwischen Psychologie und Mythologie dargestellt werden. Dabei wird zunächst darauf eingegangen, wie griechische Mythen in die Theorien der Psychologie einfließen.

Im darauffolgenden Theorieteil wird dagegen herausgestellt werden, welche Gemeinsamkeiten mythologische Themen mit psychologischen Themen, speziell der Theorie der psychologischen Reaktanz, aufweisen.

2.1. Definition und Entstehung von Mythologie

Der Begriff Mythologie beschreibt die Gesamtheit der überlieferten Mythen einer bestimmten Kultur, sowie deren wissenschaftliche Erforschung. Der Mythos ist eine Erzählung mit einem religiösen und weltanschaulichen Inhalt, die den Ursprung der grundlegenden Umstände und Voraussetzungen einer Kultur beschreiben soll.

„Der Mythos dient als Aufarbeitung menschlicher Urängste und - hoffnungen. In dieser Funktion hat er nach dem Urteil von Psychologen und Philologen einen unaufholbaren Vorsprung gegenüber Begriffssystemen. Mythen können als bildhafte Weltauslegungen und Lebensdeutungen in Erzählform allgemeine Wahrheiten enthalten.“ (www.wikipedia.de)

Die griechische Mythologie weist einige Besonderheiten in ihrer Entstehung auf. Sie entstand aus einer Vermischung von Glaubensvorstellungen, einer vorgriechischen Bevölkerung und verschiedenen, eingewanderten nördlichen Volksreligionen, sowie der minoischen Kultur der Kreter. Letztere waren der Meinung, dass alle Dinge beseelt seien und bestimmte Gegenstände über besondere magische Kräfte verfügen. (vgl. Grant, M. & Hazel, J. (1994)).

Diese Vorstellungen führten zu einer Reihe von Geschichten, die Gegenstände, Tiere und Götter in Menschengestalt thematisierten. Einiges davon ging in die klassische griechische Mythologie ein.

In Griechenland entstanden Stadtstaaten und es bildete sich die sogenannte homerische Religion heraus, in welcher die Götter in menschlicher Gestalt erschienen, auf dem Berg Olymp wohnten und eine hierarchische Gesellschaft bildeten. Die zwölf Hauptgötter, auch als „Olympier“ bezeichnet, waren Zeus, Hera, Hephaistos, Athene, Apollon, Artemis, Ares, Aphrodite, Hestia, Hermes, Demeter und Poseidon. (vgl. Rose, H.J. (1978))

Mythen entstanden also aus dem menschlichen Bedürfnis heraus, täglich erlebte, unerklärliche oder auch erklärliche Phänomene zu deuten, um so eine logische Erklärung für sie zu finden. Man begann, Vieles überirdischen Gewalten zuzuschreiben, die in Gestalt von Göttern auftraten. Weil die Götter der Griechen nicht nur mit dem Aussehen, sondern auch mit den Schwächen der Menschen ausgestattet waren, berichten zahlreiche Mythen von Verfehlungen und Verbrechen der Götter.

Die Menschen im alten Griechenland glaubten also an personale Götter. Wenn beispielsweise auf dem Meer Stürme tobten, so war dies das Wirken des Meeresgottes Poseidon. Die Mythologien waren ständigen Wandlungen unterzogen, dennoch blieben Charakteristika der griechischen Götter und ihre Mythen im Wesentlichen erhalten.

2.2. Psychologische Themen beruhend auf der griechischen Mythologie

In der (Tiefen) - Psychologie lassen sich immer wieder Beispiele mythologischer Themen finden.

Selbst das Wort „Psychologie“ geht auf die alten Griechen zurück. Es stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet „Seelenkunde“ von "psyche" und "logos". (www.bdp-verband.org).

Damit weist der Begriff selbst schon auf die lange Geschichte des psychologischen Denkens der Menschheit hin. In der Frühzeit glaubte man an die Verbundenheit der Seele des Menschen mit Gott. Die Seele diente dem Erhalt sowohl geistiger als auch körperlicher Existenz.

Ein Beispiel des Einflusses von mythologischen Überlieferungen in der Psychologie bietet die Triebtheorie von Sigmund Freud (1856 - 1939) und dem dort genannten Ödipuskomplex. Dieser geht davon aus, dass im Laufe seiner Entwicklung der Sohn eine „ödipale Phase“ durchläuft, in der er seine Mutter begehrt und mit dem Vater rivalisiert. Grundlage der Theorie ist die dramatische Figur des „Ödipus“ aus der überlieferten Tragödie des Sophokles (496 - 406 v. Chr.).

Ödipus hatte unwissentlich seinen eigenen Vater, den König von Theben getötet. Er löste das Rätsel der Sphinx und erhielt als Belohnung seine eigene Mutter zur Ehefrau. Als ihm dies klar wurde, stach er sich die Augen aus. „Sigmund Freud greift die Figur des Ödipus auf, um mit ihm eine Beobachtung zu beschreiben, die er im Laufe seiner psychoanalytischen Therapietätigkeit bei seinen Patienten machte.“ (www. wikipedia.de)

Der Schweizer Psychologe Carl Gustav Jung (1875 - 1961) entwickelte aus der Untersuchung einer Vielzahl von Mythen seine Theorie des „kollektiven Unbewussten“.

In seiner Theorie gilt der Traum als der wichtigste Wegweiser zum Unbewussten. Hier findet die Begegnung mit den Archetypen statt, die durch die Traumbilder zu uns sprechen. Diese Archetypen oder Urbilder, beispielsweise Begegnung mit dem Tod oder anderen Ereignissen, machen das kollektive Unbewusstsein aus und offenbaren sich nicht nur in Phantasien, im Religiösen und in Mythen.

Jung und Freud gehen davon aus, dass sich im Traum die Triebkräfte des Unbewussten zeigen. Dieser weist eine Vielzahl struktureller Gemeinsamkeiten mit mythischen Erzählungen auf.

Heute beschreibt man den Mythos als „erzählerische Aufarbeitung menschlicher Urängste und - hoffnungen“ (www.wikipedia.de).

3. Shakespeares Romeo und Julia

William Shakespeares (1564 - 1616) Werk „Romeo und Julia“ entstand zwischen 1595 und 1596 als Trauerspiel in 5 Akten. Die Quelle Shakespeares für dieses, war ein Gedicht von Arthur Brooke, „Die tragische Geschichte von Romeo und Julia", dessen Stoff den italienischen Novellen des Luigi da Porto und Bandello entnommen war, die ihrerseits wieder auf älteren Novellisten aufgebaut hatten (vgl. Shakespeare, W. in D. Klose (1999)).

[...]

Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Psychologische Reaktanz
Untertitel
Der „Romeo- und Julia-Effekt“ in der griechischen Mythologie
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Sozialpsychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
24
Katalognummer
V154894
ISBN (eBook)
9783640676262
ISBN (Buch)
9783640676293
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychologische, Reaktanz, Mythologie
Arbeit zitieren
Sandra Niedermeier (Autor:in), 2008, Psychologische Reaktanz , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/154894

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Psychologische Reaktanz



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden